Elisabeth die Große

7.1.2021. Elisabeth I. (1533 – 1603) war Hauptperson in einer der glanzvollsten Epochen der englischen Geschichte. Das dunkle Mittalter war vorbei, in dessen Zentrum Karl der Große stand, der im Jahr 800 vom Papst im Aachener Dom zum deutschen Kaiser gekrönt wurde. Elisabeth prägte die anschließende Renaissance-Zeit, als man die längst versunkene griechische und römische Antike wieder neu beleben wollte. Das war auch die Zeit der reichen Fürsten Medici in Florenz, die vom 15. bis 18. Jahrhundert ihr Land prägten, drei Päpste und zwei französische Königinnen stellten.

In London wurde Elisabeth schon in ihrer Schulzeit von einem Hauslehrer als außergewöhnlich begabt geschildert. Sie beherrschte mehrere Fremdsprachen, sprach fließend Lateinisch. Ihr Vater war der berüchtigte Heinrich VIII. (1491 – 1547), der ihre Mutter Anne Boleyn sogar hinrichten ließ, weil sie ihm keinen Sohn schenkte. Zu einer Scheidung vorher, verweigerte allerdings der Papst sein Einverständnis. Daraufhin brach Heinrich alle Verbindungen zu ihm ab und gründete eine eigene „anglikanische“ Kirche.

Kirchenoberhaupt war er selbst, geistlicher Kirchenherrscher war aber der Erzbischof von Canterbury. Elisabeth gelangen große politische Leistungen. Seefahrer wie Francis Drake und Walter Raleigh entdeckten ferne Länder. Außerdem bekämpfte sie wachsende religiöse Spannungen, gemeinsam mit dem Erzbischof. Durch Spitzel und Zensoren kam er vielen Ketzern auf die Spur und verurteilte sie erfolgreich zum Tode. Im Visier hatte er Gottesleugner (Atheisten), Gotteslästerer und die königsfeindlichen Puritaner, die später von Oliver Cromwell dazu gebracht wurden, König Karl I. am 30.1.1690 hinzurichten.

Elisabeth war auch eine starke Förderin der Kunst. An ihrem Hof sah sie gern die Theaterstücke von Christopher Marlowe und William Shakespeare. Marlowe bekam große Schwierigkeiten mit dem Erzbischof von Canterbury, weil der ihn als atheistischen Gotteslästerer anzeigte. Das hätte damals sicherlich mit einem Todesurteil geendet. Aber in diesem Fall unterstützte ihn Elisabeth I. heimlich, ihr Geheimdienstchef half dabei und dessen Neffe Thomas Walsingham war Marlowes bester Freund, außerdem englischer Botschafter in Frankreich. Vorgetäuscht wurde Marlowes Tod bei einer Wirtshaus-Messerstecherei am 30.5.1593. Dann floh er nach Paris und landete schließlich in Norditalien, in der Region zwischen Verona und Venedig, wo auch zwei seiner besten Stücke spielen; „Romeo und Julia“ „Othello“. Von dort aus sandte er seine immer berühmteren Dramen nach London, wo sie der reale Theaterdirektor William Shakespeare, unter diesem Namen, an seinem eigenen Globe-Theater aufführte und zu Welterfolgen machte.

Marlowe habe ich früher nur am Rand beachtet, kenne aber die Shakespeare-Dramen schon seit meiner Schulzeit. Vergleicht man die Texte der beiden Autoren, erkennt man auch die gleiche Handschrift. Blank-Verse (ohne Reim), starke Wortwahl, ähnliche Themen und eine außerordentliche Sprachkraft und Gedankentiefe.

Hier habe ich nur eines von Shakespeares Sonettenübersetzt und kommentiert:

Eine Auswahl der Sonette | Der königsblaue See (mind-panorama.de)

Shakespeare (also Marlowe) war ein Phänomen, hatte ein ungeheures Wissen. Für seine Stücke braucht man keine aufwändige Dekorationen. Die Worte allein schaffen eigene Universen. Richard Wagner, der auf dieser Gipfelhöhe auch noch Musik zu eigenen Texten komponierte, las am Vorabend seines Todes, am 13.2.1883 in Venedig, der Familie aus Shakespeares „Romeo und Julia“ vor. Ihn selbst allerdings hat er weit übertroffen.

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