Der Graf von Monte Christo

6.3.2021. Alte Filmklassiker wieder zu sehen, kann eine Überraschung sein. Entweder ist Alles überholt, die Themen und die Herstellung. Oder man bekommt ganz neue Einblicke. „Der Graf von Monte Christo“ spukte schon in der Kinderzeit durch das Fernsehen, immer wieder und wurde als spannend angesehen. Auch Jahre später. Nach zwanzigjähriger Pause war es jetzt wieder einmal so weit. Und das Wichtigste passte: Eine historische Ausstattung, wie im Buch, ruhige Bildschnitte und eine fesselnde Handlung. Der Stoff wurde immer wieder verflmt, ein Publikumserfolg, aber der erste Eindruck blieb der beste: Jean Marais 1954 in der Titelrolle, Regie Robert Vernais. Die Farben sind stark verblasst, aber das kann eine Digitalisierung restaurieren.

Am besten sind die Dialoge. Kurz vor seiner Verlobung wird Edmont Dantés (Jean Marais) mit einem anonymen Brief denunziert, er wäre Anhänger des gerade gestürzten Napoleon. Der Staaatsanwalt des Königs sieht das als Hochverrat. Aber ohne Anklage wird Dantés eingesperrt, erfährt nichts über die Gründe. Sein Zellen-Nachbar stirbt, erzählt ihm aber vorher von einem großen Schatz auf der Insel Monte Christo. Dantés kann fliehen und findet den Schatz. Als reicher Mann kehrt er unerkannt nach Paris zurück. Alle reißen sich um seine Gunst und ezählen ihm, was er wissen will. So kann er die ganze Verschwörung aufdecken, erfährt die schmutzigen Geheimnisse der Verräter und treibt sie ins Unglück.

Der Hauptschuldige, der Staatsanwalt, hat Verbrechen begangen, für die es Zeugen gibt. Mitten in einer Gerichtsverhandlung tauchen sie auf und packen aus. Damit endet der zweiteilige Film, aber er zeigt mehr: Keine körperliche Gewalt, aber die Kraft der Logik. Die Beteiligten werden bestochen oder hereingelegt, aber man hat kein Mitleid mit ihnen. Solche Abläufe sind Thema vieler Krimis, es gibt das Schema schon in der Steinzeit. Viele reißerische Bücher und Verfilmungen handeln davon, mit lauten Knalleffekte, aber die fehlen hier ganz. Das Faszinierende ist der Aufbau eine Gedankengebäudes, das zunächst unsichtbar bleibt und ein Geheimnis bleiben soll. Die Mitwirkung von angesehenen Personen der vornehmen Gesellschaft. Eiin Spitzenjurist des Königs als Anführer einer Bande. Querverbindungen zu kriminellen Einzelgängern. Ein engmaschiges Spinnennetz, von außen gar nicht erkennbar. Und dann die Lösung des dicken Knotens. Nicht alle Details werden bekannt, aber das ist auch unwichtig. Die Hauptsachen liegen plötzlich im hellen Sonnnenlicht, nachprüfbar und nicht zu widerlegen,

Das ist der besondere Reiz dieses Films. Klare Bilder ohne Nacht und Nebel. Gespräche, die nur ein Ziel haben, aber viele Seitentüren weit öffnen. Dabei tauchen die inneren Antriebskräfte auf, die verborgene Maschinerie und ihre versteckten Ingenieure. Die Projektplanung und Durchführung der schädlichen Tüfteleien sind perfekt. Aber sie scheitern, weil die falschen Regeln angewendet werden: Betrug. Hinterlist. Lügen. Eine hohe kriminelle Energie. Das beschädigt das Fundament der Weltordnung und auch von jedem anderen Gebäude. Die Statik, die Standfestigkeit ist unsicher, es kann jederzeit zusammenbrechen. Gebäude sind nicht nur Bauwerke, sondern der Aufbau, die Organisation, der Geschäftserfolg aller Firmen. Auch die Stabilität von Privatverbindungen und die Funktionsfähigkeit eines Staates. Zur Zeit erleben die Politiker ihre große Bewährungsprobe. Dabei sind schon viele Fehler passiert, aber die Gesichter bleiben die gleichen. Darum dauern die Krisen so lange. Die Ausreden sind unglaubwürdig, wenn es Alternativen gibt. Nächtelange Verbote im Freien haben wenig Sinn, solange draußen Frost herrscht, alle Lokale und die meisten Läden geschlossen sind. Wer setzt sich dann nachts auf eine Bank, um im nächsten Park ein Fest zu feiern? Trotzdem gab es eine nächtliche Ausgangssperre, mit viel Überwachung und hohen Geldstrafen. Jetzt öffnen einige Betriebe wieder. Das ist auch dringend, damit nicht nur ständig neue finanzielle Verluste entstehen. Aber wo sind die Grenzen, mit welcher Begründung? Da bleibt Vieles unklar oder pauschal. Und die Bandbreite der restlichen Themen, der offenen Fragen ist noch viel größer, bei denen Schaden entsteht. Wer das beurteilt, hat nicht immer Ahnung von der Materie, redet aber trotzdem. Es gibt viele Hoffnungszeichen für die Zukunft. Aber wie die ausschaut, wird man erst später beurteilen. Das Schlimmste wäre ein Weitermachen wie bisher, mit allen Fehlentscheidungen und zum Teil absichtlichen Versäumnissen.

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