Fernweh

4.1.2021. Beim Verlassen der westfälischen Landeshauptstadt Münster war ich 1987 erst einmal froh. Offiziell hieß die dortige Gemeinde „Provinzialhauptstadt“, und damals reichte es, mit der Provinz. Im Vorjahr ging es aber noch nach Spanien, in die Region Barcelona, und das war eine ganz andere Welt. Die sechs Jahre vorher war, im Herbst immer München eine unvergleichliche Station, das damals noch tatsächlich eine Traumstadt war, die neugierig machte. Damals. Aber das Ziel war immer Italien. Kein langweiliger Bade-Urlaub am Massen-Strand, sondern eine Erforschung des Innenlebens. Zuerst in Verona. Florenz. Und Rom. Ein Höhepunkt nach dem anderen. Ein Jahr später folgten Venedig. Pisa. Padua. Und wieder die Weltstädte, mit Massen von internationalen Touristen, die in den alten Städten die engen Gassen überfluteten, aber niemals das Gesamtpanorama belasteten, weil es genug Winkel gab, wo die pauschalen Busreisenden nicht hinfanden.

Mitten in Florenz ist der Ponte Vecchio, eine historische alte Brücke. Links und rechts stehen kleine Läden mit Goldschmieden, wo Alle vorbeiströmten, aber nur eine Minderheit das Geld für teure Einkäufe hatte. Ging man nur zehn Meter von dort weg, zum Ufer des Flusses Arno, standen da Einheimische, mit viel Zeit für Gespräche. Ein junger Bursche wies darauf hin, dass unter der nachtdunklen Brücke nachts immer das Meiste los war. Ein Gedränge, wie tagsüber oben auf der Brücke. Er hätte uns das auch gern gezeigt, aber abends hatten wir dafür keine Zeit, sondern tranken lieber ein Bier in einem überfüllten Straßencafé und ließen den ganzen, bilderreichen Tag noch einmal im Gespräch vorbeiziehen. Übrig geblieben davon sind ein Film, 1980, vor Allem immer genaue Reiseberichte und Fotos, die Alles noch einmal lebendig machen. Außerdem vertieften sich die wertvollen Kenntnisse über das ganze Land, dessen landschaftliche Schönheit Deutschland weit übertrifft, dessen regionale Armut aber, vor Allem südlich von Neapel, immer noch eine offenes, ganz ungelöstes Problem ist. Zum Thema dieses nahen Landes habe ich hier schon fünfzig Artikel geschrieben.

Aber Münster ist auch nicht vergessen. Dort wäre ich wohl noch heute, aber eine schleichende Krise änderte das. Eine Banalität. Aber wenn ein fremder Mensch sich einmischt, muss das nicht unbedingt schwere Folgen haben, kann aber die Tage verändern. Das war gar nicht das Hauptproblem, weil es Jedem passiert, und Reisende soll man nicht aufhalten.

Manche können damit nicht umgehen, werden falsch und bösartig, spionieren und lügen. Das ist in München auch genau so, aber damals war es ein Grund, die frühere Heimat zu verlassen und in der angeblichen Traumstadt neu anzufangen, deren schwarze Schatten nicht sofort erkennbar waren, aber immer besser und klarer durchschaubar wurden. Die Regeln, die Ursachen, die Methoden. Was es da noch Alles gibt, kann man in der Themen-Übersicht finden, unter diesem Text.

Münster hat sich, in der Erinnerung von allem Ballast und Müll längst befreit, Mittlerweile verzeihe ich Alles, vergesse aber Nichts. Auch die dunklen Wintertage leuchteten damals, im Kerzenlicht oder die kraftvollen Farben im Sommer. Zurück dorthin zieht aber gar nichts mehr. Es gibt also kein unerfüllbares Fernweh. Keine Sehnsucht nach den alten Stammplätzen. Auch nicht in Nordbayern, wo ich Jahrzehnte lang, sogar mehrmals im Jahr war. Friedrich der Große sagte, „Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich meine Hunde.“ Ich hatte niemals einen Hund, verstehe aber genau, was er meinte. Hunde kann man verkaufen, mit Menschen geht das aber nicht. Die Meisten waren Zeitverschwendung. Oder unbelehrbare Belästiger, denen unsere Justiz viel zu viele Spielräume lässt. Das wird sich ändern mit neuen Computerprogrammen, deren Arbeitsweise ich laufend hier vorstelle, bisher schon in 149 Artikeln. Grundlage sind zwar persönliche Erfahrungen, die sich aber verallgemeinern lassen.

Ein schwerer Fehler darf dabei keinesfalls passieren: Die Missachtung unserer Grundrechte, wie sie deutlich in der Verfassung von 1949 stehen. Zum Beispiel Meinungsfreiheit. Pressefreiheit. Recht auf Privatsphäre. Zugang zu allen Informationen. Das ist schon seit dreißig Jahren so, gilt seitdem aber auch für das damals recht unbekannte Internet. Das Netz gehört, konsequenterweise und ganz logisch, längst auch zu den Grundrechten. Die härtesten System-Fehler darin, sind oft das Thema der Artikel-Serie „Elektronik“ hier.

Solche System-Fehler findet man in allen Bereichen, nicht nur in den hasserfüllten, aber keineswegs anonymen Netzwerk-Diskussionen, deren Teilnehmer sich durch ihr Auftreten und ihre Denkweise, selbst verraten. Mann muss gegen solche Störfälle nur, regelmäßig ein par harte, öffentliche Musterprozesse durchziehen, mit spürbaren Strafen und hohen Entschädigungen. Für die noch viel schlimmeren Verbrechen im Internet gilt genau das Gleiche, sogar noch mehr. Musterbeispiel dafür ist der aktuelle „Wirecard“-Finanzskandal, der sich vor Allem elektronisch abgespielt hat. Eine Fundgrube für kriminalistische Erkenntnisse, immer mehr auch für die Zukunft.

Am 18,12,20 habe ich dazu einen Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/wirecard/

Passend zur Weihnachtszeit, war dieser unfassbare Skandal ein wertvolles Geschenk für die Zukunft der Menschheit. Denn die gleichen Methoden gibt es schon lange, aber so genau und detailliert wurden sie noch nie von einem Gericht durchleuchtet. Spielplatz ist ausgerechnet die höchste Hochfinanz, die erst einmal völlig unverzichtbar ist und auch viel Gutes leistet, aber bei Verbrechen überhaupt nicht. Zur Zeit ist das eines der meist gelesenen Themen hier.

Betroffen sind schlechte, freche Methoden in allen Lebensbereichen, wo ahnungslose Leute brutal belogen oder betrogen werden, von einer diskreten Minderheit, die mit ihrem vielen Geld nur noch großen Schaden angerichtet hat.

Das ist bald gar nicht mehr möglich, weil die gerichtlichen Erkenntnisse in Zukunft weltweit ausgewertet werden, in neuen Computerprogramme, die alle Auffälligkeiten rechtzeitig, noch viel schnellet und zuverlässiger erkennbar machen. Selbst teure, schwarze Anzüge können sich mit Dreck beschmieren, aber dann sind sie nichts mehr wert.

Italien hat das bereits vor vierzig Jahren erlebt, immer wieder. Der frühere Präsident der angesehenen Vatikanbank, Roberto Calvi, geriet in den Verdacht der finanziellen Selbstbedienung und wurde in die Bankenmetropole London gelockt. Dort fand man ihn 1982, morgens unter einer Themsebrücke, aufgehängt mit einem Galgenstrick, gekleidet in seinen teuren schwarzen Businesss-Anzug.

Solche Themen hat der römische Journalist Gianluigi Nuzzi immer gründlicher erforscht. Sein letztes Buch, in diesem Jahr, hieß „Weltgericht“, eine Anspielung auf das Jüngste Gericht, den Weltuntergang. Ganz Italien ist schon lange beschädigt von derartigen finanziellen Machenschaften, die aber mit ganz neuen Methoden der Kriminalistik viel schneller verschwinden werden als bisher Mancher glaubt.

Das ruhige Münsterland war der Mittelpunkt meiner ersten vierzig Lebensjahre. Dort hab ich sehr viel gelernt und unvergessliche, gute Bilder aufbewahrt. Die Weltstadt München ist aber prinzipiell das Gleiche wie die ländliche Provinz, nur viel gigantischer.

Jeder hat jetzt die Möglichkeit, über sein eigenes Leben nachzudenken. Vor dem Weltuntergang in der Bibel tritt auch eine lange Stille ein. Dann ergießen sich die sieben Schalen des Zorn Gottes über seine von Menschen mutwillig zerstörte Welt. Die Früchte des Zorns. Das wird aber so bestimmt nicht geschehen.

Doch die alte Bildersprache der Symbolik sendet sehr deutliche Zeichen. Denn in der Bibel heißt es: Nach der letzten Weinernte werden alle schlechten Früchte weg geworfen. Die Hure Babylon und ihr ständiger Begleiter, der Satan, werden von Engeln vernichtet. Dann entsteht eine ganz neue Welt, ohne die Fehler der alten.

„Fernweh nach fremden Ländern“. Das ist das Thema des Hafen-Motivs unten, das ich vor dreißig Jahren gekauft habe, auf einem bekannten Münchner Bildermarkt. Das Fernweh ist weg, aber es ist nicht vergessen.