In the wee small hours

1.6.2022. Frank Sinatra (1915 – 1998) hatte den Ehrentitel „Stimme Amerikas“ (Voice of America), weil in seinen Texten und Melodien das ganze Land mit seinen Eigenarten sich spiegelte. Wenn man das schon 1965 gehört hat, ist eine längere Pause fällig. Und dann tauchen plötzlich alte Titel wieder in der Erinnerung auf. Seine Persönlichkeit wird hier in 25 Beiträgen erwähnt:

https://luft.mind-panorama.de/?s=sinatra&x=12&y=3

Amerika hat sich schon in seiner Lebenszeit verändert. Vor fünfzig Jahren waren noch viele Träume dabei. Vor Allem vom 15. bis 17.8.1969, beim Woodstock-Festival im Bundesstaat New York, als die Hippie-Bewegung zu Ende ging, mit tanzenden Blumenkindern und viel Musik mit „Flower Power“. Danach wurde es ernst. Der Vietnamkrieg dauerte schon seit 1955 und endete erst 1975. Er sorgte auch in den USA für starke Spannungen, weil eine ganz neue Strategie angewendet wurde. Kleine Gruppen von Reisbauern griffen aus dem dichten Dschungel heraus an und verschwanden wieder. Die stärkste militärische Technik war machtlos dagegen und verlor den langen Krieg:

https://luft.mind-panorama.de/?s=vietnamkrieg&x=13&y=6

Das ist Alles schon lange her, aber die Traumbilder von 1965 sind auch verschwunden, als Sinatra einen Erfolg nach dem anderen hatte. In den letzten zwanzig Jahren steigerten sich Krisen, die es vorher noch niemals gab, gleichzeitig verbreitete sich das Internet mit Höchstgeschwindigkeit. Eine unerwartete Lösung für gefährliche Informationslücken und ein neues Ziel für Verbrecher. Beide Seiten kämpfen noch miteinander, aber das Ende ist voraussehbar. Wenn die schwarzen Flecken weniger werden, gibt es einen Qualitätssprung. Schmutz verschwindet von selbst, weil das Licht immer stärker wird. Vollkommen kann das nicht sein, weil die Welt nicht still steht. Und sie braucht viele Flächen für die garantierten Freiheitsrechte in der Verfassug, also auch für den Schutz persönlicher Daten. Auf dem Papier ist das längst vorhanden, dazu die Strafen bei Verstößen. In der Realität noch nicht, doch man muss nur zwei Messpunkte der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden, das ergibt eine graphische Linie, die nach unten oder nach oben zeigt. Das ist die Zukunft, die sich verändern lässt, wenn man nur die Gegenwart verändert. Wer das verhindert oder bremst, hat von Anfang an verloren, auch wenn das lange dauert. Was ist ein Jahr gegen die Ewigkeit?

Der Maler Edward Hopper (1882 – 1967) hat moderne amerikanische Schauplätze festgehalten, die unverändert aktuell wirken. Weite, leere Landschaften mit starken Farben, aber ohne Menschen. Nächtliche Lokale mit einsamen Besuchern, die sich nicht anschauen. „Night Hawks“. Nachtfalken ist sein berühmtestes Bild dazu. Kopien davon hängen auf der ganzen Welt in Abendlokalen. Die Sprachlosigkeit ist ein Merkmal der Gegenwart, weil darin zu viel geredet wird, ohne etwas Hörenswertes zu sagen. Besonders stark entwickelte sich das im 19. Jahrhundert, als Industriefabriken mit der Stoppuhr das Zusammentreffen der Mitarbeiter regelten. Das strahlte aus in den ganzen Rest des Lebens.

Die Freizeit veränderte sich, die Technik machte das Reisen später immer einfacher und preiswerter. Die Kontaktmöglichkeiten auch. Das funktionierte oft nicht. Beide Möglichkeiten lassen sich verbinden und ganz andere auch. Wer dabei nicht nur Erfolge hat, muss damit umgehen und das auch selbst trainieren. Frank Sinatra hat das geschafft, aber in seinen frühen Jahren sah die Welt noch ganz anders aus. 1953 verließ ihn seine Ehefrau, der Filmstar Ava Gardner. Das machte ihn so fertig, dass ihm eine meisterhafte Studio-Aufzeichnung gelang: „In the wee small hours of the morning“ (In den kleinen, wehmütigen Morgenstunden). Auf dem Plattentitel sieht man Frank in einer grauen, menschenleeren Straße, wie auf einem Bild von Edward Hopper. Der Text ist deutlich verständlich, das vergisst man auch nach vielen Jahren nicht:

https://www.youtube.com/watch?v=MiPUv4kXzvw

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