Der schwarze Krampus

6.12.2020. Der Krampus, eine Schreckgestalt in Begleitung des heiligen Nikolaus, ist eine Figur der Adventszeit in Süddeutschland und den Nachbarländern. Am heutigen 6. Dezember ist er wieder unterwegs. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft. Als Kind erlebte man vorher Angstmacherei. Denn die Eltern hatten den Krampus ausgeliehen, und abends im Wohnzimmer las der Nikolaus aus einem Goldenen Buch, was an Ungezogenheiten und Ungehorsam so alles passiert war. Er wusste Alles ganz genau, aber nur das, was ihm die zahlenden Eltern vorher erzählt hatten.

Heute glaubt Niemand mehr an den Nikolaus. Es gab ihn aber wirklich. Der echte Nikolaus von Myra (270 – 6.12.365 ) wirkte als Bischof von Myra in der Region Lykien, damals ein Teil des römischen Weltreichs. Sein griechischer  Name Nikólaos  bedeutet „Sieg des Volkes“ und war bereits in vorchristlicher Zeit gebräuchlich. Sein ererbtes Vermögen verteilte er unter den Notleidenden. Nach der Evakuierung der Stadt Myra raubten süditalienische Kaufleute die Reliquien aus der Grabstätte des Heiligen und überführten sie ins heimatliche Bari. Die Stadt in der Basilicata feiert jedes Jahr, zu Ehren des Heiligen den Tag der Ankunft der Reliquien in Bari . Die Statue des heiligen Nikolaus wird in einer Fest-Prozession von der Basilika bis zum Hafen getragen, begleitet von über 400 Personen in historischen Kostümen. Auf einem Boot umrundet man dann damit die Bucht.“ 

Die erwähnten „geschäftstüchtigen Kaufleute aus Süditalien“ waren meist mit Schiffen im Mittelmeer unterwegs. So vergrößerte auch das römische Weltreich seine kriegerische Macht in ganz Europa. Tempi passati. Die guten Zeiten sind vorbei. Bari ist heute die Hauptstadt von Apulien. Die Nachbar-Region Basilicata ist immer noch die ärmste in ganz Italien, weil die römische Regierung nichts dagegen macht, trotz hoher Subventionen aus der Europäischen Union.

Schon am 2.11.2019 habe ich dazu einen Artikel gschrieben. „Christus kam nur bis Eboli“ :

https://luft.mind-panorama.de/christus-kam-nur-bis-eboli/

In armen Regionen ist natürlich auch die Kriminalitätsziffer höher. Ich habe schon oft hier über Computerprogramme geschrieben, die nicht nur Riesenmengen an Daten sammeln und sortieren, sondern sie bewerten, verdeckte Zusammenhänge erkennen, Auffälligkeiten vergleichen und vertuschte Spuren sichtbar machen. Die Aufklärungsquote könnte schlagartig sich steigern. Falsche Aussagen und Dokumente können mit einer Treffer-Note bewertet werden, selbst wenn sie echt wirken. Die Wahrscheinlichkeit von Lügen kann man mit Schulnoten einordnen. Von „nachgeprüft, richtig“ bis zu „unglaubwürdig“. Das lässt sich mit Personen verknüpfen, die auch sonst schon auffällig waren. „Die Wahrheit liegt nicht in einem einzigen Traum. Die Wahrheit liegt in vielen Träumen.“ Das steht so in den orientalischen Erzählungen aus 1001 Nacht, die ab 250 n. Chr. entstanden sind. Und es stimmt. Hysterische Lügner können mit solchen Auswertungsmethoden sofort erkannt werden, und selbst mächtige Freunde können dagegen nichts machen. Der in der arabischen Märchensammlung oft erwähnte Kalif Harun Al-Rashid hat tatsächlich gelebt von 763 bis 809 n. Chr. in Bagdad. Er gilt als Symbol eines weisen, gerechten Herrschers, obwohl er noch keine elektronischen Datenbaken kannte. Jetzt ist Gerechtigkeit noch viel besser machbar.

Einer glaubt doch noch an den Weihnachtsmann. In diesem Fall ist das auch gut so. Eines der besten Weihnachtslieder sang 1975 Greg Lake (1947 – 2016) : „I believe in Father Christmas“:

https://www.youtube.com/watch?v=yfY4b1NszpY

Zuerst hört man nur eine Gitarre. Dann kommt ein großes Orchester mit Chor dazu, mit Bach-Trompeten, im Stil der Klassik. Der Text ist besonders eindringlich: „I remember one Christmas morning. A winters light and a distant choir. And I believed in Father Christmas. And I looked to the sky with excited eyes. Till I woke with a yawn in the first light of dawn. And I saw him and through his disguise. They said there’ll be peace on Earth. The Christmas we get we deserve.“

Übersetzt, bedeutet der letzte Satz: „Wir bekommen das Weihnachten, das wir auch verdienen.“ Heute ist das schon voraussehbar, aber ungerecht. Für die meisten Menschen. Aber es gibt auch ganz andere Dimensionen für das Wahrnehmungsvermögen.

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