Pelleas im Nebelwald

20.11.2020, Claude Debussy hat einige bekannte Musikstücke geschrieben. Berühmt wurde er mit „Pelleas et Melisande“. Das ist schwer zugänglich, weil die Dirigenten oft damit gar nicht umgehen können. Dann klingt es – nach Nichts. Das gleiche Schicksal hatte zunächst auch Wagners „Tristan“, der alle bekannten musikalischen Grenzen zerbrach und steigerte. Die Wiener Staatsoper schickte deshalb die Partitur mit einem einzigen Wort zurück: „Unspielbar!.“ Das war es aber nicht. Die Münchner Uraufführung leitete glanzvoll Hans von Bülow, der erste Ehemann der späteren Cosima Wagner, in Gegenwart des Komponisten und des Märchenkönigs Ludwig II. Bis heute ist es das ungewohnteste, hoch bedeutende Werk des Komponisten, der damit die überlieferte Klangsprache völlig veränderte.

So ähnlich erging es auch Claude Debussy. Er mochte Wagners herausfordernden, lautstarken Musikstil nicht besonders, mit zwei Ausnahmen: Die Spätwerke Tristan und Parsifal. Das hört man auch, aber in einer ganz eigenen Form. Pelleas lebt nur von Andeutungen. Die stark emotionalen Violinen dominieren. Das ergibt geheimnisvolle Klangbilder. Andeutungen. Aufwallungen, die aufrauschen und wieder vergehen. Aber keine zündenden Schlager, zum Mitsingen. In Pelleas sind ganze Szenen hörenswert, aber sie tauchen auf und verschwinden wieder. So ist auch die Handlung. In einem düsteren Nebelwald des Landes Allemonde trifft der grobe Prinz Golaud eine schweigsame Frau, die auf Distanz zu ihm bleibt. Trotzdem nimmt er sie mit, auf das Schloss seines Vaters, des alten Königs Arkel, der nur noch in Andeutungen spricht. So wie auch der junge Knabe Yniold, der Alles mitbekommt, aber nichts davon versteht. Die Tragödie beginnt, als Pelleas auftaucht. Melisande verliebt sich in ihn. Der eifersüchtige Golaud spioniert ihnen wütend nuch, und später ermordet er seinen Halb-Bruder Pelleas. Das Stück endet nicht mit einer schweren Trauermusik, sondern mit verwehenden, melancholischen Orchesterfluten.

Die hörenswerteste Gesamtaufnahme leitete Ernest Ansermet 1952. mit Suzanne Danco und Pierre Mollet. Er traf genau den Ton zwischen impressionistischer Traurigkeit und unerfüllbarer Sehnsucht. Hier hört man einen kurzen Ausschnitt aus dem 5. Akt:

https://www.youtube.com/watch?v=cUT4er8ZbRI

Das sind Gipfelwerke des neunzehnten Jahrhunderts, aber schon weiter fortgeschritten, auf einem Übergang in das nächste Jahrhundert. Eine Steigerung gelang später noch Arnold Schönberg mit seinen „Gurreliedern“, Korngolds „Tote Stadt“, aber danach, nicht mehr so vollkommen, Richard Strauss. Er schuf zwar noch bombastische Klangwelten, aber verbreitete, trotz vieler hörenswerter Stellen, auch lärmende Banalitäten.

Verkannte Genies gab es immer. Geistige Meisterwerke sind zeitlos. Sie können abwarten, bis man sie versteht. Der griechische Denker Epiktet und der chinesische General Sun Tsu sind nur einer Minderheit bekannt. Epiktet diente einem reichen Herrn, zunächst auch als Sklave. Er fand solche Sätze wie „Dir gehört Nichts, außer dem, was du wirklich bist.“ Sun Tsu besiegte die Feinde seines Herrschers durch Strategie. Er studierte ihre Methoden, störte ihre Pläne.

Erst, wenn selbst das nicht mehr half, war er vorbereitet und griff zur Gewalt, die er als kostspielige Zeitverschwendung nicht liebte, weil sie einen Krieg endlos verlängern konnte und neuen Hass auslöste. Erst sein Urenkel Sun Bin, schrieb ein ähnliches Buch. Das war aber dann schon die Zeit der streitenden Reiche“, als der erste chinesische Kaiser Qin Shihuangdi (259 – 210 v. Chr.)das ganze Land mit Gewalt vereinigte.

Über ihn habe ich vorgestern folgenden Artikel geschrieben:

„Der erste chinesische Kaiser“

https://luft.mind-panorama.de/der-erste-chinesische-kaiser/

Vor über zweitausend Jahren gab es zwar noch keine moderne Militärtechnik. Aber herausragende Denker. Das übernehmen heute Computerprogramme, aber sie werden noch mit veralteten Methoden gefüttert. Das war schon oft auf dieser Webseite ein wichtiges Thema, scheint aber die Ausbilder der zukünftigen Berufskriminalisten nicht immer zu interessieren. Große, verstaubte Aktenschränke behindern die Sicht darauf, aber das wird sich ändern. Es gibt viele wirksame Methoden, wenn man sie sinnvoll anwendet, auch im Rahmen der garantierten Freiheitsrechte in unserem Grundgesetz: Meinungsfreiheit. Pressefreiheit. Schutz der Privatsphäre und des geistigen Eigentums (Urheberrecht).

Die steigenden Finanzprobleme des Staats erzwingen Einsparungen, aber die müssen nicht nur belasten. Bessere Arbeitsabläufe in allen Bereichen belasten Niemand, sondern sorgen für Erleichterungen. Leider wird das oft verhindert, aber auch das ist immer leichter zu erkennen.

.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.