Gianni Schicchi

13.12.2020. An der Mailänder Scala leitete Riccardo Chailly eine erstaunliche Aufführung von Puccini einziger Komödie „Gianni Schicchi“. Hervorragende Sänger, mit der Regie von Luca Ronconi in kleinen Partien, auch der medien-bekannte Vittorio Grigolo. In der Hauptrolle erinnert der großartige Leo Nucci ein wenig an den tragischen Hofnarren in Verdis Oper Rigoletto. Die turbulente Handlung kommt von einer grotesken Geschichte aus Dantes „Inferno“ (Die Hölle). Die prachtvollen Kostüme protzen dazu im prunkvollen Stil der Medici-Hochblüte, während der damaligen Renaissance-Zeit in Florenz. Den ganzen Fußboden bedeckt ein blutroter Teufels-Teppich aus Samt. Mitten drin ein großes Bett mit einem Sterbenden, bedeckt von einem kostbaren, kanariengelben Bettlaken. Oder goldfarben, weil drinnen ein reicher Mann liegt, umgeben von seiner lauernden Verwandtschaft. Von habgierigen Erbschleichern, die bereits das erhoffte Vermögen lautstark unter sich aufteilen, mit Streit. Sie befürchten voller Angst, dass ein Kloster das verlockende Erbe bekommt. Dann haben sie eine ganz schlechte, für sie ganz schrecklich endende Idee: Der Betrüger Gianni Schicchi soll einfach den freien Bettplatz des Verstorbenen übernehmen und sie dann alle, juristisch korrekt, vor einem herbeigerufenen Notar, reich beschenken. Das macht er zwar auch, aber nur am Anfang. Dann beschenkt er sich, mit den dicksten Brocken nur noch selbst. Als die gierigen Erbschleicher wütend werden, schmeisst er sie einfach raus, denn das Haus gehört jetzt auch ihm.

Das Verbot, zu lügen, zu betrügen und habgierig fremdes Eigentum zu rauben, steht bekanntlich in den Zehn Geboten der Bibel. Es ist eine unerschöpfliche Quelle für Gerichts-Prozesse, Krimis und Opern. Der Betrüger Gianni Schicchi taucht im ersten Teil von Dantes „Göttlicher Komödie“ auf. Im Inferno, der Hölle. Das ist immer auch die Unwissenheit. Weiter geht es bei Dante, mit dem mühsamen Aufstieg zur Erkenntnis, dem Purgatorio. Ganz oben wartet „Il Paradiso“. Das Paradies. Die höchste Stufe der Erkenntnis. Die Erleuchtung. Die mystische Vereinigung des Menschens mit den Zeichen Gottes, die er erkennen kann. Die universale Unio Mystica.

Ohne solche Verbote des Betrug und der Habgier funktioniert das Leben einfach nicht. Im gesamten Universum gelten ähnliche Gesetze. Wer dagegen verstößt, kann sich zwar tarnen und verstecken. Er wird trotzdem gefunden und bestraft. Missbrauchte Macht und zusammengekratzter Reichtum sind dabei leicht erkennbare Merkmale. Gianni Schicchi betrügt die habgierigen Erbschleicher und belohnt sich dabei selbst. So geht das nicht. Aber im wirklichen Leben können die längst erkannten Verursacher aller Schäden sich rechtzeitig mit ihren Opfern einigen. Das erspart ihnen Strafen und ergibt auch niedrigere Kosten.

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Göttliche Komödie – Wikipedia

Und hier sieht man die erwähnte, vollständige Verfilmung von Puccinis „Gianni Schicchi“ aus Mailand (60 Minuten). Die spanischen Untertitel stören ein wenig, aber auf YouTube gebracht wurden sie dankenswerterweise von dem Spanier Rafael Fernandez, der dafür eine eigene Webseite hat:

https://www.youtube.com/watch?v=2ERSq_EqDZ4

Und hier noch eine zweite originelle Inszenierung dieses Werks, im deftigen Arbeiter-Milieu von Neapel, vor hundert Jahren:

https://www.youtube.com/watch?v=V0BXUZsSCpw

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