Italien 1980

5.1.2020. Auslandsreisen waren bis vor einem halben Jahr nichts Besonderes. Je weiter weg, desto billiger. Im Zeichen des Massentourismus. In gesicherten Hotelanlagen, ohne direkten Kontakt zu Einheimischen. Wenn das weite Meer zu weit weg war, gab es hotel-eigene Swimmingpools. Essen All-Inclusive. Man musste dafür nichts extra bezahlen. Deutsche traf man überall, man brauchte nicht einmal Englisch.

Das hat mich nie interessiert. Meine erste Auslandsreise ging, erst mit dreißig Jahren, 1980 nach Italien. Verona. Florenz. Rom. Weil das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ kurz vorher über massenhafte Autodiebstähle im ganzen Land berichtet hatte, wurde extra, für ein paar Reisetage, ein billiger, hässlicher Gebrauchtwagen gekauft. Ein Bekannter machte ihn technisch störungsfrei.

Damals machte ich meinen ersten Urlaubsfilm. Steinzeit – Super Acht, Schmalfilm ohne Ton, aber mit Farbe. Die Bilder sind materiell nicht wertvoll, aber für mich persönlich unersetzlich, weil sie in der Realität nicht wiederholt werden können, nur im Film.

Später habe ich sie auf Videos überspielt und mit dem fehlenden Ton ergänzt. Musik von Platten-Aufzeichnungen. Ein eigener Kommentar. Vor zehn Jahren war das später, mittlerweile technisch ausgereift, aber nicht professionell genug. Darum war Schluss damit. Aber es bleiben viele Szenen, aus München und Umgebung. Zwanzig Jahre Oberfranken und die Nachbar-Regionen. Salzburg. Oberbayern. Beim Wiedersehen, nach jahrelanger Pause, wirken sie sehr stark. Vieles kann sich gar nicht wiederholen, nur die Filmbilder und Fotos. Die Profis wiederholen sich auch, aber oft interessiert das nur kleine Kreise. Schade, aber die Konkurrenz durch das Internet wird immer stärker.

Italien war vor vierzig Jahren eine ganz andere Welt. Traumlandschaften. Alte Märchenstädte. Nette Menschen, vor allem gegenüber zahlenden Touristen. Aber viel interessanter als die leuchtende, sonnendurchflutete Oberfläche waren kleine Auffälligkeiten. Die Armut an den Stadträndern, vor Allem im reichen Rom. Die Bettler, die stundenlang mit einer einzelnen roten Rose vor den voll besetzten Cafétischen herumliefen. Der Massenauflauf in den östlichen Badeorten, an der Adria. Die stilleren Strandplätze im Westen, in der öden Industriestadt Livorno und dem von Italienern bevorzugtem La Spezia, wo es einen Campingplatz gab, auf dem auch Olivenbäume wuchsen. Nicht sehr gesund, aber eine Einnahmequelle, sogar im wohlhabenden Norden.

Neapel im Süden war Endstation. Wir standen am Ozeanhafen, wo auch die Ausflugsschiffe nach Palermo abfuhren. Aber dorthin wollten wir damals nicht. Mittlerweile sehe ich das als ein Versäumnis an, aber die ersten Eindrücke vom Süden täuschten. Es ist eine Welt, als wäre sie schon nicht mehr in Europa. Die afrikanische Hitze. Die trockenen Landschaften, wo überwiegend Landwirtschaft die Bewohner ernährt, die in der harten Konkurrenz des Weltmarkts, trotz aller körperlichen Anstrengungen, keine hohen Gewinne erzielen können. Und arm ist Süditalien immer noch, aber Viele sind nach Deutschland ausgewandert und leben dort ohne große finanzielle Sorgen, wenn sie nicht einfach Berufe mit niedrigen Gehältern haben. Sie sind Menschen wie alle anderen auch, aber ihr früheres Leben wurde schlecht organisiert.

Wie man das, relativ schnell ändern kann, habe ich oft erklärt. Man findet die 34 Italien-Artikel unter diesem Text.

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