Ein römischer Turm

29.3.2021. Geheimnisse werden immer mehr zum Problem, weil sie immer schneller gelöst werden. Das finder man in allen Medien. Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der sich über die bekannten Skandale der letzten Monate aufregte. Aber er war erstaunt, dass es noch mehr gibt, die man auch mit jeder Suchmaschine findet, zum Beispiel den „Masken-Skandal“. Der kurze Gedankenaustauch endete dann mit ein paar allgemeinen Verwünschungen. So ist es auch an den Stammtischen. Die Leute regen sich auf über Dinge, von denen sie nichts verstehen und machen dafür ein paar bekannte Namen verantwortlich. Umso besser, denn dann bleibt Alles so wie es ist.

Eigentlich ein beruhigendes Gefühl, es klingt nach Heimat und Gemütlichkeit. Wer so denkt, sollte auf einer Distanz von fünf Kilometern weg bleiben. Es ist Zeitverschwendung, sich bequatschen zu lassen, wenn die Sprechgeschwindigkeit zu schnell und mit heißer Luft aufgeblasen ist. Wer derart unruhig daher redet, hat eine eigene Energie, die man besser in hohem Bogen vermeiden sollte. Bei Politikern ist das zur Zeit besonders schlimm, und bis zu den Wahlen im Herbst dauert es noch ein halbes Jahr. Aber sie werden vorher nicht zurücktreten. Das ist besonders schlimm.

Im Herbst vor zwei Jahren gab es einen Paukenschlag, den nur Wenige gehört haben, der aber ein Musterbeispiel ist. Der römische Journalist Gianluigi Nuzzi veröffentlichte sein Buch „Weltgericht.“. Eine Anspielung auf das Jüngste Gericht und den Weltuntergang. Sein Thema waren aber nur die Finanzen des Vatikan, die jahrhundertelang vor den Gläubigen streng geheim gehalten wurden. Aber Nuzzi bekam sein Material direkt von der Quelle, von unbekannten Mitarbeiter der Bank, die alles täglich angeschaut haben.

Am 23.10.19 habe ich darüber einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/gianluigi-nuzzi-weltgericht/

Viel Lärm über den Fall gibt es gar nicht mehr, aber er hat drastische Folgen gehabt. Der Papst hat die ganze Vatikanbank neu organisieren lassen, aber es gibt immer noch einige Gruppen in seiner Nähe, die mitgemacht haben. Einmal allerdings hat es den leitenden Bankpräsidenten selbst erwischt. Das war schon 1982. Der Fall hat allerdings schon damals, weltweit für große Unruhe gesorgt. Am 3.11.20 habe ich darüber geschrieben: „Die Dominikaner in London“ :

https://luft.mind-panorama.de/die-dominikaner-in-london/

Die Dominikaner wurden vor 500 Jahren sehr bekannt, bei den Ketzerverfolgungen gegen Glaubenskritiker. In der Nähe ihres Londoner Klosters steht die „Blackfriars Bridge“, eine alte Themse-Brücke. Zitat aus dem Artikel vom 3.11.20:

„Roberto Calvi (1920 – 1982 ) war Präsident der römischen Bank Ambrosiano, die mehrheitlich dem Vatikan gehörte und trotzdem auch Geld aus illegalen Quellen verwaltete. Calvi selbst geriet in Verdacht, Guthaben in die eigene Tasche umgelenkt zu haben. Dann wurde er nach London gelockt. Am 18.6.1982 wurde er dort, unter der „Blackfriars“-Themsebrücke tot aufgefunden. Um seinen Hals hing ein dickes Seil, eine alte Galgenschlinge. Eine Pistolen-Kugel war er offensichtlich nicht wert. Er hing dort in seinem schwarzen Geschäftsanzug. Die schwarzen Lack-Schuhe berührten nur mit den Spitzen das Wasser, als wäre er Jesus, hatte dazu aber nicht das Format. Das war eine Beurteilung. Seine Jackentaschen waren vollgestopft mit Banknoten. Ein Hinweis auf seine Geldgeschäfte und seinen Verrat.“

Gianluigi Nuzzi hat mehrere, sehr detaillierte Bücher über die Vatikanbank geschrieben. Im „Weltgericht“ beschwört er eine düstere Weltuntergangs-Stimmung herauf, aber nur in der sachlichen Sprache eines Finanzexperten. Den gesamten Fall muss man hier nicht wiederholen. Viel wichtiger sind Vergleiche mit der Gegenwart. Lernt denn Niemand? Es reichen ja nur zwei Beispiele: „WireCard“ und „Open Lux“. Sie stehen offen im Internet. Prinzipiell sind sie gar nichts Neues. Aber sie demonstrieren, dass Habgier und Raffsucht auch in den obersten Etagen der Finanzwelt aktiv sind, sogar direkt in der Weltzentrale der katholischen Gläubigen. Das Gebäude der Vatikanbank ist der „Turm Niccolo“ (Nikolaus V.), direkt neben dem Apostolischen Palast, der persönlichen Privatresidenz des Papstes und seiner Wohnung, mit 1.400 Räumen, die ständig von der Schweizergarde bewacht werden. Der jetzige Papst Franziskus entschied allerdings schon vor acht Jahren, dass er dort nicht wohnen will, sondern er hat nur ein Appartement im Gästehaus. Im Palast empfängt er nur Staatsgäste und leitet Audienzen.

Offensichtlich muss daran erinnert werden, dass wir eine allgemeine Glaubensfreiheit haben, für Alle. Ich respektiere alle Weltreligionen und beschäftige mich gern damit. Aber die Freiheit gilt nicht nur für die obere Kirchenleitung, ganz oben, sondern vor Allem im Inneren, für die Gemeinden und ihre einzelnen Mitglieder. Für Jeden. Sie dürfen dabei keinen Zwang und Druck erleben. Glaubensfreiheiten dürfen nicht von Einzelnen missbraucht werden. Natürlich auch nicht innerhalb der vielen anderen, freien, selbständigen Glaubensgemeinschaften auf dieser Welt. Fehler passieren überall, aber sie müssen beendet werden. Unsere Gesetze verlangen das, und sie sind dabei eindeutig.

In vier Tagen, am Karfreitag, wird der Papst seine kirchlichen Traditionen weiterführen, auch wenn viel weniger Besucher auf dem Petersplatz sind. Das ist seine Aufgabe. Was mit dem Geld krumm und schief gelaufen ist, bleibt Aufgabe anderer Leute. Wenn sie ihre Arbeit gut erledigen, kann man nach vorn schauen.

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