Die Sterntaler

2.6.2021. Vor zweihundert Jahren erschienen „Grimms Märchen“ zum ersten Mal. Eines davon geht so: „Ein armes Waisenmädchen, das außer einem Stück Brot nichts besitzt, geht in die Welt hinaus. Unterwegs verschenkt es sein Brot, dann seine Mütze und schließlich auch sein Hemdchen an andere Bedürftige. Da fallen die Sterne als Silbertaler vom Nachthimmel, und es hat ein neues, feines Hemd an, in das es sie aufsammelt. Dadurch ist sie reich bis zum Lebensende.“

Kinder hören solche Geschichten gern, bis sie merken, dass auch das Christkind nur ein Märchen ist. Aber wie wird man reich?

Den meisten reicht ihr Gehalt oder der Arbeitslohn, dazu gute Beurteilungen und Beförderungen. Allein schon das macht die Firmen zu Kriegsschauplätzen, wo mit faulen Tricks gearbeitet wird. Mit harten Bandagen, um Konkurrenten zu verleumden oder wegzuekeln.

Aber es geht auch ganz anders. Wer einfach ehrlich ist, ist oft der Dumme. Denn die Beutegeier sind wachsam, haben scharfe Augen, Krallen und schweben lautlos über der Landschaft, bis sich etwas bewegt. Dann wird es kompliziert, denn die anderen sind auch nicht dumm. Gruppenkämpfe können anstrengend sein, lohnen sich aber nur selten, weil der Futterneid zu stark ist.

Solchen Anstrengungen kann man entgehen, wenn man ein paar Regeln beachtet, die nicht unbedingt in akademischen Büchern stehen. Die erste heisst Lernen, und damit fängt es schon an. Nicht Jeder hat Lust dazu ist oder ist zu dumm dafür. Also ist das Spiel zu Ende oder wird mit faulen Tricks weitergeführt. Am Ende gibt es Sackgassen und Misserfolge, Unzufriedenheit und Wut gegen andere. Immer weiter den Abgrund hinab.

Das ist voraussehbar, also kann man es auch vermeiden. Liest man zum Beispiel sämtliche Artikel dieser Webseite, ist man genau auf dem richtigen Weg. Versteht man dabei einzelne Wörter nicht, findet man die meisten im Wikipedia-Lexikon. Aber das Lesen allein reicht nicht. Man muss alle bisherigen Denk-Angewohnheiten ändern und auch die Alltagewohnheiten. Daraus wird dann keine gesichtlose, angepasste  Masse von Befehlsempfängern, sondern es entstehen Freiräume, in denen sich Jeder entfalten kann. Die letzten Jahrzehnte ging das immer besser, man muss es auch trainieren. Es gibt keine Termine dafür, meine interessanteste Zeit war im westfälischen Münster. Das riesige München enttäuscht eher, weil es zwar Viel bietet, aber nicht nur Gutes.

Das alte München ist schon mit den Olympischen Spielen von 1972 verschwunden, viele Traditionen und schöne Orte auch. Faszinierend ist es, den jahrelangen Verfall zu beobachten und hautnah mitzuerleben, aber jetzt muss eine ganz neue Zeit kommen, weil die alte verbraucht ist.

Das ist so, als ob man die Alpen besteigt und vom Gipfel wieder zurück geht. Man erlebt das in der „Alpemsinfonie“ von Richard Strauss, mit einem guten Wanderführer wie Herbert von Karajan. Strauss hat den einzelnen Stationen einen Namen gegeben, zum Beispiel: „Nacht. Eintritt in den Wald. Am Wasserfall. Auf dem Gletscher. Nebel steigen auf. Gewitter und Sturm, Abstieg. Sonnenuntergang. (49 Minuten) : ]

https://www.youtube.com/watch?v=Tzr2Fw_0nY8

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