Der westfälische Mikrokosmos

20.1.2021. Am Anfang ist Alles sehr klein, aber es entwickelt sich. Die Körpergröße. Der Bekanntenkreis. Vor dreißig Jahren, neu in München, war der sehr groß. Zu groß. Dann musste man sehen, wie man dumme oder falsche Personen wieder los wird. Meistens ging das ganz leicht. Aber es gibt auch die hartnäckigen, unbelehrbaren Belästiger, vor Allem im Beruf. Meistens waren das nicht gleichgestellte Kollegen, sondern dumme Vorgesetzte. Einer wollte durch Wutausbrüche seine eigene Macht demonstrieren. Zwei Mal. Dann habe ich ihm ein Mail geschickt und ihn über seine Fehler aufgeklärt, ganz sachlich, aber mit Hinweis auf die Folgen. Er war auch bekannt für seine lautstarke Unbeherrschtheit. Aber zwei weitere, ähnliche Mails reichten. Dann ist er mir aus dem Weg gegangen. Er war auch bekannt dafür, dass er einzelne Gegner persönlich ins Visier nahm, sie ausspionierte und ihnen schadete. Bei mir hat er das offen zwar nicht mehr gemacht, aber heimlich. Beförderungen gab es nur noch für seine besten Freunde. Leistungsprämien. Also Geld.

Die ganze Abteilung bekam deshalb einen schlechten Ruf, landete bei Vergleichen im Minus. Drei Jahre dauerte das, dann wurde er versetzt, aber ohne dass er dafür Schadensersatz zahlen musste. Dafür gibt es zwar sogar Haftpflichtversicherungen, für Manager. Aber die zahlen nicht, bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Dann haftet der Verursacher selbst, mit seinem Privatvermögen. Wenn er nicht genug hat, bleibt ihm dann nur noch die Sozialhilfe. Wir haben insgesamt viel zu viele Gesetze. Aber ein paar werden nicht einmal angewandt. Aus Unkenntnis oder wegen zu enger Freundschaften.

In meiner westfälischen Kindheit bin ich ständig an Grenzen gestoßen. Aus Unwissenheit und mangelnder Erfahrung. Mit zehn Jahren begann das Gymnasium. Die viel zu langen neun Jahre waren insgesamt verschwendet. Zu viele unwichtige Informationen, zum Beispiel das tote Pflichtfach Latein. Auch über Physik und Geschichte wurden wir mit Daten gefüttert, die noch nicht einmal an der späteren Universität eine Rolle spielten. Von Betriebswirtschaft und Jura hörten wir gar nichts. Aber das berufliche Leben erzwingt, dass man sich dann selbst solche Kenntnisse beibringen muss. Manchmal haben selbst Experten nur viele tausend Fakten im Kopf, können sie aber nicht sortieren, bewerten und anwenden.

Als Rechtsanwälte brauchte ich sie oft, war aber Prozessbevollmächtigter und durfte in Gerichtsverhandlungen direkt neben ihnen sitzen. Erschreckend waren immer die Fehler aller Beteiligten. Auch bei den Richtern, Staatsanwälten und hoch bezahlten Gutachtern. Bis auf zwei Fälle haben wir alle gewonnen. Einer hatte nur einen Streitwert von 3.000 Euro, war also angesichts der Gesamtkosten nur Geldverschwendung, und das Ergebnis war nicht so teuer wie eine endlose Fortsetzung des Streits. Der zweite Fall litt an einem falsch besetzten Gericht, das sein Urteil schon vorher fest in der Tasche hatte und nur noch, mit aller Kraft beweisen wollte, dass die akademischen Berufsjuristen immer recht hatten. Vor der nächsten Instanz kam ich aber endlich in eine andere Abteilung, und das Ergebnis war dann egal.

In Westfalen wohnten wir nicht weit von der holländischen Grenze. Die wurde damals noch von bewaffneten Uniformierten bewacht. Mit dem Stadtbus fuhr die Familie oft in den holländischen Nachbarort Enschede, zum Einkaufen. In der ersten Nachkriegszeit war dort Alles billiger, musste aber an der Grenze sofort verzollt werden, mit Bargeld. Die Zöllner waren aber Nachbarn und haben oft nicht so genau hingeschaut. Auch nicht, wenn gekaufte Textilien, mehrfach übereinander und gut sichtbar, am Körper versteckt wurden.

Einer unserer Mieter hatte, bis zum Kriegsende einen leitenden paramilitärischen Rang im Staat. Er trat immer sehr energisch und befehlsgewohnt auf. Aber er hat niemals wieder die nahe Grenze nach Holland überschritten, weil er – vermutlich – sonst dort sofort verhaftet worden wäre. Bei uns war er immer angepasst und freundlich. Aber ihm gefiel eine junge Verwandte zu gut. Er kannte seine Grenzen nicht und zog dann um, weit weg. Gesehen habe ich ihn niemals mehr. Er war Textilarbeiter, so wie die meisten anderen Einwohner in der kleinen Stadt. Aber Anfang der Achtziger Jahre brach die gesamte deutsche Textilindustrie zusammen, auch im bayerischen Zonenrandgebiet, direkt an der Grenze zur scharf bewachten DDR. Ursache war die bequeme Ahnungslosigkeit der wohlhabenden Manager, die nicht rechtzeitig bemerkt hatten, dass aus ganz Asien immer mehr preiswerte Textilien, den Markt als starke Konkurrenz überfluteten. Die großen Fabriken im Zentrum der Innenstadt standen plötzlich ganz still und viele Jahre lang sogar ganz leer. Am östlichen Stadtrand entstand dafür ein ganz neues Industriegebiet, mit völlig anderen Produktionsbranchen und geringeren Gehältern.

Der überschaubare westfälische Mikrokosmos war nur eine Miniatur-Ausgabe des umfassenden, grenzenlosen Makro-Kosmos, in dem aber die gleichen Hauptregeln gelten. Die äußerliche Vielfalt und die große Auswahl täuschen nur darüber hinweg. Wenn Fehler passieren, haben sie, bei großen Organisationen, allerdings auch große Folgen und bedrohen, als Dauerzustand, ganze Staaten.

Im Internet ist das noch viel gefährlicher geworden. Wenn dort sich Kriminelle herumtreiben, werden sie manchmal erst viel zu spät erkannt. Im Kapitel „Elektronik“, direkt unter diesem Text, erkläre ich solche Fälle immer wieder, weiß aber, aus aus persönlichen Gesprächen der letzten Jahre, dass es selbst bei den Profis noch unfassbare Wissenslücken gibt. Diese Webseite bietet deshalb anschauliche Fälle, zur Information, achtet aber immer auf den grundgesetzlich garantierten Schutz privater Daten. Nur ein Bespiel: Einer der am meisten gelesenen Artikel erklärt den „Wirecard“-Finanzskandal, der sich fast nur im elektronischen Bereich abspielte, auf den höchsten Etagen der internationalen Hochfinanz, wo Diskretion ganz selbstverständlich ist. Aber ein Münchner Gericht öffnet zur Zeit alle Schlupfwinkel und dunklen Ecken.

Der Artikel dazu stammt vom 18.12.20 – „Der extreme Wirecard-Finanzskandal“ :

https://luft.mind-panorama.de/wirecard/

Auch alle anderen Krisen und ungelösten Fälle werden mit solchen Methoden schnell erkennbar, weil sie mit Programmen verarbeitet werden, die auch solche Methoden selbst anwenden, die man auch in der Themen-Übersicht findet, ganz rechts auf dieser Seite. Man kann nicht Alles wissen, zu viele Informationen versperren sogar den Durchblick. Aber es gibt Perspektiven und Quellen, die noch gar nicht genutzt werden. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.

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