Ein Himmel voller Geigen

1.1.2022. Wenn der Himmel voller Geigen hängt, ist das ein beliebtes Fotomotiv für Hochzeitskarten. Schaut man zwei Jahre später darauf, hat meistens die Wirklichkeit Alles verändert, weil der Alltag harte Spuren hinterlassen hat. Die Violine war früher in Liebesfilmen sehr beliebt, aber digitale Klänge hören sich anders an. Kälter und perfekter. Und bei echten Geigen kam es immer darauf an, ob der Ton vorher gut gestimmt, also von Hand eingestellt und ausbalanciert worden war. Große Orchester werden beherrscht von breiten, fetten Streicherteppichen, und das kann manchmal zu viel sein. Sparsam eingesetzt, sind sie allerdings nicht zu übertreffen. Richard Wagners „Lohengrin“ ist voll davon, aber er konnte das auch. Im Jahr 2010 habe ich das in Bayreuth erlebt. Der Dirigent Andriss Nelsons gehört seitdem zur Spitzenklasse und ist auch auf YouTube reichlich vertreten. Damals musste man allerdings wegschauen, weil die Inszenierung in einem Ratten-Labor ablief, wo die meterhohen Tiere die Hauptrolle spielten. Meine zweite Karte hatte ich rechtzeitig und preiswert vor der Theaterkasse verkauft. Ein Fremder saß neben mir, und ihm war das Alles egal. Schade um den langen Abend, denn zu besprechen gab es danach auch nichts Besonderes.

Wagner war einmal ganz sparsam mit einer außergwöhnlichen Melodie, die nur ein paar Takte dauerte und von keinem anderen Instrument als von Violinen begleitet wurde. Man hört sie zum ersten Mal im dritten Akt der „Walküre“. Als Vorzeichen des Helden Siegfried, der mit seiner Bärenkraft eigentlich die ganze Welt hätte retten können. Aber er wird dann verraten und ermordet.

In den Flammen seines Scheiterhaufens trägt er noch einen verfluchten goldenen Ring. Seine Braut, die Göttertochter Brünnhilde, zieht ihm den vom Finger und springt dann selbst ins Feuer des Weltunterganges, der dann folgt, um die Welt wieder von allem Schmutz zu reinigen. Der Rhein tritt über seine Ufer, die Rheintöchter tauchen wieder auf und nehmen, als Naturwesen, den gereinigten Ring wieder mit sich, in die Tiefe des Wassers. Dazu dröhnt und schallt das Riesenorchester, alle wichtigen Motive werden wiederholt, und es knall und kracht dabei. Plötzlich taucht wieder die hymnische Melodie auf, die nur von Violinen gespielt wird, in der höchsten Tonlage. Ich habe sie einmal, in Gedanken, als Zeichen markiert, mit dem Stichwort von der „Allmacht der Liebe“. Das ist richtig, aber sie bedeutet noch mehr: Die Hoffnung, dass nach dem Untergang der alten, verbrauchte Welt, eine neue kommt, ohne die Fehler der Vergangenheit.

Zu diesem Thema gibt es hier schon zahlreiche Artikel, zum Stichwort „Weltuntergang“. Nur für Zufallsleser: Wenn man das Wort eintippt, in die Such-Funktion, oben rechts auf dieser Seite, findet man sofort sämtliche Beiträge dazu. Außerdem das Kapitel „Die neue Welt“, direkt unter diesem Text.

Und das macht Wagner Keiner nach. Er kann mit einer einzigen Melodie Querverbindungen in ganz andere Dimensionen schaffen. Und mit seinen, selbst geschrieben Texten auch. Um sie zu verstehen, muss man allerdings die Bildersprache der Symbolik kennen oder lernen. Dazu gibt es hier zwei eigene Kapitel, mit insgesamt über 700 Beiträgen. Das kann man nur trainieren, wenn man Interesse daran hat und die notwendige Ausdauer. Wenn sich das auch noch verbindet mit persönlichen Erfahrungen, kann jeder eigene Kopf noch mehr daraus machen, Sonst wird es langweilig und ist nur ein teurer Kostenfresser.

So funktioniert das mit allen großen Projekten. Nach den gleichen Regeln und Methoden, die man nur dem Einzelthema anpassen muss. Nur beispielhaft habe ich in dem Kapitel „Die Gesetze der Ökonomie“, die Länder China, Italien, Russland und die Kontinente Südamerika, Afrika genannt, mit insgesamt über 600 Artikeln. Ob das Jemand glaubt, ist so lange unwichtig, bis es als Fehler geprüft oder stattdessen in die Realität umgesetzt wird und funktioniert. Das ist keine Phantasie, sondern ein Ziel.

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