Mord im Dom

28.12.2020. Thomas Becket (1118 – 1170) war ein enger Jugendfreund des englischen Königs Heinrich II (1133 – 1189). Später ernannte ihn der König zum Erzbischof von Canterbury, damals eine sehr hohe Position in der katholischen Kirche. Niemand hatte damit gerechnet, dass daraus ein erbitterter Streit entstehen würde. Der König war der Alleinherrscher, aber Beckett fand einen noch mächtigeren Beschützer. „Die Ehre Gottes“. Das sagte er auch deutlich. Als ein Priester in den Verdacht geriet, eine schwere Straftat begangen zu haben, ließ Heinrich ihn verhaften. Aber Becket widersprach heftig. Die Verurteilung eines Priesters sei allein seine Sache. Darüber kam es zum heftigen Streit zwischen den beiden. Wikipedia: „In seiner Erregung ließ der König sich zu Sätzen gegen Becket hinreißen, die von vier anwesenden Rittern als königlicher Mordbefehl  interpretiert wurden. Am 29. Dezember 1170 trafen sie in Canterbury ein und teilten Becket mit, er solle sich nach Winchester  begeben, um Rechenschaft über seine Taten abzulegen, was Becket ablehnte. Die vier Diener des Königs drangen daraufhin in die Kathedrale von Canterbury ein und töteten Becket am Altar.“ Nach dem Bericht des Augenzeugen Edward Gerim versuchten die mit gezogenen Schwertern eingedrungenen Ritter zunächst, Becket aus der Kathedrale zu drängen, entweder um ihn direkt außerhalb des Gotteshauses zu ermorden oder als Gefangenen wegzuschaffen. Sie wurden von Beckets tadelnden Worten jedoch so sehr in Wut versetzt, dass sie ihn sofort umbrachten. „

Dem König war nichts nachzuweisen. Er war jetzt wieder Alleinherrscher, aber das grundsätzliche Problem blieb unerledigt. Wer ist mächtiger, der König oder der Kirchenfürst? König Heinrich VIII. (1491 – 1547) fand fast vierhundert Jahre später dazu eine knallharte Lösung. „Er sprach mehrere Sprachen, verfasste Gedichte, komponierte Musik und zeigte großes Interesse an religiösen Themen. Da seine erste Ehe mit Katharina von Aragon keinen männlichen Thronfolger hervorbrachte, strebte Heinrich in den 1520er Jahren eine Annullierung seiner Ehe durch den Papst an, die dieser aber ablehnte. In der Folge gab es einen riesigen Streit. Heinrich führte sein ganzes and in die englische Reformation: Er trennte England total von der römisch-katholischen Kirche und begründete die anglikanische  Kirche Englands, zu deren Oberhaupt er sich selbst erhob. Schließlich enteignete er die englischen Klöster und löste sie auf.“ Oberhaupt der anglikanischen Kirche war der englische Erzbischof von Canterbury. Heinrichs Nachfolgerin war seine bedeutende Tochter, Elisabeth I. Sie gab ihren Name einer großen Epoche der englischen Geschichte und war auch eng befreundet mit dem berühmten Theaterdramatiker William Shakespeare, dem erbitterten Todfeind des Erzbischofs von Canterbury.

All diese Turbulenzen geschahen im gedanklichen Nachhall auf Martin Luther (1483 – 1546), der damals auch, alle Verbindungen mit der katholischen Kirche abbrach, die noch mit Ketzerverfolgung und brennenden Scheiterhaufen ihre autoritäre Macht weiter erzwingen wollte. Am 11.10.2020 habe ich dazu, über die Hinrichtung des 46jährigen Dominikanermönchs Girolamo Savonarola (1452 – 1498) in Florenz, einen Artikel geschrieben:

Savonarola | Der königsblaue See (mind-panorama.de)

Diese Auseinandersetzungen spielen heute keine Rolle mehr. Wer regiert die Welt? Das Internet. Der freie Zugang zu Informationen gehört zu den wichtigsten Grundrechten, die bereits 1949 in unserer Verfassung festgelegt wurden. Damals kannte man zwar noch kein Internet, aber das für Jeden garantierte Recht auf Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibt dabei: Die Gedanken sind frei. Und sperrt man mich ein in finstere Kerker, das alles sind rein vergebliche Werke. Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei, die Gedanken sind frei!“ (Hoffmann von Fallersleben). Milva singt jetzt, „Freiheit in meiner Sprache heißt Libertá“ :

https://www.youtube.com/watch?v=gEt31pOl-F4

Milvas Heimat Italien ist ein freies Land. Politisch schon seit 1860, als Norden und Süden von Garibaldi vereinigt wurden. Doch ökonomisch, also auch sozial gibt es immer noch eine unsichtbare Grenze. Dabei ist Neapel der Mittelpunkt, das Zentrum. Norditalien war schon früh eine wichtige Industrieregion, mit relativ guten Einkommen. Im trockenen, heißen Süden, dominiert jedoch die Landwirtschaft. Orangen, Zitronen. Viehzucht. Wein. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist sehr hoch, da stürzen die Verkaufspreise ab, trotz aller Anstrengungen. Doch jetzt wird es immer leichter, für Gerechtigkeit zu sorgen. Viele wichtige internationale Wirtschaftsbranchen sind längst geographisch unabhängig, ihr Standort ist egal. Aber teure Mode und Autos werden überwiegend im in Norditalien produziert.

Hier kann jede Regierung regulierend eingreifen und die Schwerpunkte verlagern. Bei Computern ist es noch einfacher. In Zukunft werden immer mehr Heim-Arbeitsplätze entstehen. Überbesetzte Büros und Fabriken bekommen dafür viele freie Flächen, zum Beispiel als Warenlager. Online-Bestellungen werden von dort aus abgeholt und rund um die Welt geschickt. Jeder kann daran verdienen. Der Warentransport, die Logistik, war, vor dreißig Jahren meine erste große Aufgabe in München. Mit Rechnerprogrammen kannte sich damals kaum Jemand aus. Aber ich wusste, wie man Arbeitsabläufe organisiert. Ein Techniker setzte das in ein vielseitiges, elektronisches System um, und ein zweiter Mitarbeiter, ein selbst betroffener Fahrer, tippte alle Daten ein.

Das war ein guter Beginn in Bayern, damals. Was danach kam, war sehr oft der Widerstand von unbeweglichen Führungskräften. Das war nicht mehr lustig, denn die Menge, die Masse war sehr stark. Doch man kann Viel daraus lernen. Diese wertvollen Erfahrungen sind ein Haupt-Thema dieser Webseite, ohne Jemand persönlich zu schaden. Es geht nur um die Beachtung von Regeln und Gesetzen, die weltweit gültig sind, also Universalgesetze, deren Verletzung bestraft wird. Nicht nur durch die Justiz, sondern auch von der Logik. Jede Maschine, jedes Lebewesen funktioniert nur nach Regeln, die eingehalten werden müssen. Deshalb richtet Kriminalität in jeder Form, immer Schaden an und hat deshalb, als Dauerzustand, immer weniger Chancen. Die notwendigen Ermittlungen werden aber noch viel zu sehr gebremst, durch Wissenslücken und Informationsmängel. Traditionelle Methoden sind anfällig, für schwere Fehler. Und maßgeschneiderte Programme fehlen immer noch. Auch das ist hier ein Dauerthema. Die Themen-Übersicht dazu findet man unter diesem Text.

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