Nur wenige Herbstnebel, 1987

26.6.2021. Stimmungen verändern nicht automatisch den Blick auf die Welt. Im November sorgen Nebel und Kälte dafür, dass Depressionen ausbrechen können. Aber nur, wenn bereits eine hysterische Grundstimmung sich ausbreitet. Dramatische Auftritte und Klagen können das Transportband sein. Normal ist eine Gewöhnung, innerhalb weniger Tage, an die unruhigen Wellen aus der Wetterkarte, die sich täglich verändern können. Übertriebene Aufwallungen sind ein Zeichen für ganz andere Ursachen, auch für schlechte Pläne, Wahrnehmungsfehler und Täuschungsversuche.

Die Außenwelt hat derart viele Farben, dass eine falsche Einschränkung auf  ganz andere Fehler hinweist. In einer Krise wird das besonders deutlich. Vor meinem Umzug nach Süddeutschland im Herbst 1987, habe ich, einmal noch, alle längst bekannten Bilder wie ein Konzentrat erlebt, also besonders stark. Damals und heute haben sie   keine Nebelschleier, sondern eine Farbenkraft, wie ich sie vorher nur selten erlebt habe. Auch Zufallsbegegnungen, die nach ein paar Stunden für immer vorbei waren, bekamen ein bewegtes Eigenleben, wurden nachträglich auch  nicht verklärt, sondern hinterließen viele Details. Fotos bekamen einen besonderen Wert. Wenn sie nicht beschädigt sind, wirken sie immer noch so, als wären sie erst gestern entstanden, ergänzt durch längst vergessene Einzelheiten, die das Gesamtbild noch mehr verstärkten.

Der Herbst 1987 hatte kaum Nebel und viele Sonnentage, In Norddeutschland.

So war es auch bei den ersten Wochen im Münchner Norden. Die wimmelnden Gesichter der Großstadt erweiterten sich ständig, aber auf den alten Bildern sind viele Situationen und Namen jetzt  nur noch Stichworte, die kein Echo mehr auslösen. Wer damals dabei war, bestätigt diesen Eindruck und auch den Zusatz, das man die Meisten heute überhaupt nicht mehr wiedersehen will. Denn im ersten Überschwang glänzten die Fassaden. Später war der glänzende Lack oft ganz ab, und die zwangsläufig entstehenden Lücken hatten sogar einen befreienden Nachhall.

Schwarzweißbilder können einen künstlerischen Wert haben, in der Realität bringen sie nichts. Die bayerischen Regionen habe ich vor dreißig Jahren immer besser kennengelernt. Heute ist die Kanne voll und enthält keine Überraschungen mehr. Eine große Rundreise fand schon im Sommer 1991 statt, von Würzburg, Bamberg, Nürnberg bis zu den Hochstraßen der Alpen. Danach kamen die Wiederholungen, aber auch der genauere Blick auf die Einzelheiten. Ein Meer von Farben, Klängen und Stimmen, Traumlandschaften, langen Abenden in Wirtshäusern. Die Menschen sind sich zwar überall sehr ähnlich, aber die Auffälligkeiten haben ganz eigene Formen. Im Lauf der Zeit wird auch das langweilig, aber die Farbpalette lässt sich immer wieder neu mischen. Wenn es sich lohnt.

Statt einer Überfülle an Daten bringt die Zusammenfassung und übersichtliche Auswahl viel mehr, bei Regel-Abläufen, Fehlern und Erfolgen. Das ist auch das Ziel dieser Webseite. Wertvoll kann zwar ein gründlicher Gedankenaustausch sein, zur Ergänzung und Schließung von Informationlücken. Am meisten lernt man aber beim Zuhören, nicht nur in der Schulzeit. Damals war eine Hauptsache die Lektüre von klugen Büchern, die manchmal noch langweiliger waren als die einschläfernden Monologe der Lehrer. Bücher kann man auch verschenken, aber mindestens ein Schrank kann  diejenigen Titel aufbewahren, die besonders wichtig sind. Im Internet hat dafür Jeder selbst die freie Auswahl, aber nutzt sie manchmal nur in kleinen, wirkungslosen Portionen. Als besonders wichtig kann man das Wikipedia-Lexikon herausheben, weil es auf fast alle Fragen eine klare, gründliche Auskunft gibt. Solche Entscheidungen muss aber Jeder für sich selbst treffen. Entscheidend ist nur, ob die Wegweiser den Weg in die Zukunft blockieren oder erweitern.

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