Die Mitte des Tryptichons

19.7.2021. Ein Datum soll ein Ereignis festhalten, damit man es nicht vergisst. Längere Zeitabschnitte sind Epochen, vor allem bei historischen Abschnitten. Die Wichtigkeit ist der Maßstab für eine besonders hohe oder schlechte Qualität. Als Kind versteht man das ganz schnell, andere Kategorien stehen später zur freien Auswahl. Bei den Lebensabschnitten habe ich drei zu schätzen gelernt: Kindheit. Berufszeit und eine Art von Ernte, die mit dem Herbst nichts zu tun. Stattdessen ist es die lange Auswertungszeit, die Rückschau auf die Vergangenheit und ihre Verbindungslinie in die Zukunft. Der Mittelteil war die Zeit im westfälischen Münster, von 1971 bis 1987.

Die Einwohnerzahl von 316.000 Personen ist überschaubar. Genau das Richtige, wenn man in einer Kleinstadt an der holländischen Grenze aufwächst, die das Fundament für einen größeren Rahmen legt. Ab September 1987 sprengte München jeden vorher gewohnten Rahmen. Die Eindrücke verfielfältigten sich, die Erfahrungen, mit persönlichen Enttäuschungen und hinterlistigen Betrügern auch. Ein gewaltiger schwarzer Ozean, aber auch Trauminseln und Begegnungen, die es im kleineren Maßstab nicht gibt. Um nicht abzuheben und am Boden zu bleiben, reichte immer der Blick auf die vorherige Zeit. Vergleiche spielen auch bei Datenbanken eine große Rolle, und wenn man sie automatisiert, werden sie noch wertvoller. Aber auch das hat Grenzen. Ein Leben, das nur noch aus Computerprogrammen besteht, ist innerlich arm und nicht wünschenswert.

Zu den drei großen Abschnitten: Ein Tryptichon ist ein dreiteiliger Altar, der besonders in mittelalterlichen Kirchen sehr aufwändig geschmückt war. Standort war immer im Osten, wo große Glasfenster das erste Tageslicht verstärkten, den Beginn jedes neuen Tags, für die Fortsetzung nicht erledigter Aufgaben. Die damaligen Kathedralen waren voller Säulen, Kreuzgewölbe und Zeichen, die aus der alten Bildersprache der Symbolik stammten, zu der es hier schon 500 Artikel gibt, zur Entzifferung und Übersetzung dieser gedanklichen Welt, die allgemein in Vergessenheit geraten ist.

Die Jahre in Münster steigerten und festigten den damals möglichen Horizont. Die Zeit danach war voller Überraschungen, mit unerwünschten Formen, die in der Realität noch unbekannt waren. Also eignet man sich fehlende Kenntnisse an und überprüft sie mit bekannten Wertmaßstäben. Eine überflüssige Aufgeregtheit  verschwindet dann dorthin, wo sie hingehört. Der Reichtum der Welt besteht nicht aus bunten Seifenblasen, die schnell platzen, und Geld ist zwar notwendig, darf aber nicht Alles beherrschen. Sonst macht es noch unzufriedener und habgieriger.

Kleine Städte haben Grenzen, und das ist richtig so. Ändern lässt es sich sowieso nicht. Übertreibungen machen maßlos. Wer in die Ferne blicken will, kann das heute immer einfacher und außerdem  diejenigen vermeiden, die darauf verzichten wollen und genug andere Ziele haben. Man kann  jede Richtung  mit  Stichworten zusammenfassen.

Das „Trittico Botticelliano“ entstand nach drei Bildern von Sandro Botticelli (1445 – 1510). Die impressionistische Musik verzichtet auf begrenzte Melodien und malt freie, phantastische Klangbilder:

https://www.youtube.com/watch?v=PODmVgYX0fA

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