Dunkle Lichtstraßen

12.9.2021. Das Stichwort „Münster 1971 – 1987“ hat zwar hier schon 73 Beiträge ausgelöst, aber nie eine Hauptrolle gespielt. Doch wie bei alten Photo-Alben kommt manchmal mit dem Blättern der Geschmack und verschwindet dann wieder. Gestern habe ich über die „Drei Käfige am Prinzipalmarkt“ geschrieben: „An der großen Turmuhr der Marktkirche Sankt Lamberti hängen drei leere, schwarze Stahlkäfige. Drinnen steckten die Überreste der Wiedertäufer, deren Anführer am 22.1.1536 vor dem nahen Rathaus hingerichtet wurden. Sie hatten den Bischof Franz von Waldeck gewaltsam vertrieben, aber er besiegte sie und ließ sie in Stücke reißen.“ Das war wirklich ein welterschütterndes Ereignis, das sich Niemals wiederholt hat, aber ein Denkzettel bleibt, im Gedächtnis der Menschheit.

Dabei geht unter, dass auch die kleinen Dimensionen der Stadt eine Kraft haben, die nur durch Vergleiche entsteht. Kinderleicht ist das mit frei zugänglichen Datenbanken. Wer kein allwissendes Universalgenie ist, kommt aus mit dem Wikipedia-Lexikon und seiner Überfülle an weiterführenden Querverweisen. Jeder ist wie ein Glockenschlag und ein Türöffner, aber wenn man sich nicht auf eine überschaubare Auswahl beschränkt, ist man plötzlich auf einer Milliarden Kilometer weit entfernten Lichtstraße, die noch Niemand gesehen hat.

Die berufliche Dimension beherrscht jeden Arbeitstag, aber ihr Ziel ist der Feierabend und der Blick in den Kontoauszug. Die Abzüge ärgern jeden Blick, der sich verdunkelt und zu den Schlitzaugen eines Raubtiers wird. „Da ist der aller-ärmste Mann dem anderen viel zu reich. Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alles gleich.“ Das Lied stammt von dem Wiener Ferdinand Raimund (1790 – 1836). Geeorg Kreisler (1922 – 2011) schrieb: „Der Tod, das muss ein Wiener sein,“ Im Frühjahr 2005 habe ich die Kaiserstadt zum letzten Mal ein paar Tage besucht. Danach hatte es sich ausgewienert, denn die Welt ist noch viel größer. Zum Geldverdienen gehören „Die Gesetze der Ökonomie“, mit bisher 239 Artikeln. Wer sie nicht beachtet, landet als Witzfigur auf dem Merienplatz. Dort läuft die ganze Welt herum. Einmal waren das junge Bauern vom Lande. Ihr Freund wollte am nächsten Tag heiraten, aber sie hatten wenig Geld. Also musste er sich neben einen Zaun stellen, mit einem fünf Meter entfernten Fußball. Wenn ein Passant zehn Euro zahlte, konnte er gegen den Fußball treten, direkt gegen den mittleren Rücken des Bräutigams. Seine Freunde passten auf und kassierten. Ich fragte, „Wie lange macht ihr das heute noch?“ „So lange, bis wir den Abend im Hofbräuhaus bezahlen können.“ Ein sauberes Geschäft, ohne Betrügereien.

Wenn zum Feierabend die Freizeit beginnt, kann es noch viel teurer werden. München ist da ein grenzenloses Fass ohne Boden. Wer gern schick essen geht, muss anschließend hungern oder sich an Geldsäcke heranschleichen, die darauf hereinfallen. Das ist nur eine Minderheit. Manche Sportautos stehen längst auf dem Schrottplatz, wenn die monatlichen Zahlungskredite noch jahrelang zurückgezahlt werden müssen. Das Klauen von Gegenständen ist viel zu riskant geworden, aber Jeder liebt die Computer. Was da Alles möglich ist, hat sich herumgesprochen. Vom Rest wird hier laufend eine Auswahl vorgestellt, in dem Kapitel „Elektronik“, mit 555 Beiträgen.

Leider ist das kein Spass, aber Jeder kann selbst auf Tricksereien verzichten. Wer das nicht schafft und  die „unsichtbaren Spuren“ nicht ernst nimmt, konnte gestern den Fall Bernard Madoff kennen lernen. „Vertrocknete Wasserbrunnen“ :

https://luft.mind-panorama.de/wasserbrunnen/ 

Zitat: „Bevor seine betrügerischen Machenschaften aufgedeckt wurden, war Madoff ein hochangesehener Wertpapierhändler.  Ein anonymer Whistleblower entdeckte Madoffs Betrügereien bereits im Jahr 1999, wurde jedoch von der US-Bördenaufsicht SEC jahrelang ignoriert. Der Gesamtumfang des Schadens wurde zum Zeitpunkt des Prozesses gegen Madoff auf mindestens 65 Milliarden Dollar (rund 51 Milliarden Euro) veranschlagt, die Zahl der Geschädigten auf 4800. Madoff wurde am 29. Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt,“ Die Höhe der Strafe sollte schlaue Rechtsanwälte daran hindern, den Prozess wegen Formfehlern noch einmal von vorn aufzurollen.

Das kann man vermeiden und braucht sich nichts darauf einzubilden. Die Gesetze des Universums funktionieren, früher oder später.

Solche Erinnerungen an Münster habe ich nicht, aber die  verwahrlosten, Randbezirke gab es überall. Unvergesslich waren die freien Abende, im verschneiten Winter, noch mehr im Hochsommer. Am Prinzipalmarkt sah man nicht nur die drei schwarzen Stahlkäfige der Wiedertäufer von 1536, sondern den zentralen Bahnhof der Stadtbusse, von dem aus man in jede Himmelsrichtung fahren konnte. Nur dreihundert Meter Fußweg entfernt war  der „Kiepenkerl“, ein Denkmal für die Straßenhändler, die Lebensmittel und andere Waren in der ganzen Region verkauften. Das gleichnamige Wirtshaus ist attraktiv, auch dessen Nachbarschaft, das war so, viele Jahre lang. Die letzten Abende dort, im Herbst 1987 und die Menschen, die dabei waren, bleiben unvergesslich.

Das bereits erwähnte „Wiener Hobellied“ sang 1952 Marlene Dietrich, sehr herzlich und gleichzeitig sehr deutlich:

https://www.youtube.com/watch?v=hxN-YqguUR8

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