Unauffällige Fehlleistungen

7.8.2021. Dass Fehler passieren, ist unvermeidlich, hat aber ganz unterschiedliche Folgen. Auf der Grundschule durften die Lehrer noch vor sechzig Jahren persönlich zuschlagen. Dabei benutzten sie Aufgabenhefte der Schüler, in denen  sie Fehler entdeckt hatten. Schon ein paar Jahre später war das verboten. Ein Bekannter bekam trotzdem ein paar Hiebe mit dem Lineal auf seine Handfläche. Der Hausarzt schrieb ihn eine Woche lang krank, und der unbeherrschte Lehrer musste sich dort bei ihm entschuldigen. Das war für ihn härter  als sein eigener dummer Fehler, und er bekam noch eine schriftliche Abmahnung, eine Verwarnung  von seinem vorgesetzten Direktor.

Über Fehler muss man reden, und dann kann man die meisten vergessen. Oder Folgendes erklären, „Ich verzeihe Alles, aber ich vergesse gar nichts.“ Das ist ein Witz, der aber dann nicht hilft, wenn wirklich ein schwerer Schaden entstanden ist. Dann sind die schlimmsten Vorwürfe sowieso überflüssig, denn dann geht es um Schadensersatz und sehr hohe finanzielle Entschädigungen. Selbst Haftpflichtversicherungen für leitende Manager zahlen gar nichts, wenn  Vorsatz, Absicht oder grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen sind. Also wenn der Verursacher es hätte wissen müssen, bevor er bei Rot einfach in eine beliebte Straßenkreuzung hineinfährt. In  bekannten deutschen Welt-Konzernen tauchten vor ein paar Jahren plötzlich amerikanische Detektive auf. Sie fanden sehr schnell jahrelange Betrügereien und stellten Alles auf den Kopf, beschlagnahmten Festplatten mit Mails und vertraulichen Dateien. Die erwischten Manager sollten Millionen dafür zahlen, zusätzlich auch für gerichtliche Strafen. Einige weigerten sich, dann bekamen sie einen Zahlungstermin und die Aufforderung, den tatsächlichen Schaden zu bezahlen, der noch viel höher war. Anschließend haben alle einfach nachgegeben, weil sie sonst ruiniert gewesen wären, auch privat. Danach haben sie nur noch ihre Nachfolger kennengelernt.

Materielle Schäden vertstecken sich in der Finanzbuchhaltung, wenn dort  alle Rechnungen gesammelt werden. Sie sind leicht zu finden, weil die unsichtbare Elektronik Spuren und Datenströme erzeugt, die auch nach einer Löschung wieder sichtbar gemacht werden können.

Natürlich hängen auch psychische Probleme daran, denn wenn Einer nach fremdem Geld gegriffen hat, leidet erst einmal das Opfer, kann sich aber wehren, mit Anwälten oder anderen Experten. Die Justiz spielt dabei die erste Rolle, aber ist entweder unwissend, weiß bekannte Fakten nicht oder schaut weg. Geheim bleibt trotzdem gar nichts, wenn es erst einmal aufgefallen ist. Auch wenn das nur ein paar Nebel am frühen Morgen sind, die sich nach zwei Stunden auflösen. Fettgeladene, viel zu dicke Feuchtigkeit, kann man  mit Messinstrumenten auch später nachweisen. Dafür gibt es derart viele geprüfte Methoden, dass es kaum noch verständlich ist, wenn da gar nichts gewesen sein soll. Staatliche Grenzen dafür gibt es nicht. Auslieferungsabkommen enthalten eine persönliche Begleitung zum nächsten Flughafen.

Und das Alles steht ständig  in jeder Zeitung und in allen Informations-Medien. Hier gab es nur eine Zusammenfassung, wie immer. Denn die Ahnungslosigkeit ist Tag und Nacht unterwegs, man trifft sie überall, wo Leute gern miteinander reden, in Lokalen, an Haltestellen oder auf Partys, wo  teure Cocktails nur die Sicht vernebeln.

Außer den materiellen Dimensionen gibt es noch etwas Besseres: Die Fehlleistung. Den Begriff hat Sigmund Freud (1856 – 1939) erfunden. Er erforschte, wie Albert Einstein, „Das unsichtbare Jahrhundert.“ Beide Entdecker spielen die Hauptrollen in dem gleichnamigen Buch von Richard Panek, das ein ganzes Universum von ungeahnten Erkenntnissen weit ausbreitet.

Die „Fehlleistung“ ist weder ein Irrtum noch eine Informationslücke. Ein Beispiel: Der Festredner sagt beim Firmenjubiläum: „Jetzt stoßen wir alle auf den Vorsitzenden AUF. „Anstoßen“ sagte er nicht, weil er es zwar wollte und auch sollte, bekam aber aus dem Unterbewusstsein ein Signal, dass er diesen Vorsitzenden überhaupt nicht leiden konnte und deshalb bei ihm nur noch, widerwillig „aufstoßen“ wollte. Tauchen solche Fehlleistungen in geschriebenen Texten auf, dann öffnen sie Geheimtüren, in die Niemand hinschauen soll. Sie sind deshalb mit Vorsicht zu genießen, je nachdem, in was für einer Gesamtsituation sie auftauchen. Meistens ausgerechnet dann, wenn eine unerwünschte Nachricht plötzlich viele Zuhörer hat. Ein Fehler, der größer sein kann als die materiellen Pannen, von denen vorhin, am Anfang die Rede war. Klären und gut regeln lässt sich das Alles, aber oft wird es gar nicht bemerkt. Auch deshalb wird es hier offen erklärt.

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