Fische in der Kleinstadt

24.3.2021. Die Vergangenheit einfach abzuhaken, ist manchmal das beste Rezept. Zu viel Schrott hat sich aufgetürmt, zu viele Nebensachen, zu viel verschwendetes Geld, das in den falschen Fingern war. Aber manchmal passiert etwas Anderes. Man sieht zufällig unbekannte Filme aus der eigenen Kinderzeit, die in Privatarchiven gelandet sind, deren Besitzer sie der ganzen Welt zeigen will. Das kann auf den ersten Blick ganz harmlos sein, aber es verknüpft vergessene Lebensabschnitte miteinander. 1960 wurde unser gesamtes Ortszentrum von einem Hochwasser überflutet. Die Folgeschäden waren keine Kleinigkeit, aber ich erinnere mich nur daran, dass ich direkt vor den Wassermassen stand und weiter nichts verstand. Das Bild war im Gedächtnis gespeichert, aber erst beim Anschauen des unbekannten Films bauten sich größere Zusammenhänge auf. Alle Jahre mit dem Mittelpunkt dieses Ortszentrums, die Schulen und deren Besucher. Die Erweiterung des Wissens um ganz neue Bereiche. Die Betrügereien bei faulen Mitschülern. Die Misserfolge der Erwachsenen, die in der Kleinstadt oft von professionellen Firmen abgezockt wurden, die auf teuren Management-Seminaren im Ausland alle Tricks auswendig lernten, mit denen sie Geld abfischen konnten.

Das war die Startrampe, wie bei einem Raumschiff, das die Grenzen der Welt erreichen soll. Möglich ist das gar nicht, aber es gibt gestochen scharfe Fotos von Weltraumsatelliten, von ganz weit entfernten Planeten. Sie zu erreichen, wäre Zeitverschwendung, aber es gibt Karten, auf denen man ihre Umgebung sieht. Oft reicht das auch, weil sich sehr Vieles wiederholt.

Die ganz großen Dinge, der Makrokosmos, haben die gleichen Abläufe wie der Mikrokosmos. Im Mittelalter war diese Formel sehr beliebt. Sie ist das Zentrum der Tabula Smaragdina (Tafel aus Smaragd). Verbreitet wurde damals, dass der Autor Hermes Trismegisthos war, der klügste Mensch der Welt im Altertum, vor sechstausend Jahren. Dieser Hermes ist vermutlich nur eine Erfindung, um die Glaubwürdigkeit zu steigern. Seine Tafel aus Smaragd war die gedankliche Hauptquelle der Alchemisten, der späteren Chemiker. Sie arbeiteten mit dem Wissen der Magier, der Zauberer, die schon in der ersten Hochkultur, Ägypten, vor fünftausend Jahren, eine herausragende Rolle spielten. Sie waren persönliche Berater der herrschenden Pharaonen. In den arabischen Märchen aus 1001 Nacht tauchen sie ständig auf, als Flaschengeister mit Zauberkräften oder als drohende Riesen. Sie konnten den nächtlichen Sternenhimmel deuten und auf ihm die Zeichen der Zukunft erkennen: Katastrophen. Kriege. Glücksjahre.

Die Alchemisten hatten Pech. Sie wollten den Wunderstein der Weisen finden, der alle Welträtsel löst und verändert. Aus unterschiedlichen Stoffen wollten sie echtes, reines Gold erschaffen. Mit dem Mittelalter endete auch ihre Zeit, vor fünfhundert Jahren. Dann kam die Renaissance, die wissenschaftliche Forschung. Der Aufstand gegen die gewaltsamen Glaubens-Gesetze der römischen Kirche. Giordano Bruno (1548 – 1600) schrieb Bücher darüber, dass es im Weltall noch viele andere bewohnte Planeten gibt, mit ganz anderen Eigenschaften. Danach musste er aus Neapel fliehen, reiste zu den Universitäten in Genf , Paris und London, stieß aber dort auf ganz andere Fanatiker. Heimlich besuchte er Venedig, wurde aber von seinem Gastgeber an die Inquisition verraten und sofort verhaftet. Am 8.2.1600 wurde er zum Tode verurteilt. Dabei sagte er, „Ihr sprecht mein Urteil mit größerer Furcht als ich es empfange.“ Auf dem römischen Campo di Fiori (Blumenmarkt) starb er. Dort erinnert heute ein großes Denkmal mit einem schwarz verbrannten Mönch an ihn.

Vergangenheit einfach abzuhaken, ist nur richtig bei Nebensachen, wie bereits am Anfang erwähnt. Rachegedanken führen dabei ins Nichts, weil sie nur neue Schäden auslösen. Aber man kann über Folgendes nachdenken. Jeder Veränderungskurve beginnt in der Vergangenheit. Dieren Daten kann man vergleichen, aber nur die Hauptsachen. Dann werden die Ursachen erkennbar und die Fehler, die sich nicht wiederholen dürfen. Graphisch ist das eine Linie, die nach oben zeigen kann. Eine gute Prognose. Zeigt sie nach unten, muss Alles ganz genau überprüft werden. Geschieht das nicht, sind Katastrophen voraussehbar und wahrscheinlich.

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