Gorbatschow

2..32021. Michail Gorbatschow wird heute 90 Jahre alt. In Russland nehmen ihm einige alte Leute über, dass er vor dreißig Jahren den harten Sowjetkommunismus beendete und auch die östlichen Satellitenstaten untergehen ließ. Die Berliner Mauer öffnete sich. Dort sagte Gorbatschow zum DDR-Staatslenker Erich Honecker, „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Honecker wollte das nicht verstehen. Ein paar Wochen später saß er mit Ehefrau Margot im Flugzeug nach Chile, Südamerika, für immer. Unterwegs beantwortete sie allein die Frage, „Werden Sie jemals wieder nach Deutschland zurück kehren?“ „Erst, wenn die Bundesrepublik ein Rechtsstaat geworden ist.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt die DDR heute trotzdem einen „Unrechtsstaat“. Merkel, Jahrgang 1954, war 1990 schon 36 Jahre alt und auch Abteilungsleiterin bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ), dem Sprungbrett für höchste politische Karrieren, wo auch die früheren Staats-Oberhäupter ganz langsam begannnen. Für Regimekritiker war dort überhaupt kein Platz. Sie wurden gemeldet und drangsaliert, vor Allem mit Psychoterror.

Wer aus der Reihe tanzte, konnte natürlich auch nicht FDJ-Abteilungsleiterin werden. Die Opfer landeten in dicken Akten, die Betroffene heute bei der Berliner Zentralstelle öffnen können. Dort finden sie die Ausagen von Nachbarn, Kolllegen und eigenen Familienmitgliedern. Bei der Kritikerin Vera Wollenweber war es der Ehemann in der gemeinsamen Wohnung, der viel Material lieferte. Im Internet findet man die Details, auch über die sonstigen Methoden, die Menschen an der Flucht aus dem abgeriegelten Staat zu hindern.

Das ist Alles längst vorbei. Aber wer beim Mauerfall zwanzig Jahre alt war, ist heute Fünfzig, also noch nicht im Rentenalter. Man kann mit den Ossis über die alten Zeiten offen reden, auch in München. Die einen erzählen Schreckliches, die anderen sagen, „Uns ging es doch gar nicht so schlecht.“ Aber nur, wenn man auf der richtigen Seite war. Ganze Bibliotheken kann man mit solchen Berichten füllen, und Bücher darüber sind frei zugänglich.

Was zählt, ist jetzt aber nur noch die Gegenwart. Gorbatschows Leitmotive waren „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Fortschritt). Das gilt für alle Staaten, in Zukunft noch mehr.

Als Deutschlands Städte im April 1945, durch apokalyptische Kriegsbomben, total zerstört wurden, geschah das weltweit bewunderte Wirtschaftswunder. Für den gesamten Staat war das eine Rakete, die ganz schnell Reichtum erzeugte, nach den hoch wirksamen ökonomischen Freiheitsregeln von Ludwig Erhard, die heute noch funktionieren. Voraussetzung sind allerdings Fleiß und Sparsamkeit, die schon lange, seit 1970, immer unbeliebter wurden und deshalb eine Krise nach der anderen auslösten. Als Gorbatschow 1990 energisch auftrat, hatte man in Deutschland aber schon vergessen, was gleich nach dem Zweiten Weltkrieg unser Land sehr schnell steinreich machte.

Gorbatschow wurde, trotz seiner eigenen, lebensnotwendigen Erkenntnisse, am 25.12.91 abgelöst. Danach hat er immerhin keine weiteren Nachteile erlitten, auch nicht bei der jetzigen russischen Führung. Aber lockere Gespräche in bayerischen Wirtshäusern, wie schon öfter erwähnt, sind große Türöffner. Man staunt über die Leistungen, miteinander nur noch wie Brüder und Schwestern umzugehen. Aber man hört auch das Gedankengut von vorgestern, das durchaus weiterlebt.

Gorbatschow konnte damals seine großen Reformpläne nicht erfolgreich abschließen. Trotzdem spricht er gemäßigt darüber. Auch dabei ist er ein Vorbild. Nicht allerdings für diejenigen, die gar nichts gelernt haben. Sie werden immer älter. Da schleifen sich auch eckige Kanten ab oder bekommen eine andere äußere Form. Wissenslücken kann man schließen, aber nur, wenn das auch unterstützt wird. Selbstverständlich ist das leider nicht.

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