Das untergegangene Oktoberfest

10.2.2021. Nach den Olympischen Spielen 1972 kamen immer mehr Besucher zum beliebten Münchner Oktoberfest. Bis nach Australien sprach es sich herum. Als Ende 1989 die streng abgesperrte Berliner Mauer sich weit öffnete, brach der angeschlossene politische Ostblock auch zusammen. Dann wurde es noch enger auf der Wiesn. Viele blieben auch gleich in der Stadt. In den Arbeiterbezirken hört man seitdem viel Sächsisch und Thüringisch. Außer den Dialekten gab es dabei genug Gesprächsstoff über die Vergangenheit. Die Lebensläufe waren völlig unterschiedlich, auch in der Bewertung.

Bis vor einem Jahr steigerten sich die Besucherzahlen auf dem größten Volksfest der Welt so sehr, dass viele Münchner dort gar nicht mehr hingingen. Auch die Preise schossen in die Höhe. Die traditionelle Blasmusik wurde von internationalen Schlagern verdrängt. Dafür gab es mehr Platz in der historischen Altstadt. Aber auch dort verschwanden immer mehr gemütliche Traditionslokale. Neue, gleich aussehende Bistros glichen sich immer mehr, auch die Stammgäste. Zum Reden fuhr man lieber in das Umland. Aber trotzdem wurde es immer voller, auch mit Modeberufen und Hoffnungen auf große Karrieren, bis alle dafür angebotenen Plätze überbesetzt waren. Aus der abgelegenen Provinz und aus allen Kontinenten strömten trotzdem immer neue Menschenmassen nach. Aber dann gab es einen Paukenschlag.

Im letzten Herbst fiel auf einmal das ganze Oktoberfest aus. Viele trauerten dem schon nicht mehr hinterher. Aber schon vorher schlossen die großen Biergärten, die Freizeitlokale für die langen Abende. Und noch viel mehr.

Kommt das Alles zurück? Nein, nicht mehr so wie bisher. Zeit und Platz gab es genug, um Bilanz zu ziehen. Und dann summierten sich die Faktoren. Geldverschwendung. Langeweile. Zeitverschwendung mit immer mehr elektronischem Spielzeug, das für primitive Bösartigkeiten genutzt wurde, aber immer noch eine gewaltige Kraftquelle ist für die Aufgaben der Zukunft. Alle warten auch darauf, aber nur Wenige können sich etwas darunter vorstellen.

Denn die Schäden sind größer als bei den zerstörten Städten im letzten Weltkrieg, bis 1945. Das geht jetzt tief unter die Oberfläche, die Viele gar nicht erkennen und für eine erfundene Phantasievorstellung halten. So war der Lebensstil schon seit einigen Jahren. Urlaub. Kleidung. Geld ausgeben oder anderen Leuten wegnehmen. Reisen. Das Alles wurde sogar immer preiswerter, wegen der weltweiten Konkurrenz. Auch da ist Stillstand eingekehrt. Was bleibt dann noch?

Von der alten Welt nicht viel. Tränen vergießen hilft dagegen nicht. Es ist sogar eine gute Sache, wenn schlechte Gewohnheiten verschwinden. Die falschen Freunde. Die immer unverschämteren Freizeit-Belästiger. Trotzdem gibt es noch neue Groß-Betrügereien wie „OpenLux“ im winzigen Kleinstaat Luxemburg, bei denen von gewissenlosen Spezialisten viele Milliarden abgesahnt wurden, während es bei der Mehrheit sogar mit dem Freizeitvergnügen immer teurer wurde. Also müssen neue Ideen her. Wenn es nur genug Interessenten dafür gäbe, denn sie sind verbunden mit Nachdenken und Arbeiten. Die ganze Weltordnung funktioniert sonst nicht. Das große Fundament wird immer wackeliger. Vorher wurde zu viel gelacht. Das ist eigentlich gesund, aber nicht, wenn es übertrieben wird. Es wurde auch zu viel gelogen, auf Kosten anderer. Oder politische und finanzielle Macht landete bei einer ungeeigneten Minderheit.

Um das immer genauer zu erkennen, braucht man keine Kommentatoren, die nur ihre alten Sprüche wiederholen. Die Fakten sind offen erkennbar. Daraus lassen sich Rezepte entwickeln, aber die alten schmecken nicht mehr. Einige gibt es schon lange, auch hier. Aber kochen müssen das viele Andere.

Die Säulen der universalen Weltordnung sind bekannt. Wer sie nicht beachtet, sorgt für Unruhe und Spannungen. Also gibt es etwas Stärkeres. Die Vorteile. Ein Einzelner hat nur begrenzt etwas davon, aber viele Unterstützer. Weil es bequem ist. Doch auch kurzsichtig. Deshalb dauerte der Dreißigjähre Krieg in ganz Europa von 1618 bis 1648 so lange. Jeder wartete darauf, dass der Andere nachgibt. Aber das geschah erst, als die meisten Städte zerstört waren, auch die Bauernhöfe mit den Lebensmitteln und viele Soldaten gar nicht mehr da waren. Dann trafen sich die Politiker und schlossen einen stabilen Friedensvertrag. So viel Zeit ist jetzt nicht mehr, weil die Welt zu schnell geworden ist. Die wichtigsten Köpfe aber nicht. Was dabei herauskommt, wird man bald sehen.

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