Abgehakte Klassentreffen

25.9.2021. Wer ein Auo hat, lebt auch bequemer. Nach einem halben Jahr in München habe ich mein letztes Auto im Jahr 1988 verkauft, weil der öffentliche Straßenverkehr gut ausgebaut ist. Mietautos, für Urlaubsziele oder Mitfahrgelegenheiten rechen aus. 1972 half mir ein  Schulkamerad bei einem Materialtransport. Über Bezahlung hatten wir nicht geredet, er hatte dafür nur den Mund aufmachen müssen. Stattdessen fraß er seinen Ärger tief in sich hinein und ließ ihn wachsen. Bei spontanen Besuchen war er unfreundlich, aber weiterhin schweigsam. 2008 kam die ganze frühere Schulklasse nach München, wo er auch schon jahrelang wohnte. Die Planung für das Treffen gemeinsam zu machen, hat er sich zwar kurz angehört, aber dann alles allein organisiert: Das Treffen im Hofgarten, den Abend im „Seehaus“ am Kleinhesseloher See. Vor fünf  Jahren war das letzte Klassentreffen in unserem Geburtsort, wo er mittlerweile allein in seinem Elternhaus lebte. Er brauchte zum selbst ausgeuchten Treffpunkt nur zweihundert Meter zu laufen, ich hätte 750 Kilometer gebraucht. Es reichte dann auch ein handgeschriebener Bericht von einer anwesenden Schulkameradin. Sie schrieb, ein Jahr später, „Wir haben an dem Abend so gelacht und von den alten Zeiten erzählt ! Aber ich wusste nicht so recht, was ich dir davon berichten sollte.“ Ich habe ihr, ein letztes Mal,  geantwortet, „Das wird auch bei euch allen so gewesen sein, weil ihr euch noch nie etwas zu sagen hattet.“ Am 10.8.21 habe ich einen Artikel über „Die Einsamkeit zu Zweit“ geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/einsamkeit-zu-zweit-2/ 

Zitat: „Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu Zweit“, meinte Erich Kästner (1899 – 1974). Er hatte von 1939 – 1945 Schreibverbot, aber schon nach dem Krieg wurde er bekannt mit Kinderbüchern, die ich damals auch gern gelesen habe. Er war berühmt und  kannte an seinem letzten Wohnort München viele Leute, saß gern im alten Schwabinger Wirtshaus „Leopold“. Allein war er also nur, wenn er das selbst wollte. Einsamkeit ist etwas ganz Anderes: Die Abwesenheit eines passenden Klangs, einer Lieblingsmelodie oder von Lebensqualität.“

Das ist weit verbreitet. In München kann man damit sehr unangenehmen Erfahrungen machen, wenn Klammeraffen auf ihrer Verfolgungsjgd unterwegs sind. Obwohl sich das schlechte Benehmen herumspricht und sich auch im gesamten Bekanntenkreis verbreitet, machen sie weiter mit Lügengeschichten und frei erfundenen Märchen. Ich habe oft gestaunt, wie viele Mitwirkende solche Spiele lieben, obwohl das „Stalking“ eine Straftat ist.

In Münster war das nicht so schlimm. Dort leben zwar auch 317.000 Einwohner, aber die Altstadt ist überschaubar, und man kennt sich untereinander. Das historische Zentrum ist vollständig umgeben von einer alten Linden-Allee. Sie heißt „Promenade“, und zu diesem Stichwort gibt es hier schon 15 eigene Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=promenade&x=15&y=5

Wintertage haben in der Erinnerung einen ganz eigenen Reiz, aber die Sommertage strahlen umso heller und klarer. Die räumlichen und gedanklichen Grenzen von Münster haben mich damals zwar gestört, aber das Gedächtnis zieht die besten Vergleiche zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ohne jede Sentimentalität bleibt festzuhalten: Die siebzehn Jahre dort bleiben Vergangenheit, aber die Veränderungskurve danach hat keine unübertraffbaren Höhenrekorde erreicht. Das ist auch gut so, denn Alles, was abläuft, wiederholt sich, und dann kann man besser darüber nachdenken. Diese Webseite ist keine Kriegserklärung, sondern voller Hinweise auf persönliche Erfahrungen und deren Vorteil für Alle, die nicht immer wieder die gleichen Fehler machen wollen.

Manchmal denke ich an Menschen, die ich schon über vierzig  Jahre lang nicht mehr gesehen habe. Der Gefühlsapparat reagiert darauf unterschiedlich, aber nicht ungeduldig. Wenn etwas einfach nicht zusammenpasst, muss man das ändern. Sehr oft hat das reibungslos geklappt, die anderen Fälle sind etwas für Experten. Davon gibt es viel zu wenige. Und das ist der Grund für Spannungen und platzende Seifenblasen. Wenn Illusionen verwechselt werden mit der Wirklichkeit, merken viele Zuschauer das gar nicht. Aber alle Botanischen Gärten mit ihren exotischen Paradiespflanzen werden nachts abgeschlossen. Dann kann man sich hinein träumen, erlebt  vor dem Eingang nur eine harte Bruchlandung. Eine professionelle Gutachterin erzählte mir an einem langen Abend etwas über ihre erwachsenen Problemfälle. Sie konnte aber nichts damit anfangen, sondern nur die aktuelle Situation beschreiben.  Und dann hat Keiner mehr etwas davon, wenn die vielen zumutbaren Ersatz-Möglichkeiten und die große Auswahl an weit offenen Türen  einfach nicht beachtet werden. Solche Gutachter sind leider keine Einzelfälle, sie richten Schaden an.

Musik ist kein Wundermittel, kann aber die Stimmung verbessern. Zum Beispiel Rossinis „Barbier von Sevilla“, 2016 am Handlungsort, zum 200jährigen Jubiläum der Uraufführung:

https://www.youtube.com/watch?v=QMWFijOxn_w

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