Luisenschule, 1955 – 1960

21.9.2020. Die Grundschule hieß damals Volksschule, wurde dann aber entschärft und zur Basis, alo ein Fundament für das Lernen und den Rest des Lebens. Das war auch das erstmalige Verlassen des Elternhauses, vormittags, von Montag bis Samstagmittags. Die radikale Umstellung sorgte für schlechte Laune. Dagegen halfen erst einmal bunte Schultüten, die bis zum Rand mit Süßigkeiten und Spielzeug gefüllt waren. Dann war der erste Schultag überstanden. Die Erinnerungsfotos zeigen ernste Kinder, besorgt vor der strengen Zukunft. Sehenswert noch Jahrzehnte später.

Die Luisenschule hieß schon so, als meine Mutter sie vor hundert Jahren besuchte. Der altmodische Name erinnerte an die preußische Königin Luise. und man wünschte sich dort auch strenge preußische Disziplin. Es gab noch die Prügelstrafe für Schüler, schlechtes Benehmen wurde handschriftlich im Klassenbuch vermerkt, zur Abschreckung, mit bösen Kommentaren der Lehrer. Wer zu faul war, musste ein Schuljahr wiederholen. Der Umgangston war hart, manchmal herzlich. Ausgerechnet ein frommer Religionslehrer schlug bei Fehlern dem Schüler das persönliche Aufgabenheft klatschend um die Ohren. Strafsitzen in den Pausen, Anschreien gehörte dazu.

Doch hier lernte man zum ersten Mal Lesen, Aufsätze schreiben, über Erlebnisse. Oder zur „Besinnung“, zum Beispiel: „Welche Vorteile hat eine Stadt, im Vergleich zu einem Dorf?“ Wer das einfach abschrieb, auch bei seinen Mitschülern, wurde bestraft. Vor Allem bei Prüfungen fiel er sofort durch. „Nicht bestanden.“

Der Klassenlehrer empfahl, wer nach dem Ende der ersten Schuljahre arbeiten gehen musste, meistens körperlich und schleht bezahlt. Oder wer auf die praxisnahe Realschule oder das gehobene Gymnasum durfte, wo nach viel zu langen neun Jahren das Reifezeugnis wartete, mit vielen Einzelzensuren und der Berechtigung, ein jahrelanges, zielloses akademisches Studium zu beginnen. Das führte nicht immer zum großen Glück, sondern zum vorzeitigen Abbruch und auf überbesetzte Führungsplätze. Der Krieg konnte beginnen. Sieg oder Niederlage waren erst nach Jahren zu erkennen. Oder die Zeiten veränderten sich. Was blieb, war ein wachsender Erfahrungsschatz. Oder eine Wüste. Das aber bestimmte niemand ganz allein, sondern alle Einflüsse von außen und das Innenleben des Einzelnen.

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