Falsche Gutachten

17.11.21. Der Herbst endet im Kalender erst kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, aber schon im Sommer kann er ein Thema sein für Ängste und Depressionen. Jetzt sind auch noch die gelben Blätter von den Bäumen weg. Solange man sie noch sehen konnte, inspirierten sie große Denker zu wehmütigen, aber starken Ideen. Rilke ( 1875 – 1926) hatte dabei seine besten Einfälle. Er schrieb zum Herbstbeginn: „Herr, es ist Zeit! Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los. Jage die letzte Süße in den schweren Wein! Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben. Und wird in den Alleen hin und her, unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) ging es dabei viel schlechter. Er notierte: „Die Krähen schreien und fliegen schwirren Flugs zur Stadt. Wohl dem, der jetzt eine Heimat hat. Wehe dem, der keine Heimat hat !“ Und: „Das ist der Herbst. Der bricht dir noch das Herz.“

Nietzsches letzte Lebensjahre waren eine schwere Tragödie. Das lag nicht am Herbst. In die Natur hinein werden oft psychische Probleme hinein phantasiert, also wie Filme projiziert, die ganz andere Ursachen haben. Nietzsche litt an einer damals unheilbaren, zunächst nur körperlichen Krankheit, die langsam sein Gehirn zerstörte. Er ist also Keiner von den Unschuldigen, denen man einen nicht vorhandenen Wahnsinn absichtlich in die Schuhe schob, um sie loszuwerden. Ausführliche Beispiele dafür findet man mit der Such-Funktion, rechts oben auf dieser Seite, zum Beispiel bei den Stichwörtern „König Ludwig II“ oder „Mollath“.

Wer Genaueres wissen will, lese den Artikel vom 30.8.21. „Nietzscches Absturz“ :

https://luft.mind-panorama.de/?s=nietzsches+absturz&x=10&y=7

Nietzsches Todesjahr endete in Weimar. Im gleichen Jahr 1900 erschien ein ganz neues Jahrtausend-Werk: Sigmund Freud (1856 – 1939) veröffentlichte in Wien „Die Traumdeutung“. Auch zu diesem Stichwort findet viele Artikel hier, mit der Such-Funktion oben rechts.

Freud war zunächst nur ein unbekannter Arzt am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. In seiner Privat-Praxis, Berggasse 19, behandelte er viele Patienten, die an hysterischen Auffälligkeiten litten. Oft waren es verheiratete Frauen mit reichen Ehemännern. Er ermittelte ihren Krankheits-Verlauf und verglich ihn mit ähnlichen Fällen. Die Ursache war eine unbefriedigte Sexualität, die Wahnvorstellungen und andere starke Auffällgkeiten auslöste. Wien war damals sehr verschwiegen bei diesem Thema, und Freud, der sich offen dazu äußerte, wurde, sein ganzes Leben lang, zur Zielscheibe von primitiven Gehässigkeiten und Beleidigungen, Er erweiterte seine Methoden, die niemals Zwang oder Gewalt ausübten, auf alle anderen Bereiche des menschlichen Bewusstseins. In der „Traumdeutung“ wies er nach, dass die chaotischen nächtlichen Bilder ihre Ursache darin hatten, dass die Psyche nachts nicht schläft, sondern ihre Spannungen und Probleme in Bildern weiter verarbeitet oder sogar auflöst. Das ist das Thema der uralten Bildersprache „Symbolik“, die hier bereits, in einem eigenen Kapitel, über 700 Artikel enthält. Zur gleichen Zeit gab es in Wien ganz andere Köpfe, die kein Blatt vor den Mund nahmen, allerdings nur anonym. Am 15.11.21, vorgestern habe ich dazu einen Beitrag geschrieben. „Sternschnuppenmärkte“ :

https://luft.mind-panorama.de/sternschnuppenmaerkte/

Zitat: „Dabei durfte auf keinen Fall der Name „Josephine Mutzenbacher“ erwähnt werden-Unter diesem Pseudonym schrieb damals ein anonymer Autor die erfundenen Lebenserinnerungen einer Wiener Prostituierten. Das Buch ist völlig pornographisch, bei den anständigen Bürgern dufte es nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt werden. Aber das echte Wien findet man direkt neben dem Vergnügungspark Prater. 1995 war ich zum ersten Mal in der Stadt. Vor dem Prater lief uns ein junger Mann entgegen und fragte höflich, mit dem Wiener Dialekt „Wissen die Herren, wo hier ein Bankomat (Geldautomat) ist?“ Nein, aber hinter ihm sah man, im Hochsommer, ein paar halb offene Türen, Dahinter ein halbdunkler Gastraum mit roten Lampen (Laternen), an dessen Theke ein paar Damen auf Kundschaft warteten, die mit Bargeld zahlten.

Ganz schlimm wurde es aber, als der anonyme Autor der „Mutzenbacher“ identifiziert wurde. Es war der berühmte Felix Salten (1869 – 1945). Von ihm stammt das Buch über das unschuldige Reh „Bambi“, das alle Kinder lieben. Aber das war nicht Alles. Die Wikipedia schreibt: „1902 wechselte Salten zu der Wiener Zeitung „Die Zeit“- Seine Berichte über die Hofskandale machten ihn nun weit über Wien hinaus bekannt. Er berichtete u. a. über den Austritt Erzherzog Leopolds aus dem Kaiserhaus wegen einer Prostituierten; über die Affäre von Leopolds Schwester Luise mit André Giron. Diese Arbeiten wie auch das ihm zugeschriebene Werk Josefine Mutzenbacher gelten heute als „Plädoyer für die Natürlichkeit von Sex.“

Wenn es nur so einfach wäre ! Das Thema ist seit den Sechziger Jahren überhaupt kein geheimes Tabu mehr. Jeder darf machen, was er will. Aber die Grenzen der Freiheit liegen immer dort, wo sie andere Rechte schwer verletzen. Freud erkannte, dass die Ursache schwere hysterischer Störungen in einer unbefriedigten Sexualität ihr Fundament hatten. Und dann ist die Kriminalität nicht mehr weit. Gustl Mollath wurde zwar aus einem anderen Grund verurteilt: Er hatte entdeckt, dass seine Ehefrau, eine Nürnberger Bank-Mitarbeiterin, Schwarzgeld-Transporte in die Schweiz durchführte. Die Bank unternahm nichts, aber in den Gerichtsakten ist ein internes Gutachten, das ihm schriftlich bestätigte: „Er hat Insider-Wissen!“ Vorgeworfen wurde ihm aber nur, dass er sie geschlagen hätte, so wie sie es behauptete. Augenzeugen dafür gab es nicht. Aber er wurde verurteilt. Alle Einzelheiten findet man in den öffentlichen Informations-Medien.

Ein Einzelfall war das sicherlich nicht, sogar ein ähnliches Vorbild, in den schweren Beschuldigungen gegen Jörg Kachelmann, die auch monatelang durch die Presse gingen.

Für zuverlässige Prognosen habe ich eine einfache Formel entdeckt und schon mehrfach beschrieben: Zwei vergleichbare Messpunkte in der Vergangenheit und Gegenwart ergeben eine graphische Linie, die nach unten oder nach oben zeigt. Das ist die Zukunft.

Alle Veränderungen lassen sich damit erklären. In der Politik, dem Management großer Firmen und bei der Armut in großen Ländern, die längst hätte abgebaut oder verkleinert werden können. Als Perspektive ist es aktuell. Wie lange das dauert, liegt an den Betroffenen selbst.

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