Die Ritterburg Bentheim

28.1.2021. Die Ritterburg Bentheim sah ich zum ersten Mal mit fünf Jahren, an einem Wintertag mit starkem Schneegestöber. Die Familie fuhr mit dem Bus achtzehn Kilometer. Unter der hohen Burgmauer war ein Berghang, auf dem man mit dem Rodelschlitten nach unten brausen konnte, mitten in einer Menschenmenge. Vieles aus dieser Zeit ist längst vergessen, aber dieser Tag nicht. So geht das bei vielen Bildern aus ferner Vergangenheit. Sie vertiefen sich durch Bücher und Filme, das Internet weiß noch mehr. Dann werden sie noch stärker, wenn der Zusammenhang wichtig ist. Die Ritterburg lag auf einem hohen Felsen, umgeben von einer kleinen Stadt. In Westfalen eine Seltenheit, weil dort das flache Land überwiegt. Sonst gibt es fast nur Wasserburgen, die von einem tiefen Graben umgeben waren, dazu eine schwere Zugbrücke vor dem einzigen Eingangtor, mit der zufällig vorbeiziehende Angreifer fern gehalten wurden. Zu der Zeit gab es im Kino viele Ritterfilme, mit Abenteuern aus dem Mittelalter. Dann Geschichtsbücher mit noch mehr Fakten. Ein Höhepunkt wurden dann Musikdramen, mit Themen aus dieser Zeit, die noch ganz andere Dimensionen der Wahrnehmung weit öffneten. Sie waren das Hauptthema von Richard Wagner, der daraus ein ganzes Universum baute.

Aber das war erst Jahre später und vergrößerte sich noch, im Lauf der späteren Jahre. In der äußeren Realität ist es jetzt Vergangenheit, aber trotzdem noch sehr lebendig. Das Äußere ist nur die Oberfläche. Zeichen und Signale, die eine große Tiefenwirkung haben können. In allen Bereichen. Manchmal reicht ein Foto, eine Melodie, damit sich die alten Schatzkammern wieder weit öffnen. Das ergibt keine Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, sondern schärft den Blick für Unterschiede und Versäumnisse lange vergangener Jahre. Daraus ergeben sich ganz neue Bilder und Projekte. Früher war die Realisierung nicht immer möglich, weil die falschen Personen sich aufbauschten und einmischten. Seitdem habe ich jeden Respekt vor Macht und Geld verloren, sehe aber, wie stark Andere davon besessen und in Sackgassen gelenkt werden, wo sie bereits von einer Mehrheit erwartet werden, die immer mehr Platz an sich reißt.

Dann wird es eng, und so schaut die Welt auch seit Ende März aus, als zum ersten Mal sämtliche Treffpunkte geschlossen wurden, an denen die Leute sich gern trafen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Glücklicherweise verschwunden sind auch die hinterlistigen Lügner und Schwätzer, die jetzt unter Ihresgleichen bleiben. Sie bekommen immer weniger Chancen, wenn die großen Krisen vorbei sind, denn dann werden sie überhaupt nicht mehr gebraucht, sondern nur noch die aktiven Planer der Zukunft. Für die gab es vorher schon viel Arbeit, aber auch überall Bremsklötze und Belästiger, die zuletzt immer mehr und auffälliger wurden. Wer da einen großen Strich durch die faulen Rechnungen gemacht hat, weiß Niemand, aber das sind ja keine neuen Geschichten. Sie stehen zum Beispiel in der Johannes-Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel. Das Stichwort findet man direkt unter diesem Text. Auch den „Dekalog“, der die Gesetze der Weltordnung beschreibt.

Einerseits geben viele Daten und Informationen auch immer mehr Sicherheit, aber nur in den richtigen Händen. Das ergibt sich von selbst und wird immer unvermeidlicher. Lebenskrisen können lange dauern, aber sie verkürzen sich, wenn die Beobachter nicht nur passiv herumstehen, wie es sogar bei Auto-Unfällen oft geschieht. Gegen Dummheit helfen keine Pillen, aber Erkenntnisse. Und dabei kann sogar eine Minderheit sich durchsetzen, wenn sie den Schaden nicht noch weiter vergrößert. Einen dritten Weg gibt es nicht.

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