Irrgarten mit Spiegeln

31.8.2021. Auf jedem Volksfest gibt es Plätze, wo laut gelacht werden soll. In München ist es das Teufelsrad, in einem Zelt  auf dem Oktoberfest. Zuschauer steigen auf eine große, waagerechte Holzscheibe, die sich zu drehen beginnt. Die Fliehkraft jagt sie herunter, gegen weiche Gummimauern. Reicht das nicht, wird der dauerquasselnde und witzereißende Spielleiter aktiv. Er wirft ein langes Seil auf das Teufelsrad und zieht daran. Wer bereits auf dem Boden liegt, wird endgültig von der Fläche gerissen. Das tut Niemandem weh und kostet wenig. Genauso ist es mit den Spiegelkabinetten. Sie haben keine glatte Spiegelfläche, sondern sind leicht gekrümmt. Jeder Besucher sieht sich selbst, aber viel zu groß oder zu dick.  Vor dem Ausgang steht meistens noch ein Irrgarten, mit senkrechten Spiegeln oder Fotos. Sie täuschen das Ende eines Wegs vor, sind aber nur ein kurzer Punkt, unterwegs.

Die gleichen Sachen, die im Theater Spass machen, taugen nichts für die Wirklichkeit. Wenn es ernst wird, sind Täuschungsmanöver nur noch ärgerlich. Aber sehr beliebt, weil sie unberechtigte Vorteile versprechen, vor Allem, wenn es um Geld geht. Im Berufsleben ist das eine anstrengende Wissenschaft für sich. Jeder Neuling wird erst einmal freundlich begrüßt, aber sofort ausgehorcht, ob etwas zu holen ist. Zunächst Informationen. Denn Wissen ist Macht. Der erste Irrtum. Wer die Spielregeln kennt, hat auch Ausreden, Notlügen oder  oder Unklarheiten griffbereit. Zunächst ist das dringend notwendig. Später durchschaut man die raffiniertesten und unverschämtesten Trickser oder Falschspieler, weil ihre Methoden sich wiederholen. Das ergibt eine unverwechselbare persönliche Handschrift. Oder sie  bekommen in der ganzen Firma einen unsichtbaren Stempel aufgedrückt, der nicht abwaschbar ist.

Solch ein Stress ist aber vermeidbar, deshalb müssen die Rezepte auch bekannt werden. Es ist bitter, wenn man an Opfer gerät, die hereingelegt wurden. Ein alter Bekannter verkaufte den ganzen Tag frischen Kaffee mit Kuchen. Die Einnahmen musste er abends bei der Zentralkasse seiner Firma abliefern. Dann kam eine neue Bereichsleiterin, die alle Filialen genau kontrollierte. Eines Abends waren immer noch viele Kunden da. Da bot sie ihm an, das Bargeld selbst bei der Zentralkasse abzugeben. Er glaubte das. Am nächsten Tag wurde er von zwei energischen Chefs vorgeladen. Sie behaupteten, er hätte das ganze Tagesgeld selbst eingesteckt. Gegenbeweise hatte er keine. Sie drohten ihm mit einer Strafanzeige, wenn er nicht sofort einen Zettel unterschrieb, dass er das Geld selbst nachzahlen wollte. Er war überrascht, eingeschüchtert und gehorchte. Danach bekam er die fristlose Kündigung.

Damals kannte ich ihn schon zehn Jahre. An seiner Ehrlichkeit bestand überhaupt kein Zweifel. Aber helfen konnte ich ihm nicht, weil er sein Geständnis bereits selbst unterschrieben hatte.

Vor dem Auslöffeln einer Suppe muss man die Zutaten kennen. Eine leckere Pilzsuppe ist immer ein Risiko. Aber wenn man den Koch schon viele Jahre lang gut kennt, stimmt das eigentlich überhaupt nicht. Die heimlichen Giftmischer hat Nietzsche (1844 – 1900) als „Taranteln“ (Giftspinnen) bezeichnet, weil sie ihre Wut über eigene Misserfolge in Rachephantasien gegen Unschuldige umwandeln. Sigmund Freud hätte ihm da Recht gegeben. Als Nietzsche starb, hatten sich die beiden nie gesehen, aber im Jahr 1900 veröffentlichte Freud seine „Traumdeutung“. Mit  vielen Beispielen, zu seinen Methoden der Tiefenpsychologie, bewies er dabei, dass Traumbilder Signale aus dem Unterbewusstein sind. Das ist ein riesiger Speicher im Gedächtnis, wo alle Enttäuschungen und nicht verarbeiteten Probleme landen. Dort schlafen sie aber nur  und warten auf Signale, um wieder lebendig zu werden. Als Störungen, hysterische Übertreibungen oder eine außer Kontrolle geratene Phantasie. Findet man die Ursachen, verschwinden sie. Weil aber drumherum so viel Gestrüpp wuchert, kann das lange dauern. Und eine breite Straße der Verwüstung und Zerstörung hinterlassen.

So funktionieren auch Spannungen und Kriege. Viel mehr wären vermeidbar, wenn die Strategen  solche Regeln kennen. Darum hier noch einmal der Hinweis auf die „Kunst des Krieges“. Der chinesische General Sun Tsu hat das erklärt, vor 2.500 Jahren. Das gehört auch zum Lehrstoff an amerikanischen Militär-Akademien. Hier findet man dazu über 60 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=sun+tsu&x=16&y=14

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