Mario del Monaco

6.11.2021. Manche Musikfreunde mögen Richard Wagner nicht. Sie bevorzugen die italienische Küche. Und wenn man dann Gutes tun will, hören sie gar nicht hin. Mario del Monaco (1915 – 1982) war ein Sängerstar für Verdi, Puccini und andere Raritäten. In seinen besten Jahren sang er immer sehr laut, aber eindrucksvoll, und eigentlich niemals deutsch. Eine Ausnahme hat er am 21. März 1966 gemacht, mit  einer ungekürzten “Walküre“. Die Partie des Siegmund war genau das Richtige für ihn, da konnte er schreien und toben, aber auch ganz feine, empfindsame Zwischentöne zum Klingen bringen. Das geschah 1966, im Todesjahr von Wieland Wagner, der am 17. Oktober damals starb und für den Stuttgart das „Winter-Bayreuth“ war, wo er seine großen Inszenierungen vorbereitete und ausprobierte. Seine Lebensgefährtin Anja Silja stand neben Mario del Monaco auf der Bühne, als Sieglinde, und hier kann man die vollständige Aufnahme hören (3.35 Stunden)

https://www.youtube.com/watch?v=YC1J5OWSbhA

Einen solchen Wagner-Gesang gibt es heute tatsächlich nicht mehr. Auch wenn man die damaligen Weltstars anhört, wie Astrid Varnay, Martha Mödl, Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen und Ion Vickers, dann hört man es sofort, trotz der schlechteren Klangtechnik. Mario del Monaco hatte es gar nicht nötig, aber er übte, vermutlich mit einem Stimmlehrer, so lange, bis er ein fast akzentfreies, klar verständliches Deutsch schaffte. Und das bei den uralten Stabreimen aus germanischer Vorzeit ! Wenn er dann, nach 36 Minuten, mit dem großen Schwertmonolog beginnt, zeigt er Alles, was ihm möglich war. Und dabei steigert sich die musikalische Ekstase immer mehr. Wieland Wagner hatte sogar einmal überlegt, ob er die große Maria Callas verpflichten sollte, die alle wichtigen Wagnerpartien auf italienisch sang, aber das kam nicht zustande. Und als er am 17. Oktober 1966 starb, gab es auch eine überragende Persönlichkeit nicht mehr, die von seinen Nachfolgern nicht besonders geschätzt wurde. Über die familiären Streitigkeiten hat Gottfried Wagner ausführlich berichtet, der Sohn Wolfgang Wagners, in seinem deutlichen „Enthüllungsbuch“ „Wer nicht mit dem Wolf tanzt“. Danach bekam er vom Vater ein lebenslanges Hausverbot. So wie auch seine Mutter Winifred, weil sie in einem Film von Hans-Jürgen Syberberg, von ihrem früheren  Hausfreund Adolf Hitler schwärmte: „Wen er jetzt zur Tür hereinkäme, würde ich mich freuen.“

Sie wohnte damals im „Siegfried-Bau“, direkt neben Wahnfried, dem Wohnhaus von Richard Wagner. Im Garten ließ Wieland eine Mauer errichten, damit er seine Mutter nicht ständig sehen musste. Im Siegfried-Bau gibt es zwei Etagen, die als Museum genutzt werden können. Für den unersetzlichen Wieland Wagner. Für Hitler könnte man eine ganz andere Ausstellung aufbauen: Die Dokumente, auch Fotos, von seinen triumphalen Besuchen in Bayreuth. Gleich daneben die unheimlichen Dokumente seiner Regierungsjahre bis 1945. In dieser abschreckenden Form hält es auch unerwünschte Besucher fern. Die Wagnerstadt hätte eine ganz neue Attraktion für Besucher, nicht nur zur Festspielzeit im Hochsommer, sondern das ganze Jahr. Seit Jahren schlage ich das vor, ohne irgendeine offizielle Reaktion, obwohl meine Texte bei den zuständigen Stellen bekannt sind. Die Verlängerung, der Wahnfried-Allee bis zur Hauptstraße und die Verlegung der dortigen Bushaltestelle nach Osten, waren nachweislich auch meine Ideen, ohne ein Dankeswort nach ihrer Realisierung vor sechs Jahren. Deshalb ist der Hinweis auf das Copyright notwendig geworden und gilt auch für alle andere Themen hier.

Ich kenne Bayreuth so gut, dass ich es als geographischen Ort gar nicht vermisse. Zufällig seit dem Tod Wieland Wagners, als damals Sechzehnjähriger hat das Thema sogar immer mehr an Bedeutung bekommen, ganz freiwillig. Gegenüber Bayreuth gibt es keine feindseligen Gefühle, für derartige Privatsachen ist die Zeit viel zu schade, und wird Das auch immer mehr. Alle Missverständnisse kann man bedauern, aber die Zeit lässt sich nicht rückwärts drehen. Marcel Proust (1871 – 1922) nannte seinen gewaltigen Lebensroman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.“ Die muss man nicht suchen, wenn man sie gefunden hat. Und dazu wird immer auch die Musik gehören, die mich nach Wieland Wagners Tod niemals verlassen hat. Das muss man sich gar nicht mehr neu anhören, wenn es ein Teil des eigenen Denkens geworden ist, so wie auch die Lebenserfahrungen anderer Menschen, die ich hier gern zitiere.

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