Rule, Britannia

12.4.2021. „Rule, Britannia!“ konnte man zum ersten Mal im Jahr 1740 hören. Es ist eine der inoffiziellen Nationalhynen Englands, zu denen auch noch eine Hymne von Händel gehören und ein Marsch von Edward Elgar. Teile des Textes klingen etwas befremdlich, zum Beispiel: „Die Nationen, die nicht so gesegnet sind wie du, werden mit der Zeit Tyrannen gehören.“ So ist es ja nun wirklich nicht gekommen, aber vor fünfhundert Jahren war England eine Weltmacht, die sich auf mehreren Kontinenten ausbreitete. Als am Samstag die Nachricht um die Welt ging, dass der langjährige Ehemann von Königin Elisabeth II., Herzog Philip, gestorben war, berichteten die englischen Medien den ganzen Tag darüber. Einige Zuschauer beschwerten sich sogar darüber, aber die Aufmerksamkeit ist weltweit so groß, dass auch der Ablauf der Trauerfeierlichkeiten am kommenden Samstag bereits im Detail veröffentlicht wurde.

Von überragender Wichtigkeit ist jedoch der fest geplante Austritt von England aus der Europäischen Gemeinschaft. Alle anderen Mitgliedsländer sind durch das Festland miteinander verbunden. England ist stolz darauf, eine Insel zu sein. Man merkt es an den Traditionen. Sie sind aus Fotos und Filmen bekannt, aber wenn man selbst mittendrin war, wirken sie noch viel faszinierender. Die Königlichen Hochzeiten in der Londoner Westminster Kathedrale werden schon seit Jahrzehnten aufgezeichnet, mit festen Ritualen, historischen Kostümen und Musik. Trotzdem gibt es Unterschiede. Beim Anblick einiger Gäste werden ganze Romane wieder lebendig, und das traurige Ende der Gemeinsamkeit auch.

Doch der Austritt aus der europäischen Gemeinsamkeit hat ein ganz anderes Gewicht. Hier wird Alles in Frage gestellt, was vorher zentral von Brüssel aus angeordnet wurde. Wenn man die peinlichen Biographien einiger EU-Politiker kennt, bleibt nur die Frage: Warum erst jetzt? Dort drängeln sich in Spitzenpositionen Gesichter, die auch schon sehr unangenehm aufgefallen sind und trotzdem das große Wort führen. Mehr noch: Die gesamte Organisation ist nicht mehr zeitgemäß. Gewaltige Subventionen aus der Gemeinshaftskasse fließen in die falschen Kanäle oder versickern unterwegs. In den unterstützten Ländern ändert sich jedoch nur wenig. England wird es sehr schwer haben, die Türen zuzuknallen, aber man kann auf das Land nicht verzichten, weil Niemand es ersetzen kann. Also muss es Kompromisse geben, mit Zugeständnissen und Rückschritten im Einzelnen.

Aber Niemand kann den Zug mehr anhalten, der jetzt abgefahren ist. Wenn ein Rad oder eine Lawine auf einem Gebirgsgipfel sich in Bewegung setzen, werden sie dabei immer stärker. Jeder Bremsversuch verschwendet Zeit und Geld. Auf vielen Konferenzen wird jetzt darüber beraten. Etwas Großes ist dabei bisher nicht herausgekommen, aber nur noch eine Frage der Zeit. Denn die wichtigen Abläufe kann man nicht einfach abschalten oder in den nächsten Abgrund steuern.

In der Königlichen Familie in London gab es kürzlich Streit. Aus Kalifornien wurden Interviews gesendet, die für alle Betroffenen peinlich waren, aber nichts brachten. Doch seitdem ist auch die Zukunft der Monarchie wieder ein Thema. Finanziert wird sie von der gesamten englischen Bevölkerung. Ob sich daran Nichts ändert, ist jetzt noch offen. Die anderen Königshäuser sind überschaubar und zurückhaltend, deshalb auch beliebt. Das garantiert aber gar nichts.

Und im Europa der Bilanzen, der Abläufe und Erfolge in den Firmen, der sozialen Ungerechtigkeiten ist mit einigen Erdbeben zu rechnen. Ganz natürlich. Wie bei Vulkanen oder Erdbeben, wenn der Druck zu groß wird. Solche Naturgewalten hat noch Keiner im Griff, aber im restlichen Leben sind alle Werkzeuge für die Schadensbeseitigung bereits vorhanden. Unter dem Titel „Die Gesetze der Ökonomie“ und „Universalregeln“ sind hier bereits über vierhundert Artikel dazu zu finden. Sie haben einen gemeinsamen roten Faden: Was möglich ist, geschieht trotzdem nicht.

Da die noch fehlenden Computerprogramme leicht zu entwickeln sind, kommt man zwangsläufig auf die Ursachen. Vorhandene Gesetze werden gebrochen oder absichtlich nicht beachtet. Wissenslücken kann man schließen, dann wären manche Großfirmen in den letzten Jahren nicht Pleite gegangen. Ich habe persönlich in Firmen gearbeitet, die in einer solchen Gefahr waren, aber durch das Eingreifen von fähigen Managern gerettet wurden. Ein Wundermittel ist es, sich von ungeeigneten Führungskräften zu trennen. Aber raffinierte Netzwerke blockieren das. Nur als Beispiel: Jeder kann sich über die Milliarden-Skandale bei „Wirecard“ und „Open Lux“ informieren. Wer in diesen Einzelfällen die prinzipiellen Konstruktionsfehler entdeckt, löst auch ganz andere ungeklärte Fälle.

Das lässt sich in Zukunft gar nicht mehr vermeiden. Weil es direkte Auswirkungen auf die Weltordnung hat und ihre Stabilität. Im Fall von Englands Zukunft wird das sogar ein Musterbeispiel.

Hier noch die drei am Anfang erwähnten, inoffiziellen Nationalhymnen von England:

„Rule, Britannia“: https://www.youtube.com/watch?v=v2c5QHtgFxY

„God, save the queen“ (Händel) https://www.youtube.com/watch?v=JcfR4utkASo

„Land of hope and glory“ : https://www.youtube.com/watch?v=vpEWpK_Dl7M

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Die einsamen Obelisken

11.4.2021. Sammeln kann man Alles. Von Anfang an Erfahrungen. Wer einen Durchblick braucht, muss sich an die Regeln in seiner Umgebung erinnern und sie beachten. Die alltäglichen und die Rätsel. Besonders geheimnisvoll war früher der nächtliche Sternenhimmel. Weil dort die Bilder sich sändig wiederholten, wurden sie notiert und gedeutet. Weil der Himmel so weit weg war, benutzte man die Phantasie und erfand menschenähnliche Wesen, die dort oben herrschten. Auf der Erde geschah das Gleiche mit den Naturereignissen. Sturm und Jahreszeiten kamen zuerst von Kräften, die Niemand verstand, die aber Namen und Eigenschaften bekamen, wie mächtige Lebewesen.

Die ersten Datensammlungen ethielten, vor der Erfindung der Schrift, nur Bilder, deren Bedeutung mit einer besonderen Kraft aufgeladen waren. In Tempeln verehrte man nicht nur die Götter. Obelisken waren hohe Steinpfeiler mit einer pyramidenförmige Spitze, dem Pyramidion. Sie galten als Strahlen des Sonnengottes und standen in der Regel paarweise vor Tempeln. Wenn ausländische Besucher sie sahen, kauften sie die hohen Säulen und nahmen sie mit. Das Ursprungsland war meistens Ägypten, wo man auch noch verschlüsselte Zeichen auf der Oberfläche anbrachte, die später Niemand mehr verstand. Nach 1590 tauchten sie in Deutschland auf, aber schon vorher gab es sie auch am gesamten Mittelmeer. Am 4.7.1776 wurden die amerikanischen Staaten in Nordamerika gegründet. Dort stehen Obelisken vor wichtigen Staatsgebäuden, ebenso im Alten Rom.

Sie sind ein Beispiel für die starke Bildersprache der Symbolik, die heute nur von Fachleuten verstanden wird, aber auch in der Werbung massenhaft im Einsatz ist, bei Markenzeichen, angebotenen Waren und Kurzfilmen, die den Verkauf anheizen sollen. Die Wirkung ist jedoch oft nur kurz und oberflächlich, wie bei einem Schnellimbiss, dessen Produkte Jeder kennt.

Zur Kraft der Obelisken und um sie zu verstehen, gehört die Lebenserfahrung, die Kenntnis ausgefallener Wissensgebiete. Dann findet man die Wirkung der Symbole überall, in der ursprünglichen Natur und in Texten, die einfach klingen, aber Schlüsselwörter gebrauchen und komprimieren, also flächenmäßig reduzieren und verdichten. Wenn ein Konzentrat starke Wirkstoffe enthält, dann braucht es keine ablenkenden Nebensachen. Wasser ist ein lebenswichtiger, wertvoller Grundstoff, aber aus hochwertigen Substanzen kann man es entfernen, destillieren, so dass sie leichter anwendbar sind. Der massenweise Transport von Orangen über große Entfernungen braucht viel Platz. Wenn man sie konzentriert, bleiben die besten Wirkstoffe erhalten, lassen sich später mit Wasser auf ihre ursprünglichen Elemente erweitern oder mischen.

Im Mittelalter, vor tausend Jahren, versuchten Alchemisten, die Vorläufer der heutigen Chemiker, Naturstoffe zu mischen, damit reines Gold zu erzeugen oder den Stein der Weisen zu finden, der alle Rätsel löst und die Zukunft voraussagt. Das gelang nicht, wurde aber trotzdem zu einer ernsthaften modernen Wissenschaft ausgebaut, die sich im Leben immer mehr ausgebreitet hat.

Die einsamen Obelisken ragten hoch über ihre Umgebung und galten von Anfang an, als Verbindung zwischen der Erde und den Mächten im Weltraum. Das ist, nicht mehr wörtlich aktuell, aber als Zeichen unverändert erhalten und überliefert. Alle sichtbaren Oberflächen haben ein Innenleben, das große Wirkungen erzeugen kann. Alle Themen auf dieser Webseite handeln davon. Trotzdem spielen sie in Alltagsgesprächen keine Rolle. Wer abends seinen hektischen Arbeitsplatz in einem überfüllten Supermarkt verlässt, hat weder Zeit noch Interesse dafür.

Eine Überfülle von Ablenkungen sind ein Merkmal der Gegenwart. Wenn Lokale oder Gemeinschafts-Treffpunkte geöffnet sind, verdienen sie viel Geld damit. Die Freizeit als Hauptsache ist ganz normal, wurde aber schon lange übertrieben. Dann wackelt das Gleichgewicht. Jeder kann am Spass teilnehmen, auch als Gesetzesbrecher. Fehler sind an sich normal, aber wenn sie planmäßig und raffiniert geplant werden, wird eine Seite der Waage ausgehöhlt und leer. Das wird einerseits immer einfacher, aber das Dualitätsprinzip der positiven und negativen Gegensätze funktioniert wie ein Bumerang. Wer eine magische Wand angreift, prallt dort ab und erlebt einen wirkungsvollen Bumerang. Denn weil der Dekalog, die universale Weltordnung, den ganzen Planeten mit sehr viel Aufwand aufgebaut hat, wird seine Beschädigung bestraft. Laufend werden derartige Skandale bekannt. Denn ihr Mechanismus ist sich sehr ähnlich, auch wenn er getarnt ist. Es gibt viele Methoden, die stärker sind. Dass sie nicht immer angewendet werden, ist zur Zeit noch das Hauptproblem. Aber auf Dauer nicht.

Das Thema „Naturgewalten“ war früher alltäglich, ist es aber schon lange nicht mehr. Das Thema „Morgenstimmung“ hat Evard Grieg (1843 – 1907) für ein großes Orchester gestaltet. Die Musik ist sehr bekannt. Wenn man sie nach längerer Zeit wieder hört, denkt man auch an die zeitlose Bedeutung großer Begriffe. Nach der nächtlichen Dunkelheit beginnt ein neuer Tag. Darum stehen die Altäre großer Kathedralen mit ihren Glasfenstern immer im Osten. Und wenn mittags die Sonne ihre höchste Kraft erreicht, hat man das oft mit der Erkenntnis in Verbindung gebracht. Und so klingt es immer noch:

https://www.youtube.com/watch?v=-rh8gMvzPw0

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Harte Brocken

10.4.2021. Die Härte der Elemente bestimmt auch ihre Verwendbarkeit. Im Norden ist geforenes Packeis sehr widerstandsfähig, aber wenn die Temperaturen steigen, wird es flüssig. Genauso unterirdische Gesteinsmassen. Wenn sie in einem Gebiet mit aktiven Vulkanen liegen, kann die Hitze glühende Felsen zum Schmelzen bringen und die nähere Umgebung zerstören. Im Jahr 79 n. Chr. wurden die Städte Pompeji und Herculaneum, südlich von Neapel, von einem Ascheregen überschüttet. Archäologen haben sie wieder ausgegraben, und man kann viele Details anschauen, über die Lebensweise der damaligen Zeit. Sehr große Landflächen in Russland können nicht genutzt werden, weil dort Dauerfrost herrscht. Und in der nordafrikanischen Wüste dominieren Hitze und Sand, der nicht als Ackerboden geegnet ist. Maschinen können das ändern, aber ihre Fähigkeiten sind begrenzt. Das wird auch so bleiben, aber die Grenzen lassen sich verschieben, mit einem riesigen Aufwand, der teurer sein kann als die Vorteile. Außerdem bringt jede geologische Veränderung das Gleichgewicht in Gefahr, die Außentemperaturen und das Wetter.

Deshalb kämpfen weltweite Organisationen um Vorsicht und Wachsamkeit. Ihre Erfolge haben auch Grenzen. So lange der tropische Regenwald rücksichtslos abgeholzt wird, hat das Folgeschäden. Beobachtet wird das von feinen Messinstrumenten, aber die politischen Regierungen nehmen das nicht immer ernst. Dahinter stecken gewaltige finanzielle Interessen. Im Prinzip nichts Schlechtes, aber wenn es auf Kosten der Allgemeinheit geht, sehr gefährlich. Fehler werden überall gemacht. Am wichtigsten sind die Folgen. In vielen Staaten lebt eine arme Bevölkerung Manchmal ist das unvermeidlich, aber sehr oft überhaupt nicht. Man kann hier auf Beispiele verzichten, weil Jeder sie selbst leicht erkennen kann. Die Gesamtausgaben eines Staates werden veröffentlicht, seine Einnahmen auch. Also die Leistungsbilanz. Dazu gibt es viele Graphiken und Tabellen. Aber sie sind nicht lückenlos. Bei geographischen Karten spricht man von weißen Flecken, die noch Keiner erforscht hat. Mittlerweile ist das nicht mehr realistisch. Auf ökonomischen Karten kann sogar Alles sehr sauber und glatt aussehen. Aber sie enthalten viele unsichtbare Winkel, unbekannte Abgründe und schwarze Sümpfe, die sich nicht ändern. Die Computertechnik kann das sichtbar machen, aber sie wird oft mit halb wahren oder falschen Zahlen gefüttert. Oft wird das sogar ein öffentliches Thema, mit viel Empörung und Gejammer. Aber es ändert sich nichts.

Eine neue Weltordnung ist längst fällig, aber deren Regeln dürfen nicht außer Kontrolle geraten oder in falsche Hände fallen. Vor achtzig Jahren zerstörte der Zweite Weltkrieg große Teile von Europa. Danach herrschte militärischer Frieden, und Alles wurde wieder aufgebaut. Am Anfang mit großem Erfolg. Vor Allem das westdeutsche Wirtschaftswunder wurde bestaunt. Vor einer Woche, am 2.4.21, habe ich dazu einen Artikel geschrieben: „Erhards Schatztruhe“ :

https://luft.mind-panorama.de/erhards-schatztruhe-2/

Dreißig Jahre hat das Wirtschftswunder damals funktioniert, aber andere Staaten machten es nicht nach. Sie hatten eigene Regeln, die nicht gut funktionierten. So blieb es bei Ländern, deren Regionen reich wurden oder immer mehr verarmten. Auch in Deutschland begannen Anfang der Siebziger Jahre Krisen, deren Oberfläche vergoldet waren, aber innerliche Aklarmsignale sendeten. Jetzt ist dabei ein weltweiter Tiefpunkt erreicht. Ohne eine wirtschaftliche Ursache sind Riesenschäden entstanden, die mit Krediten überbrückt werden, aber keine neuen Ideen enthalten. Auf jeden Fall werden große Geld-Summen dafür gebraucht. Ausgerechnet da gibt es seit ein paar Wochen die Finanz-Skandale in den höchsten Etagen: „Wire Card“. „Open Lux“. Und noch ein paar andere, die das Gesamtbild erweitern. Die Justiz ist dabei aktiv, kann aber die offenen Lücken allein nicht schließen. Auch auf den sonstigen Gipfelhöhen hört man viel Gerede. Aber die alten Wunder nach Ludwig Erhards zeitlosen Regeln stehen auf dem Abstellgleis. Man kann sich dort ungehindert umschauen, muss aber die Werkzeuge auch wieder benutzbar machen. Ob das scheitert, weiß man erst, wenn überhaupt damit angefangen wird.

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Die Pupplinger Au

9.4. 2021. Von Hochhäusern in München kann man die Alpen sehen. Der Zwischenraum enthält Bayerns schönste Landschaften. Am Anfang die hässlichen Stadtrandviertel. Dann wird es ländlicher, die Orte kleiner. Die S-Bahn oder Busse fahren überall hin. Geheimtipps gibt es kaum noch. Selbst auf den Wanderwegen im Gebirge drängen sich Menschenmassen, an freien Tagen sind die Parkplätze überfüllt. Vor dreißig Jahren war Alles noch gemütlicher. Sogar das Oktoberfest, das dann immer überfüllter wurde. In Wolfratshausen, eine halbe Fahrstunde von München entfernt, liegt ein Naturchutzgebiet, wo kein Gärtner, kein Architekt etwas verändern darf. Die Pupplinger Au. Dort fließen Isar und Losach zusammen. Der Punkt wird Isarspitz genannt. Als Fremder kannte man das gar nicht, aber die nächtlichen Stadtmenschen erzählten gern davon. Am Isarspitz traf man sie mittags wieder. Dort gab es keine Autos, man musste dort hinlaufen. Vor Kreuzottern wurde gewarnt, aber die versteckten sich oder trafen sich lieber mit ihren Freunden nachts in teuren Cocktailbars, um zu zischeln und nach reichen Kontakten zu suchen. Nichts davon gab es am Isarspitz.

Die Besucher lagen still in der Sonne. Verkaufsläden gab es keine. Alles musste man von zu Hause mitbringen. Belästigungen gab es auch keine, aber sehr viel Freundlichkeit, um auch mit Unbekannten die langen Sommertage zu verbringen. Abends gibg es zurück mit der S-Bahn. Oder man wurde als Beifahrer mitgenommen. Unterwegs gab es neue Geheimtipps, sehr viele. Unvergesslich in Ebenhausen das alte Wirtshaus „Zur Post“, das erst um 23.00 Uhr schloss und viele Traditonsmahlzeiten anbot. Dazu ein frisches Bier vom Fass. Ging man nachmittags den steilen Hang hinab, kam man direkt zum barocken Kloster Hohenschäftlarn, mit einer großen Ausflugsterrasse, gleich nebenan. Auch wandern konnte man, von der Großstadt dorthin. Die meisten Gäste waren Tagesbesucher, und man sah sie nie wieder. Auch das war ein Vorteil, weil im Münchner Stadtzentrum in den letzten Jahren immer mehr Figuren auftauchten, mit denen man besser kein einziges Wort sprach. Ihren eigenen Lebenswandel verbreiteten sie aufdringlich. Oft war hinter hübschen Fassaden nur völlige Leere, Hinterlist und Geldgier. Sie sammelten sich in eigenen Stammlokalen und vertrieben die guten Besucher.

Münchens historisches Gebäudepanorama steht unter Denkmalschutz und darf nicht verändert werden. Aber jede Großstadt ist auch ein anonymes Ameisengelände, das krabbelt und wimmelt. Von dort aus noch Geheimtipps zu finden, wurde immer komplizierter. Ameisen wimmeln überall hin. Wer sie nicht mag, erlebt sie trotzdem. In Grenzen ist das ganz normal. Aber grenzwertig oder grenzenlos ist es abschreckend, wenn Fernsehserien wie das „Dschungelcamp“ auch in der Realität inszeniert werden. Im Lauf der Zeit sprechen sich da viele Namen vn Mitarbeitern und Mitwissern herum, auch die Netzwerke. Querverbindungen mit Stellen, die dort nichts zu suchen haben.

Schade, dass eine jüngere Generation davon besonders betroffen ist. Die beliebte Medien-Branche braucht jedoch immer weniger Mitarbeiter, weil die Technik dort immer mächtiger wird. Wer dort hin will, hat immer mehr Konkurrenz. Daraus entstehen Auffälligkeiten, die es tatsächlich früher nicht gab.

Jeder kann sich umorientieren, zum Arbeitsamt gehen oder neue, eigene Schwerpunkte finden. Bevormundung ist dabei überflüssig. Zwang und Druck auch. Am Isarspitz konnte man tagsüber kein Geld ausgeben, weil es dort gar keine Läden gab. Aber viele unbeschädigte Naturlandschaften.

Auch dieser Artikel macht Niemandem Vorschriften. Aber er gehört zu einer riesigen Palette von Möglichkeiten, die man auch schon als Schüler oder Lehrling hat. Bei Handwerkern ist das besonders deutlich. Wenn sie faul sind, fliegen sie in jeder Firma raus. Aber in der Zunftordnung folgt nach dem Lehrling der Geselle und der Meister. Das ist anstrengend, aber anders geht es nicht, weil man sonst zu den Pflicht-Prüfungen gar nicht zugelassen wird.

Einen einzigen Meister gibt es nicht, aber viele Vereinigungen, wo sie sich treffen. Dort kann man über die neueste Bautechnik sprechen, aber auch in ganz andere Dimensionen kommen. Im Mittelalter, das zwischen 800 und 1500 n. Chr. seinen europäischen Höhepunkt erreichte, wurden viele Kathedralen gebaut, von frei herumreisenden Handwerkern, die nicht an eine einzige Firma gebunden waren. Die alten Kirchen wurden ganz genau geplant und gebaut, nach den Ideen der Meister, die auch die Aufsicht hatten. Jedes Detail der Außenfassade und des Innenraums hatte eine symbolische Bedeutung. Das ist eine starke, sehr alte Bildersprache. Direkt unter diesem Text findet man 226 Beiträge zu disem Thema. Leider wissen Viele damit gar nichts anzufangen, aber es erklärt Rätsel, ungelöste Fälle und hilft dabei. In Zukunft wird man es ernster nehmen.

Milva singt: „Die Gedanken sind frei. Wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen“ :

https://www.youtube.com/watch?v=QPPLWjZxHH8

Und hier singt Milva, auf einem Münchner Wochenmarkt: „Freiheit in meine Sprache, heißt Libertà“ :

https://www.youtube.com/watch?v=gEt31pOl-F4

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Indianergeschichten

7.4.2021. Einen aktuellen Anlass für die meisten Beiträge hier gibt es meistens nicht. Auslöser sind Stichwörter, die man irgendwo liest oder hört. Wenn es keine Belanglosigkeiten sind, kann man sich darauf konzentrieren. Durch Gedankenbrücken, Assoziationen, verknüpfen sie sich miteinander, und ein Oberthema vertieft oder erweitert sich dann. Zum Thema „Indianer“ sind hier in den letzten fünf Jahren schon 25 Artikel erschienen, die zum Teil ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben. Man findet sie mit der Such-Funktion, rechts oben auf dieser Seite:

https://luft.mind-panorama.de/?s=indianer&x=13&y=11

Kürzlich sprach ich mit einem Bekannten über Kinderbücher. Die meisten waren Märchen und Sagen. Abenteuergeschichten mit Seefahrern in fernen Kontinenten. Und Indianern. Vor sehr vielen Jahren waren sie tatsächlich ein Gesprächsstoff für Erwachsene. Die arabischen Märchen aus 1001 Nacht stammen aus der Zeit um 250 n. Chr. Sie entstanden in vielen Staaten, in Indien, auch im Irak. Im Mittelpunkt steht der Herrscher Harun al-Rashid (763 – 809) in Bagdad, der tatsächlich gelebt hat und Kontakt hatte mit Kaiser Karl dem Großen, der 800 n.Chr. in Aachen vom Papst zum Herrscher gekrönt wurde.

Die alten Geschichten vermischen Traum und Wirklichkeit. Einerseits geben sie sehr realistisch den Alltag wieder. Andererseits erfüllen sie Träume und Sehnsüchte. Zum Beispiel auf einem Teppich durch die Welt zu fliegen. Oder beim Reiben an einer Öllampe einen Geist zu wecken, der jeden Wunsch erfüllt. Für die Phantasie von Kindern ist das ein magisches Feuer, sie können sich in die Bilder hineinsteigern. Aber Märchenerzähler wurden damals auch ernst genommen. Man verglich sie mit den Magiern, Zauberern, die den nächtlichen Sternhimmel beobachten und aus seinen Zeichen die Zukunft lesen und voraussagen konnten. Jeder Herrscher, Sultan oder Kalif, hatte immer Magier in seiner nächsten Begleitung und befragte sie bei ungelösten Problemen. Diese Ratgeber waren manchmal mächtiger als der Herrscher selbst, weil sie auch bei seinen Untertanen gefürchtet waren. Auch Indien war bekannt dafür.

Als der Spanier Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, suchte er eigentlich das Märchenland Indien. Die dortigen Ureinwohner nannte er deshalb Indianer. Sie waren tatsächlich von Indien aus dort eingewandert. Der Besuch aus Europa ist ihnen nicht gut bekommen, denn er suchte nach kostbaren Schätzen. Die Indianer selbst verloren immer mehr an Bedeutung. Am 4.7.1776 erklärten europäische Einwanderer die Unabhängikeit der Vereinigten Staaten. Sie landeten in New York und zogen dann weiter nach Westen, bis nach Kalifornien. Unterwegs kämpften sie gegen gesetzlose Banditen und gegen Indianer, die ihr Geburtsland verteidigten. Die Einwanderer siegten und bauten die heutigen USA auf, mit einer Verfassung, die allen Menschen Freiheitsrechte garantierte.

Durch Spannungrn entsteht Fortschritt, aber das soll man nicht übertreiben. Wenn einzelne Personen ständig angespannt sind, unter Aufregung und Hochdruck stehen, muss das gar nichts mit ihrer beruflichen Belastung zu tun haben. Es kann eine angeborene Eigenshaft des Charakters sein. Sie verbindet sich oft mit Wichtigtuerei, Lügen und Verleumdungen. Solche Märchen sind nichts für Kinder, aber sie können ganze Firmen ruinieren. Trotz aller Zwischenfälle ist der Aufbau der USA eine Erfolgsgeschichte gewesen weil die ersten Führungspersonen ein klares Ziel vor Augen hatten: Jedem eine Chance zu geben, erfolgreich zu sein. Meinungsfreiheit. Versammlungsfreiheit. Die Säulen der Gerechtigkeit. Anders geht es nicht, auch wenn auf dem Weg Gangster und Banditen sich verstecken. Dafür hatte man damals die Cowboys, die große Rinderherden bewachten und Sheriffs, die für Ordnung sorgten, notfalls auch als Einzelgänger. Was da Alles an Fehlern passiert ist, sprengt den Rahmen eines einzelnen Kommentars. Die Kinofilme haben dazu Meisterwerke geschaffen. Zum Beispiel „Zwölf Uhr mittags“ von 1952. Wer nur die Titelmusik anhört, kann sich auch die passenden Bilder dazu anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=A4a_1UhwgFU

Die Cowboys spielen heute nicht mehr eine so große Rolle. Wer durch das ganze Land fährt, nennt sich „Highway Man“ und benutzt einen Lastwagen für Transporte. Bekannte Sänger haben sich „Highway Men“ genannt und sind gemeinsam aufgetreten. Zum Beispiel Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson, mit „City of New Orleans“. Text: „Guten Morgen, Amerika, wie geht`s? Ich bin dein Sohn. Ich bin der Zug, den man „Stadt New Orleans“ nennt. Ich bin 500 Meilen weit weg, wenn der Tag zu Ende geht.“ :

https://www.youtube.com/watch?v=RnGJ3KJri1g

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Offene Biergärten

7.4.2021. Wenn Wirtshäuser kleine Gärten haben, sind sie im Sommer besonders beliebt. München hat wegen seiner geographischen Lage im Süden besonders viele und große Biergärten, die mit der ersten Frühlingswärme auch schon gut besucht sind. Dieses Jahr noch gar nicht, aber ab Montag soll es wieder Öffnungen geben. Mit Mindestabstand, einer Höchstzahl an Begleitern und viel frischer, Luft wie immer, die dann Alles weit weg weht, was stört. Alles leider nicht. In den letzten zwanzig Jahren drängte sich dort auch ein Publikum zum Weglaufen. Eigentlich war die Offenheit immer sympathisch. Aber weltweit sind seit dreißig Jahren immer mehr Grenzen gefallen, und wer dann frei herumreiste, landete manchmal auf einer langen Bank mit einem großen Krug Bier. Noch auffälliger war das auf dem Oktoberfest. Immer mehr Gedränge, immer weniger Traditionsmusik. Alte Bauerntrachten wurden modisch verfremdet, zu rosafarbenen Dirndl und zu Lederhosen mit Turnschuhen.

Dazu kamen noch andere Geschmacklosigkeiten. Die Tagesschicht in den Festzelten wurde aufgeteilt. Wer vormitteags kam, musste mittags gehen. Wer nachmittags kam, durfte bis zum Ende bleiben. Karussels, Bier und Essen wurden immer teurer. Wer zu wenig bestellte, bekam einen Gruß von schwarz uniformierten Sicherheitskräften, er möchte bitte Platz machen für die ständig nachrückenden Besuchermassen. Das gefiel manchen Münchnern nicht mehr, auch nicht die flotte Musik abends statt der alten Heimat- und Gebirgslieder. Also verzogen sich viele in die Innenstadt, wo noch Platz war oder machten einen Tagesausflug in die Alpen.

Seit zwanzig Jahren war ich weder auf dem Oktoberfest noch in den überfüllten Biergärten. Es gibt genug Ersatzlösungen. Aber wenn man neu in der Stadt ist, gehört es unbedingt dazu. Genauso die Bierlokale in der Altdstadt, wo man bis zum frühen Morgen versumpfen und nette Leute kennenlernen konnte. Der Altersunterschied spielte dabei keine große Rolle, aber seit einigen Jahren immer mehr. Alte Lokale verschwinden, die neuen Bistros sehen sich sehr ähnlich. Auch die Besucher drinnen. Zu schick gekleidet, aber dankbar für jedes Freibier, dazu wenige Sachkenntnisse und viel Geschwätz über Belanglosigkeiten.

Seit einem Jahr hat ein Paukenschlag das Alles unterbrochen. Wer zuviel Zeit hatte und sich langweilte, hat jetzt noch viel mehr Zeit. Angenehm sind die Zeitgenossen, die trotzdem noch eigene Interessen haben und auch darüber reden statt in geschwätziger Sprachlosigkeit vor sich hin dämmern. Schade daran ist es, dass es sich oft um Leute handelt, die jung sind und gut aussehen. Von ihren Träumen erfährt man rasch, dass sie einen Job in der Medienbranche suchen. Damit sind sie nicht allein. Die Arbeitsangebote verringern sich, weil die Technik leistungsfähiger wird. Die Konkurrenz vermehrt sich, aber nicht nur, weil das im Frühling alle Lebewesen so machen. Minus und Plus ergeben eine Überfüllung dort, wo die best bezahlten Arbeitsplätze immer mehr schrumpfen. Das erzeugt Spannungen und natürlich auch krumme Dinger. Weil dafür kein allgemeiner Durchblick vorhanden ist, landen Manche im Abseits. Das ist immer schade, aber sie lachen und kichern trotzdem.

Das ist keine Miesmacherei. Ich schaue gern zurück auf die wilden Jahre in München. Ein Paradies für jeden Geschmack. Wenn man im Englischen Garten, am Chinesischen Turm spätabends saß, gab es ringsum keine Wohnhäuser, wo Nachbarn sofort Alarm schlugen, wenn ihnen etwas nicht passte. Um ein Uhr früh konnte man gemütlich fortgehen, oft mit netten Leuten, die man gern wiedertraf. Im Jahr 1988, vor 33 Jahren, war das so, und manchmal kommt die Sehnsucht nach einer Zeit, die längst vorbei ist. Aber das ist nun einmal vorbei. In den letzten Jahren tauchten zu viele Stadtbesucher auf, mit denen man überhaupt nichts zu tun haben will. Sie senden Signale und Auffälligkeiten, die hier schon oft beschrieben und erklärt wurden. Sie richten Schaden an, und wenn man sie immer schneller erkennt, bleiben sie entweder unter sich oder werden immer bekannter. Kürzlich gab es wieder Meldungen über bekannte Soziale Netzwerke, deren freigiebig verteilte private Nutzer-Kommentare gesammelt und verkauft werden. Wenn Jemand überall im Mittelpunkt stehen will, freut ihn das. Andere langweilen sich darüber. Bei einem angenehmen Umtrunk habe ich immer kostenlose Frei-Runden abgelehnt, wenn Wichtigtuer dabei waren. Das reicht manchmal schon, um sie auf Distanz zu halten. Andere gute Ideen dafür gibt es auch noch, sie werden hier offen bekannt gemacht, ohne den persönlichen Datenschutz und die Privatsphäre zu verletzen.

Wichtige Geheimnisse haben die wenigsten. Auch ich nicht. Methoden, etwas herauszufinden, ergeben sich von selbst, ohne jede Überwachungstechnik, die außerdem sehr enge gesetzliche Grenzen hat, auch für die Behörden. Viel angenehmer ist Offenheit, so lange sie nicht Schaden anrichtet. Es gibt sehr viele Merkmale, an denen man Lügner und Betrüger erkennt. Oder Habgier nach fremdem Eigentum. Man erkennt es an der Körpersprache, der Gesichtsmuskulatur und an den Lieblingsthemen. Auch dafür gab es hier schon viele Beispiele, ohne Jemandem damit zu schaden. Genauso leicht kann es sein, zuverlässige und ehrliche Menschen zu erkennen. Das bringt Gewinn, der mit Geld nicht zu bezahlen ist.

Wenn die Biergärten tatsächlich nächste Woche wieder öffnen, ist es wie beim Führerschein. Als Anfänger macht Jeder Fehler, aber nach der Prüfung kann man die meisten vermeiden. Das ist ein Lebensprinzip, für alle Bereiche.

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Aus Westfalen in die Welt

6.4.2021. Verglichen mit München und Bayern, ist Westfalen nur tiefe Provinz. Doch das täuscht. Im Süden beginnt gleich das Ruhrgebiet, vor hundert Jahren , mit den Großstädten Duisburg und Gelsenkirchen das Zentrum der deutschen Industrie und Stahlherstellung in Kohlefabriken. In den Sechziger Jahren ging das zu Ende. Vorher kamen aber noch die Gastarbeiter vom Mittelmeer und blieben. Die Städte wuchsen zusammen, auf der Karte sehen sie aus wie eine einzige Mega-Stadt. Und weiter südlich ist das Rheinland. Im Jahr 800 war es der Höhepunkt des Mittelalters, als der Papst in Aachen Karl den Großen zum Kaiser krönte. Er war Herrscher des mächtigen Frankenreichs. Übrig geblieben davon ist Frankreich als eigener Staat und drei Regionen in Nordbayern.

Bevor man jetzt ins Uferlose kommt, geht man zurück an den Anfang. Im flachen Münsterland und seiner offiziell so genannten „Provinzialhauptstadt“ Münster habe ich die ersten 38 Lebensjahre verbracht. Dort lässt es sich leben. Diee ganz große Welt ist weit weg, dafür lernt man die Schätze der kleineren Dimensionen umso besser kennen. So ist es wohl überall in der Provinz, in anderen Staaten spricht man von Regionen. Manchmal ist das ein sehr trauriges Kapitel, wenn die Leute gar nicht merken, wie sie hereingelegt werden. Aber das passiert ja nicht Tag und Nacht oder drängt sich in den Vordergrund. Achtzig Prozent der Erinnerungen sind gut. Ich vermisse viele Menschen, die dort einmal sehr nahe waren, auch die flachen Landschaften mit den vielen Bauernhöfen und den Schmuckstücken aus der Geschichte.

Seit über dreißig Jahren zieht aber dort überhaupt nichts mehr zurück. Das Leben hat sich auseinander entwickelt. Es hatte weniger Sensationen, das war sowieso besser, wenn man nachdenken will oder etwas Neues lernt. Doch das Pech gehört auch dazu. Nach dem Zerbrechen einer achtjährigen Partnerschaft, was bei den Meisten noch viel schneller abläuft, will man die gewohnten Winkel erst einmal nicht mehr sehen. Und weil auf dem Urlaubsweg nach Italien, München immer eine gute Zwischenstation war, landet man dort. Andere gehen nach San Francisco oder New York. Oder zum Züchten von Ananas in Alaska. Das war einmal ein witziger Spruch des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (1915 – 1988). Ihm fielen ständig solche Sprüche ein. Er war ein Original. Von der Mehrzahl der heutigen Politiker kann man das überhaupt nicht sagen. Aber seit gestern ist Ostern vorbei, jetzt blüht die Natur trotzdem immer mehr, und es gibt auch Nachrichten, wo man nicht aus dem Fenster schaut, sondern auf gute Ideen kommt.

Ein Hauptprinzip ist der Vergleich der Vergangneheit mit der Gegenwart. Das lässt sich in Ziffern darstellen, wenn man sich auf die Hauptsachen beschränkt und nicht im Chaos unterwegs ist. Verknüpft man die Ziffern, ergeben sich Veränderungskurven. Zeigen die nach oben, laufen die Alltagsabläufe gut. Zeigen sie nach unten, kann man die Ursachen feststellen und verändern. Doch so einfach ist das leider nicht. Die härtesten Steine im Beruf waren die leitenden Bremsklötze und ihre faulen Freunde. Die ökonomischen Erfolge eines Staats sind mit Diagrammen öffentlich für Jeden zugänglich. Auch zur Auswertung ganz leicht. Eigentlich. Egal, mit wem man spricht, in Jubelstimmung ist fast Niemand. Nicht nur wegen der Einschränkungen und Verbote, sich in Stammlokalen zu treffen oder in beliebte Urlaubsländer zu reisen. Da gibt es noch ganz andere Ursachen. Hier werden sie laufend thematisiert, aber ohne nutzloses Gejammer oder langweilige Reden vor Kameras und Mikrofonen. Über Ostern war es draußen noch kühl, aber sonnig. Also waren auch Menschenmassen unterwegs, die Niemand verjagt hat. Beides geht gleichzeitig: Die Vorsicht und die Realisierung von Aktivitäten. Auch dafür gibt es aktuelle Beispiele, doch noch nicht genug. Das zu verbessern, ist möglich. Wie das geht, wird man hören und sehen.

Festliche Barockorchester hatten noch vergleichsweise wenige Instrumente. Wenn es besonders feierlich zuging, wurden Pauken und Trompeten eingesetzt, um ihre Wirkung zu erhöhen. Händel (1685 -1759) gelang dabei ein Meisterwerk. Am 17.7.1717 erklang seine Wassermusik auf der Londoner Themse und begeisterte damit König Georg I. Leopols Stokowski schuf 1961 eine Studio-Aufnahme, in der man auch diese Stimmung spürt:

https://www.youtube.com/watch?v=hA8yb_MH6bM

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Nach der Auferstehung

5.3.2021. Ostern als Fest der Auferstehung, der Wiedergeburt, war schon gestern ein Thema. Aber Stichwörter sind immer nur ein Hinweis. Der gesamte Inhalt ist so groß, dass man ihn für sich noch viel gründlicher erforschen muss. Aber hier können nur Wegweiser genannt werden, sonst gerät das Thema außer Kontrolle und nützt Niemandem mehr. Zum Durchblick gehört immer eine Ordnung. Die Beschränkung auf Hauptsachen und das Weglassen von Nebensachen. Was hinter den Überschriften steckt, kann in Datenspeichern miteinander verknüpft werden, ganz grob und ganz detailliert. Auch die Querverbindungen können automatisch verbunden sein, müssen sich aber auch auf das Wichtigste beschränken. Und dann gehen mehrere Lichter auf. Das Licht war immer ein Schlüsselwort für die Erkenntnis, durch jahrelange Forschung oder durch Intuition. Das sind plötzliche Geistesblitze. Bekannt sind sie nicht durch Massenveranstaltungen, sondern bei der Arbeit von Spezialisten. Sie haben ein gründliches Fachwissen, durch Lernen und persönliche Erfahrungen. Und plötzlich wird es hell. Nicht in der Außenwelt, nicht durch elektrisches Licht oder ein Computerprogramm, sondern durch die Bündelung in einer Idee.

Aus der Vergangenheit sind viele Beispiele davon bekannt. Der Ariadnefaden gehört dazu. Der griechische Held Theseus sollte ein menschenfressendes Ungeheuer finden, das sich in einem riesigen Labyrinth versteckte. Das war für ihn ganz leicht, nachdem ihm die Prinzessin Ariadne ein rotes Wollknäuel übergeben hatte, das einen einzigen, langen Faden enthielt. Er ließ den Anfang des Fadens am Eingang des Irrgrtens fallen und rollte dann den Rest ab. Immer wenn er unterwegs den Faden wieder sah, wusste er, dass er nicht vorwärts gekommen war. Dann machte er weiter, fand das Ungeheuer und besiegte es.

Diese kleine Geschichte ist erfunden, aber ihr Titel ist seitdem ein Symbol, ein Signal dafür, wie man ungelöste Probleme beseitigt. In der Gegenwwart gibt es mehr als genug davon. Meistens werden sie nur wiederholt und zerredet, aber nicht gelöst. Gestern, am Ostersonntag, galt ein noch stärkeres Symbol: Die Auferstehung. Die Wiedergeburt. Da geht es nicht um ein Märchentier aus der Vergangenheit. Sondern um die Zukunft. Was in den letzten zweitausend Jahren geschah, ist zum Teil in Sackgassen gelandet, auf falschen Wegen oder in schlechten Händen. Gejammer nützt da gar nichts, aber Viele tun es trotzdem. Auf dieser Webseite werden oft handfeste Vorschläge dazu erklärt, aber nicht gehört oder verstanden. Das ist nichts Besonderes. Die längste Zeit meines beruflichen Lebens wurde gestört durch Nichtskönner in Führungspositionen. Die meisten sind schon Rentner, aber das Denken lebt aktiv weiter. Eine Zukunftsregel kann nur sein, dass sich das tatsächlich ändert. Unter diesem Text findet man das Stichwort „Heilmethoden ohne Lehrbuch“, mit bisher 23 Kommentaren. Hinweise auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Wer eine Wintergrippe bekommt und etwas vorsichtig ist, verliert sie wieder nach vierzehn Tagen. Bekannte Hausmittel reichen dafür, den Rest macht der Körper von selbst. Ein uraltes Wissen der Medizin. Es gilt aber auch für den Geist. Wer Fehler im Leben macht, erkennt sie durch die Folgen. Danach auch die Ursachen. Wenn man die beseitigt, verbessern sich radikal die Ergebnisse. Aber man schaue sich nur um. Die Ungerechtigkeiten, die Unehrlichkeiten haben schnelle, kurze Hände und greifen zu. Aber auf Dauer sind sie nicht lebensfähig, sondern bechädigen ganze Staaten und große Firmen. Jeden Tag. Darum passt dazu genau das Thema von der Auferstehung und Wiedergeburt.

Der Verfasser des letzten Buchs der Bibel, mit dem Weltuntergang, der Apokalypse, war der alte Johannes, früher der Lieblingsjünger von Christus, über dessen Leben und Tod er auch ein eigenes Buch geschrieben hat: Das Johannes-Evangelium. Inhaltlich vergleichbar sind die Bücher von Matthäus, Markus und Lukas. Sie berichten vom Kreuzestod, aber nicht vom Ende der Welt. Ihre Berichte hat Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) , „der fünfte Apostel“ in musikalische Passionen verwandelt. Die Matthäus-Passion gilt als sein Gipfelwerk. Der Gottesleugner Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) schrieb, „Gott ist tot“, aber nachdem er die Matthäus-Passion gehört hatte, notierte er, „Jetzt möchte ich am liebsten wieder zum protstantischen Glauben übertreten.“ Richard Wagner schrieb über Bach, „Man sollte ihn nicht Bach, sondern Ozean nennen“. In seiner Meistersinger- Komödie gibt es mehrfach musikalische Anspielungen auf strenge Bach-Fugen, und in der Ouvertüre hört man drei verschiedene Melodien gleichzeitig. Bachs Spezialität waren – zwei Melodien gleichzeitig: Der Kontrapunkt. Wagner setzte noch eine drauf und lachte dazu, „Das ist angewandter Bach!“

Bachs Orchestersuite Nr. 3: Nach 7.40 Minuten hört man das berühmte „Air“, nur von Violinen gespielt. Ein Zeichen der Ruhe, Meditation und lebendiger Gedanken:

https://www.youtube.com/watch?v=FuMtEof9MWs

Hier ist Bachs Oster-Oratorium (42 Minuten)

https://www.youtube.com/watch?v=62fawgUUpg8

Alle Erfinder und Entdecker haben Neuland betreten. Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas. Einstein fand das Fundament der Elektronik. Freud schaute tief in das menschliche Gedächtnis hinein. Ständig gibt es neue Erfindungen, die aber nicht diese gewaltige Bedeutung haben. Das Zeichen der Wiedergeburt, so wie die Auferstehung, ist nicht neu, hat aber eine universale Bedeutung. Jedes Leben ist voller Irrtümer und Fehler. Buddha (564 – 483 v. Chr.) entwickelte daraus die Idee, dass der Mensch so lange wieder geboren wird, bis er innerlich rein ist. Erst dann kehrt er zurück in das Universum, aus dem er gekommen ist.

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Auferstehung

4.4.2021. Der heutige Ostersonntag ist das Fest der Wiedergeburt. Diese Idee ist noch viel älter. Die Menschen in der Frühzeit beobachteten die Jahreszeiten. Sie fingen an zu messen. Im Herbst verwelkten viele Pflanzen, auch die, mit denen man die tägliche Nahrung zubereitete. Dann kamen auch noch Frost und Schnee. Die Farbe Weiß hat seitdem auch eine Bedeutung für die Lebensdauer und die Reinheit der Gedanken. So wie den Pflanzen erging es auch allen anderen Lebewesen. Der Zeitpunkt des Frühlingsanfang wurde durch die Messung des Sonnenstandes festgelegt. Wo er auf die Erde auftrifft. Im südenglichen Stonehenge setzte man dort einen großen Kreis mit Steinen (Megalithen) in die Landschaft.

Der Termin für Ostern wird berechnet. Es ist der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Dieses Jahr ist das noch recht früh, und deshalb kälter als in anderen Jahren. Aber immer war das eine ideale Reisezeit. Auch für Tagesausflüge in das Hochgebirge, das sich an keinen Kalender hält, außer bei den Pflanzen. Doch Ostern bedeutet viel mehr als eine Ortsveränderung. Der Glaube an die Wiedergeburt ist das Zentrum vieler Religionen. Siddharta Gautama (563 – 483 v. Chr.) gründete den Buddhismus. Er lehrte, dass der Mensch so oft wiedergeboren wird, bis er innerlich rein ist und sich wieder mit dem Universum vereinigt, aus dem er gekommen ist.

Fast fünfhundert Jahre später wurde Christus denunziert, angezeigt und hingerichtet. Am Ostersonntag stand er von den Toten wieder auf. So berichtet es die Bibel. Die alte Geschichte ist voller Kraft, aber viel mächtiger sind die Ideen, die sich danach auf der ganzen Welt verbreiteten. Es entstanden auch Fehler. Glaubenskritiker wurden als Ketzer gewaltsam verfolgt und umgebracht, wie die ersten Christen. Aber vor fünfhundert Jahren wehrten sich einzelne Denker dagegen. Ihnen sind hier einzelne Artikel gewidmet: Martin Luther. Girolamo Savonarola. Christopher Matrlowe, der später unter dem Pseudonam William Shakespeare weltberühmt wurde. Die Liste der Opfer kann Jeder mit Suchmaschinen selbst finden.

Ein Weltprinzip ist der Dualismus. Die Gegensätzlichkeit von zwei Prinzipien. Tag und Nacht. Sommer und Winter. Düstere Epochen auf der Welt wurden von glücklicheren abgelöst. Nach der frühen Hochkultur im Alten Ägypten wurden am Mittelmeer die Griechen und Römer immer mächtigen. Doch nach dem Tod von Christus wurde seine Denkweise immer mehr verbreitet und immer stärker. Die römischen Raubzüge in ganz Europa wurden gleichzeitig schwächer, und im Jahr 800 n. Chr. wurde Karl der Große im Aachener Dom zum Kaiser gekrönt, vom Papst persönlich. Der Höhepunkt des Mittelalters. Siebenhundert Jahre später war auch das vorbei. Die Renaissancezeit danach war, wörttlich, dem Thema der „Wiedergeburt“ gewidmet. Einzelne Köpfe widersprachen der herrschenden Staats-Meinung. Die genauen Messungen der Wissenschaft erweiterten den Horizont noch mehr. Seitdem gab es einen technischen Erfolg nach dem anderen. Bis heute.

Seit einem Jahr herrscht Krisenstimmung, aber die neue Zeit meldet sich schon. Jeder kann sie bemerken. Allein schon in den Menschenmassen, die jetzt wieder unterwegs sind, in der Natur. Und manchmal sind es Kleinigkeiten, die Zeichen setzen.

Am 12.9.2020 gab der italienische Bariton Leo Nucci, Jahrgang 1942, ein Konzert in Piacenza. In der Mitte hörte man Verdis „Nabucco“-Chor über die Gedankenfreiheit. Danach den Schluß-Chor aus Beethovens Neunter Sinfonie, mit Schillers Text über die Freude.

Die beiden Melodien kennt Jeder. Im Text heißt es bei Verdi:

„Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen,
lass dich nieder auf Hängen und Hügeln.“

Schiller: „Freude, schöner Götterfunken, wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum. Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen.
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur.
Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an.“

Ein Teil der Mitwirkenden bei diesem Konzert in Piacenza trug vor der Beethoven-Hymne schwarze Corona-Masken. Es war ein Zeichen der Ermutigung, weiterzumachen, jeder auf seine Art:

https://www.youtube.com/watch?v=65RR1LRz8zY

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Alte Weltkarten

3.4.2021. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rügt die Regierenden: Ihr Streit und ihre Fehler hätten in der Pandemie zu einer Vertrauenskrise geführt. Ungewöhnlich. Die er mit seinen strengen Mahnungen meinte, haben so etwas nioch nicht gesagt, aber immer wieder Viel geredet. Und Mögliches nicht machbar gemacht. Das kommt in keiner Krise gut an. Seit den Siebziger Jahren war das schon öfter so. Vorher gab es das Wirtschaftswunder, dann immer mehr Ansprachen und die Talk Shows, mit den gleichen Gästen und den gleichen Sprüchen. Natürlich ist dabei auch viel Wasser im Rhein geflossen, vom Bodensee bis zur holländischen Nordsee. Auch sonst ist viel passiert, aber nichts von dem, was Steinmeier meint. „Es wurde bereits Alles gesagt, aber noch nicht von Jedem.“ (Karl Valentin). Da wird es erfreulich, wenn man in alten Büchern blättert oder sich Weltkarten anschaut, die vor zweitausend Jahren entstanden sind. Auf einem Blatt sieht man nur die Mittelmeerländer und China, weil mehr nicht bekannt war. Es kommt also immer auf den Standort und das Wissen des Zeichners an. Und in beiden Machtzentren gab es damals viele Forscher und Entdecker. Im 3. Jahrhundert v. Chr. enstand die Bibliiothek von Alexandria. Sie war die bedeutendste Büchersammlung ihrer Zeit. In dem Monumentalfilm „Cleopatra“ wird erklärt, dass Cäsar (100 – 44 v. Chr.) den Brand und die Zerstörung der Bibliiothek verursacht habe. Auch spätere Termine werden genannt. Oder das nachlassende Interesse daran, eine derart umfangreiche Büchersammlung zu finanzieren.

Heute spielt das keine Rolle mehr. Das Universalwissen ist elektronisch frei zugänglich, wird aber nur von Experten oder Gruppen genutzt, an Universitäten oder in großen Firmen. Fast Jeder besitzt ein Smartphone und tippt ständig darauf herum, vor Allem die neuesten technischen Rekorde sind ein heißes Thema. Das Verbreiten von Nachrichten und Halbwahrheiten. Weil es so einfach ist. Bundepräsident Steinmeier meinte aber nur die regierenden Politiker. Die sind zahlenmäßig nur eine kleine Minderheit. Aber sie bewegen viel Geld und Macht, oft gar nicht besonders klug, lösen damit aber Katastrophen und Ungerechtigkeiten aus. Die Smartphoniker sind eine große Mehrheit, haben aber meist nichts zu sagen. Sie sind beweglich, auch dort, wo sie nicht hingehören. Das erzeugt keine Erfolge, sondern nur ein großes Rauschen in den Überseekabeln, das zwar immer leiser wird, aber Informationen durch die Welt jagt, die in keiner Bibliothek mehr Platz haben und auch nicht auf gezeichneten Weltkarten. Schon vor zweitausend Jahren gaben sie nur einen Bruchteil der Welt wieder. Die Lückn wurden geschlossen durch Forschungs-Schiffe, Flugzeuge und Satelliten. Aus dem Weltraum kann man längst einzelne Häuser erkennen und natürlich auch Landschaften und Städte. Doch wer nutzt das?

Das ist die wichtigste Frage, auch für die Zukunft. Die Daten der Vergangenheit und Gegenwart, wenn man sich auf die Hauptsachen beschränkt, sind das Fundament für eine gezielte Projektplanung. Also für Pläne, die sich nicht beim näheren Hinschauen als Seifenblasen zeigen. Man kann nicht in einem kurzen Text das Alles ausleuchten, aber in kleinen Schritten der Hauptsache näher kommen. So funktioniert auch das Lernen der Kinder. Ein kleiner Horizont erweitert sich immer mehr. Fehler passieren, aber die Zeit arbeitet kräftig dabei mit. Das alte Lied, „Man müsste noch mal Zwanzig sein“, ist kein Wunsch für Jeden, der den Fortschritt will. Und eine lebenswertere Welt. Aber es hört sich trotzdem gut an. Der alte Willy Schneider (1905 – 1989) sang das schon 1953:

https://www.youtube.com/watch?v=TSo5qHg-s_M

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Die vererbten Urbilder

2.4.2021. Die frühesten Bilder vergisst man. Steckt etwas Besonderes dahinter, werden sie auch nach Jahrzehnten immer deutlicher. Die Ursachen. Die Beteiligten. Die Folgen. Noch besser machen das Filme. Vor hundert Jahren gab es die ersten Tonfilme. Später Farbfilme. Man kann sie restaurieren und alle Fehler entfernen, als wären sie erst gestern entstanden. Und noch stärker sind die Archetypen, die Urbilder im Gedächtnis. C. G. Jung (1875 – 1961) hielt sie für die gemeinsame Erinnerung der Menschheit. Das heißt, dass mit den körperlichen Eigenschaften auch Gedächtnisabläufe vererbt werden. Darum wirkt der Anblick des Ozeans so stark, weil dort die ersten Lebewesen entstanden. Oder der Blick zum nächtlichen Sternenhimmel, weil dort das Universum sich ausbreitet, die Heimat der Lebewesen. Jung ging noch weiter. Er entzifferte die Bildersprache der Symbolik. Er wusste, dass bereits Jean-François Champollion (1790 – 1832) die Übersetzung der ersten Hieroglyphen (Sprachbilder) auf dem Stein von Rosette gelungen war: Das wichtigste Fundament für die Erforschung des Alten Ägyptens, wie es vor fünftausend Jahren war.

C.G. Jung war persönlicher Schüler von Sigmund Freud (1856 – 1939). Er wendete dessen Erkenntnistechnik an: Auffälligkeiten im menschlichen Verhalten als Störungen zu sehen, die bei der Verknüpfung mit den Urbildern sich auflösten. Dabei geriet er auch ins unklare Spekulative, zu den nicht beweisbaren Vermutungen. Kritiker werfen ihm das vor. Aber die Haupt-Idee stimmt: Vererbt werden nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch geistige. Als Zufallsprinzip. Denn sonst würden Genies nur noch überragende Wundermenschen oder Zerstörer in die Welt setzen. Das Gegenteil ist meistens richtig. Gregor Mendel veröffentlichte 1866 seine Auffassung des Vererbungsvorgang, durch Merkmale, deren Zusammensetzung von jeweils nur einem biologischen Gen bestimmt wird.

Jetzt wird die Sache immer undurchsichtiger. Aber wenn man die Lebensläufe berühmter Menschen liest, kommt man den Tatsachen näher. Viele Verwandte oder Erbschleicher warten ungeduldig darauf, dass sie selbst reich werden, leisten aber nichts Besonderes.

Doch die Archetypen haben noch mehr zu bieten. Sie sind Chiffren, Kurzformeln, Schlüssel zu unbekannten Kontinenten im Inneren. Zum Thema „Symbolik“ gibt es hier bereits über 400 Kommentare. Wenn man die Ur-Bilder versteht, wirken ihre Zeichen und Merkmale sofort. Oder sie gehören zur Überflutung mit unwichtigen Daten, die Zeit rauben oder Geld verschwenden. Das ist ein großes Problem in der Wirklichkeit, weil auch die Verkaufs-Werbung mit einem Feuerwerk von Signalen arbeitet, die nur die Umsätze anheizen sollen. Dann geht die Hauptsache unter.

Konzentriert man sich auf einen Punkt im Raum und löst sich von allen anderen Nebensachen, wird die Meditation lebendig. Gedanken kommen von selbst, vermischen sich und beruhigen. Hektik lässt nach. Das geht sogar an stark besuchten Orten, aber man muss es trainieren.

Stille hilft dabei, aber wenn man umschalten und abschalten kann, geht es auch. Musik löst eigene Bilder aus, auch wenn bereits Texte dafür vorhanden sind. Zum Beispiel in Musikdramen, die in der Phantasie ein Eigenleben entwickeln. Auch bei der „Königlichen Jagd und Gewitter“ von Hector Berlioz, die sehr bilderkräftig vorbeistürmt, aber immer noch viel Platz hat für Melodien und für eine innere Bewegung:

https://www.youtube.com/watch?v=C2ocjUFzUIU

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Erhards offene Schatztruhe

2.4.2021. Stille Feiertage gibt es vor Allem im November. Oft ist auch das Wetter danach: Grau und neblig. Wem das auch noch die Stimmung verdirbt, der hat Probleme. Und nicht nur mit dem Wetter. Auch in den letzten Jahren lachten die Leute viel, aber sie hatten Sorgen. Weil die Probleme nicht immer schnell erkennbar waren, ergab sich eine seltsame Mischung aus Kichern und Jammern. Nicht so sehr bei den Älteren. Die hatten schon Vieles mitgemacht. Zum Beispiel immer die gleichen Gesichter der Politiker und Künstler, die sich für besonders einmalig hielten. Die jüngeren sahen sich auch immer ähnlicher. Äußerlich und beim Reden. Es wurde immer langweiliger, wenn es nichts mehr zu sagen gab, aber trotzdem viel geredet wurde. Es war eine ganz neue Art von Kultur, die frühere verschwand sowieso immer mehr.

Jetzt kann man genauer hinschauen. Vor Allem nicht aus der geographischen Nähe, sondern mit etwas schärferem Blick. Der registriert die große Oberfläche, aber auch, was man sonst so sagt über den Zustand der Welt. Alles ist genau vermessen, gespeichert und in Karten eingetragen. Sprachprogramme übersetzen jeden Text sekundenschnell. Und der große Rest wartet in Suchmaschinen, die auf einen kleinen Knopfdruck reagieren. Aber fragt man nach, hört man oft nur Gekicher oder raschelndes, trockenes Geknister. Das ist schade, denn nur ein gründlicher Gedankenaustauch bereichert und steigert den Horizont. Der Inhalt von Schatztruhen ist manchmal mit Geld nicht zu bezahlen. Aber oft sind die Kisten leer. Sogar neue Grabstätten mächtiger Herrscher wurden im Altertum mir Stapeln von Kostbarkeiten gefüllt, damit sie sich unterwegs immer etwas kaufen konnten. Leider kamen dann Grabräuber, und Alles war weg.

Das zweite Osterfest mit vielen Verboten kündigt sich an mit grauem, kühlen Wetter, aber das ist nur ein Einzelbild. Aus der Steinzeit vor 2,6 Millionen Jahren hat die Menschheit sich nur ganz langsam fortentwickelt. Vom Rückwärtsgang war dabei niemals die Rede. Wer davon profitiert hat, mit Freizeitspaß, billigen Weltreisen und offenen Grenzen, erreicht jetzt beim Rückwärts-Lesen gar nichts. Die finanziellen Probleme steigern sich, weil der Staat für alle Zusatzleistungen, auch für das notwendige Kurzarbeitergeld, riesige Kredite aufnehmen muss, die so schnell wie möglich zurückzuzahlen sind. Auch zu Ostern läuft die Gastronomie auf Sparflamme. Die Hotels, die Einkaufszentren und Alles, was Spass macht. Vor fünfhundert Jahren endete das Mittelalter, und die Renaissancezeit öffnete immer mehr Gedankenfreiheit. Nur im Vergleich: Der Stillstand ist jetzt offen erkennbar. Die wachsende Bewegungslosigkeit. Im Sumpf bewegen sich schwarze Krallen, aber sie stecken nur ein. Ihre Namen kann man nachschauen: Nicht nur WireCard und Open Lux, die man gar nicht mehr erklären muss, weil sie ausführlich in jedem Lexikon stehen. Die Raffgier richtet hohe Schäden an, schon seit dem Altertum vor sechstausend Jahren. Wäre das Geld in offene Kanäle geflossen, hätte es große Fortschritte verstärken können. Gebraucht wird es in der Gegenwart, für sinnvolle Projekte und deren berechtigte Gewinne.

Ein guter Werkzeugkasten sind immer noch die Ideen von Ludwig Erhard (1897 – 1977). Am 8.10.20 gab es dazu hier einen Artikel: „Erhards Zauberformeln“ :

https://luft.mind-panorama.de/ludwig-erhards-zauberformeln/

Zitat: „Erhards Hauptgedanke war der freie Markt. Im Unterschied zur zentral gelenkten Planwirtschaft, die veränderbare oder falsche Prognosen der Regierung eisern durchsetzte und erzwang, lebt der freie Markt von der Konkurrenz und dem natürlichen Sachzwang, nicht nur die beste Qualität zu liefern, sondern auch zum günstigsten Preis für die Kunden. Heimliche Absprachen der Produzenten wurden verboten und in einem eigenen Kartellgesetz unter Strafe gestellt. Wer wirklich etwas leistete, bekam dafür zu Recht Gewinne, und der weit verbreitete Neid, gegenüber Millionären auf dieser Basis, schadet nur. Den Betrieben. Den Mitarbeitern. Und den Familien, die vom Gehalt ihr gemeinsames Leben finanzieren. Dazu kam die „soziale“ Komponente, mit der die Gutverdiener etwas abgeben mussten für die Ärmeren, durch Steuern, Stiftungen, Projektfinanzierungen und abzugsfähige Spenden. „Maß halten!“ forderte Erhard immer wieder. Er meinte die Übertreibung. Die um sich greifende Geldverschwendung. Das Leben auf Pump mit geliehenem Geld. Betrügereien und alle Verstöße gegen das Handelsgesetzbuch (HGB), das vom „ehrlichen Kaufmann“ und dem Inhalt seiner jährlichen Geschäftsbilanz fordert: „Klarheit und Wahrheit“. Wenn allerdings solche Bilanzen gefälscht werden, zum Beispiel Computer für schwer durchschaubare und zunächst kaum nachweisbare Abgasmessungen von teuren Autos systematisch, über lange Zeiträume manipuliert werden, dann ist das Wirtschaftswunder bald nur noch ein falsches „Sommermärchen“ wie die bekannten heimlichen Zahlungen an den Weltfußballverband FIFA.“

Das ist aktuell. Wer wirklich mit Erhards sauberen Methoden arbeiten will, muss natürlich noch gründlicher nachschauen. Aber sofort nach dem Kriegsende 1945 hat er mit seinen treffsicheren Wunderformeln, sehr schnell, den deutschen Wohlstand gesteigert. 76 Jahre später kann man die Regeln immer noch anwenden, möglichst bald.

Geahnt hat das schon 1942 Zarah Leander, als sie sang, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen.“ :

https://www.youtube.com/watch?v=LFKM2VYDPjg

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Borisov

1.4.2021. Borisov ist ein russischer Familienname. Am 20.8.2019 entdeckte der Amateur-Astronom Gennadi Borisov auf der Krim einen bisher unbekannten Kometen. Er wurde untersucht. Es handelt sich um einen Besucher aus dem interstellaren Raum: Ein Komet, der vor Millionen Jahren aus seinem eigenen Sonnensystem ausgestoßen worden war. Messungen ergaben, dass die Polarisation des von der Gas- und Staubhülle des Kometen reflektierten Lichts stärker ist als bei Kometen unseres Sonnensystems. Woher der Himmelskörper tatsächlich kam, ist bis heute unklar.

Weil wissenschftliche Messungen bereits viele Rätsel gelöst haben, ist der Komet Borisov etwas ganz Besonderes. Er existiert, wird aber unser Sonnensystem auch wieder verlassen. Das geht bis an die Grenze aller bisherigen Entdeckungen im Weltraum, lässt aber auch offen, ob solche Überraschungen sich noch wiederholen, also bisher nicht voraussehbar sind. Jetzt kann die Phantasie auf Hochtouren geraten. Wahrsager und Zukunftsdeuter haben noch mehr Hokuspokus zu bieten, auch wenn gar nichts dahinter steckt.

Die Wahrscheinlichkeit für neue Sensationen ist gering, denn sonst wären seit Jahrhunderten alle Nachrichten voll davon. Und ob Jemand mit einem neuen Kometen etwas anfangen kann, wissen nur die Chefredakteure. Denen geht aber schon seit dreißig Jahren die Puste aus, weil ihre Arbeit von elektronischen Nasen übernommen wird, die Jeder zum Suchen und Finden benutzen kann. Auf dem Arbeitsmarkt werden viele Berufe einfach verschwinden, die heute noch zum Alltag gehören. Wer darüber noch erschrickt, lebt vielleicht schon auf dem fernen Planeten, zu dem Borisovs Heimat gehört. Es gibt dieses Sonnensystem, aber Niemand kennt es. Vielleicht arbeitet dort überhaupt Niemand mehr. Kein Wunschziel. Maschinen erledigen auf der Erde bereits die meisten körperlichen Arbeiten, sie lassen sich dreidimensional kopieren. Aber nur, wenn denkende Menschen die Konstruktionspläne zeichnen und realisieren. Viele haben gar keine Lust mehr darauf, sondern wollen nur noch genießen. Und damit kippt die Waage um. Das Gleichgewicht wackelt. Krallenfinger kriechen aus der Dunkelheit und mischen sich überall ein.

Aber es gibt trotzdem unbekannte Planeten, die ganz nahe sind. Im Gedächtnis, den Erinnerungen. Den Traumbildern, die oft rätselhaft wirken, aber entziffert werden können. Sie enthalten eine Energie, die auch die Realität verändern kann. In der Vergangenheit schafften das oft nur Einzelne, aber sie setzten sich durch. Die Namen sind sehr bekannt, aber wichtig ist nur das Ergebnis.

1969 sang Peter Sarstedt ein Lied, das Fragen nach dieser unbekannten Welt stellt: „Wohin gehst du, wenn du nachts allein bist?“ Es handelt von den Äußerlichkeiten eines Luxuslebens, glaubt aber nicht, dass das Alles ist:

https://www.youtube.com/watch?v=HqgCnjJVfSg

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Aprilscherze

1.4.2021. Manche Traditionen verschwinden einfach. Zum Beispiel der Aprilscherz. Am Ersten dieses Monats musste Jeder damit rechnen, Gegenstand eines Streichs zu werden. Harmlose Scherze. Besuche wurden angekündigt, die nie eintrafen. Geschichten erzählt, hinter denen Nichts steckte. Das gibt es kaum noch, weil die Auswahl viel größer geworden ist und das ganze Jahr stattfindet. Natürlich mit englischen Stichwörtern: Fakes oder Hoaxes. Die sind gar nicht lustig gemeint, sondern geistern elektronisch durch die Welt, sollen Ärger auslösen oder Krisen anheizen. Aber die Technik ist auch bekannt, also kann man den Verursachern auf die Spur kommen. Meistens lohnt sich das gar nicht, weil es Dummheiten sind. Nicht nur junge Leute können das, aber die älteren sehen es als Zeitverschwendung. Wer damit auffällt und Schaden angerichtet hat, muss dafür zahlen und saftige Strafen zahlen. Und schon ist man mittendrin im Riesenland der Computerkriminalität.

Fälle dafür kennt Jeder. Andere kann man sich denken. Und wenn es ganz ernst ist, greift Europol ein. Oder Interpol. Früher kommunizierten die mit Telefonen und Papierbriefen. Das ist längst vorbei. Die Technik hat ganz neue Welten geschaffen, aber sie ist immer noch nicht genau und schnell genug. Hier werden oft Beispiele dafür genannt, aber keine persönlichen Namen, wegen des Datenschutzes und der garantierten Privatsphäre. Aber sämtliche Informations-Medien sind voll davon., von den Zeitungen bis zu den Sozialen Netzwerken, deren bösartige Nebenwirkungen erstaunlicherweise unterschätzt werden. Wer zur Verschlüsselung der eigenen Person das Programmm Tor benutzt, verschwindet tatsächlich hinter Tausenden von Computern, die ständig ihren Absender wechseln, die IP-Nummer. Technisch wurde das bisher noch nie geknackt. Und darauf sind Viele hereingefallen. Wer solche Programme benutzt, hinterlässt auch andere Spuren. Sie verraten seine Interessen, seine privaten Bekannten. Aus dem Inhalt der Aktivitäten lassen sich Rüvkschlüsse ziehen auf den geographischnen Standort, auf Lieblingsthemen und angebotene Geldmengen oder Waren. Es gibt noch viel mehr Wegweiser und Alarmsignale. Wenn man Jemand damit genau identifiziert hat, bricht manchmal Panik aus. Oder Aggressionen. Je mehr Gründe dafür existieren, umso kräftiger wird dieses Echo. Die Methode funktioniert auch ohne Technik. Zur Zeit kann man sie nicht in öffentlichen Wirtshäusern benutzen, aber die sind am besten dafür geeignet. Wortfetzen, kleine Stichworte lösen Gespräche aus, und dann läuft die Maschine vollautomatisch. Das ist längst kein Geheimnis mehr. Aber erstaunlicherweise noch, für viele Profis, die ungelöste Fälle aufklären sollen. Und sogar für die Verursacher.

Das kann man zwar gut finden, aber die Nachteile sind größer. Die Verdunkelungsrate steigt, die Aufkläungsquote stürzt ab. Es kostet viel Zeit und Geld, das zu ändern, aber auf den gewaltigen Kosten bleiben am Ende die Verursacher hängen. Das sollte auch Jeder wissen. Um konkrete Fakten zu erfahren, reichen allgemein zugängliche Suchmaschinen, zum Beispiel mit den Stichwörtern „Wirecard“ und „Open Lux“. Sehr beliebt ist seit zwei Wochen der „Masken-Skandal“. Dabei wurden medizinische Masken von bekannten Politikern an Ministerien vermitteln die dafür zahlten. Die Fakten sind bekannt, aber interessant ist der Mechanismus, der hier funktionierte. Wiederholen muss man das nicht, aber es hat geklappt.

Und damit öffnet sich ein Riesentor. Ein tiefer Abgrund. Jeder kann hineinschauen. Solche Vulkankrater können geschlossen werden. Die peinlichen Mienen der Beteiligten und ihre Ausreden beweisen das. Denn noch mehr Aufsehen will Keiner. Immerhin ist es die soziale Creme de la Creme, die vornehmste Spitze der Gesellschaft, die besonders diskret arbeitet und auf keinen Fall im hellen Licht da stehen will. Scheinwerfer entwickeln heutzutagen nicht mehr so viel Hitze, aber können äußerst unerwünscht sein, bei denen, die sonst jeden Tag, im hellen Licht, sich mit weit offenen Armen, geschwätzig sich dem Publikum zuwenden. Weil die Leute diesmal nicht applaudieren.

Morgen ist Karfreitag. Am Kreuz starb ein einzelner Mensch. Aber seine Gedanken haben sich in der ganzen Welt ausgebreitet. So ist es auch in vielen anderen Fällen. Spannend an historischen Daten und Fakten ist es, wie viele Denker ermordet wurden, die später starke Erneuerungen durchgesetzt haben.

So kann man auch die Bedeutung dieses Feiertags ganz anders verstehen. Es ist der musikalische Höhepunkt von Richard Wagners letztem Werk, „Parsifal“. Hier hört man ihn, mit dem Bild einer Morgendämmerung im Hochgebirge, vor dem eine alte Steintreppe in ein großes Gebäude führt:.

https://www.youtube.com/watch?v=DTVQoUs8aWI

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Rotierende Bremsklötze

31.3.2021. Zum Monatsende fällt nebenbei auf, dass schon das erste Quartal des neuen Jahres vorbei ist. Die Uhren wurden zwar um eine Stunde vorgestellt, aber die Zeit hat sich dabei nicht beschleunigt. Das scheint aber so, wenn das Gedächtnis arbeitet. Je mehr gespeichert ist, desto mehr Erinnerungen sind aktiv. Durch Gedankenbrücken verbinden sie sich. Das Wichtigste ist dabei nicht immer am schnellsten da. Wie in der Tiefe des Ozeans liegt es ganz unten, bleibt vorübergehend unsichtbar. Ein Signal, ein Stichwort kann es aktivieren. Passiert das nicht, wird es zur Belastung, zwar unbemerkt, mischt sich aber ein. So wie unerwünschte Verwandte oder Bekannte, die in ihren eigenen Abläufen unterwegs sind, aber trotzdem nicht vergessen werden wollen. Vor Allem Berufskollegen machen nicht nur ihre Arbeit, sondern schleichen auf den Bürofluren herum, um ihre Nasen in fremde Türen zu stecken und ihre Augen unter Hochdruck zu bringen. Sie sind sehr unbeliebt, aber schwerhörig, wenn man hinter ihnen die Türen zuknallt. Dann sind sie wieder voll getankt, geben Gas und behindern den Rest der Welt bei der Arbeit, wie Experten, die gar nichts verstehen, aber überall ihre Finger drin haben.

Das klingt satirisch, aber es ist nicht besonders lustig, weil die Bremsklötze dabei immer dicker und aufdringlicher werden. Das ist teure Zeitverschwendung, aber ein Hauptgrund für die meisten Störungen, Fehler und den Stillstand, der sogar große Staaten lähmt, wenn er sich nicht mehr fortentwickelt, sondern nur noch den Treibstoff für Dampfplauderer und Abzocker liefert. Dann ist der Sprit verbraucht, und nur noch Schwefelgas, verbandelte Amigos lassen die Motoren knatternd stocken oder verstummen.

Eine Kurzfassung der Gegenwart, die im Detail nicht stimmt, aber wie eine Verkehrsampel wirkt: Die Lichter springen auf Orange und Rot, aber die Leitzentrale bleibt unsichtbar. Auch das ist falsch, denn mit den Wirkungen findet man immer die Verursacher. Damit man nicht zu lange darüber nachdenken muss, kann sich Jeder über die bekannten Stichwörter „WireCard“ und „Open Lux“ selbst informieren, auch über den“Masken-Skandal“. Mittlerweile sind sie keine Fremdwörter mehr, sondern englische Begriffe wie „Computer“, die Jeder sofort versteht.

Trotz der vielen Weltsprachen auf allen Kontinten kann man sich immer besser verstehen, wenn man will. Allein das ist schon ein gewaltiger Fortschritt. Aber noch viel zu wenig. Man kann zum Beispiel auch zu viele Fremdwörter vermeiden, damit man besser verstanden wird.

Gestern, am Dienstag, einem normalen Arbeitstag, war der Englische Garten in München völlig überlaufen von Besuchern, die das strahlende Frühlingswetter hautnah erleben wollten. Niemand hat sie daran gehindert. Über Ostern wird es hoffentlich nicht anders sein. Alle Lebewesen können ohne ihre natürlichen Antriebskräfte sich nicht entwickeln. Das geschieht schon seit dem Urknall, vor 13,8 Milliarden Jahren. Die rotierenden Bremsklötze waren dabei nur wie toter Sand am Meer, der herumliegt und von der nächsten Flut weg gespült wird. Genauso wie alle wertlosen Informationen. Die Computerspeicher werden immer größer, sind aber mit zu viel Müll gefüllt. Das versperrt die freie Sicht auf die Zukunft. Sie liegt nicht einmal nachts, versteckt in der Finsternis, sondern lebt. Sie muss überschaubar bleiben, deshalb ist hier auch die Anzahl der Kapitel (Kategorien) auf vierzig Themen beschränkt. Innerhalb jedes Bereichs gibt es grenzenlose Planetensysteme. Niemand kann jedes Detail davon in Worten beschreiben. Sie verknüpfen sich aber von selbst und wachsen. Das Ergebnis, die Folgen lassen sich bewerten. Alle Veränderungen zeigen dabei nach oben oder nach unten. Bei Letzterem besteht Handlungsbedarf.

Dass die Bewegung der Planeten ferne Klänge erzeugt, hat schon Pythagoras (570 – 510 v. Chr.) geglaubt. Er leitete eine Mysterienschule, die Geheimnisse des Universums erforschte. In Klänge umgesetzt hat diese Idee Gustav Holst (1874 – 1934). Er hat die Namen der bekannten Planeten verwendet, sie aber neu gedeutet:

Mars, der Kriegsbote. Venus, die Friedensbotin. Merkur, der geflügelte Bote. Jupiter, der Bote der Heiterkeit. Saturn, der Bote des Alters. Uranus, der Magier. Neptun, der Mystiker.

Der erste Satz besteht fast nur aus Lärm. So wie „Der Kriegsgott“. Schrille Klänge. Gehämmer. Aber dann wird es gefühlvoll. Venus. Danach Merkur, der Bote zwischen Göttern und Menschen. Jupiter als Zeichen der Heiterkeit und Entspannung. Die Melancholie des Alters: Saturn. Und dann der älteste Zauber der Welt: Die Magie. Der Sternenhimmel und seine Zeichen: Uranus. Und zum Schluss der Mystiker: Neptun, der Gott der Ozeane, in denen alles Leben entstand. Die Verbindung mit den Zeichen Gottes, die der Mensch erkennen kann.

Hier kann man das vollständig hören 53 Minuten) :

https://www.youtube.com/watch?v=UmOTMkoCCkM

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Caroline und Esther

30.3.2021. Jugendeindrücke können sehr stark sein, wenn sie zum ersten Mal ablaufen. Später gewöhnt man sich daran. Esther Ofarim, Jahrgang 1941, brachte 1967 einige Studio-Aufnahmen unter dem Titel „Songs der Welt“ heraus. In mehreren Sprachen fand sie einen Ausdruck, der alle Feinheiten besonders stark wiedergab. Das war der Beginn einer großen Plattensammlung. Vor zwanzig Jahren trat sie noch zwei Mal in München auf. Viele Videos mit ihr kann man im Internet anschauen. Das Meiste spielt sich auf der Höhe dessen ab, was Maria Callas (1923 – 1977) im Reich der Oper leistete: Eine Stimme mit einer herausragenden Bandbreite, die auch die Texte noch mehr vertiefte.

Bei beiden Sängerinnen beherrschte auch das lebhafte Privatleben die Schlagzeilen. Heute undenkbar, denn ein Musterprozess reichte. Caroline von Monaco erstritt mit Rechtsanwälten, durch eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, am 24.6.2004, dass durch die Veröffentlichung von Privatfotos das Recht auf Achtung ihres Privatlebens (Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention) schwer verletzt worden sei. Daraus ergab sich der Anspruch auf hohe Geldforderungen, weil die Garantie der Privatsphäre vorsätzlich missachtet worden war.

Natürlich gilt das nicht nur für Prominente wie Caroline von Monaco. Vor dem Gesetz sind Alle gleich. Deshalb ist es erstaunlich, dass nicht nur in den Grosstädten, Smartphones ständig für Straftaten missbraucht werden, auch bei der Verbreitung im Internet. Denn die Verursacher können ja selbst dabei ins Visier geraten, auch mit ganz anderen Aktivitäten, die sich rasch herumsprechen und ständig viel Gesprächsstoff, für ihre exklusive Stammlokale, auf Hochtouren bringen. Drumherum sind unvermeidliche Begleiter: Hinterlistige Lügen und Verleumdungen, auch verboten.

Warum muss man überhaupt davon sprechen? Eigentlich lernt jedes Kind, was verboten ist. Aber wenn Jemand gut aussieht, jung ist und auffallen will, um berühmt zu werden, kommt er auf solche Ideen. Das ist wie ein Bumerang, der gegen eine magische Wand geschossen wird und direkt, mit voller Kraft, zum Absender zurück fliegt. Es ist ja nicht ärgerlich, darüber nachzudenken. Übrig bleibt nur Ratlosigkeit, weil die Folgen doch sehr unangenehm sind. Für Madame Caroline reichte ein einziger Musterprozess, um einen sauberen Tisch zu bekommen. Mit der gleichen Methode lassen sich auch alle anderen extremen Fälle, die Beleidigungen und Drohungen in den Sozialen Netzwerken, beenden. Noch gechieht das nicht oft, aber auch das wird sich ändern.

Mir ist das zu langweilig. Man kann die Zeit viel besser mit anderen Themen nutzen. Aber ein Hinweis darauf ist nicht falsch, damit auch die Hauptbetroffenen informiert sind.

Ein Lied von Esther Ofarim ist besonders hörenswert: 1967 sang sie „Raziella“, im neapolitanischen Dialekt, an einem Mittelmerstrand:

https://www.youtube.com/watch?v=W2qD5rwJg0o

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Maschinenmenschen

30.3.2021. Im Jahr 1789 wurde die französische Monarchie gestürzt. Vorher gab es Veröffentlichungen, die eine „Rückkehr zur Natur“ forderten (Rousseau, 1712 – 1778). Er meinte damit, dass die Menschen von Natur aus frei sind und keinen allmächtigen Herrscher brauchen. Das verbreitet sich in ganz Europa. Wer ausreisen konnte, fuhr vor Allem nach New York. Am 4.7.1776 war der Gründungstag der USA, mit einer Verfassung, die das Recht des Einzelnen garantierte, selbst sein Glück zu suchen, verbunden mit Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, offener Auswahl des Berufs und des Wohnsitzes.

So entstand der stärkste Staat der Welt. Die Prinzipien gelten immer noch, sie wurden 1949 Teil des Grundgesetzes in Westdeutschland. Aber die Wirklichkeit war nicht immer danach. Henry Ford war Autofabrikant und perfektionierte das Fließband. Arbeiter brauchten keine jahrelange Ausbildung mehr, sondern lernten nur ein paar Handgriffe, die sie jeden Tag wiederholten. Weil die Konstruktionpläne darauf vorbereitet waren, gelangen immer bessere Produkte, und das System verbreitete sich auf der ganzen Welt.Bei den vorherigen Freiheitsdenkern löste es Unbehagen aus. Der Mensch selbst wurde wie eine Maschine behandelt. Er brauchte nur noch zu gehorchen.

Weil auch noch in den Fabriken schlechte Arbeitszustände herrschten, wurde Karl Marx (1818 – 1883) darauf aufmerksam. In seinem Buch „Das Kapital“ erklärte er, dass die Arbeiter nur noch den Wert hatten, für den finanziellen Gewinn des Unternehmers finanziell ausgebeutet zu werden. In Russland führt das am 25.11.1917 zur Oktoberrevolution. Der Zar wurde verhaftet und erschossen. In China verjagte Mao Ze Dong den letzten Kaiser und gründete am 1.10.1949 die erste Volksrepublik. Im gleichen Jahr entstand in Ostdeutschland die DDR, auch als kommunistischer Staat, in dem Alle gleich sein sollten. Juristisch ist das richtig, aber die Menschen behielten in allen anderen Bereichen ihre persönlichen Eigenarten. Die aufwändige Totalüberwachung nutzte am Ende nichts. Sie kostete viel Geld, das für wichtigere Dnge fehlte, für die Ernährung, den alltäglichen Verbrauch. Vor dreißig Jahren waren die Kassen leer. Das System brach von innen zusammen und löste sich auf, in der westdeutschen Demokratie. Es gab keine Rachejustiz, die neue Spannungen erzeugt hätte, aber das Denken war jahrzehntelang völlig unterschiedlich trainiert worden.

Alte Köpfe träumen gern von alten Zeiten, und die gibt es immer noch. Zur Zeit ist die ganze Welt von einer schweren Krise überrollt worden. Viele Branchen haben kaum noch Einnahmen, zum Beispiel die Gastronomie und alle Kulturveranstaltungen. Im Sommer wird sich das wohl verbessern. Aber offen ist die Frage: Wie soll das gehen? Einfach so weiter wie bisher, mehr fällt Vielen dazu nicht ein. Aber das funktioniert nicht, weil es sonst noch schlimmer wird. Bis vor einem Jahr konnte man in den Großstädten Maschinenmenschen sehen, die gemeinsam das Gleiche machten: Herumtippen auf Smartphones, Kichern, Verbreitung von verbotenen Privatfotos über das Internet. Und das ist nur ein Beispiel. Zeitweise entstand der Eindruck, wir hätten überhaupt keine Gesetze mehr. Damit vernichtet sich die Freiheit selbst. Die universale Weltordnung will das aber nicht.

Wer Phantasie hat, konnte meinen, dass böse Beobachter aus dem Weltraum die Geduld verloren und die Türen zuknallten. Selbst wenn das nicht stimmt, die Wirkung war aber so. Eine Pause zum Nachdenken. Dafür gibt es viele Ursachen, aber auch Lösungsmöglichkeiten, die das Fundament dieser Webseite sind. Sie beruht auf langen persönlichen Erfahrungen und dem Nachdenken über die Gründe für die aktuellen Krisen. Dazu gehörten auch viele Gespräche, zufällig, mit anderen Zuschauern. Das Erschreckende war oft das dumme Niveau. Wenn man zuhört, lernt man auch die Abgründe kennen: Habgier. Falschheit. Hinterlist. Raffgier. Das lässt sich ändern, aber Viele verschwenden keinen Gedanken darauf. Ostern, in fünf Tagen, ist das Fest der Auferstehung. Viele Jahre wurde es nur für Reisen oder Tagesausflüge genutzt. Zur Zeit geht das nicht mehr so einfach. Aber auch das ist eine Chance, damit sich etwas ändert, zum Besseren. Bald wird man auch das wissen.

Dass Menschen keine Maschinen sind, hat die Psychoanalyse mit wissenschaftlichen Methoden bewiesen. Trotzdem versuchen Politiker immer wieder, das Gegenteil auszuprobieren. Das allein sind schon verbotene Menschenversuche. Der Entdecker und Erforscher der Tiefenpsychologie war Sigmund Freud (1856 – 1939). Zu einem großen anderen Thema hat er sich nie geäußert, aber er hat versucht, dem Komponisten Gustav Mahler (1860 – 1911) zu helfen. Mahlers erste Sinfonie wurde am 20.11.1889 uraufgeführt. Jeder kann sich dabei zusammenphantasieren, was er will. Für mich ist sie eine Hymne auf den Frühling.

Der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin, 2014 im Münchner Herkulesaal, gibt dabei sein Äußerstes, auch mit den Händen und der lebhaften Gesichtsmuskulatur. Das Ergebnis stimmt auf jeden Fall:

https://www.youtube.com/watch?v=K-Pwh5Y5z14

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Die Ming-Dynastie, Mondfinsternis in Europa

29.3.2021. Die Ming-Dynastie herrschte von 1368 bis 1644 im Kaiserreich China. Interessant dabei ist auch, dass im gleichen Zeitraum das westeuropäische Mittelalter endete und die Renaissance-Zeit begann. Ein großer Umbruch. Martin Luther aus Wittenberg wagte es, auf dem Konzil von Worms dem Kaiser ins Gesicht zu sagen, dass er seine eigenen Gedanken nicht widerrufen werde. Er hielt der alleinherrschenden katholischen Kirche zahlreiche Fehler vor. Die Folge war in vielen anderen Fällen ein Todesurteil, als Gotteslästerer und Ketzter. Luther wurde auch damit gedroht, aber sein Kurfürst Friedrich der Weise versteckte ihn auf der Wartburg bei Eisenach. Er bekam immer mehr Anhänger. Die gewaltsamen Ketzerverbrennungen wurden erst beendet, nachdem der Theologe Friedrich Spee (1591 – 1635) sie juristisch völlig widerlegte und als bösartige Phantasie entlarvte. Vorher hatte er erlebt, dass der gesamte Stadtrat von Bamberg durch Mitbürger und Nachbarn denunziert und verhaftet wurde. Keiner kam mit dem Leben davon.

In London rettete sich im letzten Augenblick Christopher Marley vor einem drohenden, bereits festgelegten Prozess in gleicher Sache. Sein Schicksal kann man auf folgender Webseite nachlesen, die ich am 23.11.20 gestartet habe: „Zeichen und Bilder“:

https://www.mind-panorama.de/

In China herrschte damals auch keine Ruhe, aber aus ganz anderen Gründen. Sogar Seeschlachten gab es zwischen verfeindeten Rivalen. Aber wenn Frieden herrschte, ging es so zu: „Es kam zu unzähligen Bebauungs- und Bewässerungsprojekten, durch die von einer halben bis zu fünf Millionen Hektar Land pro Jahr erschlossen wurden. Die Einnahmen aus der Getreidesteuer verdreifachten sich in sechs Jahren. Man schätzt, dass in 20 Jahren bis zu einer Milliarde Nutzbäume gepflanzt wurden (Obstbäume, Bäume für die Flotte, Maulbeerbäume für die Seidenherstellung) Dabei legte der erste Ming-Kaiser Zhu Yuanzhang das Fundament für einen stabilen Staatsapparat, der immerhin zweieinhalb Jahrhunderte überstand, mit Bevölkerungswachstum und starken ökonomischen Veränderungen und noch bis 1911, mit nur kleinen Änderungen als Vorbild diente.“ (Wikipedia).

Das hört sich schon ganz anders an als der Kampf um den einzig wahren Glauben, der mit Gewalt und zahlosen Soldaten in Europa 1.500 Jahre lang ablief. Glauben heißt aber nicht Wissen, also hat man sich wegen Nichts umgebracht. Der politische Fanatismus gefährdet auch die Gegenwart und hat viele radikale Anschläge ausgelöst.

„In der Ming-Dynastie wurde die Kultur weiter entwickelt. Und die Religion, mit den Richtungen Buddhismus, Daoismus und der Anbetung einer Vielzahl von Gottheiten. Der Buddhismus vertritt die Lehre des unendlichen Kreislaufs, in dem der Körper zwischen Geburt und Wiedergeburt gefangen ist. Das Leben wird als durch Leiden, Gier und Hass geprägt gesehen, und diesem Zusammenhang werden die vier edlen Weisheiten gegenübergestellt. Der Daoismus ist eine chinesische Philosophie und Weltanschauung („Lehre des Weges“), in der die Suche nach Unsterblichkeit ein wichtiger Bestandteil ist. Der Kaiser ließ als frommer und ergebener Anhänger der Daoschule drei berühmte Tempel in Peking bauen: den Sonnentempel, den Erdtempel und den Mondtempel.“ (Wikipedia). Das Lexikon schreibt auch: „Die unzureichend organisierten Staatsfinanzen stellten einen gewichtigen Faktor beim Untergang der Dynastie dar. Alles Andere außer der Landwirtschaft wurde nicht ernst genommen. Trotz besserer Bedingungen im 16. Jahrhundert (Kartoffel, Silberzufluss, technische Fortschritte, Aufschwung des Großhandels usw.) konnte der Staat seine finanziellen Probleme nie vollständig in den Griff bekommen. Die Ungleichgewichte führten schließlich 1644 zum Zusammenbruch des Staates“. Es war die vorletzte Dynastie. Aber gearbeitet für den Fortschritt haben auch Andere. Am 20.12.20 gab es hier einen Bericht über die „Wunder der Tang-Zeit“ (618 – 917 n. Chr.) :

https://luft.mind-panorama.de/die-wunder-der-tang-dynastie/

Ohne Kriege kam damals kaum ein Staat aus. Aber in den Pausen gab es in der Ming-Zeit viele Projekte für eine Fortentwicklung des Alltagslebens. Der Kaiser ließ als frommer und ergebener Anhänger der Daoschule drei berühmte Tempel in Peking bauen: den Sonnentempel, den Erdtempel und den Mondtempel. Der Staat konnte aber die finanziellen Probleme nie vollständig in den Griff bekommen. Darum brach er zusammen. Das ist auch in der Gegenwart möglich, muss aber nicht sein. Die Fehler findet man immer in der Vergangenheit, wenn man sie anschaut und bewertet, denn dann kann man sie vermeiden. Bisher geschah das nicht immer. Die einzige Chance ist also die Zukunft, aber nicht in vernebelten Träumen. Auch deshalb lohnt sich der Blick nach China.

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Ein römischer Turm

29.3.2021. Geheimnisse werden immer mehr zum Problem, weil sie immer schneller gelöst werden. Das finder man in allen Medien. Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der sich über die bekannten Skandale der letzten Monate aufregte. Aber er war erstaunt, dass es noch mehr gibt, die man auch mit jeder Suchmaschine findet, zum Beispiel den „Masken-Skandal“. Der kurze Gedankenaustauch endete dann mit ein paar allgemeinen Verwünschungen. So ist es auch an den Stammtischen. Die Leute regen sich auf über Dinge, von denen sie nichts verstehen und machen dafür ein paar bekannte Namen verantwortlich. Umso besser, denn dann bleibt Alles so wie es ist.

Eigentlich ein beruhigendes Gefühl, es klingt nach Heimat und Gemütlichkeit. Wer so denkt, sollte auf einer Distanz von fünf Kilometern weg bleiben. Es ist Zeitverschwendung, sich bequatschen zu lassen, wenn die Sprechgeschwindigkeit zu schnell und mit heißer Luft aufgeblasen ist. Wer derart unruhig daher redet, hat eine eigene Energie, die man besser in hohem Bogen vermeiden sollte. Bei Politikern ist das zur Zeit besonders schlimm, und bis zu den Wahlen im Herbst dauert es noch ein halbes Jahr. Aber sie werden vorher nicht zurücktreten. Das ist besonders schlimm.

Im Herbst vor zwei Jahren gab es einen Paukenschlag, den nur Wenige gehört haben, der aber ein Musterbeispiel ist. Der römische Journalist Gianluigi Nuzzi veröffentlichte sein Buch „Weltgericht.“. Eine Anspielung auf das Jüngste Gericht und den Weltuntergang. Sein Thema waren aber nur die Finanzen des Vatikan, die jahrhundertelang vor den Gläubigen streng geheim gehalten wurden. Aber Nuzzi bekam sein Material direkt von der Quelle, von unbekannten Mitarbeiter der Bank, die alles täglich angeschaut haben.

Am 23.10.19 habe ich darüber einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/gianluigi-nuzzi-weltgericht/

Viel Lärm über den Fall gibt es gar nicht mehr, aber er hat drastische Folgen gehabt. Der Papst hat die ganze Vatikanbank neu organisieren lassen, aber es gibt immer noch einige Gruppen in seiner Nähe, die mitgemacht haben. Einmal allerdings hat es den leitenden Bankpräsidenten selbst erwischt. Das war schon 1982. Der Fall hat allerdings schon damals, weltweit für große Unruhe gesorgt. Am 3.11.20 habe ich darüber geschrieben: „Die Dominikaner in London“ :

https://luft.mind-panorama.de/die-dominikaner-in-london/

Die Dominikaner wurden vor 500 Jahren sehr bekannt, bei den Ketzerverfolgungen gegen Glaubenskritiker. In der Nähe ihres Londoner Klosters steht die „Blackfriars Bridge“, eine alte Themse-Brücke. Zitat aus dem Artikel vom 3.11.20:

„Roberto Calvi (1920 – 1982 ) war Präsident der römischen Bank Ambrosiano, die mehrheitlich dem Vatikan gehörte und trotzdem auch Geld aus illegalen Quellen verwaltete. Calvi selbst geriet in Verdacht, Guthaben in die eigene Tasche umgelenkt zu haben. Dann wurde er nach London gelockt. Am 18.6.1982 wurde er dort, unter der „Blackfriars“-Themsebrücke tot aufgefunden. Um seinen Hals hing ein dickes Seil, eine alte Galgenschlinge. Eine Pistolen-Kugel war er offensichtlich nicht wert. Er hing dort in seinem schwarzen Geschäftsanzug. Die schwarzen Lack-Schuhe berührten nur mit den Spitzen das Wasser, als wäre er Jesus, hatte dazu aber nicht das Format. Das war eine Beurteilung. Seine Jackentaschen waren vollgestopft mit Banknoten. Ein Hinweis auf seine Geldgeschäfte und seinen Verrat.“

Gianluigi Nuzzi hat mehrere, sehr detaillierte Bücher über die Vatikanbank geschrieben. Im „Weltgericht“ beschwört er eine düstere Weltuntergangs-Stimmung herauf, aber nur in der sachlichen Sprache eines Finanzexperten. Den gesamten Fall muss man hier nicht wiederholen. Viel wichtiger sind Vergleiche mit der Gegenwart. Lernt denn Niemand? Es reichen ja nur zwei Beispiele: „WireCard“ und „Open Lux“. Sie stehen offen im Internet. Prinzipiell sind sie gar nichts Neues. Aber sie demonstrieren, dass Habgier und Raffsucht auch in den obersten Etagen der Finanzwelt aktiv sind, sogar direkt in der Weltzentrale der katholischen Gläubigen. Das Gebäude der Vatikanbank ist der „Turm Niccolo“ (Nikolaus V.), direkt neben dem Apostolischen Palast, der persönlichen Privatresidenz des Papstes und seiner Wohnung, mit 1.400 Räumen, die ständig von der Schweizergarde bewacht werden. Der jetzige Papst Franziskus entschied allerdings schon vor acht Jahren, dass er dort nicht wohnen will, sondern er hat nur ein Appartement im Gästehaus. Im Palast empfängt er nur Staatsgäste und leitet Audienzen.

Offensichtlich muss daran erinnert werden, dass wir eine allgemeine Glaubensfreiheit haben, für Alle. Ich respektiere alle Weltreligionen und beschäftige mich gern damit. Aber die Freiheit gilt nicht nur für die obere Kirchenleitung, ganz oben, sondern vor Allem im Inneren, für die Gemeinden und ihre einzelnen Mitglieder. Für Jeden. Sie dürfen dabei keinen Zwang und Druck erleben. Glaubensfreiheiten dürfen nicht von Einzelnen missbraucht werden. Natürlich auch nicht innerhalb der vielen anderen, freien, selbständigen Glaubensgemeinschaften auf dieser Welt. Fehler passieren überall, aber sie müssen beendet werden. Unsere Gesetze verlangen das, und sie sind dabei eindeutig.

In vier Tagen, am Karfreitag, wird der Papst seine kirchlichen Traditionen weiterführen, auch wenn viel weniger Besucher auf dem Petersplatz sind. Das ist seine Aufgabe. Was mit dem Geld krumm und schief gelaufen ist, bleibt Aufgabe anderer Leute. Wenn sie ihre Arbeit gut erledigen, kann man nach vorn schauen.

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Boris Godunows Untergang

28.3.2021. Alte Geschichten enthalten manchmal Hinweise, die erst in der Gegenwart verstanden werden. Sie sind trotzdem sehr bekannt, weil etwas datrin versteckt ist, was an keine Zeit gebunden ist. Die russische Nationaloper ist Mussorgskys „Boris Godunow“. Als alleinherrschender Zar regierte Boris tatsächlich nur von 1598 – 1605. Alexander Puschkin hat aus der wilden Geschichte ein Theaterdrama gemacht, und Mussorgsky überhöhte es mit seiner genialen Kraft. Es war auch die Lieblingsoper des Diktators Josef Stalin (1878 – 1953), der zu den Revolutionären gehörten, deren Vorgänger am 17.7.1918 den letzten russischen Zaren Nikolaj II. im Keller eines Hauses in Jekaterinburg erschossen, mit seiner ganzen Familie.

Was macht die Geschichte von Boris so unvergesslich? Mussorgsky (1839 – 1881) hat sie eingebettet in große russisches Panoramabilder Man sieht die prunkvolle Krönung zum Zaren. Dann folgt eine einsame Klosterzelle. Ein Mönch schreibt an einer Chronik. Sie unterstellt, dass Boris den Sohn des letzten Zaren ermorden ließ. Im Raum ist nur ein junger Mönch anwesend, der das hört. Von Machtgier besessen, nimmt er den Namen des Ermordeten an: Dimitri. Als falscher Dimitri zieht er mit seinen Anhängern nach Moskau, um dort die Macht an sich zu reißen. Damit endet die Oper, aber die Handlung deutet vorher an, dass ein ganz anderer, der Fürst Schuisky der Nachfolger wird. Schuisky ist immer in nächster Nähe von Boris. Beide hassen sich, und Boris muss sich von ihm die bösen Gerüchte über seine Schuld an der Ermordnung des jungen Zarensohnes anhören. Aber der falsche Dimitri ist schon unterwegs, in einem Wirtshaus auf dem Lande, dessen versoffene Atmosphäre sehr plastisch und deutlich ausgebreitet wird. Zum Schluss stirbt Boris, weil er die Anschuldigungen nicht mehr erträgt. Dimitri tritt auf in einem Triumphzug, um die Macht zu übernehmen.

Der Stoff ist oft verfilmt worden. Vera Strojewa schuf 1954 eine Fassung im expressiven Stil von Sergej Eisenstein, mit Außenaufnahmen und weiten Landschaften. Andere Aufführungen missglückten, aber das Moskauer Bolshoi-Theater hatte jahrzehntelang eine exemplarische Muster-Inszenierung auf dem Spielplan, die auch begeistert. Das Werk hat eine klare Handlung, aber der Inhalt spielt sich ab in den labyrinthischen Dschungeln des Unterbewusstseins. Der Komponist verwendet große Chöre im Stil der russisch-orthodoxen Kirchenmusik, die sehr eindringlich ist. Im Orchester hört man den Großen Gong für wichtige Ereignisse. Ein Volkslied-Ton mit gefühlvollen Melodien dominiert, aber man hört auch schrille, dämonische Klänge, wie sie damals völlig neuartig waren.

Weil das Gesamtergebnis so stark war, hat es seitdem nicht mehr losgelassen. Zur Weihnachtspremiere 1982 am Stadttheater Münster waren sämtliche Solisten im Einsatz. Die aufwändige Ausstattung war eine Leihgabe von Karajans Osterfestspielen, und von den über zwanzig umjubelten Aufführungen habe ich keine Einzige verpasst. Als einmal ausverkauft war, haben Mitarbeiter mich in die leere Regie-Kabine geschmuggelt, drei der Solisten gehörten zum persönlichen Bekanntenkreis.

Wenn eine solche Wirkung auftritt, bleibt sie nicht nur im Gedächtnis, sondern schiebt sich in das Unterbewusstsein. Jahrzehntelang habe ich keine Aufführung mehr davon gesehen, aber es ist wie bei Richard Wagner: Mit 21 Jahren kannte ich seine Hauptwerke auswendig. Danach habe ich auch ihre Tiefenwirkung erforscht und bin ihnen immer wieder in unterschiedlichen Städten begegnet,. Oft war das völlig langweilig, weil die Deutung der Noten und des Textes viele Berufs-Profis überfordert. Die zehn Hauptwerke sind eine Fundgrube, eine grenzenlose Schatzkammer, aber ich bin oft in der ersten Pause gegangen. Die geographischen Orte, wo das stattfand, sind völlig unwichtig. Es sind Zufallsverbindungen, die man nicht braucht. Das strahlende Licht kommt nur von innen. Es ist die höchste Stufe der Erkenntnis. Erklärt habe ich das oft, hier im Kapitel „Die Deutung der Symbole“, direkt unter diesem Text zu finden, mit bisher 55 Artikeln.

Was hat Boris den Tod gebracht? Kein Mensch, sondern die alte Geschichte über ihn, als Mörder des jungen, rechtmäßigen Zahrensohnes. Das Grücht erfüllt die Phantasie des machtbesessenen „falschen Dimitri“. Und sie steht in der Chronik des Klostermönchs Pimen, der zuletzte als Ankläger im Zarenpalast auftaucht und dort vor den Anwesenden seine Anklage Boris ins Gesicht sagt. Danach stirbt der Zar, verzweifelt.

Jetzt könnte man über die Weltordnung nachdenken, die jeden Verstoße gegen ihre Gesetze bestraft. Aber das Thema wurde schon oft behandelt, im Thema „Der Dekalog“, mit bisher 139 Artikeln. Hier sieht man die vollständige Boris-Aufführung des Moskauer Bolshoi-Theaters von 1978 (162 Minuten):

https://www.youtube.com/watch?v=cfz7IJtzijs

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Die Seidenstraße von China zum Mittelmeer

27.3.2021. Die 6.400 Kilometer lange Seidenstraße folgte dem Verlauf der Großen Chinesischen Mauer und führte über Afghanistan zum Mittelmeer. Von dort transportierten Karawanen die kostbare Ware weiter: Seide, Gold und Silber. Reisebegleiter waren Gelehrte und Soldaten. Ihr Wissen verbreitete sich. Ab 115 v. Chr. wurde die Straße immer wichtiger und berühmter. Als Rom auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen war, war China dort nur vom Hörensagen bekannt. Marco Polo (1254 – 1324) änderte das. Er brach in Venedig auf und besuchte das Märchenland im Fernen Osten. Beim Herrscher Kublai Khan lebte er als Gast. Als er nach Venedig zurück kehrte, schrieb er das „Buch der Weltwunder“ und wurde weltberühmt damit. Allerdings hielten einige seiner Zeitgenossen das für eine Sammlung von erfundenen Phantasiegeschichten. Sie hatten Unrecht.

Vor zweitausend Jahren war das Mittelmeer ein Machtzentrum. Aber von China wusste man viele Jahre lang nur sehr wenig. Eines der ersten Großreiche war die Han-Dynastie, von 206 bis 220 n. Chr. Die Hochkultur blühte, aber der offen zur Schau gestellte Reichtum der Großgrundbesitzer löste auch Aufstände von Kleinbauern aus. Der erste Kaiser, Qin Shihuangdi (259 – 210 v. Chr.) hinterließ ein gigntisches Grabdenkmal, dessen Terracotta-Krieger erst 1974, zufällig von einem Bauern gefunden wurden. Am 18.11.20 habe ich einen Artikel über den ersten chinesischen Kaiser geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/der-erste-chinesische-kaiser/

Die eng miteinander verknüpften alten Handelsstraßen waren auch Netzwerke, die Informationen weitergaben. Das weltweit größte Netzwerk ist seit dreißig Jahren das Internet. Die Nutzung ist offen für Jedermann, denn auch die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind wichtige Säulen unseres Grundgesetzes und anderer freier Staaten. Je weniger Freiheitsrechte ein Staat zulässt, desto verdächtiger wird er. Denn politische Macht ist auch eng mit sehr viel Geld und falschen Freunden verbunden. Das kann missbraucht werden. Zur Zeit müssen sich bekannte Politiker unangenehme Fragen anhören, weil sie Aufträge bezahlt haben, für Firmen, die medizinische Masken direkt an Ministerien geliefert haben. Dabei werden üblicherweise Provisionen gezahlt, nur für die guten, teuren Ratschläge. Namen gehören hier nicht hin, aber es reicht das Stichwort „Masken-Skandal“, das in den aktuellen Suchmaschinen nichts mit mehr mit Karneval oder Banküberfällen zu tun hat, aber sofort einen ganzen, nagelneuen Sumpf aufblättert und hell in das Scheinwerferlicht taucht.

Bei den Karnevalszügen in Köln und Düsseldorf stehen die Zuschauer nur am Straßenrand. Hier sind sie mitten drin, schauen aber weg und gehen weiter. Weil das Sache der Behörden ist. Die freuen sich nicht über jede Hilfe, weil das Zeit kostet. Aber alle sind glücklich, wenn der Masken-Zug vorbeigerollt ist. Danach kann man genauer hinschauen.

Wenn man jedoch mit einer orientalischen Wanderkawarane ist, so wie damals auf der alten Seidenstraße und gar kein Geld dabei hat, dann reicht auch die Phantasie aus 1001 Nacht. „Sheherazade“ wird hier dirigiert von Lubnan Baalbaki, im libanesischen Beirut:

https://www.youtube.com/watch?v=l4_6IgeFllo

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Schmelzende Gletscher

27.3.2021. Mehr Tageslicht bedeutet auch mehr Erkenntnis. Man sieht immer mehr. Wer Bücher liest, braucht das nicht, weil der Strom genug Lichtenergie liefert. Aber morgens kann man, Ende März, die Welt genauer anschauen. Ein Fernsehsender zeigt laufend bekannte Orte in der Morgendämmerung, wenn gerade die Sonne aufgeht. Und die unbeleuchteten Hotelfenster der beliebtesten Urlaubsorte. Oder, wie plötzlich Lastwagen davor stehen, wenn Alles für die ersten neuen Besucher hergerichtet werden soll. Im Visier der Wetterkameras sind vor Allem Urlaubsziele. Also wird es dort bald endlich wieder lebendig. Nächstes Wochenende ist Ostern. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich vorgestern öffentlich entschuldigt, weil es trotzdem zu Ostern viele Treffpunkts- und Besuchsverbote geben sollte. Mit tief betroffener Stimme meinte sie kürzlich, der Fehler täte ihr so sehr leid. Jetzt läuft es also genauso weiter wie in den letzten Wochen. Niemand im Publikum applaudierte. Also muss es ein Alleingang gewesen sein. Königin Angela hatte gezeigt, dass sie harte Entscheidungen trifft. Und genauso schnell wieder zurücknimmt. Eigentlich wäre das Sache der gesamten Regierung gewesen. Niemandem ist das aufgefallen. Also war es ganz normal.

Man kann noch so oft klar machen, dass eine andere, neue Welt nur dann kommen kann, wenn sich die Denkmethoden verändern und verbessern. Aber ganz oben, wo die Gipfel der Berge einsam sind, schnelzen die Gletscher deshalb nicht schneller, sondern sehen genauso aus wie letztes Jahr. Und bei den Gletschern soll es auch möglichst lange so bleiben.

Aber in allen Bereichen, wo längst schwere Krisen regieren, muss es Bewegung geben. Keine unruhige Hektik, keine aufdringliche Dramatik, kein Augenrollen wie auf Theaterbühnen. Das wird auch immer schlechter bezahlt, weil immer mehr Selbstdarsteller herumhüpfen, die nichts leisten, aber viel kassieren wollen.

Das gibt der legale Arbeitsmarkt überhaupt nicht mehr her. Er schrumpft immer mehr, weil die Maschinen und Elektronik immer mehr leisten. Trotzdem stehen die unbekannten Stars in langen Schlangen hintereinander statt zum Arbeitsamt zu gehen. Sie sind gut drauf und lachen gerne, wenn Andere weinen. Aber wie lange noch?

Das Ende solcher Geschichten ist klar voraussehbar, auch ohne Elektronenrechner. Die aber können Fakten auswerten, Unwichtiges streichen und Fälschungen an das nächste Smartphone melden. Wenn im Supermarkt die Kassiererin zu langsam ist, wird die Zahl ihrer Kunden laufend in die Büros der Geschäftsleitung gemeldet und gleichzeitig mit ihren Kollegen verglichen. Dann folgen ein höfliches Beurteilungsgespräch und und die sofortige Trennung.

Das gilt nicht nur für Supermärkte, sondern überall, wo Geld verdient werden soll. Seit einem Jahr haben die Gastronomie und die Reisebranche nur noch vergleichsweise geringe Einnahmen. Selbst wenn im kommenden Sommer eine große Normalisierung eintritt, werden sämtliche Firmen dann jeden Pflasterstein umdrehen und wegwerfen, der nur noch als Stolperstein und Bremsklotz den Weg versperrt.

Schwarzmalerei ist das nicht. Man braucht sich nur umzuschauen. Es gibt viele Rettungswege, aber die werden nicht erkannt und bearbeitet. Zum Beispiel durch eine tagesaktuelle Liste der wichtigsten Kennzahlen: Einnahmen. Kosten. Vergleich mit früheren Jahren. In der Differenz liegen schon die Ursachen. Sie lassen sich genauer ins Visier nehmen und ändern. In der Praxis ist das nur deshalb schwer, weil zu viele Bremsklötze sich im Getriebe breit machen. Sie sind gefüllt mit echtem Gold und stecken voller Finanzinvestitionen, die in die falsche Richtung wandern oder im Ausland versteckt werden. Dafür gibt es Spezialisten. Erstaunlicherweise werden die öffentlich zugänglichen Daten dazu nicht schon ihrer frühen Anfangszeit als auffällig und schädlich erkannt. Das kann an Wissenslücken liegen oder gezielte Absicht sein. Aber die Methoden werden immer schneller und zuverlässiger, um so etwas zweifelsfrei festzustellen. Nur in zwei bekannten Musterfällen wird das jetzt durchgezogen: „WireCard“ und „Open Lux“. Aber viel zu spät. Wer da so lange geschlafen hat, steht im Telefonbuch der verantwortlichen Organisationen. Denn der Sumpf kommt von oben, man sieht ihn nicht erst dann, wenn er die ganze Umgebung verschlammt und zukleistert. Das Thema allerdings wird immer bekannter. Den Mitarbeitern und Nutznießern sowieso. Hier wird streng auf die Beachtung der persönlichen Privatsphäre geachtet. Aber Jeder, der – noch – einen sauberen Arbeitsplatz hat, kennt die Verursacher persönlich. Das reicht eigentlich aus, um wieder zur Vernunft zu kommen Andere schauen zwar dabei noch zu, aber sie sind, durch eigene Erfahrungen, längst vorbereitet auf die Möglichkeiten zum Eingreifen, natürlich nur im Rahmen der Gesetze.

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Volle Fahrt voraus

26.3.2021. In Ostafrika wurden die Spuren der ersten Menschen entdeckt. Ägypten, die erste Hochkultur, beschränkte sich noch auf das eigene Land. Wenn der Nil im Frühjahr über die Ufer trat, war der Schlamm dazu geeignet, Nahrungspflanzen anzubauen und zu ernten. Im Norden lag das Mittelmeer, aber die ersten großen Schiffe bauten Nachbarn: Die Griechen und Römer. Aus Athen wurde eine Kriegsflotte geschickt, die zehn Jahre lang die Stadt Troja belagerte. Der Sieg gelang nicht durch Gewalt, sondern weil Odysseus eine Abreise vortäuschte und als Geschenk ein großes Holzpferd zurückließ. Die Belagerten zogen es jubelnd in ihre Stadt. Nachts öffnete es sich. Soldaten strömten heraus, und Trojas Niederlage war damit schnell erledigt. Aus Athen verlagerte sich später das Machtzentrum nach Rom. In ganz Europa tauchten Soldaten auf, besetzten und plünderten gewaltsam die Nachbarstaaten. Der zeitliche Höhepunkt war der Tod von Christus, der ein ganz neues Denken verbreitete. Er wurde wegen Gotteslästerung denunziert und starb. Auch seine Anhänger wurden zunächst von den Römern gewaltsam bekämpft, aber die neue Religion wurde immer mächtiger. Vor fünfhundert Jahren beherrschte sie auch die gesamte politische Welt, von Rom aus. Doch die Päpste waren übermütig geworden. Jeder, der ihre Glaubensmeinung kritisierte oder ablehnte, wurde verhaftet und landete sehr oft auf dem Scheiterhaufen.

Damit endete das Mittelalter. Die Renaissancezeit begann. Spanien und England schickten Kriegsschiffe über das Meer, um neue Kontinente zu entdecken, fremde Länder zu besetzen und auszurauben. In Florenz schrieb Niccolo Macchiavelli (1469 – 1527) ein Buch mit dem Titel „Il Principe“ (Der Fürst). Der kluge Philosoph arbeitete für die steinreiche Händler- und Fürstenfamilie Medici und notierte, „Der Zweck heiligt die Mittel“. Das heißt: „Der Herrscher darf Alles, was er will.“ In London wütete gleichzeitig die Inquisition mit Todesurteilen gegen Glaubenskritiker. Einer konnte im letzten Augenblick fliehen: Christopher Marlowe.

Am 23.11.20 habe ich zu seinem Gedenken eine eigene Webseite gestartet: „Zeichen und Bilder“:

https://www.mind-panorama.de/

Marlowe versteckte sich, unerkannt in Norditalien und schrieb dort unter dem Namen „William Shakespeare“ Theaterdramen mit überragender Sprachkraft und Gedankentiefe, die er nach London schickte, wo ein gleichnamiger Theaterdirektor sie aufführte und weltberühmt machte.

Sein Fall ist auch ein Beispiel dafür, dass brutale Gewalt und große staatliche Macht vergänglich sind. Sie können vom Geist besiegt werden, auch wenn Verbrecher das lange verachten, ernstzunehmende Kritiker gewaltsam verfolgen und ihre Gedanken vernichten wollen.

Zur Zeit herrscht Ruhe auf diesem Gebiet, genauso wie bei allen anderen Themen auch. Doch Schwarz und Weiß scharren schon ungeduldig in ihren Startlöchern. Wer wird gewinnen? Die Mehrheit. Wenn sie sie eine neue Gedankenwelt übernimmt. Einstein (1879 – 1955) sagte, „Wir stehen auf den Schultern von Riesen, die vor uns waren.“ Immerhin hat er die Relativitätsformel entdeckt. In der Physik. Aber das war für ihn nur ein Zeichen der Kosmologie. Ein unbekanntes Gesetz des Universums. Er wollte noch mehr davon finden, doch das gelang nicht mehr. Seine Berechnungen brachten aber die Entdeckung der Elektronik und der ersten Computer, hundert Jahre später, aber nicht zu spät.

Charles Baudelaire (1821 – 1867) schrieb Bücher, die von der Justiz in Paris beschlagnahmt wurden. In seinem Gedichtband „Die Blumen des Bösen“ verherrlichte er das verbotene Rauschgift. Aber er wusste noch viel mehr. Hier ist der Text seines Gedichts „Der Albatros“:

„Oft fangen die Matrosen, um sich zu vergnügen,
den mächtigen Meeresvogel ein, den Albatros.
Den Schiffen, die den bitteren Abgrund überfliegen,
folgt er mit Gleichmut auf ihrer Fahrt.

Kaum aber ist er hingezwungen, auf die Planken,
läßt dieser Himmelskönig, in seiner Scham,
die großen weißen Flügel kläglich an den Flanken
wie Ruder hängen, ungeschickt und lahm.

Wie ungeschickt schleppt er sich hin, mit diessen steifen Flügeln!
Er, sonst so schön, wie ist er häslich in der Schmach!
Den Schnabel neckt ihm einer, mit der Tabakpfeife,
Ein anderer, hinkend, äfft den Flug des Krüppels nach!

Der Dichter ist wie dieser Wolken-Fürst.
Im Sturm hat er ein Himmels-Dach, verlacht des Jägers Strick.
Verbannt zur Erde aber und verhöhnt vom Volke,
behindern riesenhafte Flügel seinen Gang.“

Claude Debussys (1862 – 1918) bekannteste Komposition ist „La Mar“ (Das Meer). Hier gibt es keine Melodie, sondern nur flimmernde Klänge, die sich vermischen und auftürmen. Es ist aber keine Imitation der Natur, sondern ein Bild, das beim Zuhörer entsteht, so wie es bei ihm ankommt: Gedankenspiele. Träumereien. Klänge, die kurz auftauchen und wieder verwehen:

.https://www.youtube.com/watch?v=FOCucJw7iT8

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Leere, stille Treffpunkte

25.3.2021. Die chemischen Elemente der Luft kann man ganz genau feststellen. Aber wenn man einem windstillen Sommertag vor einem weiten See sitzt, kann man davon gar nichts sehen. Das ist nicht die einzige unsichtbare Macht, die die Welt regiert. Der Strom gehört dazu, aber auch die Gedanken. Einen großen Lebenstraum hat Jeder, kann ihn aber nicht immer durchsetzen. Dann gibt man ihn am besten ganz auf, spart viel Zeit und Geld. Aber einige Hirnverbrannte können das nicht. Sie kämpfen gegen die ganze Welt, um sich durchzusetzen. Das Ergebnis können, vor Allem in der Politik, nur riesige Schäden sein und die jahrzehntelange Verarmung von Staaten, mit wertvollen Energien und Traditionen. Trotzdem ist es Teil der Realität. Wer dagegen den Mund aufmacht, wird überwacht, bedroht und schikaniert, mit Hilfe von Lügnern und Betrügern. Die Rezepte sind wertlos, weil das Ergebnis nicht schmeckt, aber die Finanzkraft der Verursacher steigert. Seit den ersten Jahren im Beruf, als ganz junger Mensch, habe ich selbst solche Systeme abgelehnt, die dann ihre Giftkrallen zeigen und in alle Richtungen schlagen. Im Lauf von Jahrzehnten muss man damit leben, weil sie immer wieder auf dem Spielplan stehen. Aber ein geschlossenes Theater hat auch keine Einnahmen mehr, die Kosten laufen weiter. Sehr bedauerlich ist das zur Zeit, selbst die besten Künstler bekommen nur ein Gehalt, wenn sie tatsächlich auf der Bühne stehen. Am 12.10.20 habe ich dazu Vorschläge gemacht: „Opernfeste, aber warum ohne Gäste?“

https://luft.mind-panorama.de/opernfeste-ohne-gaeste/

Geändert hat der Kommentar nicht viel, aber hier geht es nicht um Erfolgsrekorde, sondern um Anregungen. Gerade für Veranstaltungen gibt es viel Platz. Ein Mindestabstand für die Besucher ist leicht zu markieren und Viele sind dazu bereit. Aber fast Alles wurde abgesagt. Das läuft jetzt schon viel zu lange, weil sich Änderungen leicht organisieren lassen. Das Leben hat außerdem noch viele andere, interessante Themen. Das gigantische Wikipedia-Lexikon bietet sehr viel dazu an. Bei den ganz großen Sachen, die auf jedem Spaziergang zu finden sind.

Manchmal sind allerdings ganz kleine Details der einzige Schlüssel für Rätsel, die Niemand löst. Fragen über Fragen. Warum ist Richard Wagner ein ständiges Problem für Nichtskönner? Einerseits entfesselt er alle Klangfarben für ein Riesenorchester. Andererseits sind die ganz kleinen Augenblicke oft eine Schatztruhe, wenn man sie erkennt. Leider ist das selten. Die Strafe ist stundenlange Langeweile. Dann sollte man besser in der ersten Pause gehen. Auch hier kommt man mit faulen Tricks nicht weiter. Und Falschspieler verlieren sofort. Im „Siegfried“ gibt es zehn Minuten, die wie ein Prüfstein sind. In einem steilen Felsengebirge entdeckt der Held einen schlafenden Ritter. Er nimmt ihm den Helm ab und sieht eine unbekannte Frau, die Tochter des Obergottes Wotan. Hier beschränkt sich Wagner auf Violinen in höchster Tonlage, die eine hymnische Melodie immer mehr steigern und die leise Stimme des Sängers, der sonst sehr laut singen muss, stundenlang. Dann küsst Siegfried die Schlafende. Sie erwacht mit einem Sonnen-Gesang, „Heil dir Sonne, heil dir Licht.“ Das ist nicht neu. Einen solchen, schriftlichen Sonnen-Gesang hat auch der ägyptische Pharao Echnaton hinterlassen, vor 3.400 Jahren. Darin beschreibt er die Sonne als einzigen Gott, den er anerkennt. Die stärkste Energiequelle auf der Erde. Die zehn außergewöhnlichen Minuten im „Siegfried“ singt hier Jason Wickson:

https://www.youtube.com/watch?v=04Ww-c_st9Y

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Mächtige Provinzen

25.3.2021. Provinzen nennt man heute meistens Regionen. Sie machen einen Staat überschaubar und haben Traditionen, die viele Besucher anlocken können. Oberbayern hat die Alpen. Einer alten Regierungspartei wird nachgesagt, sie hätte die Alpen erfunden und den weißblauen Himmel. Weil die Partei so alt sind, leitet sie tatsächlich immer noch die Regierung. In der Großstadt München allerdings, kommt der Oberbürgermeister traditionell aus der größten Konkurrenzpartei. Denn die Bevölkerung hat so viele unterschiedliche Heimatstaaten, dass sich das auch in der Weltstadtpolitik spiegelt. Vor dreißig Jahren hat man zugereiste Neubewohner noch spüren lassen, dass sie zuerst einmal nur geduldet sind. Das waren aber nur Großstadt-Provinznudeln, deren leere Köpfe mit trockenem Stroh gefüllt waren. Noch schlimmer ist es, wenn sogar aus den Provinzen in ganz Deutschland die Provinznudeln auftauchen. Vorher waren es mächtige Bürgermeister oder Hühnerstallbesitzer, aber das reicht ja, um die ganz große Welt aufzumischen, Freunde einzusammeln und dann sogar im Trüben zu fischen, wo Raubfische unterwegs sind oder riesige Finanzströme bewegt werden. So einfach ist die Lösung, wenn man mit einer Suchmaschine nachschaut, was „WireCard“ und Open Lux“ bedeuten.

Dahinter stecken keine normalen, fleißigen Mitarbeiter, sondern Provinzköpfe, die größenwahnsinnig geworden sind. Leider trifft man sie überall, in großen Weltkonzernen mit berühmten Namen und auch in der Hochkultur. Dort wurden, bis vor einem Jahr Millionengelder aus staatlichen Subventionen oder Privatspenden, mit der Gießkanne verteilt. Die Qualität ließ deshalb stark nach, aber die Geldgier wuchs. Beide Stichwörter sind wie feindliche Schwestern. Wenn die eine keine Qualität mehr zu bieten hat, taucht die andere auf, mit Koffern und Geheimkonten. Sie streiten sich, wer wie viel einstecken darf. Dann ist ihnen auch die Provinz viel zu eng, und sie mischen, immer auffälliger sich in den Großstädten ein. Viel raffinierter, aber immer schneller durchschaubar. Eine typische Handschrift ist immer gut wieder zu erkennen. Die Verkleidung auch, weil unter den Perücken die gleichen Gesichter sich schminken. Die Methoden und Rezepte dafür stehen schon in vielen Sachbüchern, sie werden zwar getarnt und vertuscht, aber die Spuren lassen sich immer schneller auflösen und werden dann bis zu ihren Quellen verständlich. Viele wissen gar nicht, dass sie längst vor einer Spiegelwand herumlaufen, die hinten durchsichtig ist. In Kaufhäusern ist es schon lange Alltag, dass die Filialleitung mit solchen „venezianischen Spiegeln“ die Kundschaft beobachtet. Wenn ein Gast klaut, springen plötzlich Detektive von der Rolltreppe, die man durch die Alarmtaste eines Smartphones herbeigerufen hat.

In der Provinz bin ich aufgewachsen, hatte aber niemals kriminelle Neigungen, genauso wie die meisten Menschen dort auch nicht. Im Gegenteil: Wenn man Betrügereien mitbekomt oder davon hört, verwandeln sie sich in Alarmsignale. Schon in der Schule gab es unbegabte Mitschüler, die mit solchen schmutzigen Geschichten auffällig wurden. Man musste ihnen nur aus dem Weg gehen oder die Informationen, als Warnhinweise bekannt machen. Dann verschwanden sie aus der Schule und blieben in ihren eigenen Treffpunkten, die im Ort Jeder kannte.

Das westfälische Münster hat 316.000 Einwohner und sogar den offiziellen Titel „Provinzialhauptstadt“. Das kann zu Irrtümern führen. In Münster hatte ich niemals etwas mit großen Gaunern und Halunken zu tun, sie standen nur in den Zeitungen. Die achtzehn Jahre dort waren sehr friedlich, beruflich angenehm, und es gab einen soliden Freundeskreis. Aber irgendwann kannte man jeden Pflasterstein. Bei Italienreisen von 1989 -1984 war München immer die Zwischenstation und hatte damals einen magischen Glanz. Egal, für welches Thema man sich interessierte, gab es dort eine grenzenlose Auswahl. München war insofern wirklich eine Traumstadt. Aber nach dem Umzug fielen auch die falschen Masken und Verkleidungen. Was man vorher nur aus Zeitungen kannte, lief plötzlich in der Innenstadt herum.

Einerseits großartige Begegnungen. Andererseits aufdringlich-dreiste Figuren, die sich überall einmischten, um Schaden zu verbreiten und zu vergrößern. Oft gut aussehend. Gut gekleidet. Aber falsch. Man erkannte sie an ihrem äußeren Auftreten. Aber vor Allem an ihrer Sprache. Den Themen. Beurteilungen. Lieblingsplänen. Unerfüllbare Träume wurden einfach erfunden und dummdreist zurechtgelogen. Bis vor einem Jahr gab es dabei sogar ganz neues Schmierentheater. Als die ersten Lokale schlossen, saßen einige Stammgäste noch lachend an ihren Tischen. Tagelang hörten sie nicht auf damit, weil sie weiter in der Stadt herumliefen. Wenn große Krisen vorbei sind, so wie auch der Zweite Weltkrieg 1945, packen plötzlich Alle gemeinsam mit an und räumen den schlimmsten Schutt weg, bauen auf. Dann könnte sofort eine angenehme Normalität beginnen. Doch leider, in den letzten fünfzig Jahren gab es viele, pechschwarze Szenen aus der Finsternis. Aufmerksame Beobachter dachten dabei an die Apokalypse, den Weltuntergang. Aber selbst in den ganz alten Aufzeichnungen gibt es vorher noch eine Atempause. Dort heißt es: „Es tritt eine halbe Stunde Stille im Himmel ein. Die letzte Ernte beginnt. Die faulen Früchte werden weggeworfen. Die Hure Babylon, die Mutter aller römischen Huren, sitzt auf einem kranken, scharlachroten Tier. Es hat die Ziffer 666, das ist Satan selbst. Beide Schreckensgestalten werden von Engeln vernichtet.“ Erst danach beginnt der Weltuntergang. Das Stichwort „Apokalypse. Der Weltuntergang“ findet man direkt unter diesem Text, mit 36 Kommentaren. In der Realität wird das Schlimmste wohl nicht geschehen. Aber viele Hinweise, Anzeichen sind nicht zu übersehen.

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