Kölner Heinzelmännchen

22.6.2021. Märchenfiguren sind Phantasieprodukte, aber sie lassen sich nicht alles gefallen. Zum Beispiel die Kölner „Heinzelmännchen“. Sie machten nachts alle Wohnungen sauber, und wenn die Bewohner aufstanden, waren sie verschwunden. Da sollte man den Mund halten. Doch: „Neugierig war des Schusters Weib, streute Erbsen aus, zum Zeitvertreib.“ Die hilfsbereiten Kobolde fielen auf dem Fußboden ständig hin, konnten ihre Arbeit nicht mehr machen und verschwanden, für immer. 1816 hörte man diese Geschichte zum ersten Mal. Sie warnte vor den Folgen übertriebener Neugier.

Heute ist das sehr aktuell. Jedes Mobiltelefon kann verbotene Privatfotos machen oder streng vertrauliche Gespräche aufzeichnen, daraus ist ein richtiger Massensport geworden. Das „Netzwerks-Durchsetzungsgesetz“ von 2017 regelt aber den Umgang mit Nutzer-Beschwerden über Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte im Netz. Die Polizei muss jede einzelne Strafanzeige bearbeiten und an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Geldsparende Sammelklagen sorgen für die Verteilung der Anwalts-Kosten und der hohen Entschädigungszahlungen an alle Opfer.

Dass hier ein paar gefährliche Steine rollen, hat noch nicht Jeder gemerkt, denn das verbotene Treiben geht einfach weiter, sogar unter den Augen von Führungskräften, die es verhindern müssen.

Trotzdem ist das Thema viel offener als bekannt. Eine ganz natürliche Neugier entsteht immer dann, wenn etwas geheim gehalten wird.  Das ist nicht immer berechtigt, liegt aber im Interesse von aktiven Gesetzesbrechern. Viel spannender  als die Wiederholungen in  Fernsehkrimis ist jedoch der legale Bereich. Ein Betriebsgeheimnis schützt zu Recht, vor dem kostensparenden Ideenklau der Konkurrenz. Ein Staatsgeheimnis hat noch mehr Möglichkeiten: Es kann schwere Fehler und Gesetzesbrüche vertuschen. Auch im letzten Jahr ist das immer wieder geschehe, wurde aber oft gar nicht kommentiert, damit es einfach weitergeht.

Reizvoll sind Auffälligkeiten, die zum Alltag gehören, aber wie Schlüssel funktionieren. Ein hektisches Benehmen verrät innere Spannungen. Übertriebenes Mitleid will Informationen sammeln. Die Vorliebe für einzelne Themen und bestimmte Wörter lässt sich auch erklären. Darum sind die bekannten Schwerpunkte der Nachrichten-Medien zu sehr auf Sensationen gerichtet statt sich einen Durchblick zu verschaffen, über Ursachen und Folgen, die viel wichtiger sind.

Zum Thema „Gesetze im Netz“ sind hier schon über 90 Artikel erschienen:

https://luft.mind-panorama.de/?s=netz+gesetz&x=17&y=11 

Hysterie kann man dabei vermeiden. Alle Details lassen sich mit Suchmaschinen finden, die frei zugänglich sind. Notwendig sind aber auch Zusammenfassungen, keine jahrelangen Ausbildungszeiten. Wie bei einem physikalischen Brennglas, das bei der Einwirkung von Sonnenlicht Hitze und Energie erzeugt. Nicht um Zerstörungen auszulösen, sondern um Kraftquellen zu verbessern und ihre Wirkung zu steigern.

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