Der siegreiche Ketzer

10.12.2020. Es ist ganz selten, dass ein mächtiger Kritiker sich offen mit den Spitzen der Macht streitet und dafür später wie ein Heiliger verehrt wird. Friedrich Spee von Langenfeld (1591 – 1635) war ein deutscher Jesuit. Er wurde berühmt durch seine Schrift von 1632: „Cautio Criminalis“ (Vorsicht vor der Justiz). Im Erzbistum Köln wird er als „heiligmäßige“ Person geführt. Er ist also kein offizieller Heiliger, wird ihnen aber gleichgestellt. Das ist ganz erstaunlich, weil Spee mit seiner Schrift eine damals weit verbreitete Kirchenpraxis scharf anprangerte: Die Ketzerverbrennung. Große Geister wie Galileo Galilei widerriefen deshalb ihre nachprüfbaren, wissenschaftlichen Erkenntnisse, weil sie wegen Ketzerei angeklagt wurden. Dafür gab es im Vatikan eine eigene Behörde: Die Inquisition, die mit juristischen Argumenten Todesurteile durchsetzte. Papst Benedikt, der jetzt als Rentner im Vatikan lebt, war vorher Leiter dieser Institution, die aber schon lange nicht mehr zur Gewalt griff und einen ganz anderen Namen trug. Seinem energischen Gegner, dem Theologen Hans Küng, hatte Benedikt allerdings verboten, Predigten zu halten. Der schrieb jedoch weiter kritische Bücher zu seinen Themen, Weiter geschah ihm nichts. Papst Benedikt trat zurück wegen verschiedener Skandale, an denen er überhaupt nicht beteiligt war. Aber im Vatikan wirken sehr mächtige Gruppen in der Kirchenspitze, deren aktuelle Probleme zum Thema der Weltpresse wurden. Am härtesten trafen Papst Benedikt die Veröffentlichungen des römischen Journalisten Gianluigi Nuzzi. Über ihn habe ich am 23.10.20 einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/gianluigi-nuzzi-weltgericht/

Gleich danach tauchte in einem Münchner Lokal ein Doppelgänger dieses Journalisten auf, der mich freundlich grüßte. Es war aber ein Schauspieler, ein Statist, wie sich aus den Details dieser Begegnung zweifelsfrei ergab. Unter anderem aus seinen verkleideten Begleitern.

Gianluigi Nuzzi beschrieb unter dem Titel „Weltgericht“ ganz genau die finanziellen Machenschaften im Vatikan. Danach setzte sein Nachfolger, der heutige Papst Franziskus, professionelle, externe Wirtschaftsprüfer ein, die dann für eine gründliche Reform der Vatikanbank sorgten.

Über die Ermordung des früheren Bankpräsidenten Robert Calvi habe ich am 3.11.20 einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/die-dominikaner-in-london/

Zitat: „Am 18.6.1982 wurde Roberto Calvi unter der Londoner „Blackfriars“-Themsebrücke tot aufgefunden. Um seinen Hals ging ein dickes Seil, eine alte Galgenschlinge. Eine Pistolen-Kugel war er offensichtlich nicht wert. Er hing dort in seinem schwarzen Geschäftsanzug. Die schwarzen Lack-Schuhe berührten nur mit den Spitzen das Wasser, als wäre er Jesus, hatte dazu aber nicht das Format. Das war eine Beurteilung. Seine Jackentaschen waren vollgestopft mit Banknoten. Ein Hinweis auf seine Geldgeschäfte und seinen Verrat.“

Ein anderer, später weltberühmter, scharfer Kirchenkritiker war Christopher Marlowe. ( 1564 – 1593 ?). Ein einziges Bild zeigt ihn im Alter von 21 Jahren. Weitere Porträts, die ihn eindeutig abbilden, gibt es leider nicht, obwohl er sehr bekannt war. Das Bild wurde in einem stark beschädigten Zustand entdeckt. Vermutlich sollte es gar nicht gefunden werden. Die Gründe dafür: Er war ein  englischer Dichter, mit einer gewaltigen Phantasie, genauen Kenntnissen auf vielen Gebieten und einer unvergleichliche Sprachkraft. Manche Forscher sind der, durch zahlreiche Fakten und Tatsachen begründeten Auffassung, dass er, nach seinem vorgetäuschten Tod im Kahr 1593, weiterhin einen anderen Namen verwendete, ein berühmtes Pseudonym William Shakespeare. Marlowe war ein heftiger Kritiker des damaligen Erzbischofs von Canterbury, dem Oberhaupt der anglikanischen Kirche.

Zu Marlowes Gedenken habe ich am 23.11.20 eine neue Webseite gestartet., die aber noch im Aufbau ist. Dort kann man aber zum Thema Marlowe schon ein paar Artikel lesen:

„Zeichen und Bilder“

https://www.mind-panorama.de/

Zurück zu dem anfangs erwähnten Friedrich Spee. Er verlor die Geduld mit den allzu vielen Hexenprozessen. Wer jemanden loswerden oder ihm schaden wollte, bezichtigte ihn als Magier, Zauberer oder Hexe. Der Jesuit Spee nahm solche Fälle juristisch ganz genau auseinander und bewies ihre schweren Fehler. Danach war Schluss mit den Verbrennungen. Spee selbst geschah nichts. Wikipedia: „Bereits 1487 war der Hexenhammer (Malleus maleficarum) von Heinrich Kramer erschienen. Dieses Buch war zwar nicht der Auslöser für die Verfolgung angeblicher Hexen, es bewirkte aber eine enorme Verschärfung.“

Friedrich Spee verlor die Geduld mit den Hexenprozessen, beim schrecklichen Fall der Stadträte in Bamberg. Sie wurden alle als Hexer falsch angeklagt und hingerichtet. Auslöser waren Verleumdungen und Gerüchte, durch ihre eigenen Mitbürger. Das ZDF widmete der Hexenverfolgung in Bamberg den Film „Seelen im Feuer“. Der Bayerische Rundfunk schrieb dazu: „In Bamberg wütete der Hexenwahn besonders heftig. Viele Dokumente der Verfolgungswelle sind im Original erhalten. So konnte genau rekonstruiert werden, wie die Verfolgungen, Verhöre und Verbrennungen abliefen. Egal, wie die Anschuldigungen lauten: Am Ende gestehen die Opfer eigentlich immer. Unter Folter geben die Menschen zu, das Wetter verhext, Kinder ermordet oder Sex mit dem Teufel gehabt zu haben. Begnadigungen gab es selten. Und auch das bedeutete meist die Enthauptung der Angeklagten. In Bamberg starben in der Verfolgungswelle bis 1632 etwa 1.000 vermeintliche Hexen und Magier. Das ist fast jeder zehnte Bewohner. Hunderte unschuldiger Menschen landen auf dem Scheiterhaufen. Schutz gab es nicht, vor allem nicht von der katholischen Kirche. Denn die benutzte die brutale Ketzerverfolgung als Instrument gegen die gefährliche Kirchenkritik, die Reformation Martin Luthers.“

Der Katholik und Jesuit Friedrich Spee nahm in seinem Buch solche Fälle juristisch ganz genau auseinander und bewies ihre Fehler. Danach war Schluss mit den Verbrennungen. Spee selbst geschah nichts. Er starb am 7.8.1635, schon drei Jahre nach der Veröffentlichung seines Buchs, mit 44 Jahren. Bis zu seinem Tod war er aber, innerhalb der kritisierten Kirche, oft auf heftige persönliche Angriffe und Kritik gestoßen. Auch eine getarnte Form von Rache und Bestrafung.

Auf dieser Webseite sind, für solche Themen, aus allen Bereichen der Wahrnehmung, die meisten Artikel geschrieben. Die Themen-Übersicht findet man immer ganz rechts.

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