El Cid

4.11.2020. Spaniens Zeit als Weltreich ist lange vorbei. Ähnlich wie das Imperium Romanum, das vor zweitausend Jahren in Italien einen Wendepunkt erlebte: Den Beginn unserer Zeitrechnung, als in einem Dorf am östlichen Mittelmeer Christus geboren wurde, dessen Gedanken die gesamte Menschheitsgeschichte veränderten. Spaniens höchste Macht gab es vor fünfhundert Jahren. Das dunkle Mittelalter verabschiedete sich als Epoche. In Florenz wurde die Renaissance gefeiert, die Wiedergeburt der Antike. In Wirklichkeit war es eine neue Zeit, mit einer prachtvollen Mode, den Geistes-Riesen Dante, Michelangelo und dem scharfsinnigen Macchiavelli, der in seinem Buch „Der Fürst“, den irdischen Herrschern Alles gestattete. Denn „der Zweck heiligt die Mittel“. Doch da regte sich bereits mächtiger Widerspruch. Martin Luther stellte die ganze bisherige Welt auf den Kopf. Mutig widersprach er sogar Kaiser Karl V. auf dem Reichstag in Worms und nahm dessen gnadenloses Todesurteil in Kauf.

Karl V. war ab 1516 der erste König von Spanien. 1519 erbte er das Erzherzogtum Österreich. Ein Jahr später trug er den Titel „Kaiser des Heiligen Römischen Reichs“, sah sich also als Nachfolger des längst untergegangenen römischen Weltreichs. Wikipedia-Lexikon: „Karl verfolgte den Reichsgedanken der Universalmonarchie, wonach dem Kaiser Vorrang vor allen Königen zukam. Er verstand sich als Friedenswahrer in Europa, Beschützer des Abendlandes vor der Expansion des Osmanischen Reiches unter Süleyman I. und als Verteidiger sowie Reformator der römisch-katholischen Kirche. Deshalb führte er gegen den französischen König Franz I. zahlreiche Kriege (Italienische Kriege). Dabei konnte sich Karl finanziell auf seine kolonialen Besitzungen in Amerika (Vizekönigreich NeuspanienVizekönigreich Peru) stützen, jedoch sein angestrebtes Ziel einer dauerhaften Schwächung des zeitweise mit den Osmanen verbündeten Frankreich nicht erreichen.“

Der Kaiser bemerkte durchaus die mächtigen Gegenkräfte, die seine Ideen ablehnten. Aber er nahm sie nicht ernst und ließ sie als Ketzer verfolgen. Die tödliche Inquisition war bei der Strafverfolgung in Spanien besonders gefürchtet. Aber es nützte nichts. Weil seine Zeit abgelaufen war.

Die neue Zeit hatte damals zwei gegensätzliche Pole. Die verschwenderische Prunksucht der gebildeten Fürsten Medici in Florenz, gleichzeitig die lasterhafte Lebensweise des römischen Papstes Alexander VI. Nach einem entsetzten Besuch in Rom machte der, vorher kaum bekannte thüringische Klostermönch Martin Luther seinen Mund auf. Ihn schützte sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise. Am 31.10.1517 schrieb Luther einen offenen Brief an den Mainzer Erzbischof und veröffentlichte damit 95 Thesen. Seine Vorschläge zu einer radikalen Reform der Kirche stürzten die ganze bisherige Weltordnung um. Nicht weil er so reich und militärisch stark war. Sondern das Gegenteil traf zu. Er war materiell arm, aber erleuchtet vom stärksten Licht des Universums: Das sind die Signale des Allmächtigen Baumeisters Aller Welten.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Staaten haben sich verändert, nicht immer zum Besten. Ein besonders deutliches Beispiel ist Europa, das von einer schweren Krise in die andere taumelt. Die vielen, vielen Gründe dafür kann man jeden Tag von Journalisten, schwatzenden Rednern und schimpfenden Straßendemonstranten erfahren. Die Ursachen lassen sich auf eine kurze Liste reduzieren und damit sehr anschaulich machen: Es sind Verstöße gegen die Regeln der göttlichen Weltordnung. Diese Gesetze verbieten ein paar Dinge: Die Gotteslästerung. Die Verachtung der Ahnen, der Vorfahren. Den Mord. Ehebruch. Dazu muss man sagen, dass eine Ehe sehr schnell kaputt gehen kann, wenn die Partner nicht zusammenpassen. „Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu Zweit.“ (Erich Kästner). Der Ehebruch ist etwas Anderes: Die materiell gewinnbringende Vortäuschung von Gefühlen, die gar nicht existieren. Dazu passen die folgenden Gebote: Kein Diebstahl, also auch kein geistiger. Keine Falschaussagen. Keine Habgier nach fremdem Eigentum.

Zwar ist dieser Dekalog, die zehn Gespräche mit Gott über seine Weltordnung und deren Verbote, das Fundament aller Gesetze, in allen Staaten. Doch es wird nicht ernst genommen, sonst wären die Gefängnisse leer. Oder diejenigen wären drin, die ihre Macht für Gesetzesbrüche missbrauchen.

Im Mittelalter war die Pest gefürchtet, die in vielen Städten die Einwohnerzahl drastisch verringerte. Vor vierzig Jahren tauchte Aids auf, wie eine Strafe für Hemmungslosigkeit. Seit Ende März herrscht eine andere Krone, lateinisch und italienisch „Corona“. Seit vorgestern gibt es wieder einen „Lock-Down“. Vier Wochen lang sind alle Gemeinschaftseinrichtungen geschlossen. Vor allem die beliebten Treffpunkte in der Gastronomie, die mittlerweile um das existenzielle Überleben kämpft. Wenn man diese Entwicklung weiter denkt, nähert sich die Steinzeit wieder. Das war vor 2,6 Millionen Jahren. Die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte. Wenn das stärker wird, braucht man keine Tagesmeldungen über die neuen statistischen Zahlen. Die Krone des Lebensbaums, in der mittelalterlichen Kabbala, den Gesprächen über Gott, ist der höchste Punkt eines Schicksalsbaums, der aus zehn Ebenen besteht. Ganz unten und besonders breit ist die Wurzel. Ganz oben ist die Krone. Gott selbst. Lateinisch „Corona“.

Der Kalendermonat November ist voller Trauertage, nicht erst seit Ende März. Aber sie sind nicht das Ende, sondern nur der Abschied von einer verbrauchten Welt, in der die belanglose Oberflächlichkeit immer mehr regiert hat. Zum Beispiel in den Kinofilmen, die ich bis vor vierzig Jahren sehr geschätzt habe und auch gern darüber berichte. Was ist nur daraus geworden! Seit vielen Jahren gehe ich kaum noch ins Kino, haben aber viel zu viele kichernde, verkleidete Filmstatisten gesehen und in München einen Manager gehört, der, unter vier Augen, zu mir sagte, „Technisch haben wir Alles. Aber uns fällt nichts mehr ein.“ Also Totensonntag.

Der Totensonntag ist erst am am 22. November. Aber dann beginnt der Advent, das Warten auf Weihnachten, auf den Erlöser. Schon seit Jahrzehnten ist das auch eine Orgie des materiellen Schenkens und Fressens geworden, beginnt in de Kaufhäuser schon Ende Oktober, damit die finanziellen Umsätze sich steigern.

Man muss solchen Dingen nicht nachtrauern. Aber was füllt solche Lücken? Es klingt wie ein Witz: Das Internet ist nicht nur eine dumme Schwatzbude für Verrückte in den Sozialen Netzwerken, die sich an Beleidigungen gegenseitig übertreffen. Auch bei riesigen Datensammlungen ist es nur eine kleine Vorstufe – für das Beste: Den Fortschritt. Da fehlen, in der Überfülle, immer noch die wichtigsten Programme. Im Ansatz sind sie da. Zum Beispiel Nachbarschafts-Netzwerke, die sich gegenseitig helfen. Oder Webseiten, die gemeinsame Projekte entwickeln, die nicht nur Einzelne reich machen. Oder Lösungen für die aktuellen Kontaktverbote, die manchmal auch offene Machtdemonstrationen sind, für Politiker und Massenhysteriker.

Diese Webseite stellt laufend Lösungsmöglichkeiten vor. Sie hatte gestern 602 Seitenaufrufe. Das sind Stammgäste, denn die tägliche Bandbreite der Leser ist stabil, die sich dafür interessieren. Aber das ist kein Grund zur Wichtigtuerei. Jeder hat Wissenslücken. Man muss nur bereit sein, sie zu schließen. Ich habe keinerlei Interesse an persönlichen Daten fremder Leute, obwohl viele Quellen das sogar für eine Hauptsache halten. Sämtliche Daten sind nur dann interessant, wenn sie auf allgemeine Entwicklungen hinweisen, auf Veränderungen. Die einzelnen Personen sind dabei völlig unwichtig, darum spielen sie hier nur dann eine Rolle, wenn sie sowieso jeden Tag in den Schlagzeilen stehen – wollen. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt gern, angesichts der Corona-Einschränkungen: „Disziplin!“ „Zusammenhalten!“ Das ersetzt aber keine wirkungsvollen Ideen.

Wer war „El Cid“ ? Der Name ist in Spanien sehr bekannt. Das Wikipedia-Lexikon teilt mit: „Eigentlich:  Rodrigo Díaz de Vivar ( 1045 – 1099). Er war ein kastilischer Ritter und Söldnerführer  aus der Zeit der Reconquista, der in der Neuzeit zum spanischen Nationalhelden wurde. Sein Beiname „El Cid“ ist aus dem arabischen „Sayyid“ (Said) abgeleitet, also volkssprachlich „Mein Herr“. Am Hof des spanischen Königs Ferdinands wurde er zusammen mit dessen Sohn Sancho erzogen. Während der Belagerung von Zamora wurde Sancho 1072 ermordet. Sein Bruder und Kontrahent Alfons VI.  wurde des Brudermordes verdächtigt. Ihm soll Rodrigo einen „Reinigungs-Eid“ abgenommen haben, bei dem Alfons beteuerte, nichts mit dem Tod seines Bruders zu tun zu haben. Nach anderen Streitigkeiten fiel Rodrigo beim König in Ungnade und wurde aus seiner Heimat Kastilien verbannt. Asyl fand er kurze Zeit später, am Hof des maurischen (arabischen) Fürsten al-Mu’tamin von Saragossa. Dort schuf er selbst eine stehende Söldnertruppe, mit der er in benachbarten Territorien, unter anderem auch gegen christliche Gegner operierte.

 Wikipedia: „In einem Hinterhalt tödlich verwundet, nahm er seinen Gefolgsleuten auf dem Sterbebett das Versprechen ab, den Feind erneut anzugreifen. Seinem Wunsch entsprechend band man den sorgfältig geschminkten Leichnam vor der Schlacht in voller Rüstung aufs Pferd. Sein treuer Hengst Babieca (der Legende nach ein Prototyp des weißen Andalusiers) trug den Toten mit dem Schwert in der Hand ins Getümmel voran. Auf diese Weise motiviert, errangen seine Leute einen glänzenden Sieg über die von der Erscheinung des Totgeglaubten erschreckten Berber.“

In den letzten Wochen habe ich hier andere Artikel über Spanien veröffentlicht, über eine faszinierende Norma-Inszenierung in London, die stark von dem spanischen Surrealisten Salvador Dali beeinflusst war.

Gestern habe ich dazu Näheres geschrieben:

„Signale aus der Ewigkeit“

https://luft.mind-panorama.de/signale-aus-der-ewigkeit/

„El Cid“ war der Befreier Spaniens, zu einer Zeit, als dort die Araber eine wichtige Rolle spielten. Morgenland und Abendland. Der Osten und der Westen. Das sind nicht nur Himmelsrichtungen, sondern zwei Denkweisen. „Ex Oriente Lux“. Aus dem Osten kommt das Licht. Damit ist die alte orientalische Weisheit gemeint, die das weit entfernte Abendland, also den Westen stark beeinflusst hat. Beide können viel enger zusammen arbeiten.

Die gegenwärtigen Welt-Krisen überwindet man nicht durch dumme Sprüche. Sondern durch gemeinsame Aktivitäten. Das ist hier ein Dauer-Thema und hat viele realistische Perspektiven.

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