Das helle Novemberlicht

31.10.2020. Ein November muss nicht belastender sein als der Rest des Jahres. Von der realen Außenwelt ist der Mensch immer weniger abhängig geworden. Nur das Innenleben ist oft noch nicht so weit. Im Hochsommer ist die dunkle Jahreszeit ein bevorstehende Ärgernis, aber wenn es dann so weit ist, kommt die Gewöhnung. Nietzsche meinte, „Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“ Gusseiserne, stählerne Härte ist etwas ganz Anderes. Er meinte die innere Kraft, schrieb aber auch, „Die Krähen schreien und fliehen schwirren Flugs zur Stadt. Wehe dem, der jetzt keine Heimat hat!“ Und Rilke notierte, „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich Keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und auf den Alleen unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ Rilkes berühmtes Herbstgedicht beginnt aber mit ganz anderen Tönen: „Herr, es ist Zeit! Der Sommer war sehr groß. Lege deinen Schatten auf die Sonnenuhren. Und auf den Fluren lass die Winde los. Gib ihnen noch zwei südlichere Tage, und jage die letzte Süße in den schweren Wein.“

So ist das überall. Das persönliche Wahrnehmungsvermögen reagiert auf die gleichen Signale völlig unterschiedlich. Im Lauf der Jahre wird es unabhängiger. Durch Vergleiche kann man bewerten, aussortieren. Vor dreißig Jahren war München ein bunter Kreis, mit vielen äußeren Möglichkeiten. Das hat sich geändert, ganz freiwillig. Schaut man in die wechselnden, hektischen Alltagsnachrichten, werden sie immer bedeutungsloser, wenn man nicht direkt betroffen ist. . Und dann erkennt man immer mehr. Verschlafene Zusammenhänge. Gründe für Fehler. Die Unveränderbarkeit eines Charakters. Wer ein Betrüger ist, bleibt immer ein Betrüger, wird aber raffinierter.

Solche Auffälligkeiten erkennt man immer schneller. Und auch das, wo trotz nebensächlicher Streitigkeiten eine Qualität sich nicht ändert. Todfeinde sind auch nur Menschen. Begreift man ihre Motive, dann verlieren sie ihre Macht, auch wenn sie zunächst, weiter Schaden anrichten. Mit elektronischen Auswertungen geht das in Zukunft immer schneller. Die Menge der Daten darf nicht das Wichtigste vernebeln: Die Auswahl.

Die Methoden. Einsteins wichtigste Erkenntnis war, als normaler Physiker im Züricher Patentamt, dass die zeitaufwändig erlernten, naturwissenschaftlichen Regeln nicht immer so funktionierten, wie es eigentlich sein müsste. Als Versuche diese Merkmale wiederholten, war er auf der richtigen Spur. Seine Relativitätstheorie klingt zunächst simpel und banal: Ein konstantes Licht kann sich verändern, durch den Einfluss von Energie und Masse, nach deren Regeln. Einsteins Formeln sind selbst für Experten nicht leicht zu verstehen. Aber Jeder kann es versuchen. Jahrzehnte nach seinem Tod entstand daraus das Universum der Elektronik.

Dessen Werkzeuge erreichen Wunderdinge, die vor zwanzig Jahren noch undenkbar waren. Die Datenmenge vervielfacht sich ständig, aber entscheidend sind die Auswertungsmethoden, mit ganz einfachen Ansätzen: Die Anzahl der Auffälligkeiten, ihre Häufigkeit, die geographischen Standorte. Datum und Uhrzeit. Daraus ergeben sich blitzschnell Ergebnisse. Ursachen. Lösungsmöglichkeiten. Präzise Prognosen. Überlebenswichtig ist das in der Ökonomie, die ganze Staaten arm und bewegungslos machen kann. Auf der Schule war das oft noch nicht einmal ein wichtiges Lehrfach, galt als trocken und langweilig. Doch solche Wissenslücken rächen sich brutal, im Berufsleben. Zu den „Gesetzen der Ökonomie“ gibt es hier mittlerweile 114 Artikel, zu finden auf dieser Seite ganz rechts. Schwerpunkte im Ausland sind Italien, Russland und China. Wer das genauer liest, versteht auch, warum.

Ursachenforschung ist das beste Medikament, nicht nur in der Medizin. Damit findet man Lösungen. Fenster in die Zukunft. Öffnen kann sie nicht Jeder, aber dafür werden bald, bisher unbekannte Computerprogramme sorgen, die Wissenslücken beseitigen und rechtzeitig Schaden verhindern.

Zufällig ist es in wenigen Minuten Mitternacht. Der erste November beginnt. Aber es wird nicht der letzte sein.

Die letzten Jahre im westfälischen Münster, bis Ende September 1987, begannen mit Händels Feuerwerksmusik, in der Aufnahme mit Leopold Stokowski. Hier kann man das hören:

https://www.youtube.com/watch?v=bWp-3DDoEf0

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