Die Kunst der Zeichen

11.2.2021. Zeichen und Andeutungen können Angeberei sein, an denen man verlogene Wichtigtuer erkennt. Aber diese Zeichen beherrschen das ganze Leben. Als Symbole. Das ist die früheste Schrift. Eine starke Bildersprache, die heute oft vergessen ist, aber immer noch große Rätsel lösen kann. In der Steinzeit ritzte man sie in Wände ein. Im Alten Ägypten war das eine Hochkultur, die man erst vor zweihundert Jahren entziffern konnte. Sie stand auf dem Stein von Rosette. Es war nur ein einziger Text, aber in zwei damals schon bekannten Schriftsprachen. Die dritte Version enthielt nur die rätselhaften Hieroglyphen. Danach konnte man auch sie entziffern.

Viele Tätigkeiten werden durch kurze Zeichen abgekürzt. Auf Straßenampeln, bei Computerbefehlen auf dem Monitor. Auf Straßenkarten. Das ist bekannt. Andere Möglichkeiten aber nicht. Am 3.1.20 habe ich hier einen Kommentar zum Dirigenten Daniele Gatti geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/daniele-gatti-sternenhimmel/

Mittlerweile habe ich unterschiedliche Auftritte von Daniele Gatti angeschaut. Das Orchester schaut kaum hin, aber kurze Blicke, auch aus den Augenwinkeln reichen aus: Für das Tempo, den Rhythmus, die wechselnde Lautstärke, die Hervorhebung einzelner Instrumente. Alle weiteren Details werden vorher, bei ausführlichen Proben erklärt und geübt. Aber mit Konzertbesuchern natürlich nicht. Da reichen stumme Mundbewegungen, verzerrte Gesichtsmuskeln und Hände, die einzelne Passagen korrigieren. Das Ergebnis ist ein unverwechselbarer Gesamtklang. Der Meisterdirigent Wilhelm Furtwängler sah einmal die Filmaufnahme seines Auftritts. Das gefiel ihm nicht, weil er viel zappelte und herumfuchtelte. Andererseits sagt er oft, „Genau so muss es klingen!“ Die Wagnerspezialistin Martha Mödl hat mir das einmal in einem Telefonat bestätigt: „Er war der Beste, aber ich weiß nicht, warum.“ Das musste sie auch nicht, aber wenn man seine Konzertaufführungen hört, versteht man das sofort.

Jeder gute Manager muss seine Firma so behandeln, dass er die besten Ergebnisse bekommt. Dazu muss er viele Zeichen wahrnehmen und verstehen. Sie lassen sich in Zahlen ausdrücken, die riesige Datenspeicher füllen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Betrügereien zu verhindern. Aber die Deutung ist noch wichtiger, dafür reicht eine Auswahl. Das positive oder negative Jahresergebnis, die Kosten, Umsätze oder Verluste. Sie enthalen Alarmsignale, die schon lange im Voraus rotes Licht zeigen können. Darauf müssen passende Aktivitäten reagieren, deren rasche Wirksamkeit zu messen ist. Früher reichten dann Ausreden oder persönliche Beziehungen, damit Nichts passierte. Auch absichtliche Fehler wurden vertuscht, wenn genug faule Mitwisser damit bezahlt wurden. Kritiker wurden gemobbt oder ausspioniert, mit krimineller Energie.

Aber es werden auch immer mehr Skandale bekannt, die hohe Wellen schlagen. Ganz schlimm ist es dabei, wenn der vorher gute Ruf einer Firma schwer beschädigt wird. Dann helfen nur noch fristlose Kündigungen, für die es genaug Zeugen gibt. Oder Spuren, die man gar nicht erkannt hat. Die Strafen und finanziellen Lücken werden dann immer größer.

Es gibt längst viel zu viele Gesetze. Man kann nicht Alles regeln, auch nicht die Parlamentsjuristen. Denn sonst kehrt Stillstand ein. Bewegungslosigkeit. Dazu die vielen Streithansl und Rechthaber. Dann Unklarheit auf jeder Ebene, bis hoch zu den letzten Instanzen. Dabei werden dann wichtige Einzelheiten übersehen oder vergessen. Entscheidend sind die Universalregeln der Weltrordnung, der Dekalog. Das ist hier ein eigenes Kapitel, mit bisher 126 Beiträgen. Man findet es direkt unter diesem Text.

Beethovens neun Sinfonien gehören zu jedem Konzertprogaramm, auch in den Medien. Nummer Sechs, die ländliche „Pastorale“, entstand bei einem Sommerspaziergang nach Grinzing, mit Naturlauten, Vogelgezwitscher und Gewitter. Das muss sich nicht wie ein Autoradio anhören, sondern auch in der Tiefe nachempfunden sein. Das kann nicht Jeder. Aber hier dirigiert Daniele Gatti Beethovens sechste Sinfonie („Pastorale“), mit dem Orchestre National de France (45 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=6yc7W-OhD04

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