Mein Freund Christopher Marley

9.11.2020. Christopher Marley ist schon vor fünfhundert Jahren gestorben, aber seine Texte sind sehr lebendig. Sie springen einen förmlich an, wenn man sie versteht. Dabei sind sie auf der Oberfläche klar und deutlich. Erst wenn man Viel darüber liest und nicht nur die historischen Belanglosigkeiten, dann öffnen sie sich. Sie stehen auf einer sehr hohen Ebene, und das lässt sich übersetzen.

Marlowes einziges Porträt besitze ich als gute Farbkopie Daneben bekommt einen Ehrenplatz ein Bild von Salvador Dali. Beide haben in das Innerste der Welt geschaut. Jeder auf seine Art. Entscheidend ist die Wirkung. Jede gute Bildersprache kennt das. Es sind Zeichen aus der Frühzeit, die lebendig sind, Aber für die Meisten nicht, weil sie von Nebensachen abgelenkt werden. Eine innere Verwandtschaft entsteht durch Erfahrungen. Durch Vergleiche, die überraschend sein können.

Die Person Christopher Marleys wurde in den letzten Tagen immer klarer. Salvador Dali ist es schon lange. Was beide verbindet, ist ihre Verbindung zu den Universalgesetzen und dem Entstehen aller Dinge. Diese Begabung hatten auch Albert Einstein und Sigmund Freud. Aber bei Marley wurde das erst jetzt erkannt. Das macht deshalb nichts, weil es noch viele andere Beispiele gibt. Jedes hat seine eigenen Merkmale. Und die sind es wert, betrachtet zu werden.

Wie ein helles Licht las ich heute: John Whitgift war Erzbischof von Canterbury, 1583 ernannt von Königin Elisabeth I. Wikipedia-Lexikon: „Whitgift war Anhänger des Calvinismus und fand die aufkommenden puritanischen Schriften ketzerisch für die Church of England. So ließ er zahlreiche Schriften, unter anderem auch William Shakespeares Werk Der Phoenix und die Turteltaube, zensieren. Ihren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung mit der Marprelate-Kontroverse (1588–1589).“

„Auslöser der Marprelate-Kontroverse waren die zwischen Oktober 1588 und September 1589 erschienene, puritanischen satirischen Schmähschriften, die unter dem Pseudonym Martin Marprelate heimlich gedruckt worden waren und die Kirche von England und ihre Bischöfe wie John Whitgift, den Erzbischof von Canterbury, scharf angriffen. Der Name Martin Marprelate (auch Mar-prelate geschrieben) lässt sich ins Deutsche übersetzen als „Martin Hau-den-Pfaffen“ oder „Martin Misch-den-Pfaffen-auf“.

Martin („Marlowe“) Marplegate war vermutlich Christopher Marlowe selbst. Wikipedia: „Die exakte Identität von Martin Marprelate ist nie geklärt worden.“ Ja, damals nicht. Wikipedia: „Der Martin Marprelate Skandal war in jener Zeit einer der augenfälligsten Rebellionen gegen die Kirche von England und gegen repressive Tendenzen im Elisabethanischen England. Und auch Shakespeares Falstaff soll nach Meinung einiger bei ihm in der Schuld stehen. Ein höchst interessanter Gedanke, der so abwegig nicht ist.“

Damit ist die ganze Geschichte restlos klar. Der Erzbischof von Canterbury wollte Marlowe in einem förmlichen Prozess anklagen, wegen Gottlosigkeit (Atheismus) und Gotteslästerung (Blasphemie). Marlowe musste fest damit rechnen, zum Tode verurteilt werden. Selbst seine mächtigen Freunde konnten ihn davor nicht retten: Königin Elisabeth I. und sein bester Freund Thomas Walsingham, der Enkel des königlichen Geheimdienstchefs. Also wurde sein Tod in einer Wirtshaus-Messerstecherei vorgetäuscht, bei der Thomas Walsingham persönlich anwesend war. Walsingham war anschließend englischer Botschafter in Paris. Dort tauchte ein „Monsieur Le Doux“ auf. Über ihn habe ich gestern folgenden Artikel geschrieben:

https://luft.mind-panorama.de/monsieur-le-doux/

Christopher Marlowe war immer der ständige Hausdichter des Londoner Theaterdirektors William Shakespeare und dessen Markenzeichen.

Beide sind eine einzige Person. Shakespeare war nur das ablenkende Pseudonym des schon zu seinen Lebzeiten berühmten Dichters.

Er steht mir sehr nahe, weil ich seine Texte genau verstehe. Die Sprachspielereien. Die Verschlüsselungen. Den grenzenlosen Horizont. Bei ihm war das eine Naturbegabung. Die Wirkung ist nur möglich, wenn auch persönliche Erfahrungen dazu kommen. Das klingt einfach, aber es ist nicht über Nacht da. Wenn die Datenverarbeitung dazu kommt, auch die persönliche, öffnen sich viele verschlossen Türen. Das ist die Zukunft.

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