Die Spitzen der Pyramiden

1.3.2021. Wer etwas Kostbares besitzt, hat meistens auch Angst. Epiktet (50 – 138 n. Chr.) aber nicht. Er schrieb: „Alles, was Du besitzt, kann dir auch genommen werden. Das Einzige, was Dir wirklich gehört, bist Du selbst.“ Epiktet wurde als Sklave geboren, aber als Denker berühmt. Die meisten Herrrscher hatten viel Macht und Geld. Und noch mehr Angst. Der Totenkult der alten Ägypter war besonders aufwändig. 2700 vor Christus entstanden die ersten Pyramiden. Auf einem breiten Fundament standen riesige, schräge Steinplatten, deren kleine Spitzen sich am höchsten Punkt trafen und zum Universum zeigten. Allein der Pharao Cheops schuf in Gizeh drei dieser Totentempel, die immer noch ein weltberühmtes Ziel für Besucher sind. Die Grabstätten sind oft leer, weil sie ein beliebtes Objekt für Grabräuber waren. Der römische Kaiser Cäsar (100 – 44 v. Chr.) war eng befreundet mit der ägyptischen Königin Cleopatra. Beide wurden beschützt von Leibwächtern und großen Soldatenheeren. Die Königin war gerade zu Besuch in Rom, als Cäsar ermordet wurde. Mitten im Capitol, dem Parlament des Weltreichs. Täter waren seine engsten Vertrauten, die aber alle persönlich mitmachten. Sie wollten ihre Republik schützen, die Macht der einzelnen Senatoren. Cäsar aber war vorher militärisch so erfolgreich und gefürchtet, dass er sich selbst zum alleinigen Diktator ernennen wollte, mitten im Parlament. Dort endete er.

In Washington gibt es auch ein gewähltes Parlament, das Capitol und seine Senatoren. Im Januar dieses Jahres hielt der abgewählte, enttäuschte US-Präsident Donald Trump eine leidenschaftliche Rede. Wikipedia: „Rechtsextreme Anhänger des Präsidenten stürmten am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington gewaltsam. Daraufhin wurde gegen ihn ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) eröffnet, erfolglos. Die Anklage hatte Donald Trump vorgeworfen, er habe die Teilnehmer an einer Demonstration zum Angriff auf den Kongress aufgefordert und anschließend nichts unternommen, um das US-Parlament zu schützen. Dessen beide Kammern, Senat und Repräsentantenhaus, waren an diesem Tag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, um den frischen Sieg seines Konkurrenten Joe Biden bei der vorangegangenen Präsidentschaftswahl offiziell zu bestätigen.“

Die Angst vor dem Machtverlust hat viele Gesichter. Sie hat die Security-Branche immer stärker gemacht, vor Allem seit dem Anschlag von zwei Flugzeugen auf die Twin Towers, die Zwillingstürme in New York am 11.9.2001. Seitdem ist die Sicherheit ein immer größeres Thema geworden. Dass zwei Flugzeuge gleichzeitig zwei schwere Wolkenkratzer zum Einsturz brachten, ist seitdem auch die Ursache von vielen Vermutungen. Die Dokumentarfilme zeigen, dass kurz danach zwei ganze Stockwerke explodierten. Wolkenkratzer werden erdbebensicher gebaut, sind also sehr stabil. Verschwörungstheoretiker behaupten deshalb, drinnen wären bereits Spengladungen in den Mauern versteckt und durch Fernzündungen aktiviert worden. Schon im Herbst 1995 gab es sieben Anschläge in Paris, vom August bis Oktober. Verdächtigt wurden Extremisten, aber auch hier gab es Theorien, dass eine völlig unbekannte, zentral gelenkte Planung hier aktiv war, die sich gegen die bisherige Weltordnung richtet. Also die Verfassungsprinzipien zur Freiheit, zur Meinung, zur Presse, zur gschützten Privatsphäre. Der Kampf gegen derartige finstere Welteroberungs-Pläne war schon in den Sechziger Jahren das Hauptthema aller James-Bond-Filme, die sich aber auf spannende Unterhaltung beschränkten. Die Realität sieht ganz anders aus, aber manche Kommentatoren entdecken Parallelen zwischen Phantasie und Wirklichkeit.

Absolute Sicherheit gibt es nicht, trotzdem reichen manchmal Verdächtigungen, um Gespenster zu wecken. Oder absichtliche Lügen, die trotzdem ernst genommen werden, weil die Schwätzer auch Unterstützer haben, die professionell arbeiten. Dabei gibt es Ungereimtheiten, logische Fehler und andere Auffälligkeiten, die Niemand beachtet. Es sind oft sogar Kleinigkeiten. Wer sich gern in den Vordergrund drängt, hysterisches Geschwätz verbreitet, zu unruhig ist, neigt auch zu Lügen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Solche Skandalnudeln sind sogar beliebt, wenn sie bei Langweilern oder Heimlichtuern für Spannung und Ablenkung sorgen, nicht nur im Kino. Das Instrumentarium dafür ist sehr umfangreich und vielseitig. Bei mir läuten dann Alarmglocken, aber bei anderen gar nichts. Leider ist es ein langjähriger Erfahrungswert, dass man die Warnsignale nur rechtzeitig erkennen muss. Aber die Täter sind oft sehr beliebt, weil sie raffinierte Täuschungsmanöver anwenden, in Firmen sind es oft die besten Freunde von unfähigen Führungspersonen.

Wer sich damit gründlich beschäftigt und die Kochrezepte findet, entdeckt riesige Informationslücken. Weil das zu wenig bekannt ist, sind Nachahmungstäter oft erfolgreich.

Nur begrenzt sind die Erfolge von übertriebener Totalüberwachung und versteckten Kameras. Deren Fälschungsmöglichkeiten sind mittlerweile so bekannt, dass sie an allen Biertheken ein Dauerthema sind, natürlich auch die Leitwölfe, deren Herden und Mitwisser. Auch die strengen Verbote gegen Willkür und Übergriffe findet man mit jeder Suchmaschine, dazu die direkte Haftbarkeit, Strafen und Entschädigungskosten. Dass es im Internet riesige Datenschätze gibt, weiß Jeder. Aber wie man damit umgeht, ist sehr oft unbekannt. Stattdessen werden Smartphones für Straftaten benutzt, obwohl die Spuren leicht zurückzuverfolgen sind. Der Grund dafür ist ein Mangel an Intelligenz und Allgemeinwissen. Das klingt sehr einfach, entspricht aber der Wirklichkeit, wie Jeder sie selbst erlebt, aber trotzdem nicht immer versteht.

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