Gipfelkreuze

3.11.2021. Bergwandern in den Alpen ist beliebt. Von München aus kann man nach einer Stunde überall hin, Wenn man das nicht genauer kennt, warten bereits Menschenmassen auf den Wanderwegen, die sich über die Fernsicht bis in das Hochgebirge freuen. Die Parkplätze sind auch voll. Die Leute tragen Freizeitkleidung. Wer dann von den überfüllten Hauptstrecken sich entfernt, landet plötzlich vor steilen Abgründen, und die leichten Sommerschuhe sind für lange Klimmzüge nicht geeignet. Seitdem es Mobiltelefone gibt, kommt rasch Hilfe von der Bergwacht, auch mit Hubschraubern und langen Seilen. Vorher war jeder einsame Spaziergang ein Abenteuer, allein mit der Natur und sich selbst, und die Presse hatte ständig Horrorgeschichten zu berichten. Professionelle Bergsteiger hatten ein hohes Ansehen. Reinhold Messner aus Südtirol, Jahrgang 1944, wurde weltberühmt mit seinen Reiseberichten.Bis 1986 stand er als Erster auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender . Das ist jetzt 35 Jahre her. Auch schon lange ist es nicht mehr üblich, auf einzelnen Bergen ein Gipfelkreuz aufzustellen. Einerseits ist es eine Markierung, dass man selbst zum höchsten Punkt gekommen ist. Andererseits ist es auch ein religiöses Symbol. Noch näher als von diesem Punkt kann man Gott nicht kommen.

Bayerische Elite-Internate befinden sich auch in der Nähe der Alpen. Zum Schulplan gehören Klassenausflüge zu den Gipfelkreuzen, bei denen man unterwegs viel Zeit zum Schauen und Nachdenken hat. Im Juli 1988 war ich gerade erst zehn Monate in München. Am Viktualienmarkt strömten ständig Besuchermassen vorbei. Aber auch einzelne Gäste, die sich über ein spontanes Gespräch freuten. Dann setzte man sich in den nahen Biergarten, und schon öffneten sich die Wasserfälle der Gedanken und Erfahrungen. Daraus konnten sogar jahrelange Freundschaften entstehen. Auch Millionäre sind in München nichts Besonderes, aber die Kinder haben oft nicht viel zu lachen, weil sie auch Spitzenkräfte werden sollen. Wenn sie dafür nicht geeignet sind, taucht manchmal der Vater beim Klassenlehrer auf und winkt, unter vier Augen, mit ein paar Geldscheinen. Das funktioniert nicht immer, aber die Spitzenplätze in den Großkonzernen und politischen Parteien sind überfüllt mit Versagern und ihren Freunden, den sogenannten „Amigos“.

Was auch immer schief geht, hat dort eine der am meisten verbreiteten Ursachen. Leistung setzt sich trotzdem durch, aber eigene Köpfe müssen auch mit Drohungen und Nachteilen rechnen.

Die Welt hat so viele Farben, dass eigentlich Jeder sich diejenigen Zeitgeister aussuchen kann, die zu ihm passen. Im westfälischen Münster war das  bis zum Herbst 1987 der Alltag. Man konnte sich, bis ins kleinste Detail, vorher ausrechnen, dass München eine Steigerung von Superlativen war. Aber immer gibt es Dampfwalzen, Beutegeier und eingeweihte Kreise, die für Kleinholz sorgen oder das Klima zertrampeln. Näheres dazu auch im Artikel, der gestern hier erschien, zum „Klimagipfel in Glasgow“.

Mit faulen Trciks kommt man nicht zum Gipfelkreuz oder lässt sich von einer bequemen Seilbahn nach oben tragen. So war oft die Realität. Sehr alte Münchner berichten gern darüber, welche herausragenden Persönlichkeiten sie vor sechzig Jahren persönlich kannten. Damals war ich noch weit weg, aber alle Informationsquellen sind sich einig, dass bei der Olympiade 1972 derart viele Gäste in die Stadt kamen, die dann lange bleiben wollten. Das hat das ganze Gesicht verändert. Die Sehenswürdigkeiten als Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Beim Rest wünscht man sich das oft gar nicht. Wenn Superlative sich gegenseitig übertreffen und Krieg gegeneinander führen, wird es ungemütlich . Außer dem Gipfelkreuz hat das Wort „Kreuz“ noch viele andere Beduetugen.

Am 5.10.21 schrieb ich etwas zum Themea „Rosenkreuzer“ :

https://luft.mind-panorama.de/?s=rosenkreuzer&x=12&y=3

Zitat: „Optische Elemente wie Schmuckstücke oder Gebäude sind bei den Kelten sehr stark von der Bildersprache der Symbolik geprägt. Die doppelköpfige Schlange, der Orobäus, gehörte dazu. Das Schwanzende war gleichzeitig ein Kopf, und beide fraßen sich gegenseitig auf. Ein Hinweis auf die Wiedergeburt. Am unverwechselbaren Keltenkreuz haben die vier Teile kein spitzes Ende, sondern ein abgeflachtes. Das wurde in anderen Fällen sogar noch breiter gezeigt, als Tatzenkreuz, weil es einer Löwenpranke ähnlich sah. So war es blutrot auf den weißen Gewändern der Tempelritter zu sehen, die nicht nach Jerusalem zogen, um dort Kreuzzüge für die christliche Kirche zu führen, sondern um verschollene Kostbarkeiten wiederzufinden, die im Alten Testament beschrieben sind. Zum Beispiel die Bundeslade. Sie war der unersetzliche Behälter für zwei Steintafeln, beschrieben mit den Zehn Geboten, die Gott selbst an Moses übergab und deren Inhalt heute noch eine universale Gültigkeit hat. Ihren eigenen Namen wählten die Ritter zur Erinnerung an den Tempel Salomos, der schon im 10. Jahrhundert vor Christus errichtet wurde.

Ein Ideal ist die Idee der Rosenkreuzer. Wikipedia: „Das Rosenkreuzertum trat erstmals im 17. Jahrhundert als Reformbewegung in Tübingen auf“ …

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem uns Niemand vertreiben kann“, schrieb der oberfränkische Dichter Jean Paul (1763 – 1825) Auf seine Art hatte er recht, aber seine Bücher schlagen auch ganz dunkle Töne an.

Er verwendete gern merkwürdige Titel, zum Beispiel „Schulmeisterlein Wutz“. Wikipedia: „Wutz war sein Leben lang bettelarm, so arm, dass er sich kein Buch kaufen konnte. Aber er besorgt sich den Leipziger „Meßkatalog“ und schreibt seine Bücher eigenhändig. Als geborener Lebenskünstler konstruiert Wutz jeden Morgen eine rosige Zukunft. Aber nur für den kommenden Tag. Also hat er immer etwas, auf das er sich freuen kann.“ De Bruyn nennt „dieses herrliche Stück Prosa eine Anleitung zum Überleben“ und bewundert die „mit Wehmut getränkte Heiterkeit, die liebevolle Ironie“ .

Zu seinen Lebzeiten war Jean Paul bekannt und beliebt, heute haben ihn die meisten Leser vergessen. Wo er sich im Leben aufgehalten hat, war auch ein Reiseziel für zwanzig Jahre. Aber geographische Orte sind vor Allem Äußerlichkeiten. Was Jeder sonst noch damit verbindet, ist für Viele nicht zugänglich. Es ist eine Macht, die auch viel Geld besitzen kann, aber ihre Quelle nicht in materiellen Dimensionen hat. Was das genau bedeutet, ist hier ein Dauerthema.

Die Architektur der Macht“ findet man als eigenes Kapitel ganz oben auf dieser Seite, mit bisher über fünfzig Beiträgen

https://luft.mind-panorama.de/?s=architektur+der+macht&x=7&y=11

.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.