Der Londoner Tempel

31.1.21. Ein spannender Bereich in London beginnt an der U-Bahn-Station „Temple“. Im Café an der Haltestelle sitzen Herren im schwarzen Anzug. Juristen, die gleich in der Nähe arbeiten. Dann folgt ein schräger Hang aufwärts, mit kleinen alten Häusern. Das war einmal das Zentrum der englischen Tempelritter, bis zu ihrer Vertreibung. Dann zogen dort sofort Rechtsanwälte ein. Mittendrin ist die alte Templerkirche. Dahinter liegen die „Royal Courts of Justice“, das berühmte englische, königliche Gericht „Old Bailey“, das in vielen Krimis eine Rolle spielt, von Agatha Christie bis Alfred Hitchcock. Es sieht aus wie ein weißer Zuckerbäcker-Palast, mit vielen Türmen und Erkern. Gleich nebenan ist die Fleet Street, wo die großen Londoner Zeitungen zu ihren besten Zeiten die fettesten Schlagzeilen druckten.

Hier wurden also viele Urteile gesprochen und nebenan die Kommentare dazu geschrieben. Aber die besten Zeiten sind vorbei. Die Welt ist überlastet von Informationen und hört nur noch hin, wenn es wirklich um eine Sensation geht, für ein paar Tage.

Wo sind die alten Tempelritter geblieben? Am Freitag, dem 13. Oktober 1307 wurden sie in ganz Frankreich verhaftet und dann im übrigen Europa verfolgt. Wer rechtzeitig fliehen konnte, überlebte. Spuren gibt es bis nach Irland und Schottland. Aber die erhoffte Beute, der wertvolle Templerschatz in Paris, verschwand spurlos und wurde bis heute nicht gefunden. Was war da los? Die Templer hatten in Jerusalem den unterirdischen Bereich des Felsendoms untersucht und angeblich dort religiöse Heiligtümer gefunden. Die Bundeslade und den Gralskelch. Sie bekamen viele Spenden von Gläubigen, verliehen Geld und wurden reich dabei. Als der französische König „Philipp der Schöne“ einmal vor Feinden aus seinem Stadtschloss Louvre floh, nahmen ihn die gegenüber residierenden Templer auf und zeigten ihm, unvorsichtigerweise ihren geheimen Schatz. Damit sprachen sie ihr eigenes Todesurteil.

Danach war das Ziel des Königs nur noch ihr Schatz. Juristische Beschuldigungen wurden erfunden oder zurechtgebogen. Der Papst war auch einverstanden. Dann wurden sie in einer einzigen Nacht verhaftet und dann angeklagt. Ihr Großmeister Jacques de Molay wurde auf einem Scheiterhaufen, direkt vor der Kathedrale Notre Dame verbrannt.

Aber der Schatz war nicht zu finden, und zahlreiche Sagen und Legenden bewahrten die Erinnerung an den Templerorden, dessen Traditionen auch andere Gemeinschaften ernst nahmen und in ihren eigenen Ritualen verwendeten. Materiell waren sie vernichtet, aber ihre Ideen lebten weiter.

Das ist eine Grundregel des Universums. Fortschritt entsteht nur aus Ideen. Wenn sie stark sind, überleben sie. So wie das Christentum. Aber 1307 starben nicht nur die Templer, mit Wissen des Papstes. Auch viele andere Freigeister waren vorher als Ketzer verurteilt und vernichtet worden. Die großen Staaten grantieren heute die Glaubensfreiheit, für jeden Einzelnen. Und der preußische König Friedrich II., „der Große“ (1712 – 1786) sagte: „Es soll Jeder, nach seiner Art, glücklich werden.“ Das geht aber nur, wenn die Lebensumstände das erlauben. Der Reichtum. Die Macht. Der Beruf und die Menschen, mit denen die anderen auskommen müssen, aber dabei auch die Falschen erleben. Deren Erkennungszeichen sind schnell zu finden. Und die Informationen darüber findet man überall, bis auch Alle darauf achten.

Im Dezember 2003 habe ich das Grundstück der Templer gesehen. Am 13.12.20 gab es hier einen erweierten Bericht über „Weihnachten in London“ 2003 :

https://luft.mind-panorama.de/weihnachten-in-london/

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