Aida und Weihnachtsgeschenke

5.8.2021. Die Zerstörung von Familien erkennt man daran, dass am Zweiten Weihnachtstag Streit ausbricht. Man kennt sich schon zu lange, führt längst ein eigenes Leben mit vielen Anhängseln und dann reicht es, auch wenn überflüssige Geschenke verteilt werden. So ist das im gesamten Privatleben und auch im Beruf. „Wir sind 12 Freunde“, sang  einmal eine bekannte Fußballmanschaft vor laufenden Kameras. Die Wahrheit stand aber in der Zeitung oder man erfuhr sie in einfachen Bierlokalen, wo echte Fußballfreunde als Stammgäste herumstanden und Alles wussten. Auch ein Irrtum, denn das Wort FIFA ist nicht mehr nur bekannt als Weltfußball-Verband, der Alles organisiert und kontrollierten. Das frei zugängliche Wikipedia-Lexikon schreibt: „Im Mai 2006 beschrieb der britische Enthüllungsjournalist Anfrew Jennings in seinem Buch „Foul!“ ein angeblich umfangreiches System der Korruption. Die Anwaltskanzlei Quinn Emmanuel untersuchte,  im Auftrag der amerikanischen Justiz,  interne Vorgänge bei der FIFA. Dann kam das „Sommermärchen 2015“: Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ aus dem Oktober 2015 gibt es ein Geheimpapier vom 23. November 2004 mit einem handschriftlichen Vermerk des damaligen DFB-Präsidenten, der dem deutschen Bewerbungskomitee vor der Weltmeisterschafts-Vergabe, mit anderen Unterstützern,  als Privatmann 10,3 Mio. Schweizer Franken (ca. 13 Mio. D-Mark) großzügig geliehen haben soll. Mit dem Geld soll laut Spiegel die FIFA-Entscheidung gekauft worden sein, die Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland abzuhalten.“

Das ist viel mehr als ein Weihnachtsgeschenk in der Familie. An Geschenken erkennt man auch die Zerstörung alter Institutionen. Sogar der römische Vatikan hat jetzt einen Kardinal deshalb vor Gericht gestellt. Zum Thema „Ruhe am richtigen Ort“ schrieb ich am 28.7.21:  „Der römische Journalist Gianluigi Gelmetti ist ein Vatikan-Experte und hat jetzt ein neues Buch veröffentlicht: „Weltgericht“. Darin geht es um die Güterverwaltung des Vatikans: Steigende Personalausgaben. Sinkende Einnahmen. Die Rede ist von ungeregelter Klientelwirtschaft und der Sabotage aller Reformversuche des Papstes. Die Informationen kommen  aus dem Inneren des Vatikans, unter anderem von einem Privatsekretär des Heiligen Vaters, der vor Gericht offen erklärte, „Wir waren in tiefer Sorge um den Papst.“

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Noch gefährlicher  als Weihnachtsgeschenke können Erbschaften sein. Wenn es etwas abzuholen gibt, verschwindet das freundlichste Feiertags-Gesicht. Und schon Jahrzehnte vorher wird darüber nachgedacht. Wer nichts erbt, wird manchmal zum Raubtier. Geschwister werden zu Wölfen. Der Motor ist immer finanzielle Habgier, die Energie, um andere zu beklauen oder schlecht zu machen. Selbst in Opernhäusern gibt es Mitwirkende, die gerne singen, aber nicht nach Noten. Oder Zuschauer auf Beutejagd in den Pausen, die sich an vermeintliche Millionäre heranmachen. Claus-Helmut Drese  war von 1986 bis 1991 Direktor der Wiener Staatsoper. Er schrieb darüber ein Buch, „Im Palast der Gefühle“. Darin beschraubt er in allen Details seine Streitereien im Hause. Er bevorzugte ein neuartiges Musikdrama. Viele Stammgäste und Mitarbeiter lehnten das heftig ab, weil sie die alten Erfolgs-Inszenierungen liebten, deren Verfilmungen auch zum großen Teil erhalten sind. In Dreses Buch geht es viel um Musik, aber die Hauptrolle spielen die Machtkämpfe und Anfeindungen. Mittlerweile haben sich die stärksten Sturmwellen geglättet, im Angebot findet man jede Geschmackrichtung, und auch die alten Schmuckstücke werden immer wieder auf Hochglanz gebracht.

Meistens sind die Abende ausverkauft, haben eine Star-Besetzung bei den Sängern und Dirigenten. Weil das Alles sehr viel kostet, werden die Einnahmen auch dringend gebraucht. Leider bleibt auch im Normalfall davon wenig übrig, weil von dem Restgeld, das im Kartenbüro landet, viele Mitarbeiter nicht reich werden. Im München habe ich einmal erlebt, dass Techniker nach einer Premiere preiswerten Wein verkauften, während andere Gäste kostenlos speisen und trinken durften, wenn sie eine Einladung hatten. Einmal gab es, vor vielen Jahren, sogar Steik-Drohungen vor einer Premiere, aber im Interesse der eigenen Arbeit wurde der Protest abgesagt. Vor dem Haus standen immerhin Streikposten, und einer sagte zu mir, „Wenn Sie wüssten, wie wenig wir verdienen!“ Das weiß ich bis heute nicht, aber der Auftritt war  glaubwürdig, und in den Zeitungen wurden noch mehr Fakten veröffentlicht.

Am Stadttheater Münster tauchten vor vierzig Jahren einige Erben auf, die auch ganz neue Sitten einführten. Selbst ein paar Sänger blieben danach zu Hause, und man konnte in ihren Wohnungen mit anhören, wie schlecht sie sich fühlten. Der leider vestorbene Tenor James Wagner ging dann nach München.  Über ihn habe ich schon zehn andere Beitrage geschrieben, am 22.12.20 auch mit einer Hörprobe:

https://luft.mind-panorama.de/?s=james+wagner&x=10&y=3 

Gründe zum Jammern sind weit verbreitet, aber meistens nützt es gar nichts. Auch keine Eigenmächtigkeiten oder Größenwahn. Sie sind deshalb leicht angreifbar, weil sie zwar keine Spuren hinterlassen wollen, aber über Auffäligkeiten stolpern. Dazu gibt es hier das Kapitel „Die Säulen der Gerechtigkeit“, mit 193 Artikeln zum Stichwort „Universalgesetze“. Jedes Lied hat eine Melodie, die sich wiederholt. Besser auswendig lernen  kann man sie, wenn sie Variationen hat, also Umgestaltungen mit anderen Instrumenten oder Klängen.

Verdis Spätwerk „Aida“ ist bei Musikfreunden so gut bekannt, dass jede Auffährung auch zur Abstimmung wird. An der Mailänder Scala hat 2006 Franco Zeffirelli  (1913 – 2019) eine eigene Leistung  geschafft:  Er erweckte  das Alte Ägypten zum Leben (2.39 Std.),  vor sechstausend Jahren, so wie es die jetzt noch erhaltenen Bilder zeigen.  Nach 56 Minuten beginnt der monumentale Triumphmarsch, hier nicht als banales Ausstattungstheater, sondern wie der direkte Blick in eine längst versunkene Zeit:

https://www.youtube.com/watch?v=q98Hj1LrsIQ

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Schwarze Farbtöne

5.8.2021. Eine Farbpalette gehörte jahrhundertelang zum Werkzeug für ein Ölbild. Kleine Proben der wichtigsten Farbtöne kamen auf ein leeres Holzbrett in der Hand des Malers, und dann konnte er mit eiem kleinen Pinsel die feinsten Abstufungen und Einzelheiten in seinem Werk entfalten. 1983 habe ich damit angefangen und wieder aufgehört, weil es umständlich war und wochenlang getrocknet werden musste. Wer zum Arbeiten ein eigenes Atelier hat, mit großen Glasfenstern für das Tageslicht, dem kann das egal sein.

Heute können die meisten Computer das viel besser und haben grenzenlose Möglichkeiten für jede Bildgestaltung. Sogar alte Schwarzweißfilme können nachträglich zum leuchtenden Farbwunder gemacht werden. Auch in Dokumentarfilmen kann täuschend echte Realität vorgetäuscht werden, durch Maskenbildner und Schauplätze, die nach historischen Vorlagen auf jedem Laptop, mit allen Details  wieder rundum neu entstehen, aus dem Nichts. Sogar in aktuellen Gesprächsrunden können aufgeregte Teilnehmer mitschwätzen, die im Studio gar nicht anwesend sind oder deren Doppelgänger, Mitarbeiter von Spezialfirmen.

Die dunkelste Probe auf einer Farbpalette ist schwarz. Mischt man das mit anderen, dunklen oder hellen Farben, erweitert sichh wieder der Spielraum. Eine Spielerei, die durchaus  auch bei künstlerisch wertvollen Produkten alltäglich ist. Sie wirken erst dann lebendig und spannend, wenn sie mit Symbolen arbeiten. Das ist eine alte Bildersprache, zu der es hier schon über 400 Artikel gibt. Symbole haben nicht nur eine sichtbare Oberfläche, sondern mehrere Tiefenschichten. Wer zu viele davon einsetzt, wird nicht mehr ernst genommen. Aber es gibt Schöpfungen der Phantasie, die nicht außer Kontrolle geraten, sondern vom Verstand gesteuert werden, der auch die Grenzen kennt. Das wiederum lernt man auf keiner Hochschule, sondern ist das jahrzehntelange Ergebnis persönlicher Erfahrungen.

Und die kommen aus der Realität. Zur Zeit werden Forschungsgruppen gegründet, die das Thema „Hass“ durchleuchten sollen. Es wäre angenehm, wenn dabei etwas Neues herauskommt, denn das Wort gab es schon in allen Sprachen, bevor es schriftlich notiert wurde. Man kann es mit der Farbe Schwarz vergleichen und dem, was am Anfang hier dazu erklärt wurde. Eine Steigerung ist nicht möglich, aber man kann sie gebrauchen, um das Bild schärfer zu machen. Hass erzeugt das schwärzeste Schwarz der Welt. Es füllt die Köpfe von Fanatikern und Rachegeistern, die in ihrer Umgebung besonders überfreundlich auftreten. Allein die Übertriebenheit ist schon ein Alarmzeichen. Man lernt das auf jeder Schaupielschule, und das Ergebnis heißt dann „Schmierentheater“. In alten Bauernkomödien gehört das zum Werkzeug. Als ich zehn  Jahre alt war, tauchte in meiner Geburtsstadt ein bayerisches Wandertheater auf, damals völlig exotisch in Norddeutschland. Im ersten Teil ihres Programmes tanzten und sangen sie in Bauerntrachten, auch von den „Holzhackerbuam“, den Holzfällern. Im zweiten Teil gab es die krachlederne Kommödie „Der verkaufte Großvater“. Liebe und Lüge im Dorf. Hinterhältigkeiten. Jahrzehntelange Feindschaften und Hass.

Der Hass ist ein Ur-Element, genauso wie das Glück. Vom letzten Wort bekommen die wenigsten etwas. Sie glauben aber oft, dass sie ein Recht darauf haben. Statt ihre Denkweise zu ändern, werden sie vom Hass überschwemmt. Man erkennt sie an ihren Übertriebenheiten. Zu große Neugier, zu wenig natürliche Distanz. Einmischung in Dinge, von denen sie nichts verstehen oder auch kein Interesse haben. Gelingt das nicht, vergrößert sich tief drinnen der Hass und macht Alles, um unbemerkt zu bleiben. Eine Hauptquelle aller Verbrechen. Die anderen stehen im Dekalog, den Zehn Geboten der Bibel. Deren letztes Buch ist die „Johannes-Apokalypse“. Das Stichwort findet man direkt unter diesem Text. Klickt man darauf, sind 45 eigene Artikel dazu zu finden.

Dem Hass kann man aus dem Weg gehen, aber er ist klebrig. Der Physiker Albert Einstein wusste das auch. Er schrieb, „Das Böse ist in der Welt, Aber warum gibt es so Wenige, die sich dagegen wehren?“ Bis 1932 lebte Einstein in Berlin. Bereits weltberühmt, flüchtete er dann über mehrere Zwischenstationen nach Amerika und blieb dort an der Universität Princeton. Länger wartete sein Korrespondenzpartner Sigmund Freud. Erst 1938 sah er ein, dass er in seiner Heimatstadt Wien nicht mehr bleiben konnte, weil er bedroht wurde. Am 4.6.1938 verließ er Österreich mit dem Zug. In London war bereits ein Privathaus für ihn hergerichtet worden. Auch die berühmte Patienten-Couch steht jetzt dort. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 23.9.39.

Freud hat nicht nur nach dem Grund von Hass gefragt. Er hat ihn gründlich erforscht und gedeutet. In seiner Schrift „Massenpsychologie und Ich-Analyse“, erklärt er, warum ganz normale Menschen in einer großen Menge, in einer Sportveranstaltung oder aufgeheizten politischen Treffen, plötzlich wie eine einzige Masse regieren, ein ferngesteuertes Wesen wie aus einem Kinofilm. Das läuft dann nicht mehr auf der Leinwand oder großen Monitoren herum, sondern ist eine Masse selbst, mit vielen Köpfen. Es hat  einen sehr alten Namen, sonst auch viele andere: Luzifer. Das heißt wörtlich „Lichtbringer“. Er war ein Engel, der aus dem Paradies verstoßen und in den Abgrund gestürzt wurde. Die Unterwelt. Der Grund: Er hatte als Engel gegen die göttliche Weltordnung protestiert und sich dagegen aufgelehnt. Als Satan verbreitet er nur noch Hass. Beim Weltuntergang wird er von anderen Engeln vernichtet. Dann kommt das Jüngste Gericht, mit der Verstoßung aller Sünder in die Hölle. Die Gerechten leben weiter im Paradies, an der Seite Gottes, bis an das Ende aller Tage.

Auch diese Geschichte ist ein Symbol, ein Gleichnis. Sie steht in der Johannes-Apokalypse. Der Autor war der Lieblingsjünger des gekreuzigten Christus und schrieb seinen Text als alter Mann. Auch dazu wurden hier schon viele Kommentare geschrieben, man findet  sie sofort, wenn man das Stichwort verwendet und nachliest. Das Lesen allein ist nur die Vorstufe, finden kann man die Tatsachen jeden Tag, in der Realität.

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Wechselnder Wind

4.8.2021. Gleich nach dem Gymnasium, von Juli 1969 bis Dezember 1970, folgte die Militärzeit, die damals eine gesetzliche Verpflichtung war, aber auch ausgetrickst werden konnte, durch medizinische Atteste oder einen Umzug nach Westberlin, damals eine waffenlose Insel mitten in der DDR. Man bekam sonst eine achtzehnmonatige Grundausbildung, zunächst mit langen Fußmärschen und körperlichen Kraftübungen, danach viel Langeweile, weil es erfreulicherweise keinen Krieg gab. Aber tagelange, europaweite  NATO-Manöver, in denen gegen einen plötzlichen Angriff aus dem Osten geübt wurde.

Das war ein entscheidender Lebensabschnitt, denn danach begann die Berufszeit. Jahrzehnte mit einem wimmelnden Sammelsurium von Menschen, die man sich nicht selbst ausgesucht hatte und deren schlimmste Vertreter sich an die Macht geschlichen hatten, mit viel „Vitamin B“ (Beziehungen). Ein endloser Kriegszustand, zu dem sogar Preußenkönig Friedrich der Große (1712 – 1786) gesagt hatte: „Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich meine Hunde.“ Als junger Mann versuchte er selbst, mit seinem Freund Hans von Katte, aus der Strenge  und Beschränktheit seines königlichen Vaters zu fliehen. Beide wurden erwischt und landeten im Gefängnis. Von seiner vorübergehenden Zelle  aus musste Friedrich am 1.11.1730  durch das Fenster mit ansehen, wie draußen sein Freund hingerichtet wurde. Als er selbst König war, erklärte er, „Jeder soll nach seiner Art glücklich werden.“ Er war auch sonst beliebt, das Gegenteil von seinem Vater. Lernt man die Denkweise der beiden genauer kennen, findet man das streitende Universalprinzip von staatlicher  Gewalt und innerer Freiheit, das immer noch für Spannungen auf der ganzen Welt sorgt. Aber es gibt auch den Leitsatz, „Der Staat regiert die Gewehre.“ Also die Politik entscheidet und hat das letzte Wort. Deshalb tragen deutsche Verteidigungsminister niemals eine militärische Unifform. In anderen Ländern auch nicht.

Nach der Militärzeit begann das Berufsleben. Das Fundament gelegt wurde erfreulicherweise, zuerst in der Provinz, im westfälischen Münster. Die Überschaubarkeit mit 316.000 Einwohnern bedeutete auch mehr Durchblick. Sogar die  Nebenschauplätze hatten Regeln, die auch in der Großstadt funktionieren, aber dort langsamer zu erkennen sind. Außerdem war schneller zu entdecken, woher der wechselnde Wind wehte. Eine Goldgrube, die später oft verschlossen blieb, weil finanzielle  Habgier nur Unglück bringt, für Alle, die sich leidenschaftlich damit beschäftigen. Trauerspiele, Tragödien entstehen manchmal nur deshalb, weil sie den Verstand verjagen. Als der Londoner Dichter Christopher Marlowe wegen zahlreicher Unbeherrschtheiten in Lebensgefahr geriet, sagte er später, „Ich war zu ungeduldig.“ Das ist viel zu harmlos. Geduld ist nicht die höchste Kraftquelle. Aber Marlowe musste überstürzt nach Norditalien fliehen, übernahm dort,  als Pseudonym den Namen des mit ihm persönlich befreundeten Londoner Theaterdirektors William Shakespeare und wurde damit weltberühmt. Zur Auflösung dieses Rätsels habe ich im letzten November eine Webseite eröffnet: „Zeichen und Bilder“ :

https://www.mind-panorama.de/ 

Das Thema „Christopher Marlowe“ ist nur eines von vielen anderen, die genauso wichtig sind, aber oft nicht beachtet oder erkannt werden. Schade daran ist auch, dass so viel Geld dabei verbrannt wird, oft ausgerechnet von langjährigen Experten. Aber die hilfreichen Wundermittel gibt es schon längst: Computerprogramme mit einer stärkeren Leuchtkaft als jeder Scheinwerfer. Zum Thema Elektronik  gibt es hier schon 450 Kommentare. Niemand leugnet die täglichen Fortschritte, trotzdem kann man immer noch auf große Wissenslücken hinweisen. Die meisten sind leicht zu beseitigen. Das schützt nicht nur die Opfer, verringert auch die unvermeidlichen juristischen Folgen, sondern bewahrt auch die Verursacher selbst vor grenzenlosem Schaden. Wer das nicht hören will, befindet sich auf einem unsicheren Holzweg. Denn gefährlich sind nicht derartige Hinweise, sondern die Tatsachen, die sich unauffällig vergrößern, bis Niemand sie mehr übersehen kann. Jeder Schaden, der sich rechtzeitig vermeiden lässt, nützt der Mehrheit, am Ende auch in solchen Staaten, deren Bewohner unter grundlosen Ungerechtigkeiten leiden.

Beethovens letzte Sinfonie mit dem großen Chor-Finale bringt auch den Satz „Alle Menschen werden Brüder.“ Mehr als eine nicht erfüllbare Hoffnung kann das nicht sein. Den gleichen gedanklichen Aufbau hat Mahlers vierte Sinfonie. Sie beginnt mit Wiener Walzern und einem grotesken Scherzo. Dann folgt eine lange Verarbeitung tiefer Emotionen. Und am Schluss singt hier Lisa della Casa vom Paradies:

https://www.youtube.com/watch?v=r9EtgdBeFeM

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Kafkas weit offene Tür

4.8.2021. Fragt man einen lebhaften, aktiven Menschen nach seinen Erinnerungen, hat er ein Problem damit: Die wichtigsten Alltagstätigkeiten sind gespeichert und funktionieren automatisch, wie das Autofahren. Und sonst? „Da ist nur noch ein Nebel.“ Das Gedächtnis hat sortiert. Als Dreißigjähriger ist  das Hamster-Rad unermüdlich in Bewegung. Drinnen ist im Gedränge kaum noch Platz, und es wird nur noch gestrampelt, um Geschwindigkeitsrekorde zu übertreffen. Manchmal fließt dann das höchste Gehalt und bügelt alle Seitenwege platt. Dabei wird sehr viel Schrott produziert. Mittelmaß versperrt die  Spitzenpositionen, versperrt  echte Qualität. Langeweile und Schwerfälligkeit übernehmen die Macht.

Das könnnen sehr nette Menschen sein. Drei Jahre lang hatte ich viele Gespräche mit einem Zufallsbekannten von unterschiedlichen Stammplätzen. Er hatte erstaunlich Vieles zu erzählen, kannte sehr wichtige Leute, war dabei aber nicht sehr großzügig geworden. Freibier gab es fast nie, und die Konkurrenz wurde saftig kritisiert statt sich über fremde Erfolge zu freuen.

Das kann sich im Lauf der Jahre völlig ändern. Selbst aus der weit entfernten Kindheit tauchen immer mehr Bilder auf, die sich öffnen und die Umgebung vergrößern, in der sie entstanden sind. Nach dem letzten Krieg 1945 hatte eine ganze Generation mit dem Wiederaufbau der zerstörten Städte in Deutschland zu tun und dem Aufbau eines ganz neuen Staats, auch dessen kleinen Seitentüren und Dachfenstern. Was da genau ablief, verstand man als Kind gar nicht, aber später wurde es, auch durch ähnliche Situationen, immer deutlicher. Erst jetzt, in den großen Krisen auf der ganzen Welt, werden auch die alten Schwachstellen wieder sichtbar, so wie man sie damals geschlossen hat und warum es heute nicht geschieht. Dabei zählen nicht die vielen Nebensachen, sondern die Schalthebel, mit denen große Maschinen gesteuert wurden, also die Regeln und Methoden. Manchmal reicht ein einziger Satz, um große Türen zu öffnen. Geschieht das niemals, folgt eine eisige Überraschung, wie in einer eindrucksvollen Erzählung von Franz Kafka: „Diese Tür war nur für dich geöffnet. Jetzt werde ich sie schließen.“ Dieser Hinweis ist das Ende von Kafkas Kurzgeschichte „Vor dem Gesetz“. Am 27.1.20 habe ich dazu einen Kommentar geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/kafka-vor-dem-gesetz/ 

Kafka verlegt sein Thema in die tiefenpsycholgische Ebene: Wer draußen,  vor der weit offenen Tür des Gesetzes stehen bleibt, dem wird sie schließlich vor der Nase zugeschlagen. Man kann aber den Horizont noch weiter öffnen, wie einen weiten Himmelsbogen, den auch  hier alle Kommentare bearbeiteten und der über 40 Kapitel (Kategorien) umspannt.

So abwegig ist das gar nicht. Die Presse schreibt: „Zwei Weltraumteleskope haben eine der exotischsten Vorhersagen der allgemeinen Relativitätstheorie bestätigt. Die Raumzeit um Schwarze Löcher wird so extrem verzerrt, dass sogar Regionen direkt hinter diesen Objekten sichtbar sein können. Doch direkt nachgewiesen wurde das bisher nicht.“ Jetzt ist das gelungen. Schwarze Löcher lassen keinen einzigen Lichtstrahl in ihr Inneres, haben aber eine riesige Energie und  können  andere Nachbarplaneten vollständig auffressen. Das Alles ließ sich bisher nur berechnen, jetzt ist es nachgewiesen.“

Schwarze Löcher sind in der Umgangsprache, auch oft als Witz, alle Sachen, die spurlos verschwinden. Gegenstände und Gedanken. Meistens ist das kritisch gemeint, als Zeichen für Schlamperei und Unfähigkeit. Im Beruf erlebt und hört man das ständig oder kommt selbst darauf. Denn die meisten Leute brauchen ein eigenes Gehalt oder klauen sich fremdes Eigentum zusammen.

Da gibt es noch mehr Vergleiche mit einem  echten Himmelsbogen, dem nächtlichen Sternenhimmel, der viele Geheimnisse enthält, die im Altertum von auserwählten Zauberern und Magiern gedeutet wurden. Bestätigten sich ihre Erkenntnisse durch Tests mit ähnlichen Abläufen, war damit die Richtigkeit bewiesen. Allerdings längst nicht die Vollständigkeit. Die Werbepsychologie will Waren verkaufen, möglichst viele. Aber sie hat große Lücken. Die aufdringliche Holzhammer-Methode, mit dummen Sprüchen, Superlativen und ständigem Gelächter, schreckt ab. So wie aufdringliche Menschen, die ständig Nebensachen  reden oder falsche Spiele beginnen.  Das ist leicht zu durchschauen. Trotzdem ändert sich nicht viel. Neue Wege sind dagegen  sehr wirkungsvoll, wenn sie ein gutes Echo haben. Aber wer findet sie? Trauerweiden hängen im Wind herum und werden dabei nass. Das ist ganz natürlich, aber es darf nicht das Hauptmotiv für den Rest des Lebens sein.

Das Paradies auf Erden gibt es nicht, aber manchmal nähert es sich. Wenn Logik, Gerechtigkeit im Denken, Menschlichkeit  und Phantasie die richtigen Regeln verwenden. Zum Beispiel in Bachs Orchestersuite Nr. 3:

https://www.youtube.com/watch?v=FuMtEof9MWs

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Münchhausens Erfahrungen

3.8.2021.  Der Name Münchhausen ist als Märchenerzähler bekannt. Seine Lügen sind ganz dick aufgetragen. Man nimmt sie nicht ernst, sondern lacht darüber. Das Thema ist aber meistens nicht sehr lustig, weil viele Zeitgenossen damit erfolgreich und preiswert durch das ganze Leben kommen wollen, und viele Trittbrettfahrer auf dem gleichen Zug unterwegs sind. Ein Buch über Münchhausen  schrieb in der Barockzeit Gottfried Bürger (1747 – 1794). Münchhausen war auch der Titel eines deutschen Farbfilms von 1943. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wollte die Filmindustrie sich zum Träumen  auf die Höhe von Hollywood begeben, mit einer sehr teuren Ausstattung und Stars wie Hans Albers in den Hauptrollen. Der Drehbuchautor nannte sich auch „Bürger“. Dahinter steckte aber Erich Kästner, der Schreibverbot hatte. Am 10.5.1933 stand er selbst in Berlin unter den Zuschauern, als seine Bücher  auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt wurden. Um Mitternacht erschien sogar Propagandaminister Joseph Goebbels selbst und hielt eine kämpferische Rede.  Zehn Jahre später erteilte er aber sogar eine Sondergenehmigung für Erich Kästner (1899 – 1974), den er beim Münchhausen-Film einfach für den besten Drehbuchautor hielt. Als Hitler davon erfuhr, war er wütend und bekräftigte das Schreibverbot. Aber der Film war schon fertig und viel zu teuer für eine Neufassung.

Erich Kästner wurde danach nicht belästigt und schrieb weiter unter verschiedenen Pseudonymen. Beim aufsehenerregenden Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1945 – 1946 war er Zuschauer und sogar offizieller Berichterstatter, übte auch deutliche Kritik an dem besiegten Reich, verzichtete aber auf eine persönliche, große Abrechnung. Bis zu seinem Tod 1974 lebte er in München. Dort wurde er mit Kinderbüchern bekannt, zum Beispiel dem „Doppelten Lottchen“. In zwei Verfilmungen spielte er selbst mit, einmal als Erzähler und dann noch beim Gespräch mit einem jungen Hauptdarsteller,  im Münchner Hofgarten. Bekannt wurde seine Bemerkung, „Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu Zweit.“ Er trank gern und äußerte sich zur Nachkriegszeit. Zitat: „Kästners Optimismus der unmittelbaren Nachkriegszeit wich umso mehr der Resignation, als die Westdeutschen mit Währungsreform und Wirtschaftswunder versuchten, einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen.“ (Wikipedia).

Zum Thema „Wirtschaftswunder“ gibt es hier schon über 35 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=wirtschaftswunder&x=6&y=4

Kästners Beobachtung war richtig: Bis zum Ende der Sechziger Jahre schafften die zeitlosen, sehr wirkungsvollen Wirtschafts-Regelungen von Ludwig Erhard in der Bundesrepublik ein steinreiches Land.  Die Hauptgründe: Wiederaufbau der total kriegszerstörten Städte. Ein großes privates Sparvermögen durch die stabile neue Währung, die Deutsche Mark. Eigene Privatautos und die ersten Auslandsreisen nach Italien.

Was danach kam, Anfang der Siebziger Jahre, waren der Überfluss und die Missachtung der unüberhörbaren Aufrufe zur Sparsamkeit. Die Rezepte der Freien Marktwirtschaft, die auch die Armen unterstützte, wurden  ausgenutzt und von verschiedenen Gruppen für ihr eigenes Sparkonto missbraucht. Wer staatliche Sozialhilfe bekam, behandelte sie oft als unsichtbares zweites Einkommen, zusätzlich zur Schwarzarbeit. Es blühten  Steuerhinterziehung und die Umleitung von privaten Firmengeldern in die eigene Tasche, zur Erhöhung des Mitarbeiter-Gehalts.  Alles das findet man hier, in dem Kapitel „Die Gesetze der Ökononomie“, mit 174 Artikeln und 292 eigenen Kommentaren zum Stichwort „Universaregeln“. Betrachtet wird dabei auch die Situation in anderen Staaten.

Vergleiche schärfen den Blick. Vergangenheit und Gegenwart ergeben eine steigende oder fallende graphische Kurve, die Erfolge und Niederlagen zeigt. Bei den Stichwörtern: Bevölkerungszahl, Einkommen jeder einzelnen Person, geographische Verteilung des Wohlstands, Leistungsbilanz der größten Firmen, dazu den tieferen Ursachen der Unterschiede und Auffälligkeiten. Die Liste ist noch viel länger, aber eine Auswahl hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren. Man kann das an der Universität studieren, viele Beratungsfirmen verdienen gut dabei, aber entscheidend sind persönliche Erfahrungen.

Auch hier fehlen noch Computerprogramme, die gezielt auf Spurensuche gehen. Aber sie kommen. Schon in den Sechziger Jahren, mitten im Wirtschaftswunder, gab es große Fehler und Skandale. Seit dem letzten Jahresende krachten wieder ein paar neue, die jetzt in jedem Lexikon stehen. Alle Auswertungen müssen aber – ganz allgemein – noch stark verbessert werden. Das Internet öffnet immer mehr streng verschlossene Türen, für Jeden. Auch die Justiz hat dabei einen großen Nachholbedarf. Zufallsgespräche bringen schon seit vielen Jahren große Überraschungen, aber Wissenslücken kann Jeder auch selbst schließen. Unterstützung gibt es dafür immer auf dieser Webseite, die niemals vollständig sein kann, aber geduldig auf dem Weg dorthin ist. Was die Zukunft genau bringt, weiß Niemand, aber die Vorzeichen werden immer deutlicher und klarer.

Man erkennt sie auch in José Felicianos Lied „Que sarà“, hier in einer gekürzten deutschen Übersetzung: „Was wird sein,  wer weiß das? Que sara? Ich weiß Alles, was zu tun ist oder vielleicht auch nicht. Und was immer sein wird. Meine Freunde sind schon fast alle gegangen,
Und die anderen werden nach mir gehen. Was für eine Schande, denn ich freute mich über ihre angenehme Gesellschaft. Aber Alles geht vorbei, und Alles geht weiter. Meine Gitarre nehme ich mit und weine nachts. Aber ich weiß, dass ich zurückkomme. Que sara?“

Hier kann man das als Film erleben:

https://www.youtube.com/watch?v=jRhtJtUDAZs

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Mitten in der Stadt

3.8.2021. Piazzale Michelangiolo mit einer großen David-Statue bietet einen Ausblick über ganz Florenz und seine märchenhaften Renaissance-Bauten,  von einer bewaldeten Bergkuppe aus. Spricht man mit Einheimischen, haben sie oft weder Zeit noch Geld dafür, weil sie in zeitraubende Berufe eingespannt sind. Auch in München hört man öfter diese Geschichten, weil es viele Einwanderer aus dem Süden gibt. Piazza Navona ist einer der schönsten Plätze, mitten  im großen Rom. 1649 schuf Bernini dort den barocken Vierflüssebrunnen,  der Besucher aus aller Welt anlockt. In einem der Straßencafés ringsum kann man Sommerabende ganz langsam ausklingen lassen. Manchmal tanzen Einheimische draußen auf dem Platz,  in Gruppen, und man sieht einzelne Rosenverkäufer. Das sind meistens Kinder aus den Vorstädten, die mit dem Verkauf etwas Geld nach Hause bringen sollen. Diese Vorstädte sind weit weg, am Stadtrand. Sie umringen alle alten, historischen Großstädte, die sich Niemand mehr privat leisten kann, wenn er nicht für ein paar Tage im Hotel lebt oder dort eigenen Besitz hat.

Sieht man die endlos langen Vorstädte zum ersten Mal, denkt man an eine Landung auf dem Mond. Riesige Betonkästen aus Billigmaterial, die alle gleich aussehen. Die Ideen dafür kamen 1919 vom Weimarer „Bauhaus“. Die Architekten wollten keine dekorativen Schnörkel mehr wie in der Barockzeit, auch nicht die attraktiven Bauten früherer Jahrhunderte. Nüchterne Zweckmäßigkeit war das Leitmotiv, wie bei der Herstellung einer Schuhschachtel mit lebenden Einwohnern. In Deutschland war das die Nummer Eins, als 1945 fast alle Städte durch Kriegsbomben zerstört waren. Die neuen Gebäude waren vergleichsweise kostengünstig, halten lange, und auch Passanten können sich noch in fünfzig Jahren daran freuen. Allerdings gibt es meistens recht wenige Cafés oder Versammlungsorte, und mit dem Bus  ist man ganz schnell fort und dort, wo alle Anderen auch  so gern sind, in der Stadtmitte mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, Bistros und romantischen Wanderstrecken.  Über zwanzig Jahre lang habe ich die Gebäude einer großen Firma verwaltet. Dabei gibt es Alles zu sehen, was man nirgendwo lesen kann. Gute Menschen, böse Menschen. Große Planungen und Projekte. Nebensachen, die viel Wind machen, aber nur trockenen Sand aufwirbeln. Nebel, der sich am Vormittag auflöst oder nur von Computern der Zukunft verarbeitet werden kann. Entwickelt  werden sie von Denkern wie Steven Weinberg (1933 – 2021). Über ihn habe ich am 1.8.21 geschrieben: „Er starb am 23. Juli, vor einer Woche. Er war ein Forscher bei der elektromagnetischen Wechselwirkung im Standardmodell der Teilchenphysik. Unter den Physikern hat sich auch sein Kollege Albert Einstein (1879 – 1955) als „Kosmologen“ bezeichnet. Er suchte eine Weltformel, die Alles erklärt, aber vermutlich gar nicht existiert.“ Hier ist der Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/steven-weinberg/  

Herausragend sind diese vielversprechenden Modelle, weil sie Entdeckungen der Vergangenheit neu zusammensetzen und erweitern. Einstein schrieb: „Wir stehen auf den Schultern von Riesen, die vor uns waren.“ Er war außerordentlich bescheiden, sagte aber auch: „Früher habe ich die akademischen Kapazitäten verachtet, jetzt bin ich selbst Einer.“ Und unvergesslich: „Es heißt, dass zwei Dinge unendlich groß sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim ersten Stichwort bin ich mir nicht ganz so sicher.“ Dummheit ist tatsächlich die Ursache sehr großer Fehler und Beschädigungen. Aber sie ist immer leichter nachzuweisen. Vor zwanzig Jahren, als Einstand bei den neuen Kollegen, wurde allen Anwesenden von der Geschäftsleitung verboten, Arbeitsaufträge an eine bestimmte Firma zu verteilen. Dann kam heraus, dass diese Firma dafür Belohnungen zahlte. Was Niemand wusste: Der zuständige Abteilungsleiter besuchte seine Mitarbeiter in ihren Büros  und entschied  dabei ganz vertraulich, über den Gewinner des Wettbewerbs. Verurteilt dafür wurden zwar nur die kleinen Lichter. Aber sogar das wird immer schwieriger, weil zu viele Ohren mithören, auch, wenn sie gar nicht anwesend sind.

Schwarzmalerei ist das nicht, aber Dauerthema beim täglichen Kaffeetrinken in der Betriebskantine, wo auch die Nebentische zuhören. Unterschätzt oder nicht ernst genommen wird das aber  offensichtlich, auch der ganze Käse drumherum, mit Kreuz- und Querverbindungen. Doch die Zeiten ändern sich immer. Florenz und Rom sind uralt. Sie wurden am Anfang erwähnt, aber nur als Zufallsbeispiele für schöne Innenstädte und deren Veränderung.  Ein Beispiel ist immer nur ein Signal, das keine Kopien hat, aber ein paar  Verwandte, die nicht überall sehr beliebt sind. Ihre Besuche kann man vermeiden, wenn man will.

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Unsichtbare Fernsteuerung

2.8.2021. Der hohe Energieverbrauch und die damit steigende Erderwärmung beschleunigen auch die Anstrengungen, etwas dagegen zu unternehmen. Gelöst ist das Problem noch lange nicht, aber überall blühen neue Ideen, in einer Art Frühlingsstimmung, die noch mehr Vergleiche mit den Jahreszeiten nahe legt. Wenn  im Herbst die Ernte kommt, sind Jahresbilanzen fällig. Wer hatte Erfolg und wie viel? Alles lässt sich in Geld messen, ohne das Wort Öko-Bilanz zu verschwenden, das wegen Überlastung schon ausgetrocknet ist.

Einen neuen Sprung bringt ein harmloser englischer Begriff, der sich immer mehr verbreitet: „Home-Office“. Vor einem Jahr schickten große Firmen ihre Mitarbeiter nach Hause, und dort sollten sie selbständig weiter arbeiten. Das klappte sehr gut. In jeder komplizierten Maschine sitzt Elektronik, und dabei ist es egal, wo der Mitarbeiter sie bedient. Die Vorteile sind noch lange nicht ausgeschöpft: Die Kosten für gemietete Büros und deren Entwicklungs-Technik, auch für Großprüfungen von kostspieligen Industrie-Anlagen,  stürzen dann sofort ab, während gleichzeitig die Gewinne und Einsparungen sich steigern. Große Besprechungen, mit Reisekosten und Hotelübernachtungen, können durch Videokonferenzen und andere Formen der Gemeinsamkeit ersetzt werden. Während meines ganzen Berufslebens waren das die größten Zeitfresser. Mittelmäßige Führungskräfte und endlose  Gastredner beherrschten die wertvollsten Tage und rissen die Leitung an sich.

Wenn man das im Detail nachrechnet, kommt immer mehr Ablehnung ins Spiel. Denn diese ganzen Kosten hätte man sparen können statt sie zur Schaubühne für ein paar Solisten zu machen. Aber im Prinzip hat sich gar nichts daran geändert, und den Reiseveranstaltern gönne ich ihre Einnahmen. Denn auch die Urlaubsplanung  hat persönliche Besuche in Reisebüros überflüssig gemacht. Die Ausstattung der Ziele wird immer ähnlicher. Die Urlauber wollen keine großen Formalitäten beim Besuch und Verlassen eines anderen Landes, die zur Zeit eine große Rolle spielen wie noch nie. Also werden Ersatzmöglichkeiten gesucht.

Die liegen nicht auf der Straße, verstecken sich aber manchmal in Stichwörtern, die Jeder auflösen kann, wenn er nicht vorher in einem zu engen Blickwinkel stecken bleibt. Ein Stichwort fällt imer häufiger: „Tele-Arbeit“. Das ist viel mehr als „Home Office“. Tele-Vision nannte man auch die ersten Fernseher, Anfang der Sechziger Jahre. Sie bekamen eine Fernbedienung mit einem langen Datenkabel, das auf dem Fußbden herumlag, als ständige Stolperfalle. Heute ist das Schnee von gestern. Die „Tele-Arbeit“ enthält alle Tätigkeiten, die über Funk erledigt werden. Wieless Lan (WLan) hat eine Revolution ausgelöst. Am Funknetz hängen heute Mobiltelefone, Internet und die Organisation großer Sportveranstaltungen. Und noch viel mehr. Die Garäte haben ein unauffälliges Miniaturformat oder sind optisch unsichtbar. Eine ideale Fundgrube für ihren Missbrauch. „Fake News“ heißt jetzt die absichtliche Verbreitung  von täuschend echten Falschmeldungen, die sehr große Schäden anrichten können. In der Großindustrie hängt daran sogar die Versorgung der Staaten mit Energie und Informationen, auch die Finanzströme.

Die Gegenmittel passen sich an. Sie ermitteln die Funktionsweise und den Standort von Störquellen, also die Verursacher. Dazu gibt es laufend Erfolgsmeldungen. Ein Teil bleibt geheim, aus Sicherheitsgründen. Aber auch das spricht sich herum. Entscheidend ist die Matrix, die Schaltzentrale. Wird sie entschlüsselt, funktioniert sie nicht mehr ausreichend. Staatliche Behörden und private Sicherheitsfirmen arbeiten mit Hochdruck daran. Weil sie die wichtigsten Gesetze auf ihrer Seite haben, stehen die Gewinner jetzt schon fest. Allerdings gibt es Mischformen, mit vernebelten Grauzonen. Deren gefährlich wunde Stellen sind die Mitarbeiter, nicht nur die unberechenbaren Mitwisser, die als „Whistleblower“ im dunklen Wald laut pfeifen. Keineswegs mit einer Alarmglocke. Sie  sammeln Informatonen auf kleinen Speicherstiften und verschicken sie unauffällig an staatliche Behörden. Auch in den letzten Monaten hat das ein paar Mal laut geknallt. Allerding auch absichtlich. Der chinesische General Sun Tsu (544  -496 vor Chr.) schrieb, „Schlage auf den Busch, und die Schlange springt heraus.“ Er meinte damit die geplante Erzeugung von öffentlicher Aufmerksamkeit, um Schwätzer auszutricksen, die gern ihr Wissen herumposaunen, um Aufmerksamkeit für sich selbst zu bekommen.

Der chinesische Meister-Stratege lebte vor 2.500 Jahren. Von seinem Buch habe ich zehn verschiedene deutsche Übersetzungen, weil die Feinheiten der chinesischen Sprache nicht so eindeutig sind wie gewohnt, bei anderen Autoren der Weltliteraatur. Er schreibt einfache Sätze, aber ihre Erklärung ist kein Kinderspiel, und sie öffnet tausend unbekannte Türen. Hier gibt es schon fast 80 Kommentare dazu:

https://luft.mind-panorama.de/?s=sun+tsu&x=14&y=5 

Ein wichtiges Instrument der Zukunft wird die Einfachheit sein. Mit Primitivät hat das nichts zu tun. Die kompliziertesten Aufgaben lassen sich bewältigen, wenn man sie durchschaut hat. Das kann jahrzehntelang dauern. Aber wer lernt, Nebensachen aufmerksam zu betrachten, kann sie gedanklich von den Hauptsachen trennen. In Asien ist die Meditation weit verbreitet, die solche Ideen sehr wichtig nimmt. Konzentration ist auch in überfüllten Massenveranstaltungen möglich. Man kann sie tranieren. Ob das gelingt, ist eine ganz andere Frage.

Der Mond von Montezuma

2.8.2021. „Der Mond von Montezuma“ ist eine schaurige Kurzgeschichte von Cornell Woolrich (1903- 1968). Seine anderen Bücher wurden oft verfilmt, auch von Alfred Hitchcock. Woolrich ist ein Wahrzeichen der Schwarzen Serie, einer  Schreckensreaktion auf den Zweiten Weltkrieg von 1939 – 1945, als sehr viele amerikanische Soldaten den Engländern und Russen, vom europäischen Stützpunkt  London aus halfen, die Hitler-Diktatur zu beenden. Das Thema von Woolrich waren schwarze Alpträume, die er mit sprachlicher Wucht und klarem Sinn für die Realität ausbreitete. Alpträume verarbeiten innerliche Spannungen, beim Aufwachen bewirken sie Entspannung. Woolrich hat da nichts zu verschenken. Seine Erzählung „Der Mond von Montezuma“ hat mich schon als Jugendlicher gefesselt. Die Bilder sind nicht schwächer geworden. Zu dem seltenen Namen Montezuma gab es kürzlich hier ein paar Anmerkungen.  Montezuma II.  (1465 – 1520 nach Chr.)  war der letzte König der Azteken in Mexiko. Der spanische Eroberer Hernan Cortez nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Was vorher und nachher geschah, sprengt den Rahmen dieses Kommentars und steht in jedem Lexikon. Auch die reiche Kultur der Azteken und ihre eigenen Eroberungskriege. Hier geht es nur um den „Mond von Montezuma“.

Zur zweiten, sehr alten  südamerikanischen Hochkultur, den Maya, die 3000 Jahre vor Chr. herrschten, gibt es hier schon 6 Artikel: „Der Untergang der Maya“ :

https://luft.mind-panorama.de/?s=maya&x=14&y=8   

Am 25.6.21 schrieb ich: „Die Kultur der Maya  brach vor tausend Jahren zusammen. Die Naturschätze waren verbraucht, die Lebensmittel wurden immer weniger. Die Städte verfielen, ihre Überreste werden seitdem von Wissenschaftlern aufmerksam untersucht. Die Phantasie schmückt das Thema noch mehr aus, mit Märchen und Legenden. Abenteuerfilme dazu waren vorübergehend sehr erfolgreich, so wie auch der Verfall der Oster-Insel, viertausend Kilometer von Chile entfernt. Im ersten Jahrtausend n. Chr, begann dort die Besiedlung. Streitigkeiten, Kämpfe zwischen den Bewohnern und fremde Angreifer  sorgten dafür,  dass 1864 nur noch 111 Personen dort lebten.“

Cornell Woolrichs Schreckengeschichte ist kürzer, aber auch sehr stark: Ein Mensch  wird an einem einsamen See in Mexiko ermordet. Die Stätte des Todes sucht ein Überlebender immer wieder auf, nachts, dazu leuchtet ein unheimlicher Mond. Dann wachsen Zweige aus der Tiefe, ein Rosenstock, mehr nicht. Aber das Mordopfer ist zurückgekehrt. Die letzten Sätze: „Die  Lippen sagen nichts.  Aber der Himmel weiß es, der ewig auf Atuahac herabschaut. Der Mond, der einst auf Montezuma schien, er ist weiß.“

Der weiße Mond, damit ist hier die helle Hautfarbe einer  Hauptfigur in der Geschichte gemeint. Sie stammt also nicht aus Mexiko, sondern hat dort etwas Grauenvolles erlebt. Und die Erwähnung des ermordeten letzten Aztekenkönigs Montezuma verstärkt diesen Hinweis. Es wäre langweilig. solche  Einzelheiten jetzt noch weiter auseinander zu nehmen. Cornell Woolrich hat sich jedes Wort genau überlegt. Es sind klare. leicht verständliche Worte. Aber sie in Einzelheiten zu zerlegen und damit herumzubasteln, würde das Geheimnis zerstören. Es liegt offen da, bleibt aber rätselhaft. Genauso hat das auch Richard  Wagner gemeint, als er in den Grundstein seines neuen Festpielhauses am 2.8.1873 einen handschriflichen Zettel einmauern ließ: „Hier schließe ich ein Geheimnis ein. Da ruht es hundert Jahre. So lange es der Welt sich zeigt, wird es der Welt nicht offenbar.“ Gezeigt werden seine Werke tatsächlich offen, im Musiktheater, aber ihr Geheimnis öffnet sich nur, wenn sie wirken und die Zuhörer darüber nachdenken.

Das haben Botschaften so an sich. Sie können kompliziert verschlüsselt sein, aber die meisten Übersetzungs-Computer knacken heute die Bruchstücke im  Irrgarten der Vokabeln und Grammatik. Und wenn die Sätze  ganz enfach klingen, wie die militärische Strategie des chinesischen Generals Sun Tsu vor 2.500 Jahren, verstehen die meisten sie überhaupt nicht.

Aber das Denken lebt von der Anwendung, sonst ist es wie trockenes Stroh. Wissenslücken verursachen ständig große Schäden. Beides kann man ändern. Wenn Fehler möglichst klein bleiben und auch die Gesetze des Universums beachten, führt das automatisch zu Erfolgen, wenn sich keine Gedankenfehler darin verstecken. Das ist eine persönliche Lebenserfahrung, die man nicht über Nacht geschenkt bekommt. Aber wer damit umgehen kann, erntet Geschenke von selbst, legal, wenn er sie geschäftlich anwendet. Im finanziellen Bereich ist das aber trotzdem nicht möglich, wenn die Denkmethoden nicht dazu passen.

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Sprungbretter auf Trockenböden

2.8.2021. Ein Sprungbrett gibt es in jedem Freibad. Gefährlich ist das, wenn sich unten im Wasser schon ein anderer Besucher befindet und nicht rechtzeitig bemerkt wird. Nicht viel anders ist es im Beruf. Das Sprungbrett heißt dort Karriere, es ist noch nicht im Eintrittspreis enthalten. Also muss man erst eine schmale Hühnerleiter hochklettern, die Anwesenden und Wartenden vertreiben und nach jedem Sprung darum kämpfen, wieder ganz nach oben  zu kommen. Jeder rechnet dabei mit Fußtritten, Stolperbeinen und Zweikämpfen, hinter denen sich noch mehr Mitkämpfer verstecken.

Solche Spielereien haben mich nie interessiert. Wertvolle Zeit kann man ganz anders verbringen. Selbst das Zuschauen an einem überfüllten Badestrand ist langweilig, die Mehrheit begeistert sich dafür. Bei Arbeitskollegen gibt es immer extrem lächelnde, überfreundliche  Mitarbeiter, die aufdringliche, anteilnehmende Fragen stellen. Oft sind sie nur neugierig und sammeln vertrauliche Informationen, um Schaden anzurichten.

Das funktioniert nicht nur in Großfirmen. Kleinstädte auf dem Land sind dafür berüchtigt, dass gelangweilte Nachbarn mit viel Zeit, stundenlang hinter den Wohnzimmerfenstern stehen und im ganzen Ort aufgeregt verbreiten, was in ihrer Nähe alles passiert. Kommt Jemand, nach einer anstrengenden Arbeitswoche dazu, dann im eigenen Garten,  in der Sonne friedlich zu entspannen, wird sogar verbreitet: „Die sind faul!“ Ein Kollege erzählte mir das, der aber  nur am Wochenende zu Hause war,  weil es in der nächsten Großstadt eine besser bezahlte Arbeit für ihn gab.

Im westfälischen Münster war dafür die richtige Mischung. 316.000 Einwohner. Im Stadtzentrum war das überschaubar und man konnte Belästiger problemlos auf Distanz halten. Die gesamte Altstadt war umgeben von einer romantischen alten  Linden-Allee, der Promenade. Zu diesem Stichwort gibt es hier noch mehr Beiträge:

https://luft.mind-panorama.de/?s=promenade+&x=9&y=14

Natürlich muss man auch im beschaulichen Münster arbeiten gehen, aber das mischt sich nicht überall in den Vordergrund. Wer die Freizeitmöglichkeiten in der Großstadt kennt, muss enttäuscht sein. Aber wer sechzehn Jahre und  die Lebensmitte im kleineren Rahmen verbracht hat, schaut auf etwas Unersetzliches zurück: Die größten Probleme schrumpfen auf ein Miniatur-Format, und  die besten Erinnerungen vergrößern sich, ohne weltfremde Schönfärberei.

Ein sehenswertes Bild hat auch Schatten, sonst wäre es langweilig, also wertlos. Und geographische Grenzen können auch langweilig sein. Aber die Gewichte verteilen sich später, die Bewertung, die Farben, die Zutaten. Dann bekommen  zahllose Eindrücke immer mehr Kraft. Selbst nach vielen Jahren verdichten sie sich zu einem Konzentrat, ohne Nebel und Dampf. Man muss nur ein paar Elemente hinzufügen, dann bekommt es immer mehr Gewicht. Je nachdem, was da zusammengerührt wird. Denn Unsinn ist Zeitverschwendung, aber ein Hauptmotiv bei vielen Treffen, die man sich nicht selbst ausgesucht hat. Kommen dann noch andere schlechte Zutaten dazu, sollte man gehen.

Alte Fotos und Filme überraschen mit halb vergessenen Einzelheiten, die plötzlich Farbe und Tiefe bekommen. Auch dabei war Münster eine Fundgrube, oft sogar eine Schatzkammer. Nach drei Jahren in München, war ich im Juni 2000 noch einmal dort. Nach dem Telefonat mit einem alten Bekannten stand er plötzlich in der Abreisehalle vom Hauptbahnhof. Ein letztes Mal wanderten wir zum zentralen  Prinzipalmarkt, zu den Giebelhäusern dort  aus dem 14. Jahrhundert. Da gab es sogar bayerisches Bier aus dem Zapfhahn, und gegenüber vom Stadtheater noch ein Abendessen. Im Stadttheater habe ich viele Jahre lang herausragende Opernaufführungen gesehen und war mit einigen Sängern befreundet. Die Winterabende hatten in den Straßen eine eigene, oft dunkle Stimmung, die aber nicht die Gedanken belastete. Die Sommerabende waren endlos und endeten oft erst am frühen Morgen.

„The Days of Wine and Roses“ treffen genau diese Stimmung. Henry Mancini schrieb 1962 dieses Lied, und hier bringt er es, mit seinem Chor:

https://www.youtube.com/watch?v=YPBIEBjwU44

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Steven Weinberg

1.8.2021. Steven Weinberg (1933 – 2021) starb am 23. Juli, vor einer Woche. Er war einer der Begründer der Vereinigung der elektromagnetischen Wechselwirkung im Standardmodell der Teilchenphysik. Er war  bekannt für seine Beiträge zur Astroteilchenphysik und Kosmologie. Unter den Physikern hat sich auch sein Kollege Albert Einstein (1879 – 1955) als „Kosmologen“ bezeichnet. Er suchte eine Weltformel, die Alles erklärt, aber vermutlich gar nicht existiert.

Auch Steven Weinberg nannte sich „Kosmologe“ und schrieb einen Bestseller über den Urknall: „„Die ersten drei Minuten“. Einen solchen Millionen-Erfolg müssen die Leser verstehen, das ist bei der Physik nicht selbstverständlich. Zum Thema „Urknall“ gibt es hier schon 16 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=urknall&x=13&y=12

Weinberg schrieb auch: „Mit oder ohne Religion würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion.“  Das klingt einfach, ist aber schwer zu verstehen. Er meint das Dualitätsprinzip: Gutes und Böses sind nicht auszulöschen, sie gehören zur universalen Weltordnung. Aber die Religion verleiht Spannungen eine besondere Kraft: Großen Kriegen und privaten Streitereien. Ein Glaube kann nicht nur Berge versetzen, sondern sie auch zerstören. Ziel ist immer das Gegenteil: Eine friedliche Welt. Ein Paradies für Alle. Zum Thema „Religion“ gibt es hier schon 48 Kommentare, aber sie können auch nur den Rahmen eines viel größeren Bereichs zeigen.

Ein Irrtum ist es, Naturkatastrophen für das Werk überirdischer Mächte zu halten. Im Hochsommer sorgen die Temperaturen auch für Waldbrände. Diesmal hat es wieder Kalifornien, Griechenland und die Türkei getroffen. Aber der Bürgermeister einer sizilianischen Stadt sagte auch, dass er Brandstiftung vermutet. Zwar ist das nicht so einfach nachuweisen, aber die Spuren werden immer leichter gefunden. Unglaublicherweise mischen sich die Täter unter die Zuschauer am Unglücksort, und manchmal sind auch Feuerwehrleute dabei. Die Motive sind Wichtigtuerei, Hass oder eine kranke Selbstsicherheit. Das lässt sich herausfinden, durch ganz normale Gespräche und die sonstige Stuation vor Ort. Bei den meisten Überprüfungen gibt es Wiederholungen und Auffälligkeiten danach, die auch in der Nachbarschaft bekannt sind.

Der Physiker Einstein korresponierte mit seinem Zeitgenossen, dem Entdecker der Tiefepsaychologie, Sigmund Freud. Aber sie fanden keinen rechten Draht zueinander. Freud hielt die Religion für eine Sehnsucht, eine Wunschvorstellung und schrieb dazu das Buch, „Die Zukunft einer Illusion.“ Genauso wie bei seiner „Traumdeutung“, sah er darin nur Phantasien über unerfüllte Wünsche. Karl Marx (1818 – 1883) war noch radikaler. Er sprach von „Opium für das Volk“, also einem Rauschmittel, um die ausgebeuteten Arbeiter von ihrer harten Realität abzulenken.

Aber diese Bewertungen  sind nur Vermutungen. Tatsache ist, dass die Religion, schon seit Millionen Jahren,  die ganze Welt bewegt. Auch ablehnende Atheisten müssen den Grund, das Thema ihrer Abneigung kennen: Die universale Energie, die unsichtbar ist wie der Strom, aber doch gewaltige Wirkungen hat. Beide staatlichen Verfassungen, für die   nordamerikanischen USA und die westdeutsche Bundesrepublik seit 1949, beschreiben, neben anderen wichtigen Freiheitsrechten, die Religionsfreiheit als unantastbares menschliches Grundrecht. Alle Glaubensgemeinschaften sind, auch bei ihrer eigenen, inneren Organisation dazu verpflichtet. Zwang ist nicht erlaubt,

Die innere Nähe der Physiker Einstein und Weinberg zur „Kosmologie“ enthält die stärkste Kraft der Welt: Die Erforschung der universalen Gesetze, die auch im Weltraum gelten, auf ihre eigene Art, aber mit Abläufen und Regeln, die sich sehr ähnlich sind. Näheres dazu findet man im Kapitel „Zehn Gespräche. Der Dekalog“, mit bisher 165 Beiträgen.

Nicht jedes Gespräch endet mit einem Ergebnis. Aber wenn es gut ist und kein belangloses Geschwätz, zur Zeitverschwendung, öffnet es Türen und Wege ganz weit, für Aufgaben in der Zukunft.

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Rossinis Semiramide, Teil 2

1.8.2021. Die Welt ist insgesamt langweiliger geworden. Entdeckt man zufällig ein faszinierendes Thema, dann kann es vorübergehend sich verstärken, trocknet dann wieder aus oder bleibt Jahrzehnte im Unterbewusstsein, unbemerkt, bis ein leises Signal den Schlaf beendet. Die Entdeckung von Rossinis Tragödie „Semiramide“ hatte gestern solche Folgen. Nach dem Schreiben des Artikels war diese Geschichte nicht zu Ende. Sie schlug Gedankenbrücken (Assoziationen) zu verwandten Bereichen und zu Verbindungen, die nicht voraussehbar waren. Deshalb heute der zweite Teil.

Erstes Stichwort war Babylon. Es ist bekannt aus der altbiblischen Geschichte vom geplanten Turm, der bis zum Himmel reichen sollte. Aber Gott zerstörte den Plan, bis in  seine Nähe aufzusteigen, indem er die Sprache der Menschen verwirrte und damit ihren gegenseitigen Informationsaustausch. Das soll 2.300 Jahre vor  Chr. geschehen sein. Dreihundert Jahre später herrschte König  Hammurabi in Babylon, über den gestern im ersten Teil ausführlicher berichtet wurde. Er hinterließ das erste schriftliche Gesetzbuch, an dem sich auch die wichtigsten heutigen Gesetze auf der ganzen Welt orientieren.

Damit wurde ein uraltes Chaos beendet, nach dem jeder Herrscher machen konnte, was er wollte. Natürlich ist das auch ganz woanders passiert. Zufällig stieß ich dabei auf den bekannten Namen der Azteken. Etwa 1400 nach  Chr. lebten sie zweihundert Jahre lang in Mexiko. Ihr Staat war ausgeklügelt organisiert, auch das ist ein reiches Anschaungs- und Vergleichsmaterial. Bei ihren Nachbarn waren die Azteken wegen ihrer Aggressivität verhasst. Den Spuk beendeten Besucher aus Spanien. Hernan Cortes (1485 – 1547) eroberte das Aztekenreich und verhaftete den dortigen König Montezuma. Außerdem transportierten seine Schiffe riesige Mengen von Gold und anderen Kostbarkeiten in seine spanische Heimat.

Andere Seefahrer eroberten auch fremde Kontinente. Die englische Königin Elisabeth I. (1533 – 1603) schickte aus London,eigene Kriegsschiffe nach Südamerika. Ihre engsten Vertrauten waren direkt beteiligt am schwierigen Fall des Dichters Christopher Marlowe, der auch ein herausragendes Spiegelbild der damaligen Zeit weit öffnet. Zu seinem Gedenken habe ich am 23.11.20. eine eigene Webseite eröffnet: „Zeichen und Bilder“ :

https://www.mind-panorama.de/  

Wie bereits erwähnt, war der Auslöser für die letzten Gedanken Rossinis tragische Oper „Semiramide“, außerdem die Bildgestaltung am Opernhaus in Venedig, durch Nicolas Bovey, Jahrgang 1996. Im ersten Teil sieht man einen bühnenfüllenden, goldfarbenenen  Hintergrund, eine große Wand  zu Beginn, ohne zusätzliche Störelemente. Sie hat eine Signalwirkung: Das Gold der Herrscher. Später eine kleine, seitlich offene Wand, mit einer kreisrunden horizontalen Scheibe davor. Das Bühnenlicht verändert sich, dunkelblau und die große  Boden-Scheibe dreht sich langsam, leuchtet sternförmig, geheimnisvoll, umringt vom Chor. In der Bühnen-Decke ist jetzt  eine kreisrunde Öffnung, ein Blick in die Außenwelt,  mit blühenden grünen Pflanzen. Die Idee mit der kreisrunden Platte als dominierendes Bildzentrum wurde oft verwendet von Wieland Wagner (1917 – 1966). Es war   sein starker, symbolischer „Weltenkreis“, vor  dem sich, ohne Spielereien  das tagelange, universale „Welten-Drama“  vom „Nibelungenring“ abspielte, mit eindringlichen Lichtwirkungen und einer ausgefeilten Personen-Regie. Die Tragödie von der Beschädigung und dem Untergang der Welt durch betrügerische Habgier.

Vom Thema her sind Musikdramen und historische Ereignisse sehr weit voneinander entfernt. Aber sie vermischen sich miteinander, und daraus kann eine ganz neue Dimension werden. Ein riesiges Bilderrätsel, das man bestaunen, aber auch auflösen kann. Solche Querverbingungen findet man oft auf dieser Webseite. Man muss nur ein einziges  Stichwort in die Suchfunktion eintippen, ganz oben rechts. Zum Suchwort „Norma“ findet man dann sofort alle schon  veröffentlichten Artikel. Es sind bereits über 130 Analysen.

Und das gilt auch für jedes andere Thema, aus der Politik, Ökonomie und den anderen 40 Kapiteln, deren Auswahl immer direkt unter diesem Text zu finden ist. Ein Nachschlagewerk, das sich keineswegs mit dem grenzenlosen Wikipeia-Lexikon vergleichen will. Aber eine Einladung, Themen zu vertiefen, die nur oberflächlich bekannt sind, Fehler und falsche Planungen auslösen, auch wenn sie sogar absichtlich verursacht werden. Alle Gewinne daraus sind Luftblasen, die ein Windhauch platzen lässt. Erfolge mit ganz anderen Methoden sind nicht unbedingt mühsamer, aber sie setzen eine völlig veränderte Denkweise voraus. Auch solche Einzelheiten werden hier beschrieben, ohne den persönlichen Datenschutz zu verletzen. Das Copyright, der berechtigte Schutz der Ideen von jedem Entdecker, wird ganz oben auf jeder Seite erklärt. Wer selbst etwas leistet, kann damit umgehen.

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Hier ist der Semiramide-Artikel, Teil 1:

https://luft.mind-panorama.de/semiramide/

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Diamanten und Kirchenglocken

31.7.2021. Alles verändet seinen Wert. Auch Diamanten. Sie bleiben zwar unverändert als Luxusprodukt der Schmuckindustrie, können aber noch viel mehr. Harte Flächen schneiden. Das machen mittlerweile präzise Laserstrahlen. In Kriminalfilmen waren die Edelsteine ein begehrtes Beute-Objekt, zum Beispiel in dem Bond-Thriller „Diamantenfieber“. Die Kälte des Materials steht dabei im Gegensatz zur hitzigen Gier, mit der es gejagt  wird. Mittlerweile ist das Thema etwas altmodisch geworden. Als Schmuck wurde es von anderen Edelsteinen abgelöst. Man muss ihn nicht mehr mühsam in unterirdischen Bergwerken ausbauen, sondern er lässt sich auch aus Asche herstellen. Die Erde hat so viele andere Rohstoffe, deren Verarbeitung viel mehr Geld bringt, dass die abwechslungsreiche Vielfalt höhere Spitzenwerte erreicht.

Die Bewertung der Dinge ist mitten in einem gewaltigen Umbruch. Immer wichtiger wird, neben dem materiellen Wert und der Seltenheit, die praktische Verwendbarkeit. Das Urteil dazu sprechen nicht mehr Emotionen und modische Pracht, sondern der Verstand. Auf zwei Gebieten hat er einen mächtigen Hieb bekommen: Im Jahr 1900 erschien Sigmund Freuds „Traumdeutung“, die das Gedächtnis als eigene Energiequelle beschreibt, vor Allem der vorher unbekannte Bereich des Unterbewusstseins. Den zweiten Schlag gegen das traditionelle Denken führte Freuds Zeitgenosse Albert Einstein (1879 – 1955). Mit der Relavitätstheorie stellte er alle physikalischen Kenntnisse in Frage und schuf das Fundament für  die Elektronik, also für alle Computer.

Zur „Umwertung aller Werte“ habe ich am 12.7.21 einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/?s=umwertung&x=2&y=16 

Der Begriff stammt von Friedrich Nietzsche (1844-1900). Er gehört auch zeitlich in die Lebensdaten von Freud und Einstein. Seine philosophischen Schriften haben eine sprachliche Wucht, die in seinem Fach sehr selten ist. „Was mich nicht umbringt, macht mich stark“. Damit ist keine körperliche Kraft gemeint, sondern geistige. Seine leidenschaftliche Verehrung für Richard Wagner (1813 – 1883) schlug aus persönlichen Gründen in fanatischen Hass um. Die Gründe sind eine Sache für sich. Nietzsche bracht eimal das „Preislied“ von Brahms mit und legte es auf den Konzertflügel im Haus Wahnfried. Daraufhin wurde er sofort hinaus geschmissen. Aber da war noch mehr an feindseligem Zündstoff. Vermutungen und Gerüchte lassen sich heute ziemlich gut rekonstruieren und durchleuchten. Besonders verhängnisvoll war ein Brief von Wagner an Nietzsches Hausarzt, in dem er sich zur medizinischen Situation seines vorherigen Freundes äußerte. Ein nicht abgesprochener Vertrauensbruch. Ein Mosaikstein, der mit anderen Stolpersteinen das ganze Gebäude auseinander riss.

Auch das war der Auftakt zu einer ganz neuen Epoche. Das 19. Jahrhundert gilt als Inbegriff der Romantik, mit verträumten Nächten im Mondschein, an einsamen Seen. Aber das war auch schon der Fluchtpunkt aus der harten Wirklichkeit. Am lautesten schlug Karl Marx (1818-1883) auf die Pauke. Er bekämpfte die ungerechte Behandlung der Industriearbeiter in großen Fabriken, deren Besitzer er als „Kapitalisten“ und „Ausbeuter“ anprangerte. Er  starb im gleichen Jahr wie Richard Wagner, der als junger Mann  solche Ideen  bewunderte und mit dem russischen Anarchisten Michail Bakunin befreundet war. Gemeinsamen beteiligten sie sich am Aufstand in Dresden, im Mai 1849, um den König von Sachsen zu stürzen. Dabei läutete Wagner eine Kirchenglocke, zur Anfeuerung und wurde danach mit einem polizeilichen Steckbrief gesucht.

Er flüchtete nach Paris und sorgte mit dem neuen „Tannhäuser“  für einen Skandal. Die Aufführung wurde lärmend gestört, von den Trillerpfeifen reicher, adeliger  Mitglieder des örtlichen Jockey-Clubs die ihr gewohntes Ballett vermissten. Der Komponist lieferte nach und schuf mit dem „Venusberg-Bacchanale“ eine ungewöhnliche, feurige Orchestermusik, die schon auf seine späteren Spätwerke wie „Tristan“ deutlich hinweist, deren Klangsprache vorher noch nie zu hören war. Auch hier entdeckt man immer mehr Zeichen einer ganz neuen Zeitrechnung, wie auch bei den bereits erwähnten Freud, Einstein und Nietzsche.

Die Veränderung sind nicht beendet, sondern gehen weiter. „Die Vergangenheit ist nicht vorbei. Sie hat noch nicht einmal angefangen.“  Das schrieb Christa Wolf (1929 – 2011). Sie hatte ein hohes Ansehen in der ostdeutschen DDR und war dort preisgekrönte Staatsdichterin. Die große politische Wende vor dreißig Jahren hat sie um 20 Jahre überlebt und dabei viel nachgedacht. Wer ihre früheren Bücher kennt, kann sie nur mit Respekt betrachten. Aber sie war nicht allein. Aus der Gegenwart wird die Zukunft. Die Nachrichten melden zur Zeit Überschwemmungskatstrophen und medizinische Weltprobleme. Aber es gibt noch viel mehr. Darüber nachzudenken, ist das Haupt-Thema dieser Webseite, auch auf Problemlösungen hinzuweisen. Da ist Viele noch offen, aber machbar, in der begrenzten Alltagrealität und in einem noch viel größeren Rahmen.

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Rossinis Semiramide, Teil 1

31,7.2021.  Die ersten schriftlichen Gesetze sind sehr alt. Die Stadt Babylon war unter König Hammurabi (1792 – 1750  v. Chr.) die Zentrale  seines berühmten Reichs. Zu seiner Zeit entstand das älteste, vollständig erhaltene Gesetzbuch, der „Codex Hammurabi“. Aufgezeichnet wurde der Text  auf einem 2,3  Meter hohen Pfeiler aus Stein. Er hat rund 8000 Wörter,  die  in altbabylonischer Monumental-Keilschrift niedergeschrieben wurden.

Die Regeln beschreiben die öffentliche Ordnung, das private Recht, die Schwerverbrechen und die Bekämpfung des sonstigen Unrechts. Inhaltlich gleichen sie den wichtigsten Gesetzen der Gegenwart. Vorher wurden solche  Regeln mündlich überliefert oder vom wechselnden Alleinherrscher vorgeschrieben. Heute haben wir das andere Extrem: Es gibt viel zu viele schriftliche Gesetze und deshalb auch Streitigkeiten, die erst nach mehreren, jahrelangen  Berufungsinstanzen ein vorläufiges Ende haben, wenn nicht ein schlauer Anwalt noch eine Lücke findet.

Das ist sicher nicht das letzte Wort. Die falschen Extreme werden noch gebändigt. Das garantieren die Datenbanken. Wenn ihre Auswertungen durch schnell reagierende Programme verglichen werden und ihre Qualität öffentlich nachprüfbar ist, kann damit grundsätzlich  jeder arbeiten, der die Informationen hat. Beim Ergebnis mitwirken dürfen aber nur die Besten, die sich auch schnell ermitteln lassen.

Schuld und Verbrechen im alten  Babylon vor viertausend Jahren waren  Thema von vielen anderen Abenteuergeschichten, auch Opern griffen dabei gern zu. Semiramide ist der Name einer Königin  im alten Babylon. Rossinis reifes Spätwerk „Semiramide“ wurde am 3.2.1823 urusfgeführt, im Opernhaus La Fenice in Venedig.  Rossini, der  Komponist der berühmten Komödie „Barbier von Sevilla“ von 1816,  arbeitet bei dem Drama aus der Frühzeit von  Babylon im tragischen, ernsten Fach. Trotzdem ist seine Klangsprache unverwechselbar: Zündende Melodien und Rhythmen. Mit guten Sängern besonders stark.

In Venedig wurde 2017 dazu eine sehenswerte Inszenierung geschaffen. Vor Allem das Bühnenbild von Nicolas Bovey, Jahrgang 1996, enthält überraschende Elemente. Ein bühnenfüllender, goldfarbener Hintergrund, eine große Wand  zu Beginn, ohne zusätzliche Störelemente, hat eine Signalwirkung: Das Gold der Herrscher. Also ein Wieder-Erkennungseffekt, an ähnliche Gestaltungen.  Sehr deutlich wird dabei, später eine kleine, seitlich offene Wand, mit einer kreisrunden horizontalen Scheibe davor und  dem Chor in weißen, langen antiken Gewändern. Und dann bleibt kein Zweifel mehr: Das Bühnenlicht verändert sich, dunkelblau und die große  Boden-Scheibe dreht sich langsam, leuchtet sternförmig, geheimnisvoll, umringt vom Chor. In der Bühnen- Decke ist jetzt  eine kreisrunde Öffnung, ein Blick in die Außenwelt,  mit blühenden grünen Pflanzen.

Die Idee mit der kreisrunden Platte als dominierendes Bildzentrum wurde oft verwendet von Wieland Wagner (1917 – 1966). Es war   sein starker, symbolischer „Weltenkreis“, vor  dem sich, ohne Spielereien  das tagelange, universale „Welten-Drama“  vom „Nibelungenring“ abspielte, mit Lichtwirkungen und einer ausgefeilten Personen-Regie. Die Tragödie von der Beschädigung und dem Untergang der Welt durch betrügerische Habgier und später auch  das grenzensprengende, ekstatische  „Tristan“-Drama.

Solche  Zeiten sind vorbei, aber diese Aufführung erinnert daran, mit ihren eigenen Methoden. So zeigte es tatsächlich, vor vier Jahren das Teatro La Fenice (Phönix) in Venedig, mit den Solisten: Semiramide (Jessica Pratt) Arsace (Teresa Iervolino) Assur (Alex Esposito).  Inszenierung:  Cecilia Ligorio, Bühnenbild: Nicolas Bovey (236 Minuten). Hier kann man das sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=HrY6XHdvQ6I 

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Ausnahmen werden alltäglicher

30.7.2021. Überflüssige Fragen verlängern ein Gespräch, aber sie können es auch beschleunigen. Dann haben sie die Eigenschaft „rhetorisch“, sie wollen die Aufmerksamkeit lenken auf unbeachtete Nebensachen. Das kann zu großen Entdeckungen führen. Albert Einstein (1879 – 1955) bemerkte als unbekannter, junger  Physiker im Züricher Patentamt, dass einige überlieferte Prüfmethoden Fehler enthielten. Als er selbst der Sache nachging, bemerkte er die Richtigkeit seiner Vermutungen. Mit  schwer verständlichen Zahlenkolonnen kam er auf die Relativitätstheorie und eine völlig neue Erklärung des Begriffs Energie. Außerdem legte er die Basis für die Elektronik, also die Arbeit jedes Computers. In der Fachwelt wurde er bestaunt, hinterließ aber auch originelle philosophische Erkenntnisse. Dass er gern Violine spielte, war nur seine Privatsache, aber es rundet das Bild ab: Er hatte von Natur aus Antennen, die seinen akademischen Zeitgenossen fehlten. Solche Leute gab es immer, sie bekamen das Etikett „Genie“, gebrauchten aber nur die besondereb Möglichkeiten, die sie schon von der Natur mitbekommen hatten.

Die Welt hat solchen Ausnahmepersönlichkeiten viel zu verdanken, die in ihrem restlichen Leben entweder sonderbar schrullig waren, große Menschenfreunde oder die Köpfe, die sich Pläne ausdachten, die viel Schaden anrichteten.

Sie bleiben geheimnisvoll, aber die Wissenschaft hat so viel herausgefunden, dass Jeder sich gründlich darüber informieren kann. Entweder über die Bedeutung von ausgefallenen Fachwörtern und ihre Querverbindungen. Oder mit Hilfe einer Sprache, die leicht verständlich ist,  aber nicht auf dem einfachen Niveau eines Kindergartens. Noch wertvoller  sind gute Computerprogramme. Das Wikipedia-Lexikon übersetzt jeden Artikel in eine gewünschte  Fremdsprache, auf Knopfdruck. Jedes blau unterstrichene Wort darin ist ein aktiver Link, hinter dem grenzenlose Zusatz-Informationen stecken.

Noch mehr bringen die Suchmaschinen, denen zu jeder Fundstelle im Internet etwas einfällt. Für den Nutzer bleibt immerhin noch die Verknüpfung mit eigenen Erfahrungen. Man kann das kurz fassen, denn die Vertiefung ist mit der längst  vorhandenen Technik leicht möglich. Das einzige Problem: Ein  leeres Blatt. Wer sich phantasievolle Abenteuergeschichten ausdachte, saß immer wieder an seinem Schreibtisch, und es fiel ihm überhaupt nichts mehr ein. Deshalb sind Bestseller auch Ausnahmen. Sie bringen viel Geld, aber danach ist der Autor innerlich erschöpft. Große Komponisten haben das bei ihren Meisterwerken erlebt. Rossinis (1792 – 1868) Komödie „Barbier von Sevilla“ war sofort ein Volltreffer. Er schrieb auch noch andere bedeutende Werke, aber den Barbier konnte er nie übertreffen. Rossini war kein Einzelfall.

Leider ist es bei allen freien Berufen so, dass nur der Publikumserfolg entscheidend ist. Wenn der Wirt eines beliebten Lokals wechselt und sein Nachfolger die Stammgäste schlecht behandelt, bleiben sie weg. So ist das auch im Warenhandel. Die Supermärkte lassen nur Produkte in ihre begrenzten Verkaufsregale, die dort nicht lange liegen bleiben, und oft müssen die Produzenten sogar kräftige Rabatte, Ermäßigungen  verschenken. Deshalb fördert das Handelsgesetzbuch (HGB) jede anständige Konkurrenz, weil sie für hohe Qualität und niedrige Preise sorgt. Wenn eine Firmenleitung mit einer anderen heimlich die Höhe der verlangten Preise abspricht, ist das ein nicht zulässiger Verstoß gegen das Kartellgesetz.

Die Zahl der Konkurse, der Firmenzusammenbrüche ist im letzten Jahr stark gestiegen. Der Hauptgrund waren geringere oder ganz ausgefallene Einnahmen. Angesichts der Eriegnisse, der Ursachen, auf die Niemand vorbereitet war, ist das nichts Besonderes. Das ist nicht so einfach daher geredet. Jeder hat die Fassungslosigkeit der direkt Betroffenen immer wieder gesehen. Milliarden musste alle  Regierungen weltweit ausgeben. Hohe Kredite sind auch in Zukunft unvermeidlich. Trotzdem bleibt die Frage: War das Alles genau so notwendig? Die Antwort dazu ist leider, wieder einfacher als man denkt: Es sind  zu viele, vermeidbare Fehler gemacht worden. Bis heute wurde nicht richtig über die Subventionen nachgedacht, die riesigen finanziellen Unterstützungen des Staates für alle möglichen Empfänger. Das alte Gießkannenprinzip, wo bei der Bewässerung nicht genau hingeschaut wurde. Hier gibt es finanzielle Reserven. Denn alle Staatskredite, die seit Monaten auf dem freien Kapitalmarkt abgeholt werden, müssen bis auf jeden Cent zurückgezahlt werden. Dazu Zins und Zinseszins. Kein Politiker zahlt das aus der eigenen Tasche, sondern über Steuererhöhungen für Alle.

Ein Haupt-Thema dieser Webseite sind solche Hinweise, die zu oft gar nicht beachtet werden, aus Unkenntnis, Bequemlichkeit oder anderen Gründen, die man direkt, als Stichwörter, unter diesem Text findet. Solche Hinweise wären ganz  überflüssig, wenn Jeder sich an die Gemeinschaftsrgeln hält. Leider ist das nicht so. Und darum wäre Verärgerung auch die falsche Reaktion, denn sie löst solche Probleme nicht.

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Karate-Emma

29.3.2021. Für sehr viele Probleme gibt es Lösungen, einige sind gar nicht bekannt. Eine reibungsfreie Welt ist eine Illusion, ein Wunschtraum, die Spannungen gehören grundsätzlich dazu. Wenn die Störungen viele Jahre lang sich einmischen, ist es ganz normal, darüber nachzudenken. Jeder macht das, aber oft kommt gar nichts dabei heraus. Warum? Das ist schon der erste Schritt zur Lösung. Ursachen, die erkannt werden, können ganz schnell verschwinden. Das ist ein Prinzip der Psychoanalyse. Doch so einfach ist das gar nicht. Denn man muss suchen, andere Wege gehen und testen. Jedes  Ergebnis beweist die Wirksamkeit oder die ergebnislose Täuschung des Beurteilungsvermögens. Ein unersetzbares Vermögen, das sich aber,  auch ohne Zauberei,  in Geld verwandeln kann. Die ganze Beratungsbranche (Consulting) verdient damit sehr gut, wenn dihre Rezepte wirken. Sonst entsteht ein immer größerer Schaden, bis zum bitteren Ende. Fremde Ratgeber bekommen ein Honorar auch dann, wenn sie nichts erreichen, sondern nur mit einem blendenden Auftritt für viel Glitzer und Feuerwerk sorgen. Ehrliche Methoden bedeuten viel mehr Arbeit und Konzentration, den Widerstand von breiten Anführern auf wertvollen Stühlen. Außerdem sind viele Möglichkeiten gar nicht bekannt oder überschreiten die Grenze zum Erlaubten. Wüstensand, der bei einem Sturm verweht und verschwindet.

Deshalb werden auf dieser Webseite nur Erfahrungen erwähnt, die Hilfe bringen können, wenn man sie auch anwendet. Klappen muss  das nicht immer, aber das ist das normale Lebensrisiko, weil jeder Fall auch Eigenschaften hat, die in einer übersichtlichen Kurzform gar nicht erwähnt werden können.

In den Sechtiger Jahren gab es im Fernsehen „Karate-Emma“, eine fast endlose Krimiserie mit zwei Londoner Polizeidetektiven, unter dem umständlichen Titel „Schirm, Charme und Melone“. Die DVDs füllen zwei dicke Boxen, ich habe alle mit der Schauspielerin Diana Rigg (1938 – 2020). Sie starb am 10. September, vor einem Jahr. Als „Karate-Emma“ war sie unbesiegbar, weil sie die kompliziertesten Fälle löste und die Gangster dann mit ein paar Karate-Schlägen erledigte. Reine Phantasie, aber sehr aufwändig gemacht. Eine Mischung aus überragender, meistens sehr  böser Technik und idyllischen englischen Landschaften. Viel feiner britischer Hurmor und erstaunliche Schauplätze. Zum Beispiel: In einem friedlichen Dorf hat sich eine Gruppe  versteckt, die nach außen hin mit besten Manieren auftritt und damit Opfer sucht. Natürlich klären „Karate-Emma“ und ihr Berufskollege John Steed die Sache, innerhalb von stets fünfzig Minuten, die mit ein paar witzigen Bemerkungen enden.

Das klingt etwas künstlich, aber die temperamentvollen Dialoge waren so ausgeklügelt, dass man sie – nur mit längeren Pausen – immer wieder erleben kann und dabei Neues entdeckt. Das ist eine Ausnahme, deren Gesamergebnis  aber auch für die ganze Kultur gilt, wo das Stichwort „Langeweile“ keine Ausnahme ist.

So ist das auch bei allen anderen Themen. Professionelle Experten kennen ihr Fachgebiet sehr gut, aber nicht immer die Grenzen an den Rändern  oder unterwegs. Konzentriert man sich auf diese  Beobachtung, wird Vieles leichter verständlich. Die angenehmsten Überraschungen sind Zufallstreffen mit Leuten, die sich sehr gut mit ihren eigenen Aufgaben auskennen. Wenn sie dann erleben, dass man innerhalb einer Stunde sie gut einordnen kann, aufgrund ihres Wortschatzes, ihrer Themen und Wissenslücken, dann kann das Überraschungen auslösen, leider nicht nur gute. Zu vermeiden ist dabei jede Aufdringlichkeit im persönlichen Bereich und dumme Kommentare. Außerdem ist Offenheit sehr wirkungsvoll, wenn man dabei nicht übertreibt. Eine Antwort auf die Frage, „Kennen wir uns?“ muss immer ehrlich sein, in solchen Fällen also Nein. Und dann das, was jeder Andere auch erkennen könnte, wenn er genug Erfahrungen damit hat. Das schafft Vertrauen und vertreibt Belästiger, die sowieso schnell selbst auffällig werden und unbemerkt Warnsignale auslösen.

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Ruhe am richtigen Ort

28.7.2021. Den frostigen Winter braucht die Natur zur Erholung von den Leistungen im Sommer, wenn die Pflanzen Nahrung erzeugen. Die Nacht hat die gleiche Funkton, nach den Tätigkeiten und Leistungen am Tag. Das Doppelprinzip der Dualität ist ein Hauptelement des Universums, so wie auch die Unruhe. Zu viel davon ist abschreckend, aber zu viel Trägheit und Bewegungslosigkeit auch. Wer nachdenken will, findet in den Kirchenbauten genug Ruhe dafür. Allerdings sind die Weltkirchen auch große Organisationen, die sich ständig bewegen. Der römische Leiter ist der Papst, er beschäftigt sich nicht nur mit dem Glauben an Gott, sondern zur Zeit auch mit den Finanzen seines Kirchenstaats. Ein echter Kardinal steht im Vatikan vor Gericht. Die Einzelheiten hört und liest man jeden Tag in  den Informationsmedien. Völlig neu daran ist die Offenheit. Viele Jahrhunderte lang wurde dieses Thema geheim gehalten. Allerdings machte es schon zwei Mal unüberhörbare Schlagzeilen.

Über Roberto Calvi gibt es hier schon 10 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=roberto+calvi+&x=10&y=8  

Am 29.3.21 schrieb ich: „Roberto Calvi (1920 – 1982 ) war Präsident der römischen Bank Ambrosiano, die mehrheitlich dem Vatikan gehörte und trotzdem auch Geld aus illegalen Quellen verwaltete. Calvi selbst geriet in Verdacht, Guthaben in die eigene Tasche umgelenkt zu haben. Dann wurde er nach London gelockt. Am 18.6.1982 wurde er dort, unter der „Blackfriars“-Themsebrücke tot aufgefunden. Um seinen Hals hing ein dickes Seil, eine alte Galgenschlinge. Eine Pistolen-Kugel war er offensichtlich nicht wert. Er hing dort in seinem schwarzen Geschäftsanzug. Die schwarzen Lack-Schuhe berührten nur mit den Spitzen das Wasser, als wäre er Jesus, hatte dazu aber nicht das Format. Das war eine Beurteilung. Seine Jackentaschen waren vollgestopft mit Banknoten. Ein Hinweis auf seine Geldgeschäfte und seinen Verrat.“

Das war schon 1982, ist also lange her. Doch der römische Journalist Gianluigi Nuzzi erfuhr, vor zwei Jahren noch viel mehr. Auch über ihn gibt es hier schon 10 eigene Beiträge:

https://luft.mind-panorama.de/?s=Gianluigi+Nuzzi+&x=17&y=9  

Zitat vom 23.10.19: „Der römische Journalist Gianluigi Gelmetti ist ein Vatikan-Experte und hat jetzt ein neues Buch veröffentlicht: „Weltgericht“.Wie die Münchner Abendzeitung gestern berichtete, geht es darin um die Güterverwaltung des Vatikan, die zum ersten Mal im Jahr 2018 ein Minus schrieb. Grund: Steigende Personalausgaben. Sinkende Einnahmen. Das Spendenaufkommen von 2006 bis 2018 ging zurück um minus 51 Prozent. Letzter Stand: 101 Millionen Euro. Das gewaltige Immobilienvermögen wird schlecht genutzt. 800 von 4.000 Objekten stehen leer. Der Rest wird zu 15 Prozent gratis oder weit unter dem Marktwert genutzt. Die Rede ist von ungeregelter Klientelwirtschaft und der Sabotage aller Reformversuche des Papstes. Das ist ein starkes Stück. Allerdings hat der Autor Nuzzi schon in früheren Büchern die Vatikanbank genau durchleuchtet. Die Informationen kamen aus dem Inneren unter anderem von einem Privatsekretär des Heiligen Vaters, der vor Gericht offen erklärte, „Wir waren in tiefer Sorge um den Papst.“

Wer darüber Schadenfreude empfindet, hat gar nichts begriffen. Derartige Vorfälle gibt es schon seit den ersten Hochkulturen vor viertausend Jahren. Archäologen und Historiker. kratzen dazu immer mehr Informationen aus dem Sand oder aus uralten Büchern. Lange Epochen werden glasklar durchsichtig. Das gab es noch nie.

Und nur so kann es einen Neubeginn geben. Dazu gehört auch eine Reform zahlreicher Staaten, deren Bevölkerung teilweise in Armut lebt. Dazu  die Analyse großer Weltfirmen, ob sie sich an die „Gesetze der Ökonomie“ halten. Eine grenzenlosen Beitrag kann dazu auch die Psychoanalyse leisten, die viele Erkenntnisse über die Matrix lifert, die Steuerzentrale des Menschen, seine Motive und Aktivitäten. Die Prinzipien der Justiz, der Rechtsprechung, müssen neu bearbeitet werden, weil sie Wissenslücken und Fehler enthalten. Darüber ist nicht immer nachgedacht worden. Alle großen Entscheidungen können schwere Schäden auslösen, die sich verringern lassen, weil sie oft auch voraussehbar sind. Die Liste sonstiger Planungen ist nicht geheim. Man kann sie beeinflussen, bevor sie endgültig beschlossen werden. Perfekte  Gerechtigkeits-Phantasien stören da nur, aber sie sind der Hinweis auf den richtigen Weg.

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Fausts Vertrag mit dem Teufel

27.7.2021. In der Schule gab es keinen Zweifel daran. Goethe (1749 – 1832) wurde oft in einem Atemzug genannt mit seinem Zeitgenossen Schiller (1759 – 1805). Beide waren befreundet, und ihre Werke ernteten die größte Begeisterung. Der Unterschied ist in den Frühwerken besonders deutlich: Schiller war stürmischer, heftiger, und Goethe war angesehener Hofrat beim Herzog von Weimar. Er schrieb gelassener, und sein berühmtestes Werk, „Faust“ spart zwar nicht an Grusel und Spuk. Aber es wirkt als Handlung harmlos, beeindruckt viel mehr durch die philosophischen Erkenntnisse. Faust meldet sich durch die Worte: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei and Medizin, und leider auch Theologie, durchaus studiert.  Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ Sein Schüler sagt sogar später, „Zwar weiß ich Viel, doch möchte ich Alles wissen!“ Dann tritt der Teufel auf, Mephistopheles. Er verspricht Faust, alle Wünsche zu erfüllen, wenn er ihm danach in die Hölle folgt.

Diese Idee hat Goethe so aufgeregt, dass er ein zweiteiliges Drama daraus machte. Komponisten wie Hector Berlioz haben geniale Musik dazu komponiert. Richard Wagner (1813 – 1883) schrieb in jungen Jahren eine „Faust“-Ouvertüre, die aber nicht besonders spannend ist. Das Thema beherrscht Wagners „Fliegenden Holländer“. Ein Seemann muss für alle Zeiten auf dem Meer herumfahren, bis er erlöst wird: „Wenn alle Toten auferstehn, dann werde ich im Nichts vergehn.“ Eine Vision vom Jüngsten Gericht und Weltuntergang. Dazu eine Musik auf gleicher Höhe: Dämonisch und unheimlich. Damit öffnet sich zum ersten Mal eine Klangsprache, die bis an das Äußerste geht und in ihrer Art vorher noch nie zu hören war.  Der verwendete Text hat Zeichen, die auf vielen Ebenen gelten, in der Tiefe und in der Weite von Sternen im Universum.

1969 habe ich das zum ersten Mal, an der Hamburger Staatsoper gesehen, damals zeigte das Haus eine  aufwühlende Inszenierung des drei Jahre vorher verstorbenen Wieland Wagner (1917 – 1966). Am stärksten war das erste Bild: Man sah nur das Deck eines alten Segelschiffes, vor einem schwarzen Nachthimmel. Dort öffnete sich plötzlich dahinter, ein riesiges blutrotes Segel: Das Gespensterschiff des verfluchten  Holländers  tauchte auf.  Aber es war nicht nur ein sehr großes Segel. Es sah aus wie ein Bild aus dem Weltraum, ein Satellitenfoto, wie es damals noch gar nicht so stark verbreitet war wie heute. Die Farbgestaltung mit vielen roten und dunkleren Farbtönen sollte nicht eine belanglose Ilustration sein, sondern ein Blick in eine andere Welt.

Der geniale Wieland Wagner hat viele solcher optischen Ideen gehabt. Sie existieren nur auf hervorragenden Szenenphotos, eine Verfilmung war geplant, kam aber nicht mehr zustande. Damals habe ich gelernt, wie man starke Bilder erklärt und deutet. Dazu gibt es hier über 70 Artikel, außerdem ein ganzes Kapitel (Kategorie) zum Thema „Symbolik“.

Das ist nicht nur eine Sache der Kunst. Es beherrscht die ganze Welt, die Zeichen der Staaten und der Ökonomie, wie Wegweiser, die ohne viele Worte funktionieren, wie Signale, die Aufmerksamkeit verdienen. Es gibt Rätsel,  die  Niemand auflösen kann, im Bereich der Mystik. Aber Symbole kann man verstehen wie eine Fremdsprache, die aber auf keiner normalen Schule zum Unterrichtsstoff gehört. Es gibt riesige Bibliotheken darüber, die schon im Altertum bewundert wurden. Ich beschränke mich hier auf Kurzfassungen, die einerseits nicht schwer zu verstehen sind, aber nur eine kleine Tür öffnen, hinter der sich unbekannte Kontinente verbergen. Zu diesem Thema gibt es hier bereits fast 30 Artikel, bei denen nicht die Geologie die Hauptrolle spieltl:

https://luft.mind-panorama.de/?s=unbekannte+Kontinente+&x=12&y=7 

Auch ein Schritt vorwärts, auf dem Weg,  der  bereits das Ziel ist. Einen derartigen Satz versteht man dann sofort, wenn man auch die Denkweise dahinter kennt.

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Saure Gurken

26.7.2021. Der Hochsommer hatte früher den Spitznamen „Saure-Gurken-Zeit“. Das wurde von gelangweilten Berufs-Journalisten in die Welt gesetzt. Im Juli und August war  die Haupt-Urlaubszeit. Schulen und Firmen, die nicht unter Hochspannung standen, waren leer. Auch die Unruhestifter waren anscheinend verreist. Die Kriminalitätsrate  sank vorübergehend, nur Taschendiebe reisten gern in die reicheren Länder oder an die Badestrände. Das täuschte aber. Alles war da wie immer, versteckte sich aber besser.

Jetzt hat es auch noch die Zukunftsprognosen erwischt. Für den Herbst werden schon schwarze Farben an die Wand gemalt, auch da, wo es gar keine Wände gibt. Das erzeugt Hysterie  Machtrausch. Manchmal ist das Absicht. Ein Filmproduzent erklärte mir vor ein paar Jahren, das Erfolgsgeheimnis der Horror-Filme wäre die Angst. Das ist viel zu wenig, denn es gibt noch viel mehr Auslöser. Ein ganz kleiner: Es werden zu viele Digital-Effekte verwendet, deren Künstlichkeit sofort erkennbar ist. Statt der teuren Horrorfilme ist die Realität  eine viel größere Fundgrube. Einige Schlauköpfe mischen sogar Wahrheit und Täuschung  mit allen Mitteln, zaubern Kunstprodukte in den echten Alltag hinein, aber es steigert nicht die Wirkung, sondern den bekannten Geschmack von saurem Eintopf, in dem Gewürze fehlen.

Die unverfälschte Realität an sich ist viel spannender, wenn nicht nur die dünne, glatte  Oberfläche zu sehen ist. Verzerrte Fratzengesichter sind unglaubwürdig, in glaubwürdigen Dokumentarfilmen spielen sie keine Hauptrolle. Spitzenleistungen haben mit Zirkus-Rekorden nichts zu tun. Kostenlos gibt es sie nicht, aber der größte Aufwand besteht im Nachdenken. Wer keine Ideen hat, kopiert fremde. Leider fallen  auch solche Fehler sofort auf, nicht erst bei den Preisverleihungen an die kichernden Blasebälge.

Verrostete Abnutzungseffekte sind typisch für unsere Zeit. Oft täuscht man sich und denkt, man hätte Alles schon gesehen.  Wenn man die ersten Berufsjahre in der Arbeitswelt überstanden hat, kann man eigentlich jede Organisation leiten. Denn die versteckten Machtkämpfe und hartnäckigen Kriege haben die gleichen Strickmuster. Höhere Ebenen drücken sich vor der Alltagsmühe, und  ein Volltreffer, wo Alles gut und fair läuft, ohne Ungerechtigkeiten, ist so selten wie ein Hauptgewinn im Lotto.

Trotzdem gibt es Wundermänner. Zum Beispiel Psychologen. Viele  reden zu viel, verwenden schwer verständliche Fremdwörter oder Leerformeln, die dick aufgeblasen sind mit heißer Luft. Oder akademisch ausgebildete Juristen. Gesetze gibt es für Alles, auch für das Gegenteil. In dem verworrenen Gestrüpp geht leicht der Durchblick verloren, aber Gutachter, Richter und ganz andere Nasenbären diktieren, was Recht ist. Dann Kunstkritiker. Zu Jedem Meisterwerk gehört Phantasie, aber sie darf nicht überschäumen oder Fettflecken als Gold bejubeln.  Spitzenmanager sind sehr kostbar, auch finanziell. Wenn sie jahrelang schweren Schaden anrichten, gehen sie sogar gern, wenn es dafür eine hohe Abfindung gibt. Bitte kein Bargeld, denn saubere Pläne und Projekte müssen elektronisch abgewickelt werden, so dass kein bereits benutztes Waschmittel gebraucht werden darf. Die ganze Festparade ist noch viel länger, man kann nur auf ein paar Bruchstücke schauen oder entdecken, wo wirksame Veränderungen möglich sind, die das allgemeine Klima auch tatsächlich steigern. Sogenannte Berufskomiker, also ständig lachende Comedians, haben ihre Blütezeit schon lange hinter sich. Nicht für Alle gilt: Käse wird ranzig, aber es wird immer mehr. Das Wegschauen ist kein Heilmittel, aber die Veränderung der Blickrichtung, der Perspektive und Bewertung.

Auf dieser Webseite ist das die Hauptsache, aber keine Eintagsfliege. Jahrelanger Stillstand, wenn ringsum die halbe Welt zusammenbricht, kann nicht mit staatlichen Geldspritzen oder Subventionen geheilt werden. Anerkannte Stiftungen leben auch damit.  Geldzahlungen dafür, also Spenden.  können von Großverdienern bei der fälligen Steuer abgezogen werden.  Leider werden auch dabei Fehler gemacht, sogar absichtliche. Viele Skandale sind schon seit Jahrzehnten bekannt. Ein Musikfreund erzählte mir vor  paar Jahren, dass er für Arme, Bedürftige Geld sammelt, auch bei Wohltätigkeitsveranstaltungen (Benefiz-Galas) mit Prominenten. Allerdings durfte er dreißig Prozent der Einnahmen pauschal für die Verwaltung abziehen, also für sich. Ob das Alles war, blieb uninteressant. Die freien Spielräume sind sehr groß. Wie man sie füllt, ist eine andere Sache.

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Pinocchio

25.7.2021. „Pinocchio“ ist ein Kinderbuch von Carlo Collodi (1826 – 1890). Es erzählt von einer Holzfigur und ihren Abenteuern.  Pinocchios Nase wächst auffällig, bei jeder Lüge, was ihn verrät und letztlich vom Lügen abbringt. Das Buch hat mich beim ersten Lesen gelangweilt, weil die wachsende Nase sich zu oft wiederholte. Außerdem hat  sich die Menschheit nicht geändert. Eine Lebensregel ist es, einem Lügner einfach überhaupt nicht zu vertrauen, weil es ein angeborener Charakterfehler ist, der sich nie ändert. Damit kann viel Zeit sparen und Enttäuschungen.

Die Masche ist zwar viel raffinierter oder frecher geworden, aber die Antennen dafür auch noch feiner und aufmerksamer. Der neueste Schrei sind die „Fake News“. Sie tauchen in echten Nachrichtensendungen auf oder in anspruchsvollen Texten, sind aber nichts weiter als Fälschungen, die mit den Täuschungsmöglichkeiten der Computer arbeiten. Dafür gibt es hier hier kein eigenes Thema, aber laufend wird auf die Betrügereien hingewiesen, die sich in der Politik, der Kultur und der Finanzindustrie abspielen. Die Verursacher verdienen immer noch viel Geld damit, aber sie fallen auch immer schneller auf. Vor einem Jahr wusste kaum Jemand, was „Wire Card“ bedeutet, heute findet man genaue Informationen dazu in jedem Lexikon. Auch zu den getarnten Geldverstecken im Ausland, bei denen  ein einziger Mitarbeiter ausreicht, um sie auf einen kleinen Speicherstift zu kopieren und an die dankbaren Geldfahnder zu schicken. Und das ist ja nicht Alles. Faule Tricks hinterlassen einen scharfen Geruch, an dem sie kilometerweit zu erkennen sind. Sogar noch viel weiter. Wer in Afrika einen Schmetterling fängt, erlebt, dass der Flügelschlag in Alaska gehört wird. Denn selbst im Dauerfrost der einsamen, wissenschaftlichen Forschungsstationen gibt es immer mehr empfindliche Messinstrumente, die sich nicht manipulieren lassen.

Es bleibt nur die Frage, was eigentlich erforscht werden soll. Nicht Alles ist erlaubt, auch wenn die Neugier noch so groß ist. Verbotene Aktivitäten müssen keine Arbeit von exotischen Spezialabteilungen sein, die Niemand versteht. Die Informationsfreiheit  der Verfassung erwingt die Öffnung aller dunklen Sumpfgebiete, bis in die äußerste Tiefe. Deren Auswertung ist Sache von erfahrenen Gutachtern, die aber noch nicht selbst aufgefallen sind, mit trüben, verschmierten  Tassen.  Vor Gericht streiten sich dann die hoch akademischen Rechtsvertreter, sehr hörenswert. Trotz jahrelanger Ermittlungen gibt es dann noch Fehlurteile, die sich auch  aufklären lassen. Oder knallharte Erkentnisse, die offen und neutral nachprüfbar sind. Die zweite verschlossene Tür ist die Privatsphäre, alle legalen Geheimnisse, die Niemanden etwas angehen. Auch das wird unterschätzt oder mit wackelnden, falschen  Begründungen juristisch  ausgehebelt. Unzufriedene Mitarbeiter können sehr geschwätzig sein, vor Allem nach Alkohol aus erfrischenden Cocktailgläsern. Die Verchwiegenheitspflicht gilt aber für Ärzte, Anwälte und alle Beamten. Das Risiko ist ein sofortiges Berufsverbot und ein Disziplinarverfahren, mit dem Ziel einer endgültigen Entfernung aus dem Dienst. Bei langjährigen Beteiligten ist das eher selten. Aber manchmal ist ein großer Bienenschwarm in ihrer Nähe, der gern am verbotenen Honig nascht.

Offensichtlich reicht ein  einziges Stichwort wie „Pinocchio“, um solche Gedanken auszulösen, die bequeme Gewohnheiten einfach zusammenbrechen lassen. Im Großstädten ist das nichts Besonderes. Man lernt es überall, in den ersten Berufsjahren. Umso angenehmer ist es, wenn neue Techniken Freude bereiten. Seit einigen Jahren gibt es „Street View“ auf jedem neuen Computer. Es reicht die Angabe einer Adresse mit dem Straßen-Namen, und schon zeigt eine Weltkarte genau den gesuchten Ort. Umschalten lässt sich das auf Satellitenfotos, die sogar einzelne Gebäude aus der Luft abbilden. Wer jetzt Nervenflattern bekommt, weiß nicht, dass die gleichen Informationen, schon sehr lange, auf jeder Straßenkarte zu finden sind. Mich erfreut daran nur, in der Vergangenheit herumzuspazieren, dort, wo man schon jahrzehntelang nicht mehr war. Einzelne Personen sind gar nicht erkennbar, also gilt auch der Datenschutz. Selbst bei einem guten Gedächtnis kann man sich auf Stichwörter verlassen.

Siebzehn Jahre im westfälischen Münster, da braucht man nur das Wort „Domplatz“, und man ist wieder mitten drin, im Zentrum. Gleichzeitig mit der Erinnerung an die vielen Wege, die man von dort aus gehen kann und die dort stehenden Gebäude. Keinen Außenstehenden interessiert das, aber ich war gern in alten Kaffeehäusern, um dort Zeitung zu lesen. Drei besonders schöne sind verschwunden, mitten in der Altstadt: Die Cafés Schucan, Kleimann und  Grotemeyer. Ihr Betrieb lohnte sich nicht mehr, die Freizeitgewohnheiten haben sich geändert und damit auch die Nutzung. Das ist unvermeidlich, trotzdem trifft es die Gedanken, die sich an unvergessliche Augenblicke dort erinnern, auch mit anderen Menschen, zu denen es schon längst keinen Kontakt mehr gibt.

Die Methode der Meditation wird oft unterschätzt. Es ist die Konzentration auf eine Hauptsache und das Abstreifen von Nebensachen. Das lässt sich trainieren und funktioniert sogar in überfüllten Biergärten. Die drei gerade erwähnten Beispiele gehörten viele Jahre lang zum Alltag. Konzentriert man sich darauf, werden die Einzelheiten immer deutlicher, Querverbindungen und Ursachen dafür. Nur Eines ist ausgeschlossen: Die Wunschvorstellungen der Schönfärberei, Verklärung. Sie versperren den Blick und landen direkt bei Pinocchio. Das müssen keine absichtlichen, faulen Lügen sein, aber man kommt nicht weiter damit.

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Schiefe Messungen

25.7.2021. Ungelöste Rätsel können sehr spannend sein. Davon leben alle Kriminalfilme und auch große Projekte, die geplant werden. Klappt das nicht, hilft  nur Eines: Gelassenheit.  Wenn Geld dabei eine große Rolle spielt, schraubt sich die Spirale noch mehr zusammen. Darum gibt es immer noch Kriege, und eine knisternde Spannung ist an vielen Orten schon spürbar, wenn man nur einen Raum betritt.  Das Gewicht und der Preis von Verkaufswaren  wurden früher mit einfachen mechanischen Waagen festgestellt. Die Belastung der zwei Messbalken musste auf beiden Teilen genau gleich sein, sonst stimmte das Ergebnis nicht. Oder war absichtlich gefälscht. Das wurde als Schwerverbrechen bestraft, weil davon alle Geschäfte betroffen waren.

Die Zuverlässigkeit der Messungen waren der Beweis für eine  Ehrlichkeit, die mit den heutigen Instrumenten  viel leichter möglich ist, aber  immer neue Tiefpunkte erreicht. Politische und private Ungerechtigkeiten lassen sich damit erklären und sogar  der schleichende Untergang von mächtigen Industriekonzernen. Große Maschinen können zwar millimetergenau, wunschgerecht gebaut werden, aber Mitarbeiter nicht. Alle Messungen haben eine Unberechenbarkeit: Den Faktor Mensch.

Genau heute vor 33 Jahren, am 25.7.1988, war ich zufällig am überfüllten Münchner Marienplatz. Die Innenstadt war wie ein anonymer, wimmelnder Ameisenhaufen. Gleichzeitig  entstand mittendrin, am Fischbrunnen, eine mehrjährige Freundschaft. Deren einzelne Teile passten  aber nicht zusammen. Immer mehr Risse tauchten auf, und nach fünf Jahren war Alles vorbei. Nichts Besondere. Nur eine klare Schieflage, eine falsche Verteilung der Gewichte. Alle Messunngen waren falsch, die Waage war gar nicht zu gebrauchen. Das passierte nicht nur einmal, es ist auch eine Regel, die sich wiederholt, also eine Erklärung für Unerklärliches: Dass die Welt oft absurd wirkt, nicht logisch, wenn man nur oberflächlich hinschaut.

Doch alle wichtigen Bewegungen, alle Abläufe folgen sehr alten Gesetzen, zum Beispiel dem Dekalog, der universalen Weltordnung bei allen Naturerscheinungen. Durch den freien Verstand hat sich der Mensch weit davon entfernt und Abgründe geschaffen.  Obwohl Freiheit oft für einen engstirnigen Machtrausch oder wertlose Ziele missbraucht wurde, hat sie von ihrer Qualität nichts verloren. Am 28.10.1866 wurde deshalb im Hafen von New York die 66 Meter hohe Freiheitsstatue eingeweiht, zur Begrüßung der neuen Einwanderer aus der ganzen Welt.

Trotzdem haben die Krisen nicht nachgelassen, sondern ändern nur ihre Form. Die Ursachen lassen sich beeinflussen, die Informationstechnik wird immer schneller und zuverlässiger. Die Feinarbeit ist steigerungsfähig. Eine fehlerfreie Welt ist nicht möglich, aber der Weg dorthin. Auch dabei ist der Gedankenaustausch ganz oben einzuordnen, nicht denkbar ohne Informationsaustausch. Er geschieht auch ohne eigene Aktivitäten, ergibt sich sogar von selbst. Was Jeder dazu beiträgt, ist eine ganz andere Geschichte, lässt sich auch genau messen und bewerten. Otto Lilienthal 1848 – 1896)  entwickelte die ersten Gleitflugzeuge, noch ohne Motoren. Private Flugreisen sind längst an ihre Grenzen gekommen, durch ihre Anzahl und den hohen Energieverbrauch. Auch eine Schieflage. Aber nicht das Ende vom Lied.

Die Richtung kann auch eine ganz andere sein. Der dramatische Beginn von Beethovens 5. Sinfonie machte schon  früh auf Zuhörer den falschen Eindruck, als ob hier das „Schicksal“ selbst anklopft.  Aber danach folgen triumphierende Klänge: Die Lebensfreude. Glücklich war Beethoven nicht, aber er kannte alle Farben des Lebens:

https://www.youtube.com/watch?v=RKcAAA1O2sc 

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Musik ohne Noten

24.7.2021. Um einen großen Apparat zu leiten, eine Firma oder ein Musikorchester, braucht man keine Bücher. Nur Anfänger können   nicht auf erste Informationen verzichten, probieren sie aber später aus und schwimmen dann selbst. Das Lesen von Musiknoten kann ich bis heute nicht. In der Schule gab es schon Abspielgeräte, und auch das ist genug, um Feinheiten zu hören. Sie waren eine Spende der Münchner Firma Siemens, weil das Gymnasium den gleichen Namen hatte. Siemens (1816 – 1892) gelangen  die ersten Erfindungen zur elektrischen Energie, und daraus machte er eine Weltfirma.  Mit harter Arbeit. Nach den Gründern kommen die Erben. Auch kein schlechtes Thema, aber in anderen Fällen geht das oft ganz schief. Die Erben haben keine Lust, wollen aber abkassieren.

Die besten Lösungen dafür sind finanzielle Abfindungen, dann haben Alle ihre Ruhe und können glücklich werden. Wer dabei widerspenstig ist und weiter das letzte Wort hat, steuert das Schiff gegen das nächste Korallenriff, auch wenn die Natur sich schnell davon wieder erholt.

Eliteschulen für besonders reiche Familien sind meistens Internate, damit nicht Jeder dort hereinschneit. Die Schüler vergessen das ihr ganzes  Leben nicht, und sie lassen gern Dampf und Druck ab. Eine häufige Spezialität besteht aus Faulheit und Dummheit. Wenn dann auch noch das Taschengeld zu klein ist, kann es sein, dass Mitschüler beklaut oder eingeschüchtert werden. Eine Gewohnheit, die lebenslang ausprobiert wird. Oder es entsthehen Superformen. Eine steile Berufskarriere, auf Kosten der anderen. Spitzenkönner können eigentlich  ihre Schätze teilen oder etwas davon abgeben. Aber das ist selten. Wenn es trotzdem, ausnahmsweise  nicht ausgenutzt wird, kann auch ein spendiertes Freibier ein erlebenswertes Treffen noch mehr entspannen, aber man bekommt in solchen Fällen, nicht selten, auch  nicht Viel  zurück. Wenn das öfter passiert, wird   die Umgebung, ringsum ganz hell. Eine breite Palette von Zumutungen und Fehleinschätzungen, besonders in Apparaten, die gemeinsam laufen müssen. Besonders auffällig sind dabei Trompeten oder Trommeln, mit denen das Marschtempo dirigiert wird, bis der Laden auseinanderbricht.

Zu guter Musik passt das nicht. Die meisten Tonleitern bestehen nur aus fünf bis sieben Tönen innerhalb einer Oktave. Das kann man grenzenlos variieren  und erweitern, auch mit zahlreichen Instrumenten. Es reicht nur eine Fehlbesetzung, dann zerplatzt der Gesamtkklang. Im Schulchor wurde ich beim ersten Mitwirken sofort abgelöst, weil ich nicht singen kann. Umso besser. Wenn allerdings der leitende Dirigent nichts kann, langweilen sich die zahlenden Zuhörer oder kommen nicht wieder.

Erstaunlicherweise wird dieses Prinzip viel zu oft  nicht beachtet. Albert Einstein hat gern darüber geschimpft, wenn Kollegen komplizierte Formeln ausprobierten, aber dabei nicht weiter über ihren Tischrand hinaus schauten. Das Ergebnis ist Mittelmaß. Wenn man über teure, kostspielige  Fehler in der Ökonomie nachdenkt, bei der Justiz und den Sozialgesetzen, ist es unübersehbar, wieviel kostbare Zeit dabei verschwendet wird und welche monumentalen  Finanzgebirge im Kachelofen verbrannt werden. Niemand will das absichtlich, kümmert sich aber auch nicht um die Ursachen.  Das hat mehr Licht verdient, ohne Panik zu verbreiten.

Unglaublicherweise herrscht dabei ein Schneckentempo. Der Modegeschmack ändert sich ständig, bei Nebensachen. Wenn andere Gewichte falsch verteilt sind, muss man die Belastung ändern, aber nicht automatisch das Gesamtgewicht. Die Verteilung bleibt die Hauptsache, im Großen und im Kleinen.

Bach hat derart viele Musikstücke hinterlassen, dass sie gar nicht alle genial sein können. Aber er konnte mit kleinen und großen Formen bewundernswert umgehen. Sein kurzes Choral-Präludium „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ enthält eine angenehme Melodie, mitten im Rankenwerk eines Kontrapunkts aus zusätzlichen Verzierungen:

https://www.youtube.com/watch?v=VSkz3j9b23Y

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Die lykischen Bauern

29.7.2021. „Wunder gibt es immer wieder,“ war einmal ein bekannter Schlage von Katja Ebstein. Sie hat das oft gesungen, und es war kein Wunder, dass sie damit noch erfolgreicher ihre Wander-Auftritte und die Erfolge ihres Veranstalters steigern konnte. Wer das nicht kann, muss lange auf ein Wunder warten. Meistens ist es die „Sehnsucht nach dem Unerreichbaren,“ wenn immer nur gewartet und gewartet wird. Ein Mineralwasser wird nur dann zum aufregenden Cocktail, wenn die richtigen Zutaten dabei sind. Nicht zu wenige, aber zu viele verkürzen den unterhaltsamen, freien Abend ganz schnell. Das Wort „Wunder“ lässt sich auch unterschiedlich verstehen. Erscheinungen von hilfreichen Engeln mit großen Flügeln gibt es nicht. Bleibt man bescheidener, ist jeder Tag geeignet, für eine unerwartete Freude oder schwere Enttäuschungt. Bewegt man sich dafür aber nicht und ist auch sonst faul, lässt sich das nicht beeinflussen. Die Mehrheit leidet darunter sogar, hat aber keine hilfreichen Arme und Unterstützer in der Nähe. Überhaupt nicht braucht das ein Autodidakt, noch nicht eimal ein eigenes Auto. Denn als beweglicher, selbst aktiver  „Auto-Didakt“ lernt er alles Wichtige selbst, schon in der Grundschule. Und im ersten Englischunterricht fragte mein Lehrer,  tatsächlich beim Überprüfen der Vokabel-Kenntnisse: „Wann lernen Sie das eigentlich Alles?“ „Wenn ich ihnen zuhöre.“

Natürlich  kann das nicht die ganze Wahrheit sein, aber ein Teil davon stimmt schon. Beim Latein war es genauso. Bis heute verstehe ich nicht, warum diese tote Sprache, die schon mit dem römischen Weltreich untergegangen ist, neun Jahre lang zu unserem Pflichtunterricht gehörte. Am Ende bekam ich trotzdem die Abschluss-Note „Gut“, vor Allem wegen der Analyse einer Metamorphose (Verwandlung) von Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.). Sie hieß „Die lykischen Bauern“.  Am 30.7.2020 habe ich darüber berichtet:

„Der Froschbrunnen von Herrenchiemsee“

https://luft.mind-panorama.de/herrenchiemsees-froschbrunnen/ 

Zitat: “ Im Schloss Neuschwanstein des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. kam zum Essen ein gedeckter Tisch, aus dem Fußboden in seine direkte Nähe, damit er das Hauspersonal nicht sehen musste. So ähnlich hat er wohl auch gedacht, als er auf dem Fußweg zu Herrenchiemsee einen Froschbrunnen hinsetzte, nach einer Geschichte des römischen Dichters Ovid. In seinen „Metamorphosen“ (Verwandlungen) wird die Göttin Latona von lykischen Bauern verhöhnt. Kurzerhand verwandelt sie die Spötter in quakende Frösche. Dem Märchenkönig gelang das bei seinen Kritikern nicht, aber er setzte ein Zeichen. Bei der bayerischen Regierung in München fiel er trozdem immer mehr in Ungnade.“

Das Träumen löst also keine Probleme, ist aber eine biologische Grundfunktion. Die Phantasie ergänzt den Verstand, der klare Grenzen setzt.  Kommt das trotzdem durcheinander, sind Störungen unvermeidlich. Auch in der Poltik der Staaten und bei den wirtschaftlichen Abläufen, die für das notwendige Kleingeld sorgen müssen. Wenn trotzdem etwas nicht richtig läuft, ist das  auch schon das  Geheimnis großer Misserfolge. Je mehr Informationen vorher, dazu bekannt sind, desto mehr verbessert sich eine Gesamtsituation.

Wie man Träume erfüllt, lässt sich überall anschauen. Bilder im Theater werden von Kunstexperten bewertet. Noch wichtiger ist die Zahl der verkauften Eintrittskarten, die Abstimmung der zahlenden Zuschauer. Sie wird in Zukunft auch die Existenzfrage in Krisenbereichen bentworten und überall dort, wo es offene Fragen gibt.

Verdis Spätwerk „Aida“ ist bei Musikfreunden so gut bekannt, dass jede Auffährung auch zur Abstimmung wird. An der Mailänder Scala hat 2006 Franco Zeffirelli  eine eigene Leistung  geschafft:  Er erweckte  das Alte Ägypten zum Leben (2.39 Std.),  vor sechstausend Jahren, wie es die jetzt noch erhaltenen Bilder zeigen.  Nach 56 Minuten beginnt der monumentale Triumphmarsch, hier nicht als banales Ausstattungstheater, sondern wie der direkte Blick in eine längst versunkene Zeit:

https://www.youtube.com/watch?v=q98Hj1LrsIQ

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Das Stundenbuch von Jean de Berry

24.7.2021. Ludwig der Vierzehnte war als absoluter König von Frankreis so reich und mächtig, dass er entscheiden und machen konnte, was er wollte. Ein einziger Satz hat ihn unvergesslich gemacht: „Der Staat, das bin ich.“ Dabei machte er Fehler, gab für Kriege so viel Geld aus, dass sein viel späterer Nachfolger Ludwig der Sechzehnte (1754 – 1793) verhaftet und in Paris öffentlich hingerichtet wurde. Damit endete die Monarchie, vor deren  Übertreibungen schon,  aus den genauso organisierten, anderen  europäischen Staaten  massenhaft Auswanderer nach Nordamerika geflüchtet waren. Am 4.7.1776 wurde in Washington die gemeinsame Unabhägigkeitserklärung beschlossen, mit zahlreichen Freiheitsrechten für alle Bürger.

Der Herzog Jean de Berry lebte vierhundert Jahre vorher, von 1340 bis 1416. Als Privatmann sammelte er kostbare Handschriften.  Am bekannesten sind die „Drei reichen Stunden“. Ein Stundenbuch über die verrinnende Zeit, in dessen Mittelpunkt ein aufwändiger Bildkalender steht. Im Hintergrund sieht man weiße Träumschlösser, im Vordergrund die einfache, arbeitende Landbevölkerung. Für die Gestaltung gab Jean de Berry große Teile seines Geldes aus.  Das Buch wurde, bis heute oft nachgedruckt, ein außergewöhnlicher Höhepunkt der Kunst. Schaut man sich die kostbaren Illustrationen an, beleben sie die  Phantasie und sind klare Momentaufnahmen der damaligen Zeit.

Zwischen der größten königlichen Geldverschwendung und dem Traumbuch des Herzogs von Berry liegen vierhundert Jahre. Eine Kleinigkeit in der Weltgeschichte. Denn die erste Hochkultur, das Alte Ägypten, begann 3.000 Jahre v. Chr. Die monumentalen Kunstwerke von damals sind nur zum Teil verschwunden. Auf Fotos staunt man über ihre realistische Detailgenauigkeit, bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Damals gab es noch keine schriftliche Textsprache, kein Alphabet, aber die umfangreiche Bildersprache der Hieroglyphen. Das Wissen darüber  ging später völlig verloren und wurde erst vor zweihundert Jahren wieder vollständig entschlüsselt. Dabei erfährt man das Wichtigste über diese untergegangene Zeit. Nicht nur die Bedeutung der einzelnen Wörter, sondern auch deren tiefere Bedeutung. Die Rolle, die sie im Glauben spielten. Pharao Echnaton schaffte alle einzelnen Götter einfach ab und ließ nur noch Aton gelten: Die Sonnenscheibe, die mächtigste Energiequelle auf der Erde. Die Grabmäler der Könige waren gewaltige Pyramiden mit breiten Seitenflächen, die an der Spitze zusammentrafen, in einem einzigen Punkt, der nach oben gerichtet war, auf das Universum. Man glaubte auch, dass ein verstorbener Pharao, in einem Prunkwagen, nachts wachsam am Himmel entlang fuhr, dessen rätselhafte Zeichen, Mond und Sterne,  auch die damaligen Zauberer und Magier beobachteten, um ihren Sinn zu verstehen und deren  Macht über den Kosmos. Über den geheimnisvollen Pharao Echnaton gibt es hier schon über 40 Beiträge:

https://luft.mind-panorama.de/?s=echnaton&x=10&y=8  

Was ist die Wahrheit? Über  Glaubens-Fragen werden heute noch jahrelang gewaltsame Kriege geführt, mit einer Technik, die es,  als Massenerscheinung erst seit dreißig Jahren gibt. Zwischenzeitlich ist sie außer Kontrolle geraten. Die Geschwindigkeit der Informationsmenge  darüber hat sich aber auch gesteigert. Der Missbrauch bekommt immer klarere Formen, auch die Planung und deren Methoden. Große staatliche Behörden wurden als Wundermittel dagegen  gegründet, aber auch privat denken immer mehr Menschen darüber nach. Noch mehr Gesetze braucht man dafür nicht, die alten reichen völlig aus, wenn man sie anwendet.

Zur Zeit gibt es eine Zwischen-Periode, deren Ergebnis sich jetzt schon in Stichwörtern zusammenfassen lässt: Noch mehr Transparenz und Offenheit. Eine gründliche Verbesserung der Ursachenforschung und der Bekämpfung von Fehlentwicklungen, die weltweiten Schaden anrichten. Eine Rachejustiz bringt dabei nicht viel, denn für jede geschlossene Lücke öffnen sich neue. Aber die Vorbereitung, die frühzeitige Abschreckung wird immer mehr bekannt: Dagegen wirksam sind  hohe Geldstrafen, die auch Großkonzerne ruinieren können. Öffentliche Gerichtsverhandlungen, deren Beteiligte sich sofort herumsprechen. Das wird für Ruhe sorgen, aber nicht für eine leblose Totenstille. Denn in versteckten  Gräbern voller Gold und Schmuck fühlten sich die Alten Ägypter sicher vor Dieben und Räubern, Damals ließ sich ein derartiger Schutz  oft gar nicht erreichen. Aber heute wird es immer einfacher.

Außerdem müssen Viele noch besser lesen lernen. Nicht die gewohnte Schrift allein, Sie allein enthält schon  viele Zeichen und Hinweise, die Niemand bemerkt. Wenn man die Alltäglichkeiten weg lässt, wird jede Bewegung von einem Schaltpult gesteuert, einer Matrix. Das ist erst einmal das Gehirn. Immer mehr auch dessen elektronische Ergänzungen. Die größten Wissenslücken gibt es allerdings über den Einfluss ganz anderer Bereiche. Man findet sie auch in den über vierzig Kapitel (Kategorien) dieser Webseite. Dort werden sie   erklärt, aber mehr als Kurzfassungen sind in diesem Rahmen nicht möglich. Eine Erweiterung bleibt Sache der Spezialisten, die viel mehr Durchblick haben. Es gibt sie überall. Man trifft  sie auch zufällig, in geselligen Freizeiteinrichtungen. Lautsprecher, Angeber und Belästiger sind falsche Wegweiser. Und ein Prinzip gilt auch: Das Schwerste ist manchmal das Einfachste.  Manchmal funktionieren die Antennen überhaupt nicht. Auch das ist nichts Besonderes.

Chambord gilt als das prächtigste aller französischen Schlösser an der Loire. Hört man dort die Feuerwerksmusik von Händel (1685 – 1759) geleitet von Hervé Niquet, mit dem groß besetzten Barockorchester „Le Concert Spirituel“, werden beim musikalischen Feuerwerk auch die optischen Erwartungen erfüllt: 

https://www.youtube.com/watch?v=-XrGyxrIUh0 

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Die 33 Stufen

23.7.2021. Vor 33 Jahren, 1988, zog das erste Jahr in München vorbei. Sehr spannend, und das steigerte sich immer mehr, bis zu dem Punkt, wo jede Meereswelle ihren Höhepunkt erreicht und dann wieder verflacht. Ständig landete man in vorbeirauschenden Menschenmassen, die auftauchten und wieder verschwanden. Das passierte schon viel früher, denn auch die biblische Sintflut (Sündenflut) schwemmte die meisten Lebewesen weg, und nur ein paar Auserwählte überlebten. Eine exklusive Elite war das nicht, aber sie reichte für den Aufbau einer neuen Welt. Die Ziffer 33 ist geheimnisvoll, denn sie verdoppelt die Zahl Drei, das gemeinsame Zeichen von Gott, Vater und der universalen Weltenergie. 1988 entstanden drei Freundschaften, im Januar, Mai und November, die viele Krisen überstanden haben. Der Rest ist vorbeigeschwommen, als die Zeit dafür sich verabschiedete oder spielt keine ernstzuneehmende Rolle mehr, bis auf die Menschenmassen, die immer in der Großstadt auftauchten, sich einmischten, dann wieder zu Schatten wurden. Oder weiterbrachten, auf den Stufen der Erkenntnis.

Freundschaften haben einen Kern aus Gold-Stahl, den selbst Kriege oder Katastophen nicht beschädigen können. Entdeckt man abblätternden  Rost dahinter, ist es Falschgold. Und die drei Stufen zum anschwellenden Licht hat Dante (1265 – 1321) sehr ausführlich beschrieben, in seiner „Göttlichen Komödie“. Ganz unten ist das „Inferno“, die Hölle der Unwissenheit. Dann folgt das „Purgatorio“, der schwierige Berg der Prüfungen und Mutproben. Ganz oben ist das stärkste Licht, das Ziel, das Paradies („Paradiso“). Wenn eine derartige Denkmethode das ganze Leben durchdringt, wird aus den Bildern ein Teil der Realität, selbst dort, wo sie knallhart sein kann: Bei den Finanzen. Sie sind notwendig, aber keine Übertreibung wert. Auch das ist eine endgültige Erkenntnis, der stärkste  Antriebsmotor für ein sinnvolles Leben, das nur ganz andere Werte anerkennt: Die universalen Gebäude, die aus Gedanken entstanden sind, wie Säulen eines Tempels. Der Materialwert muss nicht sehr hoch sein, Klare Zeichen reichen aus.  Eine Idealform sind mittelalterliche Kathedralen, die trotz ihrer Größe und  aufwändigen Ausstattung überhaupt nicht aufdringlich wirken. Sie verwenden hellen Stein und wenige Farben, in der Bildersprache der Symbolik. Geplant wurden sie von erfahrenen Baumeistern, aufgebaut von freien Handwerkern, die nicht an eine bestimmte Firma gebunden waren und durch ganz Europa zu ihren Arbeitsplätzen reisten. Tempel waren auch das Erkennungszeichen der Tempelritter. Zu diesem Stichwort gibt es hier schon über 20 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=tempelritter&x=20&y=5 

So groß  eine Weltstadt wie München auch ist, so wenig hat sie zu bestimmten Themen zu bieten. Das Unbekannte war vor 33 Jahren besonders unklar. Das hat sich nicht von selbst geändert, die  sinnlosesten  Widerstände gab es aus Unwissenheit, Desinteresse und instinktiver Abwehr, wenn enge Horizonte sich nicht  erweitern wollten. In Kleinstädten ist das alltäglich. Verlässt man sie, findet man das Gleiche, in einem größeren Maßstab. Aber auch Zwischenräume, seltene Seitenwege und Orte. Dort kann  sich das Wichtigste konzentrieren, bei anderen Menschen, die auch etwas davon abgeben.

Näher zum Ziel kommt man dabei nicht automatisch, nur mit einer Energie, die Einzelpersonen überfordert,  die sich durch irreführende Signale ablenken lassen. Vermeiden lässt sich  das  auch, sogar fern von den ganz großen Lichtern. Selbst in einem schwarzen Rache-Drama  wie Verdis Spätwerk „Otello“ findet man  Augenblicke, die sich völlig aus der Wirklichkeit lösen und weiter schauen: Die große Liebesszene vor dem Alptraum: „Già nelle notte densa“. Übersetzung: „Am Rand des Horizonts spiegelt sich der aufgehende Mond. Die  Sterne der Plejaden sinken in das Meer.“ Nur zehn Minuten reichen aus, um hier elementare, ekstatische Stimmungen zu erzeugen. Dabei  singen Kiri Te Kanawa und Placido Domingo:

https://www.youtube.com/watch?v=NXA4EsCO33Y 

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Unbekannte Rekorde

23.7.2021. Wer sich für Rekorde interessiert, kann sie heute mit Höhstgeschwindigkeit finden. Jede Suchmaschine landet auch ganz ausgefallene Treffer. Mich hat das deshalb nie interessiert, weil Spitzenleistungen in jedem Augenblick übertroffen werden können. Das Verfalldatum ist sehr niedrig. Auch was den ganzen Tag so geredet wird, kann man schnell vergessen. Wer viel schwätzt, hat oft gar nichts zu sagen, weder als Autorität noch als originelles Wundertier, auch wenn der bloße Anblick das Gegenteil behauptet.

Spannender ist das Herumschwimmen in unbekannten Ozeanen, weil dort sehr exotische, unbekannte Lebewesen unterwegs sind. Oder das Abklopfen von Leerformeln, die plötzlich Musik machen. Zum Beispiel das Wort „geheimnisvoll“. Wer lesen und sprechen gelernt hat, neigt dazu, es zu übertreiben und alles als mysteriös, rätselhafft  zu empfinden, was er nicht versteht. Gestern habe ich dazu etwas Anderes erklärt: Es gibt Allerweltsrätsel, eine Schatzkiste für unwichtige  Belanglosigkeiten. Und es gibt Mysterien, die Niemand auflösen kann, weil sie aus einer anderen Dimension stammen. Seit ein paar Tagen blättere ich in Zitaten des Physikers Albert Einstein (1879 – 1955).  Er schrieb: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ „Schau tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser. Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“

Das behauptet ausgerechnet Jemand, dessen exakte Forschungen ganz unbekannte Bereiche hell erkennbar gemacht haben. Er meinte Fakten, deren trockene Berechnung nicht weiter bringt: „Seitdem verstehe ich meine eigenen Formeln immer weniger.“  Entdeckt hatte er sie durch Phantasie. Als Berufsanfänger im Züricher Patentamt hatte er bemerkt, dass in den bekannten Formeln versteckte Fehler waren. Dann führte er Tests durch und sah bei ihren Wiederholungen, dass er Recht hatte. Er war also auf Gesetzmäßigkeiten und Regeln gestoßen, die noch Niemandem aufgefallen waren. Seine Beweise waren sehr umfangreich, selbst Experten haben Schwierigkeiten damit. Aber so verbreitete sich ein neues Wissen über kosmische Dimensionen, die Gesetze des Universums. Und ganz konkret: Er schuf das Fundament für die Entwicklung der elektronischen Denkmaschinen, die heute immer mehr die Wirklichkeit beherrschen.

Das nachzumachen oder zu kopieren, kann Jeder mit einem Mausklick. Unterschätzt wird dabei, dass Einstein genau wusste, dass er nur in einem kleinen Ausschnitt unterwegs war. Er nannte sich deshalb „Kosmologe“, weil er die Weltformel suchte, die Alles erklärt. Vermutlich gibt es die gar nicht, sondern viel mehr: Eine heute noch unvorstellbare Anzahl von Abläufen, die längst ein Gesicht haben: Die Bilderschrift der Symbolik, zu der man hier über 400 Artikel findet. Kein Text davon erzählt etwas von Allwissenheit, aber auch die anderen Kaptel (Kategorien) sind unterwegs auf dieser Abenteuerreise, die mit den am Anfang erwähnten sportlichen Rekorden überhaupt nichts zu tun hat.

Dazu gehört auch die unterschätze Kunst. Das Wort kommt von „Können“, nicht von Wollen, denn sonst hießes ja Wunst. Die fotoreralistischen, sehr rätselhaften Bilder von Salvador Dali (1904 – 19889) sind ein gutes Beispiel dafür, dass hinter glasklaren Bildern mehrere Tiefendimensionen zu finden sind. Dazu gibt es hier bereits 19 Beiträge:

https://luft.mind-panorama.de/?s=salvador+dali&x=6&y=12 

Wer  eine der vielen Interpretationen von Dalis Märchenwelt liest, zuckt heftig zusammen, wenn er anschaut, was heute unter dem Begriff Kunst verkauft und zu viel Geld gemacht wird. Man kann einfach wegschauen, denn  die „Kunstfreiheit“ gehört zu den wertvollsten Säulen unserer Verfassung, dem Grundgesetz von 1949. Will man etwas nicht anschauen, kann man sich das Entrittsgeld sparen. Das reicht immer. Es gibt längst ein derartig hohes Überangebot auf dem Kunstmarkt, dass es sich wie Nebel über  einer eindrucksvollen Naturlandschaft auflöst. Dafür sorgen die „Gesetze der Ökonomie“, die hier in über 400 Artikeln erklärt werden. Im Klartext: Jede Tätigkeit erzeugt Kosten und verlangt Erfolge, also finanzielle Gewinne. Wenn das nicht klappt, kann man die Ursachen finden. Auch das ist kein Geheimnis. Warum es trotzdem nicht beachtet wird, gehört zur tiefsten Natur des Geheimnisses an sich. Nur eine Minderheit versteht es.

So ist das nun einmal. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen. „Der Weg ist das Ziel. Nur wer gegen den Strom schwimmt, erreicht die Quelle.“ In China war das schon vor 2.500 Jahren bekannt. Damals lebte auch einer der bedeutendsten Denker: Der General Sun Tsu (544 – 496 v. Chr.) Zu seinem schmalen Buch „Die Kunst des Krieges“ gibt es hier schon über 50 Beträge. Einerseits geht es dabei um militärische Strategie, aber mehr noch um den Umgang mit Streitigkeiten. Auch Krisen und schleichende Fehlentwicklungen können so gebändigt werden, egal in welchem Bereich. Das Schwierigste ist nur die Realisierung. Der General wird oft zitiert, aber Kriege gibt es immer noch. Es wäre weltfremd, auf ihre Abschaffung zu warten. Aber auch hier gilt: „Der Weg ist das Ziel.“

Zwar ist das Alles nichts Neues, Aber man muss auch nicht jeden Tag das Rad neu erfinden, es gibt auch genug unterschiedliche Exemplare davon. Der General Sun Tsu war als strategischer Meisterdenker einmalig. Aber es gibt eine sehr alte, innere Verbindung zu Gustav Holsts „Planeten“ von 1916. Für seine Orchestersuite  hat Holst  sich eigene Erklärungen ausgedacht, die zu seiner Musik passen. Es beginnt auch mit Krieg: Mars, der Kriegsgott und Kriegsbringer. Harte  Klänge, unversöhnlich trommelnd. Dann geht es ganz anders weiter:  Venus, diesmal als  Friedensbotin.  Merkur, der geflügelte Bote. Die Verbindung zwischen den Gedanken der Menschen und den schöpferischen, wachsamen Göttern. Jupiter.  Der obere Leiter und Überbringer der Freude. Saturn, ein  Bote der Alten Zeiten, der Vergangenheit und ihrer Kraftquellen. Uranus, Der Magier und  Zauberer. Neptun, Der Mystiker.  Das ist die Verbindung zu den Zeichen Gottes, die der Mensch erkennen kann. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=Isic2Z2e2xs

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