Die pechschwarze Bartolomäusnacht

15.1.2021. Die Bartholomäusnacht war in Paris nicht dunkler als jede andere auch. Aber sie lebt in der Erinnerung als schwärzeste Nacht. Begleitet wurde sie von einem festlichen Ereignis: Der protestantische König heiratete eine überzeugte Anhängerin der katholischen Hugenotten. Das sollte die wachsenden Spannungen im ganzen Land dämpfen, aber dann hieß es nur noch „Blut-Hochzeit“. Wikipedia: „Die Bartholomäusnacht, auch Pariser Bluthochzeit genannt, war ein Massenmord an französischen Protestanten, den Hugenotten, das in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572, dem Bartholomäustag, stattfand. Admiral Gaspard de Coligny und weitere Führer der Hugenotten wurden dabei ermordet. Sie waren anlässlich der (vermeintlich der Versöhnung dienenden) Hochzeit des Protestanten Heinrich von Navarra (des späteren Königs Heinrich IV.) mit der katholischen Margarete von Valois in Paris versammelt. In derselben Nacht wurden weitere Tausende Protestanten in Paris und in den Folgetagen frankreichweit ermordet. Das Ereignis ist mit vier anderen Vorfällen verknüpft: einem ersten fehlgeschlagenen Attentat auf Admiral de Coligny am 22. August 1572, der zwei Tage später erfolgten Ermordung der Hugenottenführer einschließlich de Colignys, dem danach einsetzenden Massenmord in den Straßen von Paris sowie einer Welle von Gewalt, die sich kurz darauf über fast ganz Frankreich ausbreitete.“

Martin Luthers Reformation war noch von der katholischen Kirche aggressiv bekämpft worden. Er lehnte den Papst ab. Vor Allem die Ketzerverfolgung. Wer als Kritiker des Vatikans verdächtigt wurde, kam vor die Gerichte der römischen Inquisition und wurde gnadenlos zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Das traf viele kluge Köpfe. Galileo Galilei, Giordano Bruno und andere, die dringend nach Reformen riefen. Es war die dunkelste Zeit des christlichen Glaubens, der eigentlich Mitleid und Versöhnung predigte, aber als steinreiches Machtzentrum völlig außer Kontrolle geraten war.

In London bekämpfte die kluge Königin Elisabeth I. und das Oberhaupt ihrer anglikanischen Kirche, der Erzbischof von Canterbury, zwar auch den Papst, wollten aber von der sonstigen Reformation nichts wissen, sondern einen ganz eigenen Weg gehen, Wer den harten Reformator Calvin bewunderte, geriet in schweren Verdacht. Auf Gotteslästerung und Ketzerei stand die Todesstrafe.

Doch es entstand eine völlig unerwartete Unruhe. Thomas Kyd (1558 – 1594) tauchte auf. Er schrieb Theaterstücke, gemeinsam mit seinem Freund Christopher Marlowe. für die vom englischen Königshof selbst zusammengestellte Theatergruppe „Queen Elizabeth’s Men“. Ab 1591 wohnte er mit Christopher Marlowe auch zusammen, der selbst sogar den Spitznamen „Kit“ bekam und verwendete. Wikipedia: „Am 12. oder 13. Mai 1593 wurde Thomas Kyd im Zusammenhang mit staatsgefährdenden Plakaten, die in London kursierten und von einem gewissen „Tamburlaine“ (der Hauptfigur aus dem gleichnamigen Drama von Marlowe) unterzeichnet waren, verhaftet. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung, in der er zuvor zusammen mit Marlowe gelebt hatte, wurden im Rahmen der Fahndung, nach den Urhebern obiger Plakate, noch andere Schriften gefunden, die ihn massiv des „Atheismus“ (Gottesleugnung) und der Häresie (Gotteslästerung) belasteten. Er wurde verhaftet und zur Erpressung eines Geständnisses im Bridewell Gefängnis gefoltert. Er versuchte, alle Schuld auf Marlowe abzuschieben, der allerdings während Kyds Haft am 30. Mai 1593, unter rätselhaften Umständen, selbst zu Tode gekommen war.“ 

Der zweite Teil des letzten Satzes ist ganz falsch. Marlowe war zwischenzeitlich zwar auch verhaftet worden, hatte aber sehr mächtige Unterstützer. Königin Elisabeth I. selbst und ihren Geheimdienst-Chef Francis Walsingham. Sie kamen auf einen abenteuerlichen Plan: Marlowes Tod vorzutäuschen. Angeblich starb er bei einem Streit um die Getränke-Rechnung, bei einer Messerstecherei in einem Londoner Wirtshaus. Aber das war erfunden. Vor dem sicheren Todesurteil flüchtete Marlowe aus London nach Paris. Dort war der Neffe des Geheimdienst-Chefs sogar englischer Botschafter und auch sein persönlicher Freund. Marlowe hatte vorher noch, ein eigenes Theaterstück, über die blutige Bartholomäusnacht mit Erfolg veröffentlich: „Das Massaker von Paris“.

1954 entstand über die Ereignisse im Paris ein spannender Kinofilm mit der jungen Jeanne Moreau: „La reine Margot“. Hier kann man die französische Originalfassung sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=VcTzVElcWBw

Von Paris aus flüchtete Christopher Marlowe weiter nach Norditalien, in die Region zwischen Verona und Venedig. Von dort aus schickte er seine später weltberühmten Werke nach London, wo sie der Theaterdirektor William Shakespeare unter seinem eigenen Namen erfolgreich aufführte. Die letzten Jahre lebte Marlowe weit weg, in Padua, mit Petro Basconi, der ihn auch bis zu seinem Tod im Jahr 1627 pflegte und schriftliche Aufzeichnungen darüber hinterließ.

Das war die Renaissance-Zeit. Sie löste einerseits das dunkle Mittelalter ab, war eine Epoche bedeutender, freier Geister, die teilweise allein, gegen ihre veralteten Herrschermächte kämpften. Aber spätestens nach ihrem Tod setzte sich ihre Gedanken zwangsläufig durch und ersetzten die verbrauchten, sinnlosen alten Ordnungen. Sigmund Freud war Jude. Fast sein ganzes Leben verbrachte er in der engen Wiener Berggasse Nr.19. Doch 1938 wurde er bedroht und wanderte aus nach London, wo er ein Jahr später starb. Seine Erkenntnisse findet man in der Psychoanalyse, die selbst von Ärzten und professionellen Heilspropheten nicht richtig angewendet wird und dann völlig wirkungslos bleibt. Freud fand im menschlichen Gedächtnis ein ganzes, unsichtbares Universum, das Unterbewusstsein, in dem Enttäuschungen und ungelöste Probleme nur schlafen und auf die Signale warten, die sie wieder wecken. Das kann schwere Störungen auslösen. Findet man ihre Ursachen, lösen sie sich auf. Mit 21 Jahren habe ich das entdeckt, und es ist zum Teil der eigenen Erfahrungen geworden. Eine veränderte Denkweise. Das hört sich einfach an, und das ist auch Absicht hier. Aber in der täglichen Realität spielt es nur eine geringe, wenig beachtete Rolle, obwohl es in der Politik, der Ökonomie und der Kultur sehr stark auftritt, aber meistens nur ein verschlossenes Buch mit Sieben Siegeln bleibt.

Ein Buch mit genau diesem Namen spielt in der Apokalypse eine große Rolle: Als es geöffnet wird, beginnt der Weltuntergang. Nach der Öffnung des siebten Sigels heißt es: „Es tritt eine halbe Stunde Stille im Himmel ein. “ Dann folgen: Die letzte Ernte und Weinlese. Die schlechten Früchte werden weg geworfen. Im Jüngsten Gericht werden die unverbesserlichen Sünder in den Abgrund geworfen. Die Gerechten leben weiter, im Paradies, an der Seite Gottes.

In der nordirischen Stadt Londonderry gab es am 30.1.1972 einen unvergessenen „Blutsonntag“, als Soldaten auf friedliche Demonstranten schossen. Der Krieg in Nordirland wurde danach immer schlimmer. Aber es gab auch Zeichen der Versöhnung. Ein Lied endet mit den Worten: „Was geschah, ist geschehen.“ Und es fordert die Rückkehr der Gemeinsamkeit. „For what’s done is done, and what’s won is won. I can only pray, for a bright, brand new day. In the town I loved so well.“

Die irischen Dubliner und Luke Kelly singen, „The Town I loved so well“ :

https://www.youtube.com/watch?v=55OBEs98Pj4

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