Zweite Episode: Münster 1971 – 1987

18.9.2020. Nach der Jugend im Elternhaus begann im Januar 1971 die zweite Epoche: Das Leben in der westfälischen Hauptstadt, die im Westen und Osten überwiegend Bauernland verwaltete. Ein flaches Land ohne Berge, im Osten der Teutoburger Wald, wo der in Rom erzogene Cheruskerfürst Arminius eine überlegene Streitmacht der Römer in die Knie zwang und ihre weitere Ausbreitung nach Norden endgültig beendete. Im Westen gab es nur einzelne Sehenswürdigkeiten. Nach sechzig Kilometern kam die holländische Staatsgrenze. Wenn man auf Landkarten mit eingezeichneten Bundesländern schaut, treffen drei Länder an einem Punkt zusammen: Holland, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das Dreiländer-Eck. („Driland“) Genau dort bin ich aufgewachsen. Dann reichte es. Ein kurzes Studium in Münster wurde der Auftakt, dann zwei Semesterferien-Jobs. Im April 1971 folgte die erste längere, ganz kleine Wohnung an der Promenade, der früheren Stadtmauer, die längst als Wanderweg, mit dichten Alleebäumen abwechslungsreiche Spaziergänge rund um die ganze historische Altstadt möglich machte.

Münster kam zwei Mal in die große Weltgeschichte. Jan van Leyden (1509 – 1536) und seine Glaubensbrüder von den „Wiedertäufer“ besetzten die ganze Stadt und vertrieben den Bischof. Nach ihrer mühsam erkämpften Niederlage wurden Jan van Leyden mit zwei Gefährten vor dem Rathaus in Münster hingerichtet. In drei heute noch sichtbaren Stahlkäfigen verfaulten sie am Turm, unter der großen Uhr an der nahen Lambertikirche. Zu den Wiederäufern gehörten auch die Schwarzenau-Brüder, nach denen die Londoner „Blackfriars“-Brücke benannt ist. Dort hing am 17.6.1982 der vorherige Präsident der römischen Vatikan-Bank, Robeto Calvi. Einige Kunden hatten ihn nach London gelockt, weil er Geld aus unklaren Quellen in die eigene Tasche gesteckt hatte. Die Leiche hing an einem Galgen- Strick. Nur die Fußssptzen der teuren schwarzen Lackschuhe berührten das Wasser der Themse. Das heißt: „Er wollte auf dem Wasser gehen wie Christus, schafffte es aber nicht.“ In den Taschen seines massgeschneiderten schwarzen Anzugs steckten dicke Bündel mit Banknoten. Das bedeutet: Diebstahl. Er hing an einem dicken Seil, so wie ein öffentlich aufgehängter Verbrecher in früheren Zeiten. Ein Pistolenschuss war er den Tätern nicht wert, die seit ein paar Jahren namentlich bekannt sind und gefasst wurden Näheres findet man in dem ausführlichen Dokumentarbericht von David Yallop; „Im Namen Gottes?“

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Im Dezember 2003 bin ich ein einziges Mal über diese Londoner Brücke gegangen, weil sie in Sichtweite vom historischen „Globe“-Theater liegt, dem Welt-Theater, in dem Shakespeare, sprachgewaltig eine ganze Welt menschlicher Dramen lebendig machte.

Drittes historisches Welt-Ereignis in der Stadt der westfälischen Wiedertäufer : Der europaweite Dreißigjäjhrige Krieg von 1618 bis 1848 wurde von allen streitlustigen Parteien im Rathaus von Münster beendet, weil sie kein Geld mehr hatten und ihre Länder in Trümmern lagen.

Im September 1987 zerbrach eine jahrelange private Partnerschaft endgültig. Als zur Reparatur nicht mehr möglich war, zog ich um nach München, eine ganz andere Erfahrung, aber auch keine Welt ohne Schatten. Und mit Licht aus ganz anderen Quellen.

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