Die vererbten Urbilder

2.4.2021. Die frühesten Bilder vergisst man. Steckt etwas Besonderes dahinter, werden sie auch nach Jahrzehnten immer deutlicher. Die Ursachen. Die Beteiligten. Die Folgen. Noch besser machen das Filme. Vor hundert Jahren gab es die ersten Tonfilme. Später Farbfilme. Man kann sie restaurieren und alle Fehler entfernen, als wären sie erst gestern entstanden. Und noch stärker sind die Archetypen, die Urbilder im Gedächtnis. C. G. Jung (1875 – 1961) hielt sie für die gemeinsame Erinnerung der Menschheit. Das heißt, dass mit den körperlichen Eigenschaften auch Gedächtnisabläufe vererbt werden. Darum wirkt der Anblick des Ozeans so stark, weil dort die ersten Lebewesen entstanden. Oder der Blick zum nächtlichen Sternenhimmel, weil dort das Universum sich ausbreitet, die Heimat der Lebewesen. Jung ging noch weiter. Er entzifferte die Bildersprache der Symbolik. Er wusste, dass bereits Jean-François Champollion (1790 – 1832) die Übersetzung der ersten Hieroglyphen (Sprachbilder) auf dem Stein von Rosette gelungen war: Das wichtigste Fundament für die Erforschung des Alten Ägyptens, wie es vor fünftausend Jahren war.

C.G. Jung war persönlicher Schüler von Sigmund Freud (1856 – 1939). Er wendete dessen Erkenntnistechnik an: Auffälligkeiten im menschlichen Verhalten als Störungen zu sehen, die bei der Verknüpfung mit den Urbildern sich auflösten. Dabei geriet er auch ins unklare Spekulative, zu den nicht beweisbaren Vermutungen. Kritiker werfen ihm das vor. Aber die Haupt-Idee stimmt: Vererbt werden nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch geistige. Als Zufallsprinzip. Denn sonst würden Genies nur noch überragende Wundermenschen oder Zerstörer in die Welt setzen. Das Gegenteil ist meistens richtig. Gregor Mendel veröffentlichte 1866 seine Auffassung des Vererbungsvorgang, durch Merkmale, deren Zusammensetzung von jeweils nur einem biologischen Gen bestimmt wird.

Jetzt wird die Sache immer undurchsichtiger. Aber wenn man die Lebensläufe berühmter Menschen liest, kommt man den Tatsachen näher. Viele Verwandte oder Erbschleicher warten ungeduldig darauf, dass sie selbst reich werden, leisten aber nichts Besonderes.

Doch die Archetypen haben noch mehr zu bieten. Sie sind Chiffren, Kurzformeln, Schlüssel zu unbekannten Kontinenten im Inneren. Zum Thema „Symbolik“ gibt es hier bereits über 400 Kommentare. Wenn man die Ur-Bilder versteht, wirken ihre Zeichen und Merkmale sofort. Oder sie gehören zur Überflutung mit unwichtigen Daten, die Zeit rauben oder Geld verschwenden. Das ist ein großes Problem in der Wirklichkeit, weil auch die Verkaufs-Werbung mit einem Feuerwerk von Signalen arbeitet, die nur die Umsätze anheizen sollen. Dann geht die Hauptsache unter.

Konzentriert man sich auf einen Punkt im Raum und löst sich von allen anderen Nebensachen, wird die Meditation lebendig. Gedanken kommen von selbst, vermischen sich und beruhigen. Hektik lässt nach. Das geht sogar an stark besuchten Orten, aber man muss es trainieren.

Stille hilft dabei, aber wenn man umschalten und abschalten kann, geht es auch. Musik löst eigene Bilder aus, auch wenn bereits Texte dafür vorhanden sind. Zum Beispiel in Musikdramen, die in der Phantasie ein Eigenleben entwickeln. Auch bei der „Königlichen Jagd und Gewitter“ von Hector Berlioz, die sehr bilderkräftig vorbeistürmt, aber immer noch viel Platz hat für Melodien und für eine innere Bewegung:

https://www.youtube.com/watch?v=C2ocjUFzUIU

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