Erlöschende Sterne

8.2.2021. Faszinierend ist es, wenn berühmte Menschen altern. Schaut man alte Filme an, kann man ihnen dabei zusehen. Ein Opernsänger war mit dreißig Jahren eine Augenweide. Seine Stimme verschlechterte sich nicht, aber er hatte Spass am Essen und Trinken. Dabei wurde er immer breiter, vor Allem am Bauch. Wenn Jemand als schöner Filmstar sein Geld verdient, helfen später nur noch Schminke und Haarfärbemittel. Wenn auch das nicht mehr hilft, verstecken sie sich und geben auch keine Interviews mehr.

Wenn sonst nichts dahintersteckt, soll man sie in Ruhe lassen, obwohl Manche sich viel Mühe mit dem Auffallen geben. Dann fliegen sie aus ihren Stammlokalen heraus, sind aber auch nicht mehr für Gequatsche und Gerüchte erreichbar. Die meisten werden dann sehr bescheiden, und wenn keine großen Rollen mehr kommen, freuen sie sich auch über kleine Einladungen zu auffälligen Getränken. Die Mehrheit lernt auch davon gar nichts. Ihre Zukunft ist voraussehbar, weil die Arbeitsangebote immer weniger werden, auch diejenigen, die sie gar nicht annehmen dürfen. Wenn sie dann über ihre Arbeitgeber meckern („Das sind doch alles Halunken“), spricht sich das schnell herum. Denn auch die Firmenchefs leiden immer mehr unter Arbeitsmangel, weil die ganze Medien-Branche überfüllt ist. Sogar die Computerfirmen brauchen neue Programme, aber weniger Mitarbeiter. Trotzdem tritt der Nachwuchs sehr selbstbewusst auf, ist aber bereits an die Grenzen gelangt. Seit Ende März haben das Alle zu spüren bekommen. In Zukunft wird sich die Welt ganz neu organisieren, aber noch weniger Mitleid haben.

Erlöschende Sterne sind im der Natur ganz alltäglich. Wenn ein Stern seine Energie verbraucht hat, stirbt er. Oder er gerät an Schwarze Löcher. Deren Eigenschaften sind weitgehend unbekannt. Sie lassen keinen Lichtstrahl in ihr Inneres, können aber Nachbarsterne auffressen. Woher diese Energie kommt, wird immer noch erforscht.

Mit dem physikalischen Urknall entstand der Planet Erde. Das ist weitgehend erforscht. Aber welcher Bauplan hat die vielen Details erschaffen? Man sieht seine Wirkungen, die Jahreszeiten, das Verwelken ganzer Hochkulturen und Staaten. Als Christus am Kreuz starb, waren die kriegerischen Römer auf dem Höhepunkt ihres Weltreichs. Danach verfiel es langsam und ging schließlich unter. So wie auch viele andere Staaten. In Ostdeutschland war es zuletzt die hochgerüstete DDR. Aber alles militärisch-innenpolitisches Zähnerasseln nutzte am Ende gar nichts, weil für die Alltagsbedürfnisse überhaupt kein Geld mehr da war, und die tragenden Fundamente zusammenbrechen mussten. Politisch sind die Grenzen weg, aber das Denken hat sich nur teilweise vermischt.

Mit den alten Ossis kann man sich gut unterhalten. Aber entscheidend ist die Frage: „Wie ging es euch damals?“. Wer dann weint, war auf der einen Seite. Wer begeistert oder zufrieden davon spricht, war auf der anderen Seite. Das heute noch gegeneinander aufzurechnen, ist sinnlos, aber es zeigt die Machtverhältnisse, deren Regeln überall gelten, aber auch sinnlos geworden sind. Wenn man sich mit ganz anderen Betroffenen, südlich der Alpen, unterhält, klagen sie oft über ihr persönliches Schicksal. „Der Bürgermeister und die Gemeinderäte haben Alles eingesteckt.“ Aber diese Miniatur erklärt gar nichts. Dahinter steckt immer ein Netzwerk aus Betroffenen und Nutznießern. Man kann es leicht erkennen, aber ausgerechnet die Betroffenen sehen nicht viel davon. Jetzt muss man auch nicht weinen. Die Zeit heilt alle Wunden, nicht nur die aus der Vergangenheit.

Deshalb war das Licht immer ein Symbol, ein altes Bilderzeichen, für die höchste Erkenntnis. Nicht nur für die Ungerechtigkeiten der Realität, sondern auch für ihre Ursachen und deren noch tiefer liegenden Auslöser. Die Technik bietet dafür immer bessere Methoden an. Aber sie sind, auch in der Führungsebene nur einer Mindeheit bekannt. Man muss dabei nur ganz einfach denken, nämlich logisch. Die ausgefallensten Fachkenntnisse versperren dafür den Horizont. Aber die Parameter, die Kennzahlen der Vergangenheit, haben eine eindeutige Richtung. Das einzusehen, ist jedtzt noch Zeit genug. Aber nicht grenzenlos.

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