Die Welt der Mystik

11.11.2020. Die Mystik ist die Lehre der Geheimnisse, die man nicht auflösen kann. Sie haben zwar mit Wissen zu tun, sind aber nicht naturwissenschaftlich ergründbar. Sie haben mit dem Glauben zu tun, also mit Erscheinungen, die erfahrbar und wiederholbar sind, aber nicht mit Messinstrumenten erfassbar sind. Sie sind der Kern aller Weltreligionen. Buddhismus. Christentum. Asiatische Taoistik. Judentum. Islam. Indischer Hinduismus.

Die in China entstandene Philosophie und Religion des Taoismus, befasst sich mit der Idee des Erlangens des Ur-Einen, der Innenschau sowie einer bestimmten geistigen Haltung, mit einem ausgeprägten Hang zu mystischen Formen von Ritual und Magie, Meditation und Innenschau, basierend auf komplexen Annahmen über den Kosmos.

Wikipedia: „Nach hinduistischen Lehren ist eine Einheitserfahrung mit dem göttlichen Brahman möglich. Typische Beschreibungen bedienen sich Metaphern wie: das Bewusstsein weitet sich ins Unendliche, ist ohne Grenzen, man erfährt sich aufgehoben in einer Wirklichkeit unaussprechlichen Lichts und unaussprechlicher Einheit (Brahman).“

„Nach einer islamischen Überlieferung sagt Gott den Menschen: „Es gibt siebzig [oder siebenhundert oder siebentausend] Schleier zwischen euch und Mir, aber keinen zwischen Mir und euch.“ Einige Vertreter des Sufismus lehren, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat. Diesen Funken verschleiert die Hinwendung zu allem, was nicht Gott ist – etwa ein Wichtignehmen der materiellen Welt, Achtlosigkeit und Vergesslichkeit“.

„Im Judentum hat die Mystik besonders in der Kabbala eine breite Tradition. Die Befreiung des göttlichen Urlichts aus der ‚Umhüllung‘ der ‚Buchstaben der Schöpfung‘ (vgl. 2 Kor 3,14f) ist das zentrale Anliegen der Kabbala (Gespräche mit Gott).“ „Viele Berichte von mystischer Erfahrung betonen, dass kein Begriff und keine Aussage auch nur annähernd passen.“

Am 15.9.20 habe ich einen Artikel über die Kabbala geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/die-kabbala/

Das Thema ist genauso kompliziert wie die Erkenntnisse von Einsteins Relativitätstheorie und dem Gedächtnis-Speicher von Freuds Unterbewusstsein. Die Dimensionen sind unsichtbar, aber an ihren Wirkungen erkennbar. Wer sie unterschätzt oder leugnet, kennt eine wichtige Ebene der menschlichen Erkenntnisfähigkeit nicht. Das sind Wissenslücken, die durchaus Folgen haben können, auch für das Verständnis bisher ungelöster Fälle.

Im „Tristan“ sprengt Richard Wagner alle vorherigen musikalischen Grenzen. Im Text heißt es: „Wo ich erwacht, weilte ich nicht. Doch, wo ich weilte, das kann ich dir nicht sagen.
Die Sonne sah ich nicht, noch sah ich Land und Leute. Doch, was ich sah, das kann ich dir nicht sagen.
Ich war, wo ich von je gewesen, wohin auf je ich gehe,
im weiten Reich der Welten-Nacht.“
„Seht ihr’s Freunde? Seht ihr’s nicht?
Hör ich nur diese Weise, die so wundervoll und leise
in mich dringet, auf sich schwinget.
Soll ich atmen, soll ich lauschen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall, in des Welt-Atems
wehendem All – ertrinken, versinken, unbewusst,
höchste Lust!“

Richard Wagner war der bedeutendste Mystiker. Albert Schweitzer nannte ihn, in einem Doppel-Namen „Alpha und Omega“. Anfang und Ende der Musik. Mit dem Anfang war Johann Sebastian Bach gemeint. Er vereinte klare, logische Strukturen mit den Geheimnissen der Mystik. Das Freiburger Barockorchester spielt jetzt Bachs Konzert Nr. 2:

https://www.youtube.com/watch?v=3HSRIDtwsfM

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