Zehn grenzenlose Gespräche

2.10.2020. Heute, gegen drei Uhr morgens, hatte ich die Idee, über Gespräche zu schreiben. Gespräche, Dialoge, der Dekalog, sind die einzige Möglichkeit, mit einem anderen Lebewesen in eine gedankliche Verbindung zu treten. Nicht nur mit Worten sondern auch durch Blicke, gemeinsame Tätigkeiten und auch die Reaktionen. Das Ergebnis. Die Wirkung.

Daraus ergibt sich der Fortschritt. Das muss nicht positiv sein. Möglich ist auch ein Rückschritt. Dieses Fortbewegung kann also zweifach geschehen. Sie führt aber nicht zurück zur Null, zum Ur-Anfang, sondern immer höher, zum Ziel. Das ist die höchste Stufe der Erkenntnis, die niemals vollkommen ist, sondern jeden Tag neu erarbeitet werden muss.

Die neue Welt umfasst als Zentrum die Zehn Gebote, die universalen Gesetze, die jeden Neu-Anfang begleiten und ordnen: Das Verbot, ein Bild Gottes herzustellen, andere Götter zu verehren, den Namen Gottes zu missbrauchen. Der Samstag ist heilig. Der siebte Wochentag ist ein Ruhetag. das Verbot, zu arbeiten. Ehre deine Vorfahren, die Ahnen. Das Verbot zu morden, die Ehe zu brechen, zu stehlen, zu lügen und die Habgier.

Wird etwas Neues nicht unter Beachtung dieser Regeln geschaffen, misslingt es. Krisen, Spannungen und Katastrophen folgen. Das kann lange dauern. Am Ende steht die Bewertung. Die Einen werden in die Hölle hinabgestürzt. Die Anderen leben an der Seite Gottes, bis an da Ende aller Tage.

Eine neue Welt entsteht. In ihr gibt es nicht die Fehler der Vergangenheit. Es ist das Paradies, aber nicht mehr nach den alten Regeln.

Diese neue Welt ist das Thema dieser Gespräche. Mit den Lesern, mit dem winzig kleinen Mikrokosmos und dem ganz großen Makrokosmos. Wie sie funktioniert, sieht man in der Themen-Übersicht, rechts unten auf dieser Seite.

Sie waren bisher nur die Vorbereitung des Neuen. Die Ziffer Neun, Ganz ungeschrieben ist bisher, was danach kommt. Es trägt die Ziffer Zehn. Eine Utopie. Eine Sehnsucht. Die Verwirklichung ist nicht sofort möglich, aber der Weg dorthin steht offen.

Diese Art von Gesprächen ist nicht neu. Sie gab es zuerst als sprachlose Zeichen, die Symbole und Archetypen, die Inhalte waren die Urlaute, das Bild der vier Elemente: Wasser, der Anfang alles Lebens. Erde, das Fundament. Feuer, die dynamische, dämonische Energie. Luft – der Geist, die universale Energie.

Dnn folgte die Schrift. Bilderzeichen, wie die Symbole der altägyptischen Hieroglyphen.

Dann kam die Abstraktion. Die Umsetzung von Erkenntnissen in Zahlen, Sprachen.

Und die Musik. Die Zusammenfasung von Notenzeichen, Sprachen, Orten und Klang. Zunächst Naturlaute, mit Trommeln, Flöten, Pauken. Posaunen und deren Fortentwicklung.

Da gab es viele Meister. Albert Schweitzer sprach von Alpha und Omega. Anfang und Ende. Das waren für ihn Johann Sebastian Bach und Richard Wagner. In seinem Geburtsjahr 1813 schrieb Jean Paul, dass die Welt auf einen Meister wartet, der die Formen des Geistes, die kosmische Energie, zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfasst.

In zehn Hauptwerken ist Wagner das gelungen. Sie handeln vom Anfang, der Ursünde, den Gottesfluch, bis zum Finale, dem Weltabschiedswerk. Ds Festspiielhaus überragt auf dem Grünen Hügel die ganze Stadt, wurde im Krieg nicht zerstört, obwohl es eine ideale militärische Zielscheibe war. Der Befehl wurde nicht erteilt. Aber das ganze Gebäude müsste sorgfältig restauriert werden, dazu eine versteckte Klimaanlage, die ohne Geräusche arbeitet und ein Zuschauerraum mit breiteren Sitzen, die optisch keine radikale Veränderung zeigen, sondern die bisherigen Elemente nur vorsichtig anpassen. Wenn aus aktuellen Gründen überhaupt keine Vorsstellungen stattfinden, kann man gute Video-Aufzeichnungen aus der Vergangenheit auf der Bühne zeigen. Mit dem Einbau einer diskreten, lautlosen Heizung sogar im Winter. Auch das stark überalterte Restaurant kann man abreißen und dann an die historische Umgebung anpassen. Im Garten müssen die störenden späteren Zutaten weg, die beiden merkwürdigen Büsten von Arno Breker, mit Richard und Cosima. Alle anderen Exponate gehören in das neue Wahnfried-Museum. Dann lenkt am Grünen Hügel nichts mehr ab von der Hauptsache.

Alte Sachen nur aus Sensationsgier wieder aufzuwärmen, ist sinnlos. Auch unterschiedliche Meinungen in der Vergangenheit sind nur beim gleichzeitigen Blick in die Zukunft zu gebrauchen, aber nicht als Kritik an Einzelpersonen, die selbst unter dem Druck von Kräften stehen, die sie nicht ändern können.

Dekalog bedeutet wörtlich: „Zehn Gespräche“ mit Gott und seiner Weltordnung: Die Zehn Gebote.

Das sind die Gespräche, der Dialog mit dem Unsichtbaren, der allmächtigen Energie des Baumeisters, für den der Komponist Wagner ein starkes Medium war. Ein Vermittler, eine Verbindung mit den Menschen. Alle zehn vom Komponisten selbst ausgewählten Wagnerwerke lassen sich aus dieser Perspektive deuten. Aber der Platz dafür ist in diesen Hinweisen zu klein. Die Vorbereitung ist bereits geschehen, im ersten Thema, rechts unten auf dieser Seite, Nr. 1: „Die unsichtbare Weltuhr“.

Die Freude an guten Gesprächen ist nicht an einen Ort gebunden. Aber die Umgebung wirkt stark auf die Stimmung. Gebäude und Räume können ganz neu sein, aber sich an den Vorbildern orientieren. Den unterschiedlichen Epochen, von der ägyptischen Pharaonenzeit, der Mittelmeer-Antike, dem Mittelalter, den Wieder-Entdeckungen der Renaissance-Zeit. Sie geben dafür unbezahlbare Hinweise. Dass Finanzinvestitionen notwendig sind, ist keine Frage. Das Gesamtergebnis zählt, auch bei allen, ganz anderen Projekten aus dem ökonomischen, politischen oder kulturellen Bereich.

Wenn es sich bei den teilweise hohen Kosten um öffentliche Gelder oder private Spenden handelt, ist das keine Sache der Spender allein. Notwendig ist Transparenz, also Nachprüfbarkeit. Das ist am besten und schnellsten mit dem Internet zu erreichen, und laufende, pflichtgemäße Veröffentlichungen des Empfängers können die Diskussion, den offenen Dialog, versachlichen.

Albert Schweitzer nannte Bach und Wagner „Alpha und Omega“, den Anfang und das Ende der großen Musik. Was das bei Bach bedeutet, kann man hier, bei den sechs Brandenburgischen Konzerten, hören:

https://www.youtube.com/watch?v=uw2dlZ8V4-0

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