Magna Charta 1215

John Lackland („Ohne Land“) verlor als erster englischer König seine Alleinherrschaft und musste sich dem Willen der aufständischen Volksvertreter, des Parlaments, beugen. Sie wollten nicht mehr überall bevormundet werden. Er gab dann zahlreiche wichtige Rechte direkt an seine Gegner ab, 1215, schriftlich, in der Magna Charta Libertatum. Später gab es zwar noch starke Herrscherfiguren wie Heinrich VIII. oder seine Tochter, Elisabeth I. Aber das Parlament hatte viel Geduld. Die jetzige Königin Elisabeth II. ist 95 Jahre alt, sehr angesehen, darf aber nur noch repräsentieren.

Bei der jährlichen Eröffnung des Parlaments ist sie persönlich anwesend, mit großer Staatskrone, entscheidet aber gar nichts, sondern liest nur die neue Rede des Premierministers vor. Für sie bewahrt man viele alte Traditionen: Die aufwändige Geburtstagfeier auf einem großen Exerzierplatz in London. Die Zahlung ihrer Schlösser, Feste und Reisen. Sie erfüllt ihre Pflichten vorbildlich, auch die weniger angenehmen, sogar einen Besuch der Münchner Staatsoper vor sechzig Jahren. Pech hatte sie nur mit ihrer Familie, die früher für viele Schlagzeilen sorgte. Vielleicht ist sie auch deshalb, immer noch nicht zurückgetreten.

Das ist für alle Seiten pflegeleicht. Der Umgang mit Macht kann viel extremer sein. Seit 1945 gab es in Europa keinen Krieg mehr, aber unter der Oberfläche hört man die Hufe scharren, die Streitereien und umgelösten Probleme steigern sich. An ihrer Sprache kann man sie alle erkennen. Die Wortwahl öffnet tiefe Einblicke in die verstecktesten Winkel des Innenlebens. Es gibt eine Karikatur, wo zwei zwei Manager sich freundlich angrinsen und die weit ausgestreckten Hände lachend miteinander schütteln. Hinter dem Rücken hat aber Jeder ein scharfes Messer in der Hand. Das Spannende an solch einer frei erfundenen Bildersprache ist ihre Übersetzung. Sie bedeutet Hinterlist und Kampfbereitschaft um Führungsposten. Wer solche Zeichen lesen kann, aber auch die Auswahl der gesprochenen Worte, blickt in Abgründe und erfährt die Wahrheit. Noch mehr Futter liegt in der Auswahl von Gesprächsthemen, in der Abwesenheit von wichtigen Fachbegriffen, Logik und dem ständigen Auftauchen von wichtigen Informationslücken. Dann die falschen Bewertungen und leeres Geschwätz. Eine übertriebene Unruhe versteckt ernsthafte Störungen, und eine vorgetäuschte menschliche Anteilnahme ist nichts als Neugier, um Informationen weiter zu verbreiten, zu verkaufen oder zu fälschen.

Im Beruf ist das normal, aber man kann auch die Regeln durchschauen, um noch mehr Schaden zu verhindern. Damit macht man sich, auch bei höflicher Zurückhaltung, keine Freunde, denn Dummköpfe sind auch rachsüchtig. Sie bilden verdeckte Netzwerke und verjagen Konkurrenten. Eine heiße Mischung, die der Firma schadet und dem notwendigen Erfolg. Bei jeder Pleite werden die genauen Zahlen der Bilanzen untersucht und bewertet, aber um die Ursachen kümmern sich nur Wenige. Wenn so etwas passiert, geht alles genau so weiter oder es ist Schluss, auch für die Arbeitsplätze.

Im Privatleben kann das noch unverschämter sein, und die Verursacher sind noch beliebter, weil sie die ganze Palette von Schmierenschauspielern griffbereit haben. Angeberei, falsche Tatsachen, böses Geschwätz und Heimlichkeiten. Aber auch solche Merkmale lassen sich erkennen. In der Politik gehört es zum Alltag. Dort schaden aber Fehlbesetzungen ganzen Staaten, vergrößern Spannungen und Ungerechtigkeiten.

Ständig solche Auffälligkeiten zu suchen, ist lächerlich, weil sie auch nicht ständig erfolgreich sind. Aber wenn man die Grammatik im Lauf vieler Jahre immer besser verstanden hat, kennt man sie auswendig. Eigentlich wird es dann ganz einfach, aber dann brauchte man das Wort „eigentlich“ nicht mehr. Einbildung ist auch eine Bildung, aber die sollte man erst gar nicht erlernen. Kunst kommt von „Können“, nicht vom Wollen, denn sonst hieße es „Wunst“. Man erkennt das am Ergebnis.

Anregend und entspannend ist zum Beispiel Beethovens Egmont-Ouvertüre:

https://www.youtube.com/watch?v=kJ-CehMCB9U

.