Elektras Rache

5.3.2022. In einem Musiktheater war ich zum letzten Mal vor zehn Jahren. Eigentlich ist das erstaunlich, aber die Gründe sind leicht erkennbar, wenn man hier das Kapitel „Oper“ und „Die Deutung der Symbole“ liest. Zwangsläufig sind die vorhandenen Sitze für das Publikum eng, in München passen fast zweitausend Leute in das Haus. Das habe ich seit November 1987 erlebt, und es muss kein Dauerzustand sein, wenn man genauer hinschaut. Vom aktuellen Spielplan erfahre ich nur durch Bekannte. Gestern gab es Puccinis unverwüstliche „Tosca“. Die Daten stehen im Internet. Die Inszenierung zeigt moderne Bilder, das interessiert nicht alle Musikfreunde. Der sonstige Spielplan auch nicht unbedingt. Es singen Weltstars, aber auch nicht mehr so viele wie früher. Einen Ausgleich bietet YouTube, dort gibt es die besten Aufzeichnungen der Musikgeschichte.

Auch das wird die Zukunft sein. Die Künstler tun mir leid, genauso wie die Filmstars, die in Hollywood noch Keiner kennt. Im Kapitel „Kinofilme“ habe ich meine Begeisterung immer offen begründet, dabei aber auf den Müll verzichtet, der eine immer größere Rolle spielt. Das ist eine Hauptrolle, die sich kein Künstler wünscht. Die angebotenen Arbeitsplätze schrumpfen immer mehr, dafür steigt die Versuchung, auch dort mit zu machen, wo, es verboten ist. Die Kollegen reden immer gern oder teilen sogar Fusstritte aus, die geheim bleiben sollen. Aber aus alten Zeiten kenne ich so viele Mitwirkende persönlich, dass selbst Digitaltricks nicht davor schützen.

1993 begann der Ärger in der Oper, als Peter Jonas von 1993 bis 2006 dort die Leitung übernahm. Ein Jahre vor seinem Tod 2020 traf ich ihn „zufällig“ in einer fast leere Straßenbahn, vermutlich war auch das eine Inszenierung mit „unsichtbaren Spuren“. Zu dem Stichwort gibt es hier über 100 eigene Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=unsichtbare+spuren&x=19&y=10

Peter Jonas war damals begleitet von seiner Lebensgefährtin. Wir haben nur wenige, ganz ruhige Sätze ausgetauscht. Ich nannte seine Arbeitsmethoden „neuartig“, im Vergleich zu seinem Vorgänger Wolfgang Sawallisch. Er meinte nur: „Jeder hat seinen eigenen Stil.“ Dann wünschte ich beiden einen angenehmen Tag, weil sie ausstiegen. Natürlich hat er meine Opern-Kommentare im Internet gekannt, zu seiner damaligen Pressesprecherin Ulrike Hessler sagte ich, vor zehn Jahren, ob sie meine Beiträge liest. „Ja“, war die eindeutige  Antwort, dann fragte sie: „Unter welchem Pseudonym schrieben sie denn?“ „Das wissen Sie morgen früh, wenn sie meinen aktuellen Kommentar lesen.“ Danach gab es niemals wieder ein Gespräch mit ihr, obwohl  der Artikel ganz friedlich war. So wie alle Kommentare hier, die Probleme lösen sollen, aber keine künstlichen erzeugen. Auch Jonas tauchte nie wieder auf. Und viele andere, die sich ausdrücklich für ein „angenehmes Gespräch“ bedankten, aber dann neue Regie-Anweisungen bekamen.

Die Regisseure haben immer eine unverwechselbare Handschrift, aber auch ihre Namen haben hier nichts verloren, weil es zur Sache überhaupt nichts bringt. Mich interessieren Methoden, innere Strukturen und deren Ergebnisse, auf der ganzen Welt, in allen Bereichen, wo längst Handlungsbedarf besteht. Es ist geschmacklos, dabei auf einzelne Personen zu zeigen, wenn sie nicht sowieso selbst die Öffentlichkeit suchen. Diese Überzeugung löst viel aktuelle Probleme nur deshalb nicht, weil die gleichen Personen immer noch an den Schalthebeln der Macht sitzen und die Knöpfe drücken. Aber auch nur so lange, bis die frei zugänglichen Informationen in den richtigen Köpfen landen, die innerlich dazu bereit sind.

Eines der stärksten Erlebnisse der „alten Zeit“ war auch vor zwanzig Jahren. „Elektra“ von Richard Strauss. Meister Günther Rennert (1911 – 1978) hatte das inszeniert, eine Filmaufzeichnung tauchte bisher nicht auf. Die Oper ist anstrengend, weil ständig nur drei wütende Frauen, ohne Pause, aufeinander einschreien, mit hohen Stimmen, die aber dann erträglich bleiben, wenn große Persönlichkeiten im Einsatz sind. Elektra sang Gwyneth Jones, die damals auch die schwierigsten Wagnerpartien erfolgreich gestaltete, auf der ganzen Welt. Klytemnästra war Christa Ludwig, noch erfolgreicher und vielseitiger. Mittags gab Frau Ludwig eine öffentliche Autogrammstunde am Marienplatz, abends war es ihr Abschied von München. Die Rolle ist satanisch, teuflisch, aber ihr gelangen menschliche Klangfarben, die unvergesslich blieben. Klytemnästra ermordet ihren Ehemann Agamemnon im Badezimmer, als er siegreich, nach zehn Jahren, endlich vom Krieg in Troja zurück kehrt. Weil sie einen neuen Freund hat. Ägisth. Bei ihrem ersten Auftritt klagt die rachsüchtige Tochter Elektra: „Agamemnon, wo bist du, Vater?  Sie schlugen dich im Bade tot, dein Weib und dieses zweite Weib, das Heldentaten nur im Bett vollbringt.“ Mit dem zweiten Weib meint sie Ägisth, den Rivalen. Aber erst, als ihr verschollener Bruder Orest zurück kehrt, bestraft er die beiden Verbrecher. Das anwesende Hauspersonal hatte Elektra vorher nur verlacht und bedroht.

Es ist wie eine Antwort  der Universalgesetze, die alle Verstöße gegen die göttliche Weltordnung hart bestrafen. Danach hat de Komponist Strauss solche Extreme gemieden, berühmt wurde er mit der verspielten Rokoko-Komödie vom „Rosenkavalier“.

Am 26.8.21 erschien hier der Artkel „Das Rauschen der Adlerflügel.“

https://luft.mind-panorama.de/rauschen/

Der Text analysiert auch die Horror-Oper „Salome“ von Richard Strauss und vergleichbare Fälle, deren äußere Handlung ganz anders ist.

Zitat: „Der erste Auftritt des Verbrechers Herodes beginnt mit seinen Worten: „Es ist etwas in der Luft, wie das Rauschen von mächtigen Flügeln!“ Was er nicht begreift: Hier rauschen die schwarzen Flügel seines bevorstehenden Untergangs.“ Der Adler ist das staatliche Symbol einiger wichtiger Länder. Deutschland. Nordamerika (USA). Auch für Russland und andere osteuropäische Staaten. Wer nur das Abzeichen eines Adlers in seiner Nähe hat, so wie bei den wichtigsten Reden des amerikanischen Präsidenten, zeigt dabei die innere Verbundenheit mit dem Thema.

Eine große Rolle hat Christa Ludwig niemals vollständig gesungen, weil sie befürchtet, die Anstrengung könnte ihrer Stimme schaden. Aber 1963 sang sie das Finale der Götterdämmerung, in Hamburg unter der Leitung von Hans Knappertsbusch:

https://www.youtube.com/watch?v=H0nyyKEZv3Y

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