Die vier apokalyptischen Reiter

14.12.2020. Die vier apokalyptischen Reiter tauchen auf im letzten Buch der Bibel, in der „Johannes-Apokalypse“. Zu diesem Thema sind hier schon 23 Artikel erschienen. Man findet sie, in der Übersicht, ganz oben auf dieser Seite. Die vier apokalyptischen Reiter sind die Boten, die Vorzeichen der Apokalypse, des Jüngsten Gerichts.

Das Bundesverfassungsgericht bewacht die wertvollsten Schätze in unserem Staat. Man findet sie alle im Grundgesetz von 1949. Im gleichen Jahr wurden auch die Bundesrepublik /BRD) gegründet und im Osten die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Seit 1990 gilt nur noch unsere Verfassung. Das Wichtigste darin sind die Freiheitsrechte, zum Beispiel die Meinungsfreiheit. Aber das Wertvollste ist ein einziger Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das bedeutet, dass alle anderen Gesetze sich diesem Prinzip unterordnen müssen. Geschieht das nicht, entscheidet darüber, in letzter Instanz, das Bundesverfassungsgericht. Vor vielen Jahren bekam es deshalb den Vorwurf zu hören, es mische sich zu viel in die Alltagspolitik ein. Damit wurde es kompliziert und die Richter wurden sehr zurückhaltend. Sie brauchen jetzt viele Monate oder Jahre, um Urteile zu fällen. Es gibt auch dringende Eil-Entscheidungen, aber man ist damit sehr vorsichtig, obwohl die Dinge oft sehr einfach zu durchschauen sind.

Zum Beispiel vor fünf Jahren, bei der Flüchtlingskrise, die Milliarden Euro verschlang. Aber im Grundgesetz steht nur ein einziger, einfacher Satz dazu: „Politisch Verfolgte bekommen Asyl.“ Das ist wichtig, nach den Erfahrungen, vorher im Dritten Reich. Gemeint sind damit aber nicht Wirtschafts-Flüchtlinge, die einfach nur weg wollen, aus ihren armen Heimatländern. Bundeskanzlerin Angela Merken verkündete jedoch überall, dass sie hier willkommen sind. Im fernen Afghanistan schwenkten junge Leute danach selbst gemalte Pappschilder, „Mutti Merkel, wir danken dir.“ Und dann kamen sie tatsächlich. Die meisten aus Nordafrika. Mit teuer gemieteten Schiffen, zunächst nach Italien. Im Süden sind die Leute dort sowieso arm, also hat man sie einfach in Busse gesetzt und sofort weiter nach Deutschland geschickt, zu Mutti Merkel. Sie hätte nur in unsere Verfassung schauen müssen, um ihren schweren Irrtum zu erkennen. Doch auch das Bundesverfassungsgericht schwieg erstaunlivherweise dazu. Deshalb dauerte diese Krise so lange.

Vor ein paar Tagen war Merkel in höchster Erregung, im Bundestag. Man erkannte die Frau gar nicht wieder. Leidenschaftlich rief sie den Abgeordneten zu,, „Es gibt keine Alternative zu unserer Politik“. Das hatte sie schon einmal gesagt. Danach hatten wir eine ganz neue Partei, die Alternative für Deutschland (AfD). Diese Wähler wollten die Merkel-Politik nicht. Und seitdem hat sie große Probleme mit der AfD, ist aber immer noch nicht zurückgetreten. Vor ein paar Tagen ging es um die aktuellen Corona-Verbote. Sie sind grundsätzlich sehr notwendig, übertreiben aber und richten sich gegen die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit, also auch den Besuch von Gemeinschafts-Treffpunkten. Dagegen gibt es mittlerweile laufend Straßendemonstrationen und anderen öffentlichen Widerspruch. Deshalb regte sich Merkel im Bundestag so sehr auf. Sie ist mit einer ganz anderen Denkweise aufgewachsen und war, beim Fall der Berliner Mauer, eine angesehene Abteilungsleiterin in der Freien Deutschen Jugend (FDJ), in der auch die bekannten SED-Chefs, Walter Ulbricht und Erich Honecker, ihre steile politische Karriere begannen. Flüchtlinge bekamen damals aber keine Hilfe, sondern mussten im Land bleiben, an scharf bewachten Zonengrenzen. Merkel protestierte damals nicht.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das verbietet zum Beispiel staatliche Übergriffe. Ein Kapitel für sich.

„Die Ehre“ ist ein ähnliches Wort. Sie wurde in vielen Ländern mit Gewalt geschützt, Sie ist auch ein zentrales Thema in der sizilianischen Nationaloper, Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ (Bauern-Ehre), die hier schon oft thematisiert wurde. Die Handlung erzählt vom Ehebruch in einem kleinen Dorf bei Catania. Der Ehebrecher, der junge Bauer Turiddu, wird am Ostersonntag deshalb ermordet, vor den Augen aller Dorfbewohner. Mascagnis Musik ist voller Leidenschaft und schwelgt in großer Musik.

An der Wiener Staatsoper gab es dazu eine außergewöhnliche Inszenierung, ein Meiserwerk von Jean-Pierre Ponelle, mit der herausragenden Elina Garanca. Das Stück ist auf dem Spielplan in Wien, seit 34 Jahren. Hier kann man es vollständig sehen (73 Minuten) :

Elina Garanca_Cavalleria Rusticana – YouTube

Man blickt auf eine sehr realistisch gestaltete Gasse, in einem sizilianischen Dorf. Als wäre es ein Dokumentarfilm, rechts ist die Kirche, links die bröckelnden Wohnhäuser. Noch ist es dunkler Morgen. Der Ehebrecher Turiddu verabschiedet sich von seiner Geliebten und singt ihr noch ein Ständchen zum offenem Fenster hinauf, weil ihr Mann nicht zu Hause ist. Es ist ein feurige Liebesgedicht im Dialekt, vom Nationalhelden Giuseppe Garibaldi. Ich kenne es, nur durch diese Oper, auswendig und überrasche manchmal damit ausgewanderte Landsleute aus dem Mezzogiorno, in München, die diesen Dialekt gar nicht verstehen.

Die Ehre dort ist genauso wichtig wie das Recht auf Menschenwürde, in unserem Grundgesetz. Die Beachtung soll in erster Linie die Justiz überwachen, aber sie hat offensichtlich, manchmal Wichtigeres zu tun.

Zwei weitere Fälle sind zu sehen im „Trittico“ (ein dreiteiliger Altar ) von Giacomo Puccini. Gestern wurde hier „Gianni Schicchi“ analysiert. Das „Trittico“ beginnt aber mit dem „Mantel“, im Armenviertel von Paris. Die Hafenarbeiter haben einen strengen Chef, aber seine Frau betrügt ihn auch, mit einem seiner Arbeiter. Daraufhin ermordet er den Rivalen und versteckt ihn unter einem langen Mantel. Als seine Frau zu dem heimlich verabredeten Treffpunkt kommt, öffnet er den Mantel und wirft sie auf die Leiche.

Hier kann man das vollständig sehen (56 Minuten), Regie: Sylvano Bussotti:

Giacomo Puccini – Il Tabarro (Pierro Cappuccilli, Sass, Martinucci – Gavazzeni) – YouTube

Der zweite, mittlere Teil des „Trittico“ ist der Höhepunkt. „Suor Angelica“ (Schwester Angelika). Im Jahr 2017 inszeniert von Lotte de Beer. Der Dirigent ist der damalige Münchner GMD, Kirill Petrenko, der jetzt die Berliner Philharmoniker leitet und damals Interview grundsätzlich verweigert hat. Hier kann man das Finale sehen (10 Minuten):

IL TRITTICO: Ermonela Jaho sings the final scene (Suor Angelica) | Conductor: Kirill Petrenko – YouTube

Emanuela Jaho singt die Titelrolle sehr eindringlich. „Schwester Angelica“ hat nur Frauenstimmen, in einem Kloster. Dort taucht ihre böse Tante auf. Gemeinsam mit der ganzen Familie hat sie sich dafür gerächt, dass Angelica ein uneheliches Kind hatte, das mittlerweile verstorben ist. Deshalb wurde sie in das Kloster gesteckt. Jetzt legt die Alte sogar noch ein Testament vor, in dem die vorher reiche Angelica auf Alles verzichten soll. So dass die Freunde der Tante, also ihre habgierigen Komplizen, auch noch für die finanzielle Enterbung geplant haben, also für den restlosen Raub ihres Privatvermögens. Aber sie unterschreibt nicht. Als die böse Tante endlich weg ist, vergiftet sich die Betrogene, betet aber noch zu Maria, die plötzlich in einem hellen Lichter-Kranz erscheint und ihr den toten Sohn übergibt.

Musikalisch ist dieses Werk der Höhepunkt des Dreiteilers, voller Leidenschaft und Melancholie. Darstellerisch vor Allem durch Emanuela Jaho. An einem anderen Opernhaus sieht man, wie die Sopranistin Amarilli Nizza in der gleichen Rolle, beim Schlussapplaus heftig weint. Das ist keine Schauspielerei, sondern echt, wenn man ihr Gesicht dabei anschaut.

Inhaltlich geht es in allen drei Stücken um Betrügereien. Der Ehebruch im Pariser Hafen. Der unverschämte Auftritt der Tante im Kloster. Und die Hereinlegung der habgierigen Erbschleicher durch Gianni Schicci, der sich selbst beschenkt.

Vertieft werden solche, überhaupt nicht seltenen Alltagdramen hier durch die Musik. Giacomo Puccini (1858 – 1924), ein Vertreter des harten Verismo, der realen Handlungen, die nicht zusammen-phantasiert sind. Das „Trittico“ uraufgeführt im Dezember 1918, ist sein vorletztes Werk und auch das Bedeutendste. Die Texte sind heftig und deutlich. Die Musik überflutet sie mit tiefen Gefühlen und versetzt sie damit in eine andere Dimension. Die Einheit von Verstand und Gefühlen. Logik und Emotionen lösen das menschliche Handeln aus. Ist diese Verbindung gestört, ereignen sich Katastrophen. Auch in großen Firmen und in der Politik. Feststellen kann man das an den schlechten Ergebnissen. Ziffern lügen nicht. Wenn man sie nicht fälscht. Bilanzfälschungen sind verboten, also ein schweres Strafdelikt.

Unsere gesamte Verfassung, also das Grundgesetz, zu schützen, ist die einzige Aufgabe des Verfassungsschutzes. In der DDR hieß er „Staatssicherheit“, aber nach ganz anderen Prinzipen. Der Verfassungsschutz überwacht auch Verdächtige und veröffentlich dazu einen Jahresbericht. Dort kann jeder nachlesen, welche Organisationen betroffen sind. Einzelpersonen werden aber nicht namentlich erwähnt, wegen dem Datenschutz, der auch die Privatsphäre garantiert. Erstaunlich ist nur, dass eine Überwachung auch dann noch geschieht, wenn die Organisationen offensichtlich verfassungsfeindlich sind, auch durch ihre öffentlichen Äußerungen. Gescheitert sind alle Verbote bisher deshalb, weil zu viele Spitzel aktiv waren, die teilweise sogar mit den Verdächtigen zusammen arbeiteten. Das beschädigt die wichtige Glaubwürdigkeit der sehr langen dauernden Ermittlungen, die offensichtlich einige derartige Fehler enthalten.

Eine Lösung wäre aber ganz einfach. Die Auswertung aller Dokumente, mit wirkungsvollen, logischen Methoden, die offensichtlich unbekannt sind. Ich habe oft hier darüber berichtet, aber Nichts hat sich bewegt. Sonst wäre es ja ein Teil der Tagesnachrichten. „Mutti Merkel“ kann das auch deshalb nicht wissen, weil es ihr Niemand sagt. So bleibt uns auch eine ihrer bekannten Ansprachen erspart, die natürlich immer von viel Wichtigerem handeln, gern auch mit den gleichen Lieblings-Worten.

Seit Ende März sind auch alle Opernhäuser geschlossen. Man hätte damals noch die Bühnen für die Aufführung guter Musikfilme nutzen können. In Zukunft kann es sowieso nicht einfach so immer weiter gehen, wie in den letzten zwanzig Jahren.

Nach dem biblischen Weltuntergang kommt „eine neue Welt“. Zu diesem Thema habe ich bereits 125 Beiträge geschrieben. Man findet sie, unter dem gleichen Titel, ganz oben auf dieser Seite.

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