Die Zentrallände in Thalkirchen

10.7.2021. Seit der Eröffnung im Jahr 2019 lockt der Münchner Flughafen jährlich über 10 Millionen Passagiere an. Er ist 29 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das benachbarte Freising öffnet die Wege zum  nördlichen Umland und die Strecken nach Nordbayern. Doch viel mehr Besucher zieht es nach Oberbayern im Süden und in die berühmten Fremdenverkehrsorte am Rand der Alpen. Attraktiv ist auch der Anblick der kleineren alten  Städte dort und vor Allem die Landschaft. Über die seit Jahrzehnten im Landtag regierende Staatspartei heißt es, „Sie haben die Alpen erfunden und auch den weiß-blauen Himmel.“ Das ist zwar Unsinn, aber der beherrschende Eindruck verfestigte sich, solange Franz Josef Strauß (1915 – 1988) Ministerpräsident war und überall seine Spuren hinterließ. Dabei war er selbst gar nicht immer im Einsatz, sondern hatte viele fleißige Helfer. In der Großstadt München war er nicht nur beliebt, auch ein Lieblings-Thema für seine Kritiker, die zu viel über ihn schrieben und seine besten Freunde nur am Rande beachteten. So entstehen Legenden, und es gibt so viele davon , dass ganze Büchereien damit voll sind. Aktuell ist das schon lange nicht mehr.

Die Sehenswürdigkeiten durfte bis heute  Niemand verändern, die Innenstadtbereiche rund um die königliche Residenz sind teuer und exklusiv. Ganz in der Nähe ist das Hofbräuhaus, mit einem ganz anderen Publikum, und die benachbarten Stadtteile haben ihr eigenes Stammpublikum, das manchmal zu schrill oder nervtötend ist. Die seltenen Edelfische verstecken sich nicht, meiden aber zu viel Jubel und Trubel. Das beste ist immer noch ein ernstzunehmender Gedankenaustausch, aber diese Sorte von Stadtbummlern wird immer seltener, wenn man sie nicht schon jahrzehntelang kennt. Im Lauf der Jahre waren das keine exotischen Ausnahmen, sondern der Normalzustand, der sich aber verändert hat und mit ganz neuen Formen Aufsehen erregt, die Niemand vom Stuhl reißen, aber viel Platz besetzen, der vorher etwas gemütlicher war.

Offensichtlich fehlt ein großer Plan, wie es langfristig weitergehen soll. Die Stammtische sind voller Ideen für kleine Korrekturen, die kosmetisch ein paar hässliche Flecken entfernen, aber was sich wirklich und sichtbar verändert, sorgt für schlecht gelaunte Gesichter, aber es geht einfach weiter. Das Innenleben von jedem Gebäude hat Gestaltungsfreiheiten,  die Außenfassade müssen sich auch Spaziergänger anschauen. Seit 1919 gibt dabei das Weimarer „Baushaus“ den Ton an: Einfache Formen wie Schuhschachteln, preiswerte Materialien, Verzicht auf Formen und Dekorationen, die schon im Altertum für Abwechslung sorgten, später im Mittelalter, der Barockzeit mit den übertriebenen Ornamenten. Auch die grenzenlosen Gestaltungselemente der Naturformen werden oft gar nicht beachtet. Bei Sackgassen hilft ein rechtzeitiger Richtungswechsel, so wie beim Militär die strategische Planung sich nach der aktuellen Situation verändert. Hier fehlen Zukunftsprojekte, deren Aufwand auch noch in hundert Jahren für Beifall sorgt. Stattdessen geht es meistens um Vergangenheit und Gegenwart, deren Blütezeit längst vorbei ist.

Im Münchner Süden, an der Isar,  verstärken sich die sehenswerten, unveränderten Ausflugsziele. Jeder Stadtplan zeigt sie ganz genau. Nur als Beispiel: Zwischen Harlaching und Thalkirchen drängen sich die Sonnenfreunde am Flaucher. Noch weiter südlich ist die Zentrallände, ein Ziel für die Transport-Bretter aus dicken Holzstämmen, die aus dem 38 Kilometer entfernten Wolfratshausen, mit laut jubelnden Biertrinkern, die Isar entlangrauschen. Günstig gelegen, dort ganz in der Nähe,  waren ein paar bayerische Wirtshäuser ringsum, mit kleinen Biergärten, die bis spätabends geöffnet waren. Einige sind ganz verschwunden, auch ihr urwüchsiges, krachledernes, deftig auftretendes  Personal. Andere haben sich einheitlich modernisiert und damit die alten Stammgäste vertrieben. Die ganze Großstadt ist austauschbarer geworden. Vom Stadtrand bis zu dem Hochgebirge der Alpen sorgen aber Denkmalschutz und Landschaftsschutz für unbeschädigte Ansichtskartenbilder, also  bleibt es das attraktivste Urlaubsziel, wenn nicht die Fernreisen in alle Kontinente wären, deren Preise der weltweite Konkurrenzdruck steil abstürzen lässt.

Das Hauptproblem der Gegenwart ist die Überfülle. Es gibt zu viel. An Verschwendung, beim Warenangebot, der Dummheit und Aufdringlichkeit. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Sündenliste. Als Gegengewicht normal ist eine Bestenliste, die zwar existiert, aber viel zu klein ist und große Lücken hat. Hinweise dazu gibt es hier  bei jedem Thema, aber die Verwirklichung scheitert nicht an den vorhandenen Möglichkeiten, sondern am Übergewicht der Passivität. Dazu kommen Formen der Kriminalität, die es zwar immer gab, aber deren Methoden ihre Raffinesse steigern, also die Erkennbarkeit für Alltagsmenschen. Das ist gar nicht schwer zu lösen, aber es gibt viele Wissenslücken, um die sich Niemand kümmert. Das kann zu lange dauern und sehr teuer werden, darum haben Hinweise darauf einen Wert, den die Betroffenen manchmal erst dann erkennen, wenn es zu spät ist. Bei vielen Nachrichten gibt es automatische Reflexe, in Kurzform: „Das musste doch nicht sein!“ „Don Quijote“ ist ein spanischer Roman aus dem Jahr 1605. Der Titelheld  kennt mutige  Ritterfiguren nur aus seinen Büchern, hält sich aber selbst für einen solchen Kämpfer. Ein Höhepunkt ist sein Kampf gegen rotierende Windmühlen, gegen Maschinen, die er für lebendige Feinde hält. Das wurde sogar ein Spitzname für alle aussichtslosen Streitereien und Pläne, aber unsere Gegenwart hat genug Reserven, um sich trotz aller Fehler noch viel stärker fort zuentwickeln. Auch dieser Kommentar soll dazu beitragen.

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