Der Herbst der Indianer

16.12.2020. Das Bild oben habe ich vor vielen Jahren auf einem Trödelmarkt gekauft. Es zeigt einen jungen Indianer, der aufmerksam in einen Teich schaut, in dem man das grenzenlose Universum und den funkelnden Sternenhimmel sieht. Neben ihm liegen Krüge, in denen man Heilkräuter zerstampfen kann. Und andere starke Kräuter. Er streut sie wie Samenkörner in den Teich, kleine oder größere Kugeln, wie neue Planeten Dahinter ragen die Zacken eines großen Gebirges. Und ein verdämmernder Abendhimmel. Das Bild wurde mit grellen, aber hier gedämpften Acrylfarben gemalt, die im Licht einer Lampe besonders heftig wirken.

Die Deutung ist einfach. In Kanada welken im Herbst riesige Wälder und zeigen dabei flammende, ganz unterschiedliche Farben. Das nennt man dort „Indian Summer“. Den Sommer der Indianer. Aber auch ihr Herbst. Denn die Ur-Einwohner haben ihre politische Macht und ihre alten Zaubersprüche längst an die weißen Einwandere abgegeben, die jetzt das ganze Land regieren. Aber sie haben diese Kraft nicht verloren. Und das zeigt dieses Bild. Der verdämmernde Abendhimmel ist ganz oben. Im kleinen Teich ist eine Tür zum Universum, das alle bekannten Sternensysteme umfasst. Ihre Deutung war im ägyptischen Reich der Pharaonen, im antiken Reich der Griechen Aufgabe der Magier und in die Zukunft schauenden Propheten. Von solchen mächtigen Zeichen durchdrungen sind die zehn Hauptwerke Richard Wagners. Die Ziffer Zehn ist auch das Zeichen des Dekalogs, der Gespräche mit Gott über seine Weltordnung und die Zehn Gebote. Wer sie nicht beachtet, wird bestraft, nicht unbedingt von der Justiz, sondern von der universalen Energie des Schöpfers aller Welten.

Es gibt ein gar nicht so sehr bekanntes Stück, das von Höllen-Visionen durchdrungen ist. Darin treten auf: Der Kaiser von Deutschland, der Papst, dann Luzifer, Beelzebub und Mephistopheles, die engsten Mitarbeiter des Satans. Und die Sieben Todsünden. Das ist ein Werk von Christopher Marlowe, „Die Tragödie von Doktor Faust“. Goethe hat den gleichen Stoff bearbeitet, auf seine Weise. Faust schließt einen Vertrag mit dem Teufel. Damit kann er das Leben genießen. Aber danach ist er Eigentum Satans. Zwei Besucher hören nachts schreckliche Schreie. Dann finden sie den toten Faust, von der Hölle in Stücke gerissen.

Marlowe wurde, auch wegen anderer Vorfälle, vom Erzbischof von Canterbury ein Prozess angehängt, wegen Gotteslästerung, Atheismus und Ketzerei, Das hätte die sichere Todesstrafe bedeutet. Kurz vorher täuschte er seinen eigenen Tod vor und verschwand aus England. Dort schrieb er weiter, unter dem weltbekannte Pseudonym William Shakespeare.

Der Missbrauch, die Übergriffe der kirchlichen Macht, für eigene schwere Verbrechen oder der Missbrauch durch Verbrecher. ist das Thema von „Suor Angelica“, dem vorletzten Werk von Giacomo Puccini. Schwester Angelika wird wegen eines unehelichen Kinds von ihren habgierigen Verwandten ins Kloster gesteckt. Dort wird sie, erst nach sieben Jahren, von einer bösen Tante besucht. Sie soll ein Testament unterschreiben, zu Gunsten der Diebe. Danach vergiftet sie sich. Die Musik von Puccini ist außerordentlich eindringlich. Im Opernhaus von Palermo singt das Amarilli Nizza so bewegend, das sie noch beim Schlussapplaus überwältigt ist und man meint, dass sie vor dem begeistert applaudierenden Publikum weint.

Amarilli Nizza, in der Titelrolle von Puccinis „Suor Angelica“ (Schwester Angelika), im Teatro Massimo, Palermo, (60 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=n-lFKBrtitI

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