Die Käfige am Prinzipalmarkt

11.9.2021. Das Zentrum von Münsters Altadt ist der Prinzipalmarkt, Das gemütliche  „Wohnzimmer“.  Prachtvolle Giebelhäuser und Arkaden aus dem 14. Jahrhundert. An der großen Turmuhr der Marktkirche Sankt Lamberti hängen drei leere, schwarze Stahlkäfige. Drinnen steckten die Überreste der Wiedertäufer, deren Anführer am 22.1.1536 vor dem nahen Rathaus hingerichtet wurden. Sie hatten den Bischof Franz von Waldeck gewaltsam vertrieben, aber er besiegte sie und ließ sie in Stücke reißen.

Ein zu heftiges, übertriebenes Urteil. Sich wehren und Widerstand leisten musste der Bischof durchaus, denn die Angreifer waren nicht nur Kirchenkritiker, sondern wollten die ganz Macht über die Stadt Münster an sich reißen. Andere Ketzer büßten nur für ihre eigene, gewaltfreie Meinung. Zu diesem Thema gibt es hier über 60 Artikel:

https://luft.mind-panorama.de/?s=ketzer&x=18&y=8 

Dazu gehört die Tragödie der Unschuldigen in Bamberg:

https://luft.mind-panorama.de/der-siegreiche-ketzer/ 

Zitat: „Friedrich Spee verlor die Geduld mit den Hexenprozessen, beim schrecklichen Fall der Stadträte in Bamberg. Sie wurden alle als Hexer falsch angeklagt und hingerichtet. Auslöser waren Verleumdungen und Gerüchte, durch ihre eigenen Mitbürger. Das ZDF widmete der Hexenverfolgung in Bamberg den Film „Seelen im Feuer“. Der Bayerische Rundfunk schrieb dazu: „In Bamberg wütete der Hexenwahn besonders heftig. Viele Dokumente der Verfolgungswelle sind im Original erhalten. So konnte genau rekonstruiert werden, wie die Verfolgungen, Verhöre und Verbrennungen abliefen. Egal, wie die Anschuldigungen lauten: Am Ende gestehen die Opfer eigentlich immer. Unter Folter geben die Menschen zu, das Wetter verhext, Kinder ermordet oder Sex mit dem Teufel gehabt zu haben. Begnadigungen gab es selten. Und auch das bedeutete meist die Enthauptung der Angeklagten. In Bamberg starben in der Verfolgungswelle bis 1632 etwa 1.000 vermeintliche Hexen und Magier. Das ist fast jeder zehnte Bewohner. Hunderte unschuldiger Menschen landen auf dem Scheiterhaufen.“

Über den Fall von Giordano Bruno (1549 – 1600) schrieb ich hier am 13.8.21, unter dem Titel „Der Sternenring“: „Was hatte Giordano Bruno falsch gemacht? Er schrieb Bücher gegen die allein herrschende Idee  einer  geozentrischen Welt, in der nur die Erde der einzige Mittelpunkt ist. Bruno jedoch glaubte, dass in einer materiell unendlichen Welt überhaupt kein Raum für ein Jenseits ist und dass  deren ewige Existenz  sogar ein Jüngstes Gericht  ausschließt. Er wurde deshalb von der kirchlichen Inquisition bedroht und verfolgt, flüchtete deshalb durch ganz Europa, wurde in Venedig verraten und starb dann als verurteilter Ketzer auf dem Schiterhaufen.“

Als ihm sein Todesurteil überreicht wurde, sagte Bruno zu den Richtern: „Ihr sprecht das Urteil mit größerer Furcht als ich es empfange.“

Aktuell sind gedankliche Querverbindugen zum radikalen Extremismus der Gegenwart, der am heutigen 11. September, ein schreckliches Datum hat: Vor zwanzig Jahren wurden die beiden, von Angestellten voll besetzten  Büro-Doppeltürme der beiden Twin Towers in New York von entführten Passagierflugzeugen zerstört. Zu einem Besucher sagte ich damals: „Jetzt beginnt der Dritte Weltkrieg.“ Aber nicht mehr mit den alten, traditionellen Methoden, sondern mit den neuesten Waffen der Technik. Und das hat noch immer kein Ende gefunden. Aber etwas ganz Neues ist passiert: Die neue Regierung in Afghanistan gilt als radikal und ist schon längst ein Ziel von internationalen Fahndungsplakaten.

Trotzdem reden die deutschen und amerikanischen Regierungen jetzt gründlich mit den neuen Machthabern, um der Bevölkerung zu helfen. Jedes ernstgemeinte Gespräch ist mächtiger als Menschenjagden.

Am 10.8.21 habe ich dazu einen Kommentar geschrieben. „Lichtgott Avner“ :

https://luft.mind-panorama.de/lichtgott-avner/ 

Zitat: „„Zu den Grundrechten eines Terror-Verdächigen gehört auch das Recht auf den sofortigen Kontakt mit einem Rechtsanwalt, die vollständige Mitteilung aller Verdachtsgründe, damit ihre Richtigkeit überprüft werden kann, also auch die frei erfundenen Lügen von falschen Zeugen, Denunzianten oder habgierigen Erbschleichern. Genau deshalb ist es, ausnahmlos, genau vorgeschrieben: Die Behandlung jedes einzelnen Betroffenen, wie einen Unschuldigen, bis zu einem späteren rechtskräftigen Urteil, in allen Instanzen. Wie viele Fehler dabei trotzdem passieren, ist hier ein praktisches Dauerthema. Denn selbst, jahrelang ausgebildete Mitarbeiter, bekommen auch Aufgaben, bei denen sie schwere Wissenslücken haben oder nur oberflächlich hinschauen.“

Der heutige Gedenktag ist auch ein Grund, um über solche Fakten nachzudenken.

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