Open Lux

9.2.2021. Wer Geld spart, ist beliebt, vor Allem bei Erbschleichern und falschen Freunden. In die Opernhäuser gehen nicht nur Musikfreunde, sondern auch die Freunde teurer Garderoben, die teuren Anschluss suchen. Auch sonst schleicht die Habgier überall dort herum, wo Keiner damit rechnet, zum Beispiel bei Spendenvereinen, die nur dreißig Prozent ihrer Einnahmen begründen müssen. Das nennt man dann „Verwaltungsaufwand“ und ist schnell weg, aber gar nicht bei den Opfern, bei denen es niemals ankommt. Solche Fälle sind alltäglich, wenn man nur die Augen aufmacht. Die Spitzenspieler haben viele Mitspieler. Pech nur, wenn die Mitwisser herumplaudern.

Ganze Firmen sind durchdrungen von Arbeitsabläufen, die das fördern oder vertuschen. Jahresbilanzen müssen immer die Unterschriften von Wirtschaftsberatungsfirmen tragen, sonst werden sie vom Finanzamt nicht anerkannt, das dann die Betriebsprüfer losschickt.

Der neueste Schrei heißt OpenLux. Auf Deutsch: Offenes Luxemburg. Das kleine Land bietet viele Möglichkeiten zum Steuersparen an. Das war oft ganz geheim. Die Konkurrenz sollte nichts erfahren, und die Finanzämter auch nicht. Aber OpenLux hatte offene Lücken, die jetzt sehr bekannt werden. Denn die Süddeutsche Zeitung hat das zum Serienthema gemacht, so wie früher auch die Finanzverstecke in Panama oder unter den Kopfkissen in Millionärsvillen. Warum gibt es das eigentlich immer noch? Alle Finanzströme hinterlassen viele elektronische Spuren, und Viele können sogar mit ehrlichem Geld auch ganz gut leben. Dagegen gibt es jedoch drei Gründe: Schlechte Gewohnheiten, ein schlechter Charakter und große Erfolge.

Diese Mischung funktioniert nicht mehr allzu lange. Denn nachschauen kann nicht nur die Süddeutsche Zeitung, sondern im Prinzip Jeder, der Zugang zu vertraulichen Daten hat oder davon erfährt. Also kommt auch noch die Dummheit dazu, eines der größten Phänomene auf der Welt, weil es mit Beschränktheit zu tun hat. Keiner weiß Alles, aber ein paar Grundregeln schon. Hilfreich sind auch Netzwerke, die aber wie versteckte Spinnennetze entdeckt und zerrissen werden können. Dann landen sie im Sumpf und gehen dort unter. Häufige Merkmale sind Übertriebenheiten. Zu viel Freundlichkeit der Beteiligten, zu große Neugier und Einmischungsversuche.

Zu „OpenLux“ schreibt die „Süddeutsche“ wörtlich: „Heute ist Luxemburg eines der weltweit größten Investment-Zentren. Das ist zurückzuführen auf die Steuergesetze, die es Großkonzernen und vermögenden Menschen mit allerlei Tricks erlauben, ihre verheimlichten Milliardengewinne ins Steuerparadies Luxemburg zu verschieben.“ Die genauen Details kann Jeder selbst nachlesen. Es sind komplizierte, mehrfach verschachtelte Konstruktionen, bei denen ein normaler Mensch nicht durchblickt. So ist es ja auch, absichtlich aufgebaut, aber wer sich wirklich dafür interessiert, erkennt dann die ganzen Winkel und Hintertüren, dazu noch unbekannte Seitenwege. Also eine Fehlplanung von Anfang an, die noch viel Geld verschleudern und verbrennen wird, auf dem sicheren Weg ins Gefängnis und in den Bankrott. Haftpflichtversicherungen zahlen dafür nicht. Die Verursacher haften selbst, mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Aber zu diesem Irrgarten gibt es sogar noch Ergänzungen, weil die einzelnen Trümmerstücke noch ganz andere Formen haben. Am 18.12.20 erschien hier ein Artikel über das „WireCard“- Betrügersystem:

https://luft.mind-panorama.de/wirecard/

Das lief nur über den elektronischen Datenaustausch von Finanzdaten. Aber mit Methoden, die OpenLux nicht anwendete, weil das Gesamtgebiet zu groß war. Aber wer kann, hat manchmal auch unglaubliche Ideen, die lange funktioniert haben, weil die Verbindungsleitungen gut geschmiert waren.

Früher war das nichts Besonderes, kam aber auch heraus. Heute ist das Risiko viel höher, trotzdem gibt es immer noch neue Skandale. Aber vielleicht nur deshalb, weil sie schneller aufgedeckt werden. Früher habe ich täglich mehrere Zeitungen gelesen, aber das lohnt sich nicht, weil die Informationen überall zugänglich sind. Man muss sie nur bewerten, das Unwichtige vergessen und den Rest auswerten. Das ist ein eigener Beruf, nicht nur für Journalisten, auch für andere Experten. Aber die Ergebnisse sind noch zu lückenhaft. Auch das ist nur eine Frage der Zeit.

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