Der Nebel des Grauens

18.9.2022. Vor vielen Jahren sah ich zum letzten Mal John Carpenters Gruselfilm „The Fog. Nebel des  Grauens.“ Er handelt von der Kleinstadt Spidy Point (Spinnen-Knoten) am amerikanischen Ozean, deren Leuchtturm Schiffe davor warnt, näher zu kommen, weil sie sonst auf harten Felsen landen. Die Bewohner kommen auf die Idee, nachts auch einmal den Leuchtturrm abzuschalten. Dann rauben sie die gestrandeten Schiffe aus. Doch ein Fluch liegt danach über der Stadt. Einmal im Jahr, am gleichen Tag, kommen die Ermordeten zurück und rächen sich, im Film immer wieder. Dann greifen zwei Privatpersonen ein und finden eine Idee, den Spuk für immer zu beenden. Wenn solche Bilder,  nach langer Zeit wieder im Gedächtnis auftauchen, hat das Unterbewusstsein reagiert. Es speichert aktuelle Eindrücke und verwandelt sie in Traumbilder. Wie das funktioniert, liest man hier  im Kapitel „Psychoanalyse“.

Wenn man die Methoden anwendet, kommt man auch auf die harmlose Ursache des Gespensterspuks. Ein paar Tage vorher hatte es einen kleinen  Streit gegeben. Ein alter Bekannter tauchte freundlich auf, wechselte aber nach dem gemütlichen Beginn das Thema. Aus der Erinnerung beförderte er uralte Geschichten in das Zusammentreffen,  die längst abgehakt waren und auch keine Rolle mehr spielten. Diesmal steigerte er sich in die Nebensachen hinein, und es wurde ein Aufritt wie aus einem Filmstudio. Dort gibt es Statistenleiter (Couches mit Liegemöglichkeit)), die Schauspieler auf ihre Rollen vorbereiten und ihnen das ganze Gefuchtel selbst ganz genau vorspielen, mit der Aussicht, einmal tatsächlich ein berühmter Hollywood-Star zu werden. Doch dieser Arbeitsmarkt leidet unter der ständig nachwachsenden Konkurrenz Ein Münchner Produzent sagte mir vor ein paar Jahren: „Technisch haben wir Alles, aber uns fällt nichts mehr ein.“ Danach zeigte er sich nur noch mit einem Mindestabstand von 200 Metern und hatte offensichtlich die Empfehlung bekommen, an solchen Gesprächen nicht mehr teilzunehmen. Leider kein Einzelfall, doch wer hat etwas davon? Aus Platzgründen findet man  hier nur die besten Kinofilme, vielleicht ärgern sich die anderen Regisseure darüber.

Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß war ein mächtiger, auch gefürchteter Man. Einmal im Jahr ging er zur Eröffnung der Starbier-Saison,  zum Wirtshaus am Nockerberg, mit seinen wichtigsten Ministern, in der ersten Reihe. Dort sah man ihn im Fernsehen, wie er immer wieder laut lachte. Vor ihm stand der Kabarettist Walter Sedlmayr und machte sich lustig über ihn. Einige Zuhörer lachten nur mühsam, aber wer gar nicht lachte hatte auch noch andere, wichtigere Spiele verloren. Am Nachbartisch saß dabei die Konkurrenz, der blassse SPD-Vorsitzende Rothemund. Als er dran war, starrte ihn  Sedlmayer an, überlegte lange und sagte nur. „Jetzt kommen wir zu dem Herrn von der SPD. Aber mir fällt sein Name nicht ein.“ Er dachte lange nach, spielte nur, dass er dabei kein Ergebnis fand.  Gleichzeitig sahen die Zuschauer, wie Rothemunds Gesicht immer härter und verärgerter wurde. Ernst genommen wurde er von vielen Beobachtern trotzdem nicht.

Über Schauspielereien im Alltag wird hier oft berichtet, einige Auftritte haben Datenschutz. Seit  einigen Jahren tauchen Schauspieler in der Realität auf, man erkennt sie an ihren Verkleidungen. Lustig muss das nicht sein, und wenn Gesetze dabei beschädigt werden, klappt das nur, wenn die Justiz schwarze Sonnenbrillen trägt. Am Wiener Platz ist ein beliebtes Bistro, wo einige Stammgäste schicke Sonnenbrillen tragen, auch wenn es draußen regnet. Das fällt auf,  andere Auffäligkeiten werden  oft hier erklärt. Es ist eine Bildersprache, die Symbolik, die hier drei eigene Kapitel hat. Wer sie nicht übersetzen kann, hat Pech, denn er spielt Rollen, die sofort unglaubwürdig ankommen, aber trotzdem sehr beliebt sind.

Manchmal nehmen die Gäste ihre Sonnenbrillen ab, dann hat Jemand sie überrascht. Rund um das Gärtnerplatztheater ist das oft zu sehen, einige Gäste wollen gar nicht erkannt werden, aber wenn ein Unbekannter am Nachbartisch Platz nimmt, kann es ein wichtiger Besucher aus dem Fernen Osten sein. Er sagt kaum etwas über sich und streitet alle Möglichkeiten ab, doch wenn er beim zweiten Zufallstreffen besondes freundlich lacht kann das auch ein Zeichen der Anerkennung sein, das Niemand bemerkt. Machmal kommen solche Signale auch in einfachen Arbeiterlokalen, in einem Fall gab das ein wenig Ärger, aber zum Kellner sagte ich danach, an einem anderen Platz: „Geh ins  Altersheim, du vertreibst die besten Gäste.“ „Aber ich lebe doch noch!“ „Hoffentlich wirst du hundet Jahre alt, aber geh sofort ins Altersheim. Dann kommen auch die anderen wieder zurück.“ Noch besser ist es, alte Gewohnheiten zu verändern. Dazu gibt es viele Beispiele, auch unter diesem Text.

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